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Tag: Historisch

Minik - an den Quellen der Nacht

isau_minik_150_1.jpgIch habe "Minik - an den Quellen der Nacht" von Ralf Isau begonnen vor einiger Zeit. Eine Rezension werde ich nicht schreiben, denn leider hat mich dieses Buch nicht sosehr angesprochen. Isau hat sich mal auf ein ganz anderes Gebiet gewagt, das finde ich super. Und ich finde, er hat seine Sache prima gemacht. Es gibt nichts an dem Buch auszusetzen. Es war einfach nur so, dass es mich nicht gepackt hat. Eigentlich eine sehr interessante Story, sie basiert auf dem wahren Leben des Inuitjungen, der im Namen der Wissenschaft aus seiner Heimat nach New York gebracht wurde und dort aufwuchs, später wieder zurück in seine kalte Heimat ging. Geschildert wird sein Zwiespalt zwischen den Kulturen, ein Fremder hier wie dort.

Etwa ein Drittel habe ich gelesen. Abgebrochen habe ich nicht aus Desinteresse, sondern weil ich das Buch zu lange mit mir herumzog. Normalerweise lese ich Bücher entweder in wenigen Tagen oder gar nicht. Wenn es sich über mehrere Wochen hinzieht, ich durch andere Bücher unterbreche, dann lege ich das Buch weg. Vielleicht werde ich es ein andermal versuchen. Aber momentan war mir wohl einfach nicht danach. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschichte zwar sehr interessant, aber doch teils real teils fiktiv schon zu oft erzählt wurde: die Geschichte eines Kindes, das in eine fremde Kultur kommt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, alles bereits zu kennen. Was ich aber dem Autor keinesfalls vorwerfen möchte, denn es ist einfach ein gutes Thema, und während andere fiktiv sind, basiert seines eben auf Tatsachen (wenn auch natürlich dramaturgisch ergänzt bzw leicht verändert).

Empfehlen? Ja, absolut. Es ist packend geschrieben, und der Hintergrund des Romanes ist spannend. Wer keine Fantasy mag, sollte sich von dem Namen Isau nicht schrecken lassen, denn dieses Buch ist ganz anders als seine anderen. Jedoch mindestens genauso gut!

Erowyinn 14.05.2010, 15.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Caius ist ein Dummkopf

CoverAls Lateinschüler und Leseratte waren die Bücher von Henry Winterfeld natürlich ein Muß für mich. Zusammengefasst unter dem Titel "Caius - der Lausbub aus dem alten Rom" gab es die drei Bände "Caius ist ein Dummkopf", "Caius geht ein Licht auf" und "Caius in der Klemme". Ich liebte ein Buch sosehr wie das andere, mein Favorit war jedoch der Dummkopf, und diesen habe ich nun auch als Hörspiel in die Finger bekommen und genossen. Diese Bücher sind es wert, einzeln rezensiert zu werden, deswegen hier ein paar kurze Infos über die Serie und nur der Inhalt des ersten Bandes :-)



Der Grieche und alte Lehrer Xanthippus unterricht in seiner Klasse die Schüler Caius, Marcus, Antonius, Flavius und Rufus. Aber auch damals schon waren Jungen so richtige Lausbuben, und Rufus schreibt mit großen Buchstaben "Caius ist ein Dummkopf" auf seine Tafel. Es entbrennt ein Streit, und Xanthippus wirft Rufus aus dem Unterricht. Am nächsten Morgen steht in großen Buchstaben "Caius ist ein Dummkopf" an der Wand des dem Kaiser geweihten Minervatempels, in Rufus´ Schrift, und Xanthippus wurde überfallen! Rufus behauptet, er habe den Tempel nicht geschändet, aber wer sonst sollte so etwas getan haben, und warum? Und wer hat den alten Lehrer überfallen? Die Jungen machen sich auf die Suche nach dem Täter, um ihren Freund Rufus aus dem Gefängnis zu befreien.

Herrlich, ein wundervoller Kinderkrimi ab etwa 12 Jahren. Von der ersten Seite an ist das Buch spannend, aber auch witzig und vor allem sehr gut zu lesen. Aus dem harmlosen Streich entwickelt sich ein Fall, der sich am Ende als ziemlich brisant herausstellt.

