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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Historisch
Dracula
INHALT, AUFBAUNein, den Inhalt dieses Buches muss ich nicht widergeben. Bram Stokers DRACULA ist ein Klassiker. Es mag nicht der erste Vampirroman sein, aber er setzte Maßstäbe, an ihn denkt man, wenn man das Wort VAMPIR hört. DRACULA kennt man, meine Generation spätestens seit der Verfilmung durch Coppola 1992 mit Gary Oldman und Sir Anthony Hopkins. Wer trotzdem gerne lesen möchte, worum es in diesem Roman geht, der kann bei >Wikipedia< eine umfassende Beschreibung des Inhalts lesen.
Der Roman ist keine reine Erzählung von A nach B, sondern die Handlung wird in drei inhaltliche Hauptteile gegliedert: zuerst schreibt der Anwalt Jonathan Harker Tagebüch über seine Erlebnissen auf Schloss Dracula. Die Spannung wächst, der Leser beginnt zu ahnen, was es mit dem geheimnisvollen Schlossherrn auf sich hat, die Angst steigert sich, und es ist am Ende ungewiss, was mit Jonathan Harker passierte. Die Geschichte baut sich auf, durch die Unmittelbarkeit des Ich-Erzählers in Tagebuchform ist der Leser sofort mitten im Geschehen.
Im zweiten Teil folgt ein Briefwechsel zwischen verschiedenen Personen (Jonathans Verlobte, deren Freundin, deren Bewunderer, Professor Van Helsing) sowie Berichte unbeteiligter Personen (eine Krankenschwester, Zeitungsausschnitte, ein Logbuch). Durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven Bekommt der Leser nach und nach immer mehr Puzzleteile gereicht, das Gesamtbild bleibt vorerst unklar. Die Bedrohung, welche dadurch entsteht, ist noch nicht greifbar und dadurch umso beängstigender: eine junge Frau weist seltsame Krankheitssymptome auf, ihre Heilung scheint unmöglich.
Der dritte Teil befasst sich endgültig mit der Jagd nach dem Vampir. Hier nutzt der Autor wie auch schon im zweiten Abschnitt vor allem Briefe und Tagebücher als Transportmittel für die Handlung. Der Leser wird hin- und hergerissen zwischen den einzelnen Charakteren, spürt deren Angst und Entschlossenheit.
ERZÄHLWEISE DES HORRORS
Ach, ich liebe die alten Bücher, diese gehobene Sprache. Die Autoren spielen gekonnt mit Worten, und besonders im Genre Horror liegt der Horror nicht wie heute auf der Hand, es muss kein Blut fließen und sinnlos gemetzelt werden. Das Grauen spielt sich ab im Kopf des Lesers. Die Sprache erzeugt eine dichte Atmosphäre, und die subtilen Andeutungen lassen den wahren Schrecken hinter den Worten erahnen.
Wer offensichtlichen Thrill wünscht und voyeuristische Zurschaustellung von Gewalt braucht, um sich so richtig zu gruseln, der ist bei Autoren wie Bram Stoker, Edgar Allan Poe, H P Lovecraft, Mary Shelley falsch. Aber wer es mag, wenn der Nebel auf dem Kopfsteinpflaster wabert, wenn das Käuzchen ruft, wenn Symbole und Ahnungen mehr Gewicht erhalten als bloße Fakten, ... wer es mag, wenn das Grauen so unvorstellbar und schrecklich ist, dass kein menschliches Wort es zu fassen vermag und der Protagonist dem Wahnsinn anheimfällt ... der ist bei DRACULA genau richtig.
SPRACHE
Und das Schöne: habt keine Angst, dass das Buch verstaubt daherkommt. "Klassiker", das hat was von "langweilig", meint man im ersten Moment.Ja, die Sprache liest sich manchmal etwas ungewohnt. Aber dennoch sehr gut verständlich und flüssig. Hier und da finden sich veraltete Wörter bzw Fremdwörter anstatt der heute üblichen Begriffe, etwa >"Kalesche"< oder "Rekognoszierung". Ein Satz, der mir sehr gefiel: "Sie sind ein Mann, und nicht der schlechtesten einer". Soviel Aussage in den wenigen Worten, so klar und direkt, und dahinter so viel Unausgesprochenes.
