SaschaSalamander

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Jugend

Alleine das Vorwort

rhue_asphalt_150_1.jpgBald gehen die Ferien los, meine Schülerin hat Nachhilfe auch während dieser Zeit, und jetzt die letzten Wochen ist in der Schule kein neuer Stoff. Da möchte ich es also etwas lockerer angehen mit einer für sie spannenden Lektüre. In der Bib griff ich ein paar Bücher, die ihr gefallen könnten. Fantasy, Abenteuer, das ist nicht so ihr Ding. Dafür mag sie sehr die authentischen Geschichten von was auch immer. Authentische Erzählungen oder zumindest Geschichten, die wahr sein könnten, um Jugendliche und deren Probleme im Alltag oder in besonderen Lebenslagen.

Ich habe knapp acht oder neun Bücher geschnappt, die ich heute mit ihr mal durchging. Klappentexte studiert, Schreibstile verglichen, Inhalt überflogen. Und von allen Büchern gab es eines, das ganz klar aus der Masse hervorstach. Da ich weiß, wie "wählerisch" die Schülerin ist, achtete ich nur auf den Inhalt, auf nichts weiter. Aber was auch zählt, sind natürlich die Verständlichkeit der Sprache, und vor allem auch, ob das Buch bewegt und zum Weiterlesen anregt. Erst, als wir uns eindeutig entschieden hatten, fiel mein Blick auf den Autor. Morton Rhue. Hätte ich das vorher gesehen, hätte ich alle anderen Bücher zu Hause lassen können! Morton Ruhe, Autor von "die Welle", "Boot Camp" und "Ich knall Euch alle ab". Seine Bücher bewegen Jugendliche überall auf der Welt. Und gibt es eigentlich einen Erwachsenen, der "die Welle" noch nicht gelesen hat und davon begeistert, aber auch erschüttert war?

Um in die Sprache reinzukommen, lasen wir die ersten Seiten, und wir waren bereits eifrigst am Diskutieren. Auch ich war begeistert und gefesselt. Und das alleine vom Vorwort! Außerdem bin ich mächtig stolz auf "meine Kleine". Letztes Jahr lasen wir ein Buch Deutsch-Englisch mit einfacher Sprache extra für Schüler zum Lernen, später hörten wir einen Deutsch-Englischen Jugendroman (Hören ist schwerer als Lesen), und jetzt lesen wir gemeinsam ein komplett englisches Buch eines amerikanischen Autoren, geschrieben für Muttersprachler.

"Asphalt Tribe" beschreibt das Leben einiger Kinder auf der Straße. Ich weiß selbst noch nichts Genaueres, aber das wird sich bald ändern. Wie gesagt, bisher nur das Vorwort. Es handelte in flüssigem Stil davon, weshalb Jugendliche von zu Hause ausreißen oder wieso sie von ihren Eltern hinausgeworfen werden. Wie sie sich auf der Straße durchkämpfen mit Prostitution und Drogen, dem allgegenwärtigen Risiko von HIV und ohne Hoffnung auf eine Zukunft. Vier Seiten, nur ein einfaches Vorwort, aber mein Mädel war erschüttert, und auch mir wurde dieses Thema, das ich in der Schule wie auch während meines Studiums immer wieder gehört hatte, wieder sehr deutlich nahegebracht. Wie gut mag dann erst das Buch sein ...

Bald werde ich Euch mehr darüber erzählen ... oder vielleicht habt Ihr es schon gelesen und möchtet mir darüber berichten? ;-)

SaschaSalamander 03.07.2008, 18.16 | (0/0) Kommentare | PL

Bibbi Bokkens magische Bibliothek

gaarder_bibbibokken_150_1.jpgJostein Gaarder dürfte allen Lesern hier bekannt sein durch das Buch "Sofies Welt", welches eine Art Sachbuch zur Philosophie in Romanform ist. Klaus Hagerup ist Osloer Regisseur sowie Autor von Jugendromanen und Hörbüchern. Beide gemeinsam verfassten das Jugendbuch "Bibbi Bokkens magische Bibliothek". Der Titel ließ mir keine Wahl, als das Buch zu lesen, denn Geheimnisse sind spannend, Bibliotheken und alles mit Büchern sowieso. Zudem erinnert mich der Name Bibbi Bokken natürlich an Karl Konrad Koreander, Bastian Balthasar Bux, >Thaddäus Tillmann Trutz<. Und somit natürlich an Sara Salamander) ... quasi an all das, was Bücher und Literatur für mich bedeuten ...