Das Leben im antiken Rom wurde sehr gut aufgezeigt, ohne Dinge zu beschönigen oder schlechtzumachen. Sklavenhaltung als etwas Selbstverständliches, die Trennung von Knaben und Mädchen, Schulbildung nur für die Reichen, die Privilegien der hohen Herrschaften, Spiele und Freizeitbeschäftigung der damaligen Zeit, Familienleben, Wohnverhältnisse und vieles mehr wird sehr anschaulich dargestellt. Die Jungen damals unterschieden sich gar nicht so sehr von den Schülern heute, werden die Leser bald feststellen, und auch damals hatten sie bereits allerhand Unsinn im Kopf.

Gute Kinderkrimis sind selten, und wenn sie noch dazu im alten Rom spielen, sind sie etwas wirklich Besonderes. Der Lausbub Caius ist ein Buch, das in der Schule meiner Ansicht nach fast Pflichtlektüre werden sollte, wenn die Antike behandelt wird. Geschichte muss keinesfalls trocken und staubig sein ;-)

Erowyinn 25.08.2008, 11.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Einer von vielen

wiesler_hagen01_150_1.jpgFantasy gibt es derzeit ja en masse. Man wird regelrecht damit überschwemmt. Und auch Vampire, Werwölfe haben derzeit Hochkonjunktur. Dazu noch ein wenig Historie, der Klerus darf auch nicht fehlen, fertig ist ein Roman wie viele unzählige andere. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich mal wieder nicht daran vorbeikam in der Bib *hüstel*.

"Hexenmacher" ist der erste von drei Teilen der Chroniken des Hagen von Stein. André Wiesler, den Autor, kenne ich als Leser und ehemaliger Spieler von Shadowrun und DSA, gefiel mir bisher immer recht gut. Konnte also kaum falsch sein. Und gefällt mir bisher auch sehr klasse.

Ein Roman von vielen. Aber er vertreibt mir im Moment großartig die Zeit. Bald werde ich ihn näher vorstellen ...

Erowyinn 04.07.2008, 17.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Verwandlungsmärchen verschiedener Kulturen

johnson_fuchsfrau_150.jpgSchon seit einigen Wochen lese ich das Buch "die Fuchsfrau" von Kij Johnson. Kein Roman zum Überfliegen, wie ich es sonst mache. Sondern ein wunderschönes, elegantes Märchen, basierend auf einer der alten japanischen Legenden. Ein Buch, das ich mir als Taschenbuch vermutlich zulegen werde, wenn es erscheint. Eines der wenigen Bücher, das ich wirklich mit Genuss Wort für Wort lese. Denn es ist sehr filigran in der Wortwahl und wirklich "sinnlich" in vielerlei Hinsicht: ich meine die beschriebenen Blüten zu riechen, fühle die fast durchsichtigen Stoffe auf meiner Haut, eine Feder gleitet mit weichem Schwung über das Reispapier, leise Musik vom Wind davongetraten ... ein Genuss für alle Sinne ...

Japan in der Heian-Zeit, ein Adliger verliert seine Arbeit bei Hofe und zieht mit seiner Familie und Dienerschaft zurück auf den Landsitz. Eine Familie von Füchsen, die sich in den letzten Jahren dort niedergelassen hatte, beobachtet das rege Treiben der Menschen. Und so, wie sich Kaya no Yoshifuji immer weiter von seiner Frau Shikujo entfernt, verliebt sich die Füchsin Kitsune mehr und mehr in den Menschenmann, bis sie all ihren Zauber einsetzt, ihn für sich zu gewinnen... (und ab hier bin ich gespannt, wie es weitergeht ... aus anderen Rezensionen entnehme ich, dass es wohl kein Happy End geben wird *seufz* ... aber das hätte ich bei einem solchen Roman auch nicht erwartet)

Ach, ich mochte solche Märchen schon immer. Märchen, die von einem finsteren Fluch, einer scheinbar unmöglichen Liebe, einer hauchzarten Magie und natürlich einer subtilen Erotik handeln ... die freiwillige oder erzwungene Verwandlung von Frau / Tier - ein beliebtes Motiv vieler alter Legenden aus unterschiedlichsten Kulturen, aufgearbeitet in vielen Filmen, Romanen und auch in der Musik ... Vögel, Füchse, Fische, Schlangen, Bären, Otter, Seehunde und Katzen sind beliebteste Tierarten hierfür. Vorab einmal eine kleine Link-Sammlung, bis ich das Buch beendet haben werde ...