Dieses Hörbuch basiert auf dem Buch "Bram Stoker: Dracula. Ein Vampyr-Roman" in der Übersetzung von Heinz Widtmann 1908, erschienen am 1. Januar 2012 bei dtv. Es wurden nur unwesentliche Kürzungen vorgenommen, ansonsten ist das Buch im Original belassen worden.
Nun muss ich zugeben, dass ich mich nicht auskenne, welche Übersetzung wohl die beste ist. Kull, Leder, Willms, Widtmann, Bergner, da habe ich keinen Vergleich. Aber ich empfand die Sprache als sehr angenehm und lauschte den Sprechern gerne.
Ein Zitat, das mir ebenfalls sehr zusagte und die Sprache des Buches gut widergibt, habe ich bereits gebloggt: >Dracula<
UMSETZUNG ALS HÖRBUCH
Als ich die riesige Anzahl von Sprechern las, dachte ich, es handle sich um ein Hörspiel: Jacob Weigert, Katharina Thalbach, Bernd Stephan, Regina Lemnitz, Robert Missler und einige andere. Doch statt dessen wurden jedem Protagonisten einzelne Sprecher zugeteilt. Jonathans Tagebücher, Lucys Briefe, Minas Tagebücher und Briefe, der Korrespondent für den Zeitungsartikel, der Kapitän des Schiffes in seinem Logbuch und so weiter.
Die Sprecher passen sehr gut in die jeweiligen Rollen. Besonders Jacob Weigert als Jonathan Harker, Katja Danowski als Mina Harker und Ulrike Hübschmann als Lucy Westenraa gefielen mir sehr gut, ich hatte sofort ein klares Bild der jeweiligen Person vor Augen. Besonders Mina, die die unterschiedlichsten Emotionen durchläuft, präsentiert sich als absolut überzeugend.
Und dann hat der Verlag etwas gewagt, das ich wirklich mutig finde: Die Rolle des DRACULA wird gesprochen von - Katharina Thalbach! Ja, richtig, von einer Frau. Katharina ist eine der Großen im Hörbuchgeschäft, über ihre Qualität als Sprecher muss man nicht diskutieren. Aber als Mann? Noch dazu als einer DER Männer der Weltliteratur? Ich kann verstehen, wenn dies die Meinungen spaltet, und gerade deswegen finde ich es sehr mutig. Und ich muss sagen, mir hat dieses Experiment außerordentlich gut gefallen. DRACULA ist schließlich kein junger Mann mehr in der Blüte seiner Jahre, er ist ein alter, gebrechlich wirkender Mann, seine Stimme krächzend und hoch, wie alte Männer eben manchmal klingen. Und ganz ehrlich - mir ist es am Telefon schon häufig passiert, dass ich einen Mann als Frau angesprochen habe oder umgekehrt, nicht immer ist das sofort ersichtlich, daher fand ich diese Idee auch sehr glaubhaft. Ich empfand Frau Thalbach als eine gelungene Wahl für den Grafen. Ich brauchte ein paar Minuten, mich umzustellen, aber danach war ich begeistert und hätte gerne noch mehr davon gehört.
Durch die unterschiedlichen Sprecher ist das Hörbuch gekonnt umgesetzt. Trotzdem gibt es etwas, das mich ein wenig störte: Wenn Jonathan Tagebuch schreibt, legt er Dracula Sätze in den Mund. Diese werden von Frau Thalbach gesprochen. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird dies unterschiedlich umgesetzt: wenn jemand in einem Brief oder Tagebucheintrag eine andere Person in wörtlicher Rede auftreten lässt, spricht mal der Schreiber, mal die sprechende Person. Ich hätte mir hier mehr Regelmässigkeit und Konsequenz gewünscht: entweder, man lässt immer den Schreiber sprechen, oder man übergibt jegliche wörtliche Rede an den betreffenden Sprecher. Aber gut, es hat den Hörgenuss nicht beträchtlich getrübt, mir lediglich ein "schade" entlockt.