Nils und seine Cousine Berit verbringen einen gemeinsamen Urlaub, verewigen sich mit einem netten kleinen Gedicht im Gästebuch und müssen sich dann wieder trennen. Doch sie beschließen, ein Brieftagebuch zu führen, welches sie sich gegenseitig zusenden und weiterführen. Schon beim Kauf des Buches begegnet Nils einer seltsamen Frau, was er auch in seinen Brief an die Cousine einbaut. Und Berit findet einen Brief, welcher an eine Bibbi Bokken gerichtet ist und dessen Inhalt äußerst mysteriös erscheint. Die beiden malen sich in ihren Briefen aus, was es mit dieser seltsamen Frau, die sich als ebendiese Bibbi Bokken herausstellt, auf sich hat. Mal märchenhaft, mal schaurig gehen sie die Sache an, mal witzig, mal düster. Und es hat den Anschein, als stecke mehr dahinter als nur ein kleines unterhaltsames Spiel zwischen den beiden Jugendlichen. Denn ein schmieriger Mann versucht das Briefbuch mit Gewalt an sich zu bringen, und rätselhafte Hinweise führen Nils und Berit auf die Spur zu Bibbi Bokkens magischer Bibliothek.

Und wieder ein Briefroman. Schon früher mit Inbrunst gelesen (Leiden des jungen Werther) und heute (>Gut gegen Nordwind<) so beliebt wie damals. Der erste Teil des Buches ist ein Briefwechsel zwischen den beiden Protagonisten. Witzig zu lesen oder hören, das auf jeden Fall. Die Handlung hochspannend und so richtig fesselnd. Der zweite Teil dann eine aktuelle Beschreibung abwechselnd von Nils und Berit über das aktuelle Geschehen. Der Schreibstil selbst ... nun, ich möchte es nicht näher ausführen, mir persönlich ist er zu trocken, und ich kann mit Gaarder wenig anfangen, auch wenn Fans von "Sofies Welt" mir da wohl heftig widersprechen mögen (auch diesen Roman habe ich eher überflogen denn verschlungen, so spannend ich die Geschichte auch fand).

Die Handlung ist recht mitreißend, und es gibt immer wieder ein paar nette Cliffhanger, wie es eben bei gewechselten Briefen so üblich ist: man will unbedingt die Antwort auf diese oder jene Frage, und man will natürlich wissen, was aus einer geplanten Aktion wurde. Allerdings hatte ich gleich zu Beginn des Buches die Befürchtung, dass das Ende sich ähnlich wie Sofies Welt entpuppen könnte, und dass ... nun, nicht identlisch, aber in der Grundidee sehr ähnlich, das fand ich schade. An sich eine großartige Idee des Autors, aber großartige Ideen darf man nicht zweimal hintereinander anwenden, das wird langweilig ... zumindest für Vielleser wie mich, die sich Inhalt, Aufbau und Besonderheiten einer Geschichte auch über Jahre hinweg einprägen können ...

nebenbei erfährt der Leser so einiges über Bibliotheken, Katalogisierungssysteme, einige Autoren, bekannte Titel, das Schreiben von Literatur und vieles mehr rund um Bücher. Wie Sofies Welt ein Buch über die Philosophie ist, vermittelt "Bibbi Bokkens magische Bibliothek" einige interessante Informationen rund um Bücher. Eine Art Trivia in diesem Fall, das auch Erwachsene bestimmt interessiert und fasziniert.

Ich kann das Buch auf jeden Fall uneingeschränkt empfehlen, eine wirklich zauberhafte Geschichte für Groß und Klein. Und wer wie ich nicht allzu viel mit Gaarders Schreibstil anfangen kann, der sollte sich zumindest auf jeden Fall das Hörbuch vornehmen (meisterlich gesprochen von Philipp Scheppmann und Beate Himmelstoß). Doch, ein Titel, den man unbedingt gelesen oder gehört haben sollte!