>Schwanensee<, >der Tag des Falken<, ">die kleine Meerjungfrau<", >das letzte Einhorn<, >Wächter der Nacht< sowie viele Märchen, Sagen und Legenden vor allem bei den Indianern und Japanern (nicht wenige Mangas habe ich bereits zu diesem Thema gelesen, denke gerade an "die Schneekönigin" oder "Ayashi no Ceres"), die dieses Motiv enthalten ... und bis ich das Buch beende, stöbere ich noch ein wenig im Internet. Erstaunlich und auch schön, wiesehr sich viele dieser Märchen doch ähneln ...

>indianische< Verwandlungsmärchen
>japanische Verwandlungsmärchen<
>Die Wildgänse< (Polen)
>Von drei Schwänen< (Schwaben)
>der Jäger und die Schwanenjungfrau< (Ostpreussen)

Erowyinn 24.04.2007, 10.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Apocalypto

An dieser Stelle sollte eigentlich eine recht lange und ausführliche Rezension zu Apocalypto stehen. So lang, dass sie eh kaum jemand gelesen hätte. Aber ich hab keine Lust mehr *grummel*. Zwischenspeichern schön und gut, aber auch ich bin nur ein Mensch. Beim ersten Mal schloß ich versehentlich mit einem falschen Klick das Fenster, wo der Text stand. Beim zweiten Mal stürzte sich (was er sogut wie nie tut!) mein Rechner ab. Zweimal ein langer, ausführlicher Text mit Hintergrundinfo, eigener Meinung, objektiven Gedanken und ein paar Hinweisen. Neeeee, keine Lust mehr. Einen Text zweimal tippen ist lästig, aber dreimal tu ich mir nicht an!

Kurzfassung:
Großartiger Film, der jedoch zu Recht ab 18 ist, da er stellenweise sehr blutig ist. Ich halte ihn nicht für gewaltverherrlichend, die Bilder sind bombastisch, die Kameraführung genial, die Sprache gefiel mir sehr, die Handlung ist zwar minimalistisch udn fast schon etwas platt, aber die Umsetzung grandios. Wer den Film ansieht, sollte sich auf jede Menge Blut gefasst machen und zu Beginn mit einer recht grausamen Darstellung des überfallenen Dorfes umgehen können. Es gibt jede Menge schöner Körper zu sehen und wundervolle Landschaften, aber auch jede Menge offener Wunden, abgeschlagener Köpfe und geschundener Menschen. Die Musik ist spitze, die Untertitel fallen - da der Film eher bild- als dialoglastig ist nicht negativ ins Gewicht.

Manche halten Gibson für wahnsinnig, aber mir gefiel sein neues Werk, sofern "gefallen" das richtige Wort für dieses ungewöhnliche Meisterwerk ist. Statt der langen Rezi eine kleine Aufforderung an alle, die den Film bereits gesehen haben: Feuer frei zur Diskussion um dieses umstrittene Werk :-)

>Hier< gibt es einige Interessanten Infos zum Film
>Hier< die offizielle HP mit einer herrlichen Gallerie

Erowyinn 27.12.2006, 09.17 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Venuswurf

Auf Tanja Kinkel wurde ich damals aufmerksam, als mir ein Bekannter das Buch "Die Puppenspieler" empfahl. Ein historischer Roman, sehr spannend geschrieben und genau mein Geschmack. Seitdem greife ich gerne zu ihren Büchern. Und so konnte ich auch nicht daran vorbeigehen, als ich "Venuswurf" als Hörbuch im Regal liegen sah.

Tertia ist die Tochter eines armen Bauern, und sie ist zwergwüchsig. Geplagt von Armut, Hunger und harter Arbeit träumt sie von einem Leben in der ewigen Stadt Rom. Und so lässt sie sich von ihren Eltern an einen Sklavenhändler verkaufen. In Rom läuft sie dann auch sofort dem freigelassenen Sklaven Lycus in die Arme. Dieser leitet eine Garküche mit Bordell im Hinterzimmer. Tertia muss niedere Arbeiten verrichten und lernt die Kunst des Theaterspielens und der Gaukelei. Sie schließt Freundschaft mit einem alten Maler und dem Dichter Ovidius. Eines Tages wird sie von ihrem Herrn als Geschenk an die adlige Julilla, Enkelin des großen Augustus, weitergereicht. Dieser Wechsel kann für sie ein tragisches Schicksal bereiten, sich aber auch als Venuswurf (höchster Wurf eines Würfelspieles) herausstellen. Was wird Tertia daraus machen?