BOOKLET
Normalerweise sind die Booklets im Jumbo- und GoyaLit - Verlag wenig erwähnenswert, hier hat man sich dafür mal wieder richtig Mühe gegeben. Es ist toll, wenn man als Käufer nicht nur die CDs, sondern auch ein bisschen Material auf der Hand hat. Eine Beschreibung aller Sprecher und ihrer Rollen, dazu ein wenig Hintergrundinformation über das Werk DRACULA selbst im damals zeitlichen Kontext sowie seiner Bedeutung für das Vampirgenre. Interessant ist auch, welche Recherchen der Autor für dieses Buch betrieben hat und warum der Roman letztendlich in Rumanien spielte statt wie ursprünglich geplant in der Steiermark. Auch Leben und Werk des Autors werden chronologisch aufgeführt.
FAZIT
DRACULA selbst mag ich nicht bewerten, es ist zu Recht einer der Klassiker, und es war mir eine Freude, dieses Werk erneut zu genießen. Was hier also zu bewerten ist, das ist die Umsetzung. Und die hat mich mit wirklich überzeugt, sodass ich sie gerne weiterempfehle.
SaraSalamander 24.04.2012, 09.33 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Wie ein Stein in mir
WARUM DIESES BUCHAn sich lese ich Bücher dieses Genres nicht gerne. Auch ohne, dass ein persönliches Schicksal mit dem dritten Reich verknüpft ist, finde ich das Thema sehr belastend. Ich lese da eher Fachbücher oder besuche Ausstellungen. Filme und Bücher, die in dieser Zeit spielen, finde ich schrecklich. Aber deswegen verschließe ich natürlich dennoch nicht die Augen und greife hier und da zu. In diesem Fall deshalb, weil ich die Person des Janusz Korczak schon immer sehr interessant fand. Auch lese ich gerne Bücher um Kinderschicksale, zum Beispiel von Torey L Hayden. Dieses Buch vereint mehrere Themen: das Schicksal eines traumatisierten Kindes, die Zeit des dritten Reiches 1942, die Pädagogik des Janusz Korczak. Ein Jugendbuch, aber aus genau diesen Gründen dennoch harte Kost, oh ja!
Die Rezension wurde sehr lang, denn in Rezensionen verarbeite ich gelegentlich auch Leseeindrücke. Dies ist hier der Fall: WIE EIN STEIN IN MIR ist ein Buch, das verarbeitet werden muss. Wem das zuviel ist, der kann gerne auf meine >Kurzfassung bei Amazon< zurückgreifen ;-)
INHALT
Esther ist 13 Jahre alt, als sie in das Waisenhaus Dom Sierot des Janusz Korczak gebracht wird. Was sie zuvor erlebte, ließ sie verstummen, kein Wort vermag sie mehr zu sprechen. Der Arzt, die Schwestern und die Kinder nehmen Esther herzlich in ihrer Mitte auf. Schritt für Schritt gewinnt Esther Vertrauen, lernt ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und sich in der Gruppe zu integrieren. Doch während im Dom Sierot die Welt Wärme und Liebe verspricht, tobt draußen der Krieg, und auch vor den Kindern wird er nicht innehalten ...
KEIN SPOILER
Ich habe lange überlegt, ob ich spoilern soll oder nicht. Aber ich empfinde es nicht als Spoiler. Denn, mal ehrlich: das Buch spielt im dritten Reich und handelt von realen Personen. Gut, Korczak ist vielen vielleicht nicht so bekannt wie meinetwegen Anne Frank oder andere Menschen, die im KZ verstarben. Dennoch ist er ein bedeutender Pädagoge, Autor sowie Namensgeber vieler Schulen und Straßen. Deswegen sehe ich es nicht als Spoiler, wenn ich im Laufe der Rezension Andeutungen über das schreckliche Ende des Buches mache. Ich spoilere auch nicht, wenn ich sage, dass ANNE FRANK am Ende stirbt oder dass in SCHINDLERS LISTE viele Juden den Tod finden. Und ebenso ist es hier bei WIE EIN STEIN IN MIR. Wer das Buch liest, der sollte wissen, was ihn erwartet. Ich habe das Tagebuch des Dr. Korczak noch nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob das Mädchen Esther eine fiktive Figur aus der Feder der Autorin Vandewijer ist, oder ob sie tatsächlich in seinen Aufzeichnungen vorkommt und das Buch somit eine dramatische Aufarbeitung der realen Ereignisse ist. Doch Esther hin oder her - das Buch behandelt reale Ereignisse und ist somit ein Stück Geschichte. Und Geschichte kann man nicht spoilern ;-)
CHARAKTERE
Die Charaktere des Buches berührten mein Herz. Obwohl alles aus Sicht Esthers geschrieben ist, werden sie doch sehr greifbar und lebendig. Der "alte Doktor" erzählt hier und da aus seiner Vergangenheit, berichtet was ihn bewegt und beschäftigt. Doch er ist mit Ausnahme von Esther die einzige Figur, über deren Leben man etwas erfährt. Der Leser erhält ein sehr gutes Bild über seine Pädagogik, seine Einstellung, seine Liebe zu den Kindern. Die Kinder des Waisenhauses werden nur von außen geschildert und bleiben somit im Hintergrund aber keineswegs blass. Sie alle erhalten Persönlichkeit, Vorlieben, sehr schnell kann der Leser sie alle auseinanderhalten. Den kleinen Geigenspieler, der Gärtner, die quirlige Plaudertasche, den in Esther verliebten Jungen und all die anderen Waisen. Der Leser erlebt sie so innig, dass sie während der Lektüre quasi zu Freunden werden. Und je mehr man sie lieb gewinnt, desto schwerer fällt es, umzublättern, desto größer wird der Kloß im Hals, wenn man sich dem Ende nähert.