SaschaSalamander 09.05.2008, 10.07 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Gute Nacht Zuckerpüppchen

hassenmueller_zuckerpueppchen_150.jpgEs ist die Zeit nach Kriegsende. Gaby und ihr Bruder Achim leben zusammen mit der Mutter, ihr Vater starb auf dem Feld. Da klingelt eines Tages ein Fremder an der Tür, er sei ein Kamerad des Vaters, und der Vater habe ihn gebeten, sich um die Familie zu kümmern. Bald heiratet er die Mutter, und für die Kinder beginnt eine schlimme Zeit. Achim sei verweichlicht, er solle ein richtiger Mann werden, er muss die schweren Kohlen schleppen und sich morgens eiskalt waschen. Gaby dagegen ist "Pappis", wie sie ihn nun nennen müssen, Zuckerpüppchen. Er erzählt ihr Geschichten, spielt mir ihr und ... beginnt sie zu missbrauchen. Die Mutter hat es schwer, und Gaby kann sich ihr nicht anvertrauen, sie weiß, dass sie ihr nicht glauben würde. Außerdem sagt Pappi, dass Gabi dann ins Heim müsse. Als Mutter erfährt, dass ihr Mann ein  14jähriges Nachbarmädchen geschwängert hat, begeht sie einen Selbstmordversuch. Und Gaby fühlt, dass sie ganz alleine ist mit ihrer Angst ...

Das Buch ist schrecklich. Ein Jugendbuch, mag sein, aber ich denke, auch und erst recht für Erwachsene. Ich hatte einen derart dicken Kloß im Hals, und doch konnte ich es nicht weglegen. Von der ersten Seite an ist der Leser von dem einfachen, eindringlichen und ergreifenden Schreibstil gefesselt. Die Beschreibungen sind der Zielgruppe entsprechend gehalten, und doch sind die Bilder so klar vor Augen, dass das Atmen schwerfällt. Man fiebert mit Gaby, wenn die Zimmertür aufgeht und sie sich fürchtet, und man leidet mit ihr, wenn der Stiefvater eifersüchtig ihre Treffen und Termine überwacht. Ständig möchte man schreien "sag doch was", vor allem, wenn der freundliche Arzt oder die engagierte Lehrerin mit ihr reden. Doch leider ist das Buch sehr real. Und die Täter wissen, wie man Kinder zum Schweigen bringen kann. Und aus den Kindern werden junge Frauen, und die Scham wächst, die Angst wird ein ständiger Begleiter.

Am Ende des Romanes sind ein paar Seiten Information. Ich finde das gerade für die Jugendlichen, die diesen Roman lesen, sehr wichtig. Näheres darüber, wie Fälle von Missbrauch ablaufen, beschrieben anhand von Beispielen aus der Geschichte um Gaby. Anlaufstellen für Betroffene sind genannt.

Ich halte es für sehr wichtig, dass die jugendlichen Leser danach mit Freunden oder Verwandten über dieses Buch reden, denn es muss verarbeitet werden. Keine Lektüre, die man schnell mal so nebenbei lesen kann und dann weglegt und es vergisst ...

"Gute Nacht, Zuckerpüppchen" hat zu Recht den Buxtehuder Bullen als Jugendbuch 1989 verdient. Es ist ein Buch, das man, finde ich, auf jeden Fall gelesen haben sollte, ob Jugendlicher oder Erwachsener. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst ...

SaschaSalamander 05.05.2008, 18.02 | (0/0) Kommentare | PL

Die Nacht der Zaubertiere

koontz_zaubertiere02_150_1.jpgAls ich das Buch damals mit etwa 15 Jahren in den Händen hielt, war ich begeistert. Genau das, was ich gerne las (und auch heute noch gerne lese). Koontz war mir kein Begriff, das Horrorgenre noch weitigehend fremd. Aber für Fantasy war ich schon immer zu haben. Und dieses Buch sah aus wie ein MUSS!