Hm ... naja ... ich weiß nicht. Doch, ich fand den Roman sehr gut, sehr lebendig. Und trotz allem hat er mich nicht sonderlich mitgerissen. Ich bereue es nicht, ihn gelesen zu haben, aber ich hätte nicht viel versäumt, hätte ich ihn zuvor abgebrochen. Die Geschichte ist äußerst vielversprechend, und Tanja Kinkel hat sich enorm viel vorgenommen: eine Frau, noch dazu eine Zwergin, und sogar Sklavin in hohem Haus! Eine sehr gewagte und interessante Herangehensweise. Vom untersten Sklaven bis hinauf zum höchsten Kaiser Augustus führt Tanja Kinkel die Leser, und alleine dieses breite Spektrum macht schon einen großen Reiz des Buches aus.

Es gelingt der Autorin, ihren Lesern ein lebhaftes, opulentes Bild der römischen Antike zu vermitteln. Stinkende Latrinen, duftende Wohlgerüchte, geheizte Fußböden, Strohbetten, Bordelle, Theaterspiel, Dichtkunst, Malerei, ausschweifende Festgelage mit erwählten Spezialitäten, karge Mahlzeiten, Spionagetätigkeiten, Badehäuser, Liebe und Intrige, Macht und Armut im alten Rom, die Palette der Farben dieses Romanes ist unermesslich, und ich genoss den Ausflug in die alte Zeit. Außer Pompeji fällt mir kaum ein anderes Buch auf Anhieb ein, welches so gekonnt Bilder der Antike in meinem Kopf entstehen ließ.

Dafür wirken die Figuren auf mich stellenweise recht blass und konstruiert. Ehrlich gesagt wirkt Tertia (die sich später Andromeda nennt) auf mich sehr altklug und zugleich naiv. Ihre Vorstellungen, ihre Ansichten, ihre Gedankengänge, alles wirkt auf mich gestellt und unecht, ich konnte mich nicht wirklich in sie hineinversetzen oder mit ihr fühlen. Ihre Moral scheint mir recht egoistisch (Freunde schützen, Fremde ins Verderben reißen). Auch die anderen Charaktere scheinen mir recht farblos. Kinkel hat zwar versucht, ihnen durch Eigenheiten und eine jeweils eigene Vergangenheit Leben einzuhauchen, aber es fehlt einfach etwas. Einzig der Maler Aurelius und die Tonstrix Helena wirkten auf mich lebendig und sympathisch.

Die Handlung ... hm, die Handlung. Genaugenommen ist der Roman eher eine Aneinanderreihung von Episoden, es fehlte mir ein konkreter Handlungsverlauf, eine zentrale Frage. Nach einigen Kapiteln stellt sich dem Leser normalerweise eine Kernfrage, um die sich der Roman dann dreht und auf deren Antwort die Handlung hinstrebt. In diesem Fall fiele mir lediglich "wird dieser Wechsel für sie zum Verhängnis oder zum Venuswurf?" stellen, doch das ist eigentlich zu ungenau für eine Kernfrage.

Zu lange wird Tertias Aufenthalt bei Lycus in der Gauklertruppe geschildert, bevor sie zu ihrer Herrin Julilla kommt und der eigentliche Punkt der Geschichte beginnt. Und als sie endlich bei Julilla ist, dauert es noch sehr, sehr lange, bevor der Leser gemeinsam mit der Hauptfigur den wahren Grund für ihre dortige Tätigkeit erfährt. Erst kurz vor Ende ergibt sich dann ein Konflikt: soll sie ihrer Herrin treu sein und dafür ihren Freund, den Dichter Ovid verraten? Kann sie das Unheil, das ihr und den anderen Sklaven (Folter und Tod) droht abwenden? Doch auch dieser Handlungsstrang wird eher unzureichend behandelt und recht lieblos geführt.