AUFBAU
Das Buch besteht aus drei sich abwechselnden Einheiten: eine leere Seite mit einem Zitat von Korczak. Diesen entnimmt man Gedanken über Pädagogik, Kinder oder seine Einstellung zum Leben. Die Zitate sind sehr gut passend zum Buch gewählt. Dann gibt es Aus der Ich-Perspektive das Erleben von Esther. Sie beschreibt ihren Alltag, das Erleben der Umwelt, das Handeln der anderen. Hierin erfährt der Leser viel über das Leben im Heim sowie nach und nach immer mehr über die drohende Gefahr des Krieges. Und dann gibt es Esthers Tagebucheinträge. In diesen schreibt sie das täglich Erlebte aus ihrer Innensicht, hier schreibt sie ihre Gefühle und Gedanken nieder, die im Alltag keinen Platz finden. Die Kapitel sind in der Regel 2 bis 10 Seiten.
Die Bedrohung im Hintergrund ist stetig präsent. Korczak schützt die Kinder, sogut es ihm möglich ist, er hält die Welt von ihnen fern, vermittelt ihnen Liebe und Geborgenheit. Doch durch Esthers frühere Erlebnisse und durch einzelne Aktionen mit der Außenwelt (Verkauf von Büchern, ein Kind kommt zu spät nach Hause und erzählt von seiner Flucht vor den Kontrollen) erfährt der Leser immer wieder kurze, schreckliche Einzelheiten über das Voranschreiten des Krieges.
Anfangs interessiert es den Leser brennend, was nun mit Esther geschehen ist. Das ist ja schließlich eines der Hauptthemen des Buches. Doch je mehr die Handlung voranschreitet, desto unwichtiger wird es. Es ist egal, denn alle haben Schlimmes erlebt. Was nun immer mehr zählt, das ist wie es weitergeht. Obwohl man das Ende kennt, hofft man doch, dass die Kinder diesem Schicksal entgehen können. Es zählt nicht mehr, was Ester damals wiederfahren ist. Es ist nur wichtig, dass sie sich in die Gruppe eingliedert, Freunde findet, dass sie sich wohl fühlt, dass sie wieder Vertrauen fassen kann, dass sie die Schrecken ihrer Vergangenheit ablegt. Und je glücklicher sie wird, desto schrecklicher wird das Buch zu lesen, denn man weiß, dass ihr Glück nicht von Dauer sein wird. Das Buch endet vermeintlich glücklich, denn es ist aus Sicht von Esther erzählt. Der Doktor will die Kinder vor dem Schicksal schützen, und die Kleinen ahnen nicht, was ihnen droht. Und so erlebt Esther den schönsten Tag seit langer Zeit, hat endlich gefunden, was sie suchte, und sie geht strahlend in eine neue Zukunft. Es zerreißt dem Leser das Herz, die glückliche Wahrnehmung des Kindes gegenüber der grausamen Realität zu sehen ...