Der alte Spielzeugmacher Vater Isaak stirbt. Und nun soll seine Fabrik der lebenden Zaubertiere an den nächsten übergeben werden. Doch Vater Isaak starb zu früh, und nun ist es die Aufgabe der verzauberten Stofftiere, allen voran der mutige Teddybär Amos, Martha Miller in der Stadt aufzusuchen und ihr von dem geheimnisvollen Laden mit seinen lebenden Spielzeugen zu erzählen und ihr die Nachfolge zu übergeben. Die Zeit arbeitet gegen die sechs mutigen Helden, und getrieben von böser Energie strebt bereits der frisch aus der Haft entlassene Zacharias Zack auf das alte Haus zu, um die Firma zu übernehmen und grausames, bösartiges Spielzeug zu erschaffen. Können die freundlichen Tiere rechtzeitig Martha auffinden und den Kampf gegen das Böse gewinnen?

Ach, wirklich süß. Ein Kinder- und Jugendbuch, absolut kein Horror. Leider hat das Buch im Internet ziemlich viele schlechte Bewertungen bekommen, weil die Leser als Fans von Koontz natürlich etwas anderes erwartet hatten. Und statt dessen erhielten sie - ein niedliches Fantasyabenteuer ohne spannende Wendungen. Es ist einfach ein nettes Märchen, dessen Ausgang bereits klar ist. Eben ein wunderschönes Vorlesebuch für ältere Kinder. Es gibt einige "schaurige" Elemente, etwa den hässlichen "Jack in the Box" Schratz oder die gemeine Hornisse, je nach Alter und Erfahrungsstand werden die Kinder aber problemlos damit umgehen können (manche Grimms-Märchen sind grausiger, finde ich).

Das Buch hat mich damals nicht mehr losgelassen, und ich mochte die Figuren alle sehr. Den tapferen Bären Amos (der immer jawollja sagt, das habe ich mir von ihm angewöhnt und bis heute beibehalten *hihi*), den weisen "Alten", den frechen Hasen Hupf, den etwas realitätsfremden Elefanten Einstein, die sanfte Hündin Karamell und der eitle gestiefelte Kater.

Und was ich diesem Buch ganz besonders zugute halte: ich hatte es im Urlaub dabei, als ich auch meine Schwester traf, etwas jünger als ich. Sie war damals nicht wirklich eine Leseratte, Bücher hatte sie immer bewusst ignoriert. Aber ich habe ihr solange von dem Buch erzählt, bis sie es dann doch einmal in die Hand nahm. Und nicht mehr weglegen konnte, bis sie es fertiggelesen hatte! Und seitdem nahm sie öfters mal ein Buch in die Hand, bevorzugt Dark Fantasy oder später dann auch Horror. Ich frage mich manchmal, ob sie sich ebenso an dieses Buch erinnert wie ich, war es doch für ihre Verhältnisse das erste wirklich richtige Buch?

Erwachsene Leser, die es komplexe Geschichten lieben und auch in der Fantasy gerne reifere Elemente haben, werden wohl recht enttäuscht sein. Aber junggebliebene Leser und Freunde einfacher, fantasiereicher und witziger Märchen müssen dieses Buch einfach lieben, jawollja! ;-)

SaschaSalamander 30.04.2008, 10.37 | (0/0) Kommentare | PL

Ich bin verzaubert

koontz_zaubertiere_150_1.jpgMomentan lese ich "die Nacht der Zaubertiere" von Dean R. Koontz. Eigentlich ja ein Horrorautor, aber hier hat er mal einen Abstecher in die Kinder- und Jugendecke gemacht. Einen wirklich gelungenen, möchte ich sagen. Bin froh, dass ich Koontz damals noch nicht kannte, sonst hätte ich das Buch nicht gelesen, denn Horror hin oder her, mag ich ihn ansonsten nicht sonderlich.

Aber DIESES Buch hier, ach, das musste sein. Ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf, und wenn ich ein Buch nach 15 Jahren noch immer in den Gehirnwindungen mit mir herumtrage, dann muss ich es irgendwann einfach noch einmal lesen *nick*. Heute finde ich die Sprache etwas seltsam, frage mich, was die Übersetzerin da nur angestellt hat (oder war es der Autor?), aber das Buch selbst ist noch immer so schön wie damals, ...

ich bin verzaubert!