Andromeda arbeitet vor allem als Unterhalterin. Sie ist wortgewandt, schlau und sorgt für gute Laune. Umso mehr fand ich es schade, dass ihre Gedankengänge und Sätze nicht vor Wortwitz sprühten und sich dies auch im Roman widerspiegelte. Bevor Tertia etwas sagt, überlegt sie sehr genau, was am besten zu antworten wäre, und allein dadurch wird dem Humor das Tempo und der lebendige Funke genommen, dadurch wirken ihre Scherze träge und müde.

"Venuswurf" ist ein Roman, der auf der einen Seite bunt und lebendig das Leben des alten Rom schildert, andererseits leider viele Möglichkeiten ungenutzt lässt und zuviel Zeit bis zum eigentlich Kern der Handlung benötigt. Je nach Geschmack wird der Leser davon vermutlich begeistert oder eher gelangweilt sein.

Erowyinn 05.05.2006, 16.27 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Buntes römisches Imperium

Da sich große Arbeiten mit so´ner üblen Migräne wie gestern nicht lohnen und es vom Nixtun leider nicht besser wird, habe ich wenigstens leise einen Hörbuchmarathon veranstaltet. "Eisfieber" von Follett habe ich zu Ende gehört, und danach direkt "Venuswurf" von Tanja Kinkel begonnen. Das römische Imperium aus Sicht einer jungen, als Sklavin verkauften Zwergin. Bisher ist es sehr interessant und packend geschrieben.

Erowyinn 22.04.2006, 10.32 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Das Jahr der Verschwörer

CoverJetzt trage ich einige Rezensionen nach und überlege, ob ich zu diesem oder jenem Werk etwas schreiben soll oder nicht. Ich sollte es einfach nicht so lange aufschieben, die Gedanken müssen frisch sein, um den Leser zu überzeugen oder vor denselben grausigen Leseerfahrungen zu schützen. Trotzdem sind einige Bücher, über die ich trotz der langen Zeitspanne ein paar Worte verlieren möchte. Nachdem ich über >"Die Seele der Nacht"< von Ulrike Schweikert so schlechte Worte verloren habe, möchte ich jetzt wenigstens meinen Eindruck über mein erstes historisches Werk von ihr schildern, wenn auch nur in kurzen Worten.

Schwäbisch Hall, 1450: Jos und Stefan sind Freunde. Als eine Leiche aus dem Fluss gefischt wird, sind sie in heller Aufregung. Sie wollen dem Geheimnis auf die Spur kommen. Bald wird auch Stefans Leiche im Fluss treibend gefunden, und nun ist für Jos kein Halten mehr. Gemeinsam mit der Henkerstochter Rebecca macht er sich auf die Suche nach dem Mörder und den Hintergründen der Tat. Denn Stefan schien einer unglaublichen Sache auf der Spur zu sein ...

Historische Jugendromane. Ich habe schon einiges dieser Art gelesen und lese sie auch immer wieder gerne. Dieser hier war meiner Ansicht nach nicht der Beste der bisher gelesenen, aber doch recht nett. Ulrike Schweikert hat hier auf jeden Fall weit, weit Besseres geleistet als mit ihrem traurigen Spin-Off zu den Legenden Phantásiens. Wenn ich Romane dieses Genres empfehlen müsste, würde ich vor allem auf Rainer M Schröder verweisen, aber auch dieses Buch ist lesenswert. Stellenweise zieht es sich zwar etwas in die Länge, und ich konnte auch nicht so wirklich mit den Hauptcharakteren mitfühlen, aber alles in allem war die Handlung doch recht spannend. Frau Schweikert ist, trotz ihres üblen Ausrutschers der "Seele der Nacht" eine begabte Schriftstellerin, die zu kennen sich auf jeden Fall lohnt.

Erowyinn 17.03.2006, 09.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Brothers Grimm

CoverAuch, wenn ich hier kein festes Genre im Blog vertrete, ist deutlich erkennbar, dass ich selbst vor allem Kinder- und Jugendliteratur sowie Phantastik favorisiere. Wenn ich Filme rezensiere, dann meist aus der Asia-Ecke oder dem Fantastischen Bereich. Ihr könnt Euch denken, dass ich mir den Film "Brothers Grimm" keinesfalls entgehen lassen wollte. Fürs Kino rieten mir einige Freunde ab, aber schlechte Meinungen hin oder her, sehen wollte ich ihn unbedingt. Der Trailer schien nicht übel, und ein moderner Märchenmix mit netten Effekthaschereien, warum nicht?