SPRACHE
Die Sprache ist schlicht gehalten und passt sehr gut zur Person der Esther. Kurze Sätze, selten ein Komma, der Satzbau sehr einfach. Oft nur Gedankenfetzen, die sich dem Leser zeigen. Doch trotz der knappen Worte vermag es die Autorin (bzw zugleich der Übersetzer), die Welt in melodische Bilder zu verpacken.
Ein Beispiel für die Gedankenfetzen: "Ich sammle die Fetzen. Wie die Glieder einer Kette will ich sie aneinanderreihen. Ich darf diese Kette nicht verlieren. Der Junge zieht mich weiter. Am Arm, ungeduldig. Ich sehe mich selbst gehen. Meine Seele hoch in der Luft. Ich weiß nicht, ob mein Körper atmet. Das Haus hier. Welches Haus? Spielende Kinder." Diese knappen Worte lesen sich sehr flüssig, es dauert nur drei bis vier Seiten, bis man sich daran gewöhnt hat.
Auffällig in der Beschreibung der Außenwelt Esthers ist auch die Form der Dialoge: nicht wie sonst üblich mit "sagte" oder "erklärte" und anderen Verben des Sprechens. Sondern der Satz wird in Anführungszeichen quasi hingeworfen, und in Klammern steht dahinter der Name der sprechenden Person. Dies verdeutlicht sehr schön, wie Esther Sätze hört und sie im Nachhinein, verlangsamt noch immer durch ihren Schock, einzelnen Personen zuordnet. Die Aussage. Die Person. Alles andere ist unnötiger Ballast für das Mädchen.
Obwohl das Buch durch viel freies Papier (ein Kapitel beginnt auf einer neuen Seite, die Zitate stehen auf einer eigenen Seite), eine angenehme Schriftgroße und die einfachen Sätze sehr schnell gelesen sein könnte, brauchte ich erstaunlich lange für meine Verhältnisse. Der schwer verdauliche Inhalt führt dazu, dass man es nicht überfliegen möchte. Man sollte sich also Zeit und Muse nehmen für dieses Buch.
JUDEN, DRITTES REICH
Immer wieder blitzen Momente des Krieges in die Welt der Kinder. Und auch das Thema Judentum ist stets präsent. So besuchen der Doktor und Esther eine Beerdigung. Auch soll Esther einen Aufsatz schreiben über die Stimme der Steine, wo sie über die Steine auf den Friedhöfen sinniert. Später wird ihr ein Aufsatz über die 36 Gerechten zugeteilt, und im Waisenhaus laufen die Vorbereitungen für das Versöhnungsfest Jom Kippur. In der Gruppe der Kinder ist zudem auch ein Junge, der gerne Witze erzählt von Moschje, dem Rabbi, seiner Religion. Doch abgesehen von solchen Momenten geht es in diesem Buch vordergründig nur um Ester, die Kinder und Korczak. Doch im Hinterkopf des Lesers schwebt das Wissen um das Ende wie ein Damoklesschwert über jeder Seite, über jedem glücklichen Moment.
JANUSZ KORCZAK
Er wurde in WIE EIN STEIN IN MIR wunderbar eingefangen. In vielen herzlichen Situationen erfährt der Leser von seiner Pädagogik. Wie er zuhört, wie er die Kinder behandelt. Das Buch ist kein Lehrstück, kein Sachbuch. Doch zwischen den Zeilen erfährt man sehr viel über das Leben der Kinder im Heim: es gibt eine eigene Zeitung, ja sogar ein Kindergericht. Nicht nur die Erzieher verhängen Strafen über das Fehlverhalten. Sondern die Kinder leben in einer Art eigenem kleinen Staat mit eigener Hirarchie und einem Rechtssystem. Es ist bewegend, mit wieviel Verantwortung und kindlicher Weisheit sie an ihre Aufgabe herangehen.
Neben Esther ist er die einzige Figur, die klar beschrieben ist und von der man mehr erfährt. Ich halte dieses Buch für sehr gut geeignet als Schullektüre: es werden sehr viele Werte vermittelt, es ist höchst pädagogisch und behandelt eine wichtige Zeit unserer Geschichte. Während aber Bücher wie zum Beispiel DER HERR DER FLIEGEN die schlechte Seite der Menschen zeigen und die Verderbtheit von Kindern darlegen, zeigt WIE EIN STEIN IN MIR, wozu Kinder fähig sind, wenn man sie als Erwachsener mit Liebe führt und ihnen hilft, ihre innewohnenden Kräfte zu erkennen und auszuleben.