SaschaSalamander 24.04.2008, 15.07 | (0/0) Kommentare | PL

Wunderschöne Bilder

zusak_buecherdiebin_150_1.jpgDie Bücherdiebin lese ich nun schon seit einiger Zeit. Ein wunderschönes Buch, aber ich kann nicht zuviel davon auf einmal lesen. Habe erst ein knappes Sechstel davon beendet. Es handelt von Kriegszeiten, und auch, wenn es nicht voller Gewalt und Angst ist, muss ich bei Krieg vorsichtig sein. So etwas beschert mir Albträume. Und dazu kommt, dass die Sprache wunderschön ist. Aber sehr intensiv, sehr bildhaft. Würde ich zuviel auf einmal davon lesen, würden die Worte nicht mehr wirken. Vor allem sehr viel Personifizierungen sind es. Das Buch wird erzählt aus der Perspektive des Todes, und er haucht mit seiner Sprache auch den unbelebten Dingen Leben ein. Eine sehr gute Idee. Aber auf Dauer auch ein wenig anstrengend. Unten ein paar Beispiele.

Jedenfalls finde ich das Buch sehr schön. Ich sehe die Figuren gut vor mir, kann mich sehr gut in sie hineinversetzen, habe meine Charaktere bereits liebgewonnen, fiebere mit ihnen. Es gibt sehr viele Exkurse zu anderen Leuten, die entweder nur so kurz beleuchtet werden oder vielleicht später noch wichtig werden könnten. Egal, es ist nett zu lesen. Aber durch die vielen Wechsel von einer Person zur nächsten fehlen auch die Cliffhanger, die bei anderen Büchern dazu verleiten, "nur noch eine Seite", "nur noch ein Kapitel" zu lesen.

Die Worte trotteten aus ihr heraus.
Das Flugzeug hustete noch. Rauch trat aus seiner Lunge.
Die Leiche verharrte, hartnäckig und still.
Das Echo folgte ihm die Straße entlang.
Die Worte fielen vom Bett und ergossen sich auf den Boden.

SaschaSalamander 08.04.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

Nicht hochwertig aber hochspannend

horowitz_tore01_150_1.jpgDie arme Unschuld mit ihrer Übelkeit gabs leider nicht in der Bücherei. Schade aber auch. Ich hab mich jetzt also mal wieder an etwas anderem bedient. Diesmal "die fünf Tore" von Anthony Horowitz. Horowitz ist Jugendbuchautor, bekannt durch Stormbreaker. Den werd ich auch noch lesen irgendwann, aber momentan sind "die fünf Tore" angesagt, Teil 1 Todeskreis.

Kein überragendes Beispiel literarischer Kunst. Aber flüssig für nebenbei, Jugendliteratur im Stil der Hohlbein-Family. Ich schätze, ich werde Teil 2 und 3 ziemlich rasch in Folge hören wollen.

Manchmal denke ich, ich sollte mal wieder was "Vernünftiges" lesen, irgendwie schon arg viel FastFood in letzter Zeit, ich könnte mal wieder etwas anderes gebrauchen. Etwas mit Tiefgang, das meinen Geist fordert, statt nebenbei so nett zu plätschern. Aber bin grad so faul ...

SaschaSalamander 07.03.2008, 21.46 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Der Bund der Wölfe

blazon_woelfe_150.jpgBlanka ist neu an der Europa-Schule, hat sich ihr Stipendium hart verdient, und sie will es durchstehen. Auch, wenn ihre Mutter dagegen ist, auch wenn bereits am ersten Tag die Schülerverbindung "die Wölfe" es ihr schwermacht und droht. Sie ist Einzelgängerin, und sie vertraut niemandem, doch recht schnell muss sie erkennen, dass seltsame Dinge an dieser Schule vorgehen und sie alleine nicht dagegen angehen kann. Sind die Wölfe wirklich nicht mehr als nur eine Schülerverbindung? Ist die junge Frau am Fuße der Treppe wirklich nur gestürzt? Warum wollen die Wölfe sie von der Schule vertreiben?