Die Brüder Wilhelm und Jakob Grimm sind durchtriebene Betrüger: sie greifen Sagen und Legenden verschiedener Städte auf und behaupten, die Einwohner von besagten Geistern und Dämonen zu befreien. Mit simpeln Tricks führen sie die Menschen an der Nase herum, bieten eine hübsche Show, kassieren ihr Geld und ziehen weiter. Ein französischer General beobachtet sie und durchschaut ihr linkes Spiel. Doch er macht ihnen folgendes Angebot: in einem nahegelegenen Städtchen scheint ein Gauner mit ähnlichen Tricks zu arbeiten, und bereits 11 Kinder sind verschwunden. Wenn sie die Kinder zurückbringen und den Täter entlarven, entgehen sie ihrer Todesstrafe. Welche Wahl haben die beiden Brüder, als zuzustimmen? Doch schnell wird es ernst: denn sie haben es nicht mit einem Menschen zu tun, sondern mit Märchen, Mythen und Magie!

Klingt nach einem Haufen toller Möglichkeiten und Spannung pur. Aber trotzdem konnte mich der Film nicht wirklich begeistern. Die Märchen wurden lieblos durcheinandergemixt, einige der Charaktere und vor allem deren fanzösische oder italienische Aussprache nervte nach gewisser Zeit, das Hauptmärchen existierte entweder nicht oder war sehr unbekannt und hätte zumindest einmal erzählt werden sollen, die Effekte sahen ziemlich trashig aus, mit den echten Gebrüdern Grimm hatte es ü-ber-haupt nichts zu tun, die Sache mit den Zauberbohnen vom Beginn des Filmes wurde nicht näher ausgebaut, ingesamt ... naja, ich bin einmal eingeschlafen, das lag eher an meiner Müdigkeit. Aber wirklich gefesselt hat er mich nicht. Vor allem denke ich, hätte man das Thema Märchen ausbauen und das Thema Franzosen streichen müssen, um diesem Film zum Erfolg zu verhelfen.

Ich finde, es war zuviel von allem. Zuviele Effekte, zuviele "witzige" Charaktere, zuviel Action. Etwas mehr Gewicht auf actionlastige Szenen und dafür etwas mehr Pathos in den tragischen Momenten - nicht vier, sondern nur ein witziger Charakter - weniger Effekte und dafür besser gestaltet. Dann hätte ich mitfiebern können. So war es einfach nur ein lieblos gematschter Märchenbrei, der scheinbar nur gedreht wurde, um wieder einmal einen Film im Stil von "Van Helsing", "Liga der Außergewöhnlichen Gentleman", "Pakt der Wölfe" oder "Sleepy Hollow" zu drehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor oder sonst jemand auch nur einen Tropfen Herzblut in dieses Werk gelegt haben.

Es waren einige witzige Szenen darin, und einige wenige Charaktere gewann man mit der Zeit doch lieben. Es machte auch Spaß, die Ansätze der einzelnen Märchen (und wenn sie nur aus einem Kleidungsstück, einer Andeutung im Satz oder einem Namen bestanden) herauszupicken. Ob Spannung aufkam - das mag jeder für sich entscheiden, sobald er den Film gesehen hat. Ich selbst hoffte zwar nicht direkt auf das Ende, war aber wenig interessiert am Fortgang der Geschichte. Es fehlte einfach der Zauber, der diesem Film meiner Vorstellung nach hätte innewohnenmüssen. Und vielleicht war auch das mein Problem: meine Erwartungen, mit denen ich heranging. Selbst Van Helsing gefiel mir besser, und nur die Liga der Außergewöhnlichen Gentlemen konnte die "Brothers Grimm" meiner Ansicht nach unterbieten.

Wer den Film gesehen hat: kennt ihr das Märchen um die Spiegelkönigin? Fehlt mir da etwas in meiner Allgemeinbildung, oder wurde dieses Märchen für den Film erfunden? Sollte letzteres der Fall sein, fände ich das ziemlich daneben, denn der deutsche Märchenschatz bietet genügend zauberhafte Märchen zum Verarbeiten.

Erowyinn 27.02.2006, 09.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Pompeji

CoverPompeji. Antike Stadt eines tragischen Vulkanausbruchs. Eingepackt in eine Geschichte aus dem alten Rom. Soll toll sein. Wollte ich auch einmal gelesen haben. Allzu viel habe ich mir nicht davon versprochen. Anfangs versuchte ich, mich wenig überzeugt von den ausführlichen Beschreibungen des damaligen Lebens und der langsam beginnenden Haupthandlung zu geben. Aber ich hielt es nicht lange durch ;-)

Der Aquarius Attilius, Betreuer des Aquäduktes "Aqua Augusta" wird von Corelia, der Tochter des reichen Ampliatus, zur Hilfe gerufen: ein Sklave soll den Muränen verfüttert werden. Er behauptet, Schuld am Tod der teuren Meerbarben sei nicht seine Pflege, sondern das Wasser. Attilius kann dies bestätigen, doch seine Hilfe kommt zu spät. Im Laufe des Tages ereignen sich weitere seltsamen Vorfälle, die mit dem Wasser der Aqua Augusta zusammenzuhängen. Dies geschieht zwei Tage vor dem Ausbruch des Vesuv. Attilius kommt während seiner Untersuchungen einer großen Verschwörung auf die Spur, zwischen ihm und Corelia bahnt sich eine zarte Liebe an, und das Rätsel um den verschwunden Vorgänger des neu im Amt befindlichen Attilius wird ebenfalls gelöst.

Einige Kapitel lang fand ich es ganz nett, und dann wurde es richtig spannend. Der Autor schafft es wirklich, den Leser für seine Erzählung zu begeistern. Auch, wenn mir das Leben im alten Rom inzwischen recht vertraut ist (die Antike interessierte mich schon immer, zudem wurde ich sieben Jahre mit Latein gequält beglückt) und ich die Beschreibungen anfangs fast etwas zu ausführlich fand, es ist lebensnah und locker beschrieben. Man fühlt sich regelrecht in die Kaiserzeit zurückversetzt, während Festgelage, aber auch alltägliche Haushaltsverrichtungen beschrieben werden.

Zudem könnte man "Pompeji" fast als "Sachbuch - Roman" bezeichnen. Denn der Autor hat nicht nur das übliche Maß für seinen Roman recherchiert. Er hat gleichzeitig mit einer spannenden Verschwörung auch viel Wissen über das Leben und die Architektur des alten Reiches und die natürlichen Auswirkungen eines Vulkanausbruches eingebunden, mehr als in der Belletristik üblich. Während es anfangs meiner Ansicht nach etwas dozierend wirkt, fließt es nach kurzer Zeit perfekt in die Handlung ein und ist mindestens ebenso spannend wie die Verschwörung, welche Attilius nach und nach aufdeckt.

Ich dachte anfangs, das Ende müsste absolut klar sein. Der Vulkan bricht aus, logischerweise ist die Geschichte nicht so wirklich beendet (warum sollte es sich der Autor auch unnötig kompliziert machen, das wäre doch einmal etwas anderes, ein Ende mittendrin in der Handlung). Oder zumindest nur halbherzig abgeschlossen. Statt dessen schafft es Harris tatsächlich, soviel Handlung in die zwei Tagen vor dem Ausbruch zu packen und auch noch abzuschließen, dass ich ziemlich erstaunt war. Und am Ende eine pfiffige Wendung, die dem Leser ein verschmitztes Lächeln auf die Lippen zaubert. Schade, dass das Buch an dieser Stelle enden musste. Es ist abgeschlossen, aber zu gerne wüsste ich ja, wie es nun weitergeht, war das Ende doch erst der Anfang zu einer neuen, weiteren Geschichte ;-)

Sprecher Jürgen Tarrach (Sedlmayr in "Wambo") gefiel mir sehr. Mancher mag seine Stimme vielleicht etwas zu ruhig empfinden, ich mag seinen Klang und den Tonfall sehr, es passte sehr gut zu der Hauptfigur des ruhigen, sanftmütigen und entschlossenen Attilius. Außerdem kommt mir seine Stimme sehr bekannt vor, dieses Gefühl macht mich fast kirre, ich komme einfach nicht darauf, woher ich sie kenne *grmbl* ...

"Pompeji" ist ein historischer Roman aus der Zeit der römischen Antike, flüssig zu lesen und ebenso informativ wie unterhaltsam. Eine Verschwörung im alten Rom. Nichts Neues, aber sehr gut aufbereitet. Prädikat lesenswert :-)

Erowyinn 30.01.2006, 10.07 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

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