Wirklich klasse, wie Nina Blazon (Woran-Saga; Spiegel der Königin) diesen Jugendthriller umgesetzt hat. Ein wenig Internat, ein wenig Erwachsenwerden, ein wenig Mysterium, ein kleiner Unfall oder Mord, ein paar seltsame Vorfälle und dann auf einmal eine packende Jagd und ein überraschendes Ende. Anfangs ein wenig zäh, aber wenn man darüber hinweg ist, wirklich eine spitzen Mischung, die die Autorin hier für die Kids zu Papier gebracht hat ...

Es ist kein Ausnahmebuch, kein "muss man gelesen haben", aber auf jeden Fall wirklich gut gemacht. Was es noch braucht, um in die Top Liga zu gehören? Hm, die Charaktere sind prima erdacht, könnten aber ein wenig Tiefgang vertragen. Sie wirken stellenweise ein wenig stereotyp. Es ist zwar alles erklärt, die Beweggründe sind klar, doch trotzdem kommt es noch etwas hölzern beim Leser an. Aber darüber kann ich gut hinwegsehen, denn die Handlung ist wirklich vorbildlich aufgebaut:

Einstieg in die Schule, sofort am ersten Tag ein seltsames Erlebnis und eine Leiche, dann das Einfinden in den Alltag, und so nach und nach immer mehr kleine Puzzleteile, welche die Spannung bis zum Ende hin ansteigen lassen. Dann das furiose Finale. Wie aus dem Lehrbuch.

Für Erwachsene ist das Buch wohl etwas zu flach, aber für Jugendliche werden auf jeden Fall begeistert sein und sich rasch mit Blanka, Catlin, Jan und Niklas anfreunden. Prädikat: Lesenswert ;-)

SaschaSalamander 14.12.2007, 10.54 | (0/0) Kommentare | PL

Beast

kennen_beast_150.jpgZur Abwechslung mal wieder ein Jugendbuch in den Player gelegt, und schon konnte ich den Sonntag über nichts anderes mehr tun als nur zu hören und zu hören, es war so spannend! Nach ein paar Tagen "dahindümpeln" in Sachen Lesen tut so ein Tag, an dem ich mir ein komplettes Buch am Stück genehmige, so richtig gut!

Stephen ist ein 17jähriger, der es nicht leicht hat. Keine wirklich tolle Kindheit bei seinen Eltern, dann verließ sie der Vater, und so kam er vom Heim in die Pflegefamilie der Reynolds, wo er jetzt lebt. Und alle legen ihm Steine in den Weg, die Obergöre Carol, seine Pflegeschwester, lässt ihn bereits in den ersten zehn Minuten seiner Anwesenheit im Hause Reynold so richtig auflaufen und als Dieb dastehen. Auch sonst, wannimmer etwas geschieht, ER trägt die Schuld, und er kann noch sosehr erklären, dass er nichts damit zu tun hat. Einem Jugendlichen wie ihm kann man nicht trauen. Einem, der schon mit Acht Autos knackte, der Mitschüler erpresste und auch sonst nicht gerade ein Chorknabe ist. In vier Wochen wird Stephen 18, und bis dahin muss er ausziehen und in das St. Max Heim. Eine billige Absteige mit lauter abgewreckten Typen, wo er nur mit Messer unter dem Kopfkissen schlafen kann. Er hat keine Chance ... und trotzdem strampelt er nach Leibeskräften, um irgendwie aus diesem Sumpf herauszukommen.

Zu allem Übel gibt es da noch "den Kleinen", "das Monster", "das Biest", "das Ungetüm". Wer oder was dieses Wesen ist, erfährt der Leser erst später. Doch keine Allegorie, keine methaphorische Gestaltwerdung seines inneren Schweinehunds, sondern ein durchaus reales und gefährliches Tier, das Stephen zu pflegen hat. Es kam wie üblich: jemand drückte ihm die Verantwortung aufs Auge, und was er nun damit anfängt, keiner half ihm, niemand kümmerte sich darum, und nun hat er Ärger an der Backe. Schweinehälften frisst dieses Biest, und die muss Stephen unauffällig zerlegen und transportieren, keine leichte Aufgabe ... aber das Biest wird immer größer, immer gefährlicher, und der Junge weiß, dass ihm nur eine Wahl hat: er muss das Biest töten, bevor es ausbricht und eine Gefahr für die Menschen wird ...

Wow, das Buch hat mich beeindruckt! Es ist in der Ich-Form aus Sicht des Jungen erzählt, und man kann sich vom ersten Moment an großartig in die ganze Szenerie hineinversetzen. Er beginnt eiskalt: "Hier eine Liste der zehn schlimmsten Dinge, die ich in meinem Leben gemacht habe". Und dann beginnt er. Teils witzig formuliert, teils wirklich derb und ganz schön heftig. Man merkt: der Kerl hat es faustdick hinter den Ohren. Brandstiftung, Diebstahl, Erpressung und derlei. Manches davon Unfälle, wie etwa die drei abgebrannten Klassenzimmer, als er eigentlich nur den Müllcontainer ein wenig anfackeln wollte, aber Brandstiftung ist Brandstiftung.

Stephen tut einem im Laufe des Buches immer mehr leid. Anfangs mag er ja noch cool und lässig daherkommen, doch je besser man ihn kennenlernt, desto mehr stellt man fest, wieviel Potential in ihm steckt und was eigentlich aus ihm hätte werden können, wenn er doch nur eine Chance im Leben bekommen hätte. Er ist es, der Verantwortung bei der Party zeigt, als überall Kerzen brennen, als die Kids am Klebstoff schnüffeln und als einer der Gäste dringend Hilfe braucht. Sein Umgang mit dem Biest lässt erahnen, dass er wirklich bereit ist, sich um andere zu kümmern, ihm aufgetragene Lasten nicht einfach abzuschütteln, sondern seine Aufgaben auch ernst zu nehmen. Manchmal scheint er der Vernünftigste und Anständigste unter all den Jugendlichen, wenn da nicht eben all die Dinge wären, die er getan hat. Und das, was er noch zu tun gedenkt: nämlich Mord. Mord an seinem Biest. Darf er das Biest töten, wenn es doch darum geht, soviele Menschenleben zu schützen? Er hat niemanden, an den er sich wenden kann mit seinen Fragen, und als er sich aufrafft, seinem Vater davon zu erzählen, wird alles noch schlimmer, ...

Sosehr bangt man mit Stephen, wünscht ihm alles Gute für den Job in der Fleischfabrik, später dann bei Eric dem Schlosser, und wenn er aus den besten Motiven heraus wieder genau das Falsche tun möchte, würde man am liebsten eingreifen und ihm zurufen, dass er doch mit Jimmy reden soll, oder zur Polizei gehen, oder zu Mindy ... (faszinierend übrigens: dieses Gefühl hatte ich beim Lesen oft, und auch in einer anderen Rezension stieß ich darauf. Ging also nicht nur mir so) ...

Für Jugendliche ab 13 Jahren, aber auch für Erwachsene, weil es die Sichtweise eines Heranwachsenden wirklich gekonnt darstellt. Seine Wünsche, Träume, Hoffnungen, Ängste, Aggressionen. Die Probleme, mit denen er im Alltag konfrontiert wird. Ein großartiger Roman vom Erwachsenwerden ...

SaschaSalamander 19.11.2007, 19.23 | (0/0) Kommentare | PL

Treffpunkt Tatort

wolf_tatort01_150.jpgMensch, mir läuft es kalt den Rücken herunter, wenn ich sowas lese / höre! Ich frage mich, ob ich damals einfach Glück hatte, dass es so etwas an meiner Schule nicht gab, oder ob ich es nur nicht sah? Immer mehr hört man in den Medien von Gewaltvideos, von brutalen Kids, und so weiter ... aber momentan muss ich wirklich heftig schlucken ... das ist echt herb, was man hier liest ...

Tatort-Autor (jau, der für die Filme) Klaus Peter Wolf schreibt unter anderem auch Kinderbücher, diese ebenso spannend wie die Kost für Erwachsene. Und es gibt eine neue Reihe, die sich "Treffpunkt Tatort" nennt, zwei Hörbucher bzw drei Bücher sind bereits erschienen. Das erste handelt von einem Jungen, der vom Schuldach springt und wohl Selbstmord begehen will. Doch seine Klassenkameraden "ermitteln" (es wirkt nicht wie platte Kiddie-Detektive a la TKKG, sondern wirklich großartig, es könnten wirklich die Kids von nebenan sein, sehr realistisch, auch wenn es "nur" Kinder sind) und finden heraus, was bei dem Jungen zu Hause passiert ... und im zweiten Band werden die Freunde darauf aufmerksam, dass es an der Schule wohl sogennante Sklaven geben muss, die von ihren Herren dazu gebracht werden, Dinge zu tun, die sie niemals sonst tun würden. Beschämende Dinge. Aber auch illegale Dinge. Dinge, die lebensgefährlich sind. Wie ist es möglich, dass niemand etwas nach außen dringen lässt, und wie können sie herausfinden, wie man diesen Kreislauf durchbricht?

Eine ganze Rezension möchte ich nicht schreiben, aber ich will Euch die Bücher zumindest auf diese Weise kurz vorstellen. Oh Mann, der erste Band war schon ziemlich schlimm, es tat weh. Mh, okay, ich sehe es mal nicht als Spoiler, weil es dem Leser recht schnell klar ist, was vor sich geht. Außerdem ist es ein wichtiges Thema, das diskutiert werden sollte. Die Mutter des Jungen ist krank, sie wird manchmal gewalttätig gegen ihren Sohn, und dieser versucht natürlich alles, sie zu schützen und es ihr recht zu machen, ihr keinen Anlass für Prügel zu geben. Das tat so weh zu hören, es war so real beschrieben. Der Autor weiß, wie Kinder ticken, er kennt um die Mechanismen die wirken ... und im zweiten Teil nun noch heftiger. Ein ständiger Kreislauf. Ein Fünftklässer wurde gezwungen, ein Video zu drehen, mit dem der Erpresser ihn in der Hand hat: das Auto des Lehrers mit der Brechstange zerstören. Und dann verlangt der Erpresser immer weitere Taten, die er filmt und natürlich an Klassenkameraden verteilt: von einer Brücke auf andere pinkeln (und danach verprügelt werden), Bauchklatscher vom Zehnerturm mit über den Kopf gezogener Badehose, Diebstähle und andere Sachen. Um ihrem kleinen Bruder zu helfen, will seine Schwester ein Gespräch mit dem Erpresser, und dieser akzeptiert nur eines: sie soll an die Stelle ihres Bruders treten.

Natürlich denkt man sich als Erwachsener "na, die sollen zur Polizei gehen" oder "mensch, warum sagt keiner das dem Lehrer", aber ... so einfach ist es nicht, und warum, das wird großartig dargestellt. Ich musste jetzt beim Hören eine Pause machen, um hier zu tippen. Es ist zu intensiv. Wenn ich sowas lese, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter! Naja, es ist immer noch ein Kinderbuch, das heißt, es ist auch für Kids von 13 oder 14 sehr gut lesbar und sogar als Klassenlektüre geeignet oder für sonstige Lesemuffel.wolf_tatort02_150.jpg Trotzdem, mir ist unwohl ...

Manchmal fühlt man sich einfach nur hilflos ... ob man nun erfährt, dass es in anderen Ländern Sitte ist, Mädchen zu beschneiden, ob man erfährt, dass Schüler sich bekämpfen, ob man von Folter und Missbrauch im Fernsehen sieht, es gibt so grausame Dinge ... und man kann selbst nichts dagegen tun ... solche Bücher finde ich schlimmer als irgendwelche Horrorromane ... klar, die Romane von Klaus Peter Wolf sind Fiktion, aber wer weiß, ob nicht an irgendeiner Schule hier exakt genau dies gerade jetzt passiert?

SaschaSalamander 15.10.2007, 17.17 | (0/0) Kommentare | PL

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