Über den "alten Doktor" als Person (wie er von den Medien damals genannt wurde und wie er auch einmal im Buch genannt wird) erfährt man in kleinen Brocken viele interessanten Dinge. Etwa über sein Buch KÖNIG MACIUS, seine Tätigkeit als Arzt im Krieg, seine Radioauftritte. Dies ist nicht Hauptbestandteil des Buches, macht interessierte Leser aber sehr neugierig auf mehr von diesem fasziniernden Mann.
FAZIT
Eine bewegende Geschichte, ein ergreifendes Schicksal, ein ungewöhnlicher aber wundervoller Schreibstil: WIE EIN STEIN IN MIR ist eines der seltenen Bücher, das ich uneingeschränkt für alle Leser empfehlen kann.
SaraSalamander 22.02.2012, 09.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Venezianische Verführung
INHALTAls Auroras Eltern sterben, bekommt Leandro die Vormundschaft über die gerade einmal volljährig gewordene Dame. Der gefällt das gar nicht, sie hat ihren eigenen Kopf, und der Weiberheld Leandro als Aufpasser sagt ihr so gar nicht zu, zumal er ein ebensolcher Tyrann wie ihr Vater scheint. Leandro möchte sie standesgemäß verheiten, und noch dazu soll sie lernen das Geschäft der Eltern weiterzuführen! Sie hat stattdessen anderes im Sinn, verfolgt ihn heimlich zu seinen Orgien, vergnügt sich mit ihrer Zofe und lässt sich von Männern umschmeicheln. Dass Leandro und Aurora sich zueinander hingezogen fühlen, möchte keiner von beiden sich so recht eingestehen. Leider bringt Aurora sich dadurch ihr naives Verhalten in Schwierigkeiten. Und Leandro trägt eine schwere Bürde: als die Vergangenheit ihn einholt, bringt er nicht nur sich, sondern auch sein Mündel in Gefahr.
AUFBAU
Das erste Drittel des Buches besteht im Grunde nur aus sexuellen Handlungen, und ich hatte die Befürchtung, dass die auf dem Klappentext benannte Handlung nur ein Alibi für alle möglichen wilden Ausschweifungen sein würde. Aber nach einiger Zeit kommt die Handlung dann doch in Gang, zwischen den einzelnen Sessions, Akten, Verlustierungen gibt es auch einzelne Momente, die das Geschehen vorantreiben und dem Leser Spannung vermitteln.
Das zweite Drittel ist hervorragend, sehr gut ausgewogen aus Sex und Handlung, es kommt zu Wirrungen und teilweise auch sehr humorvollen Einlagen. Ich mag Aurora, sie ist ein ziemlich verwöhntes Gör, das wenig Ahnung aber sehr viel Interesse hat, nicht nur in sexueller Hinsicht. Einige Male musste ich laut auflachen, wenn sie mit ihrem frechen Mundwerk den Freiern Kontra gibt, sie nimmt kein Blatt vor den Mund, und sie weiß sich nicht nur mit Worten zu verteidigen.
Leandro und Aurora begehren sich, lieben sich, doch beide sind zu stolz, dies zuzugeben, sodass der Leser wieder einen Tick mehr weiß als die Protagonisten und nicht selten schmunzelt, wenn die Situation wieder einmal völlig aus dem Ruder läuft aufgrund der fehlenden Kommunikation der beiden.
Im letzten Drittel wird das, was zu Beginn leider versäumt wurde, ziemlich abrupt nachgeholt: die Handlung wird gerafft und überschlägt sich regelrecht, so als hätte man Knall auf Fall das Buch beenden müssen. Das Ende ließ sich bereits erahnen, und ich hätte es schön gefunden, wenn es sich etwas besser über das Buch verteilt hätte.
SEXUELLE ASPEKTE
Als Erotikroman möchte ich VENEZIANISCHE VERFÜHRUNG nur ungern bezeichnen. Ja, es gibt Gefühle, aber die sind hier Nebensache, ich empfinde dieses Buch vielmehr als Pornographie denn als Erotik. Und dieses Buch beweist, dass Porno sehr wohl Handlung, Niveau und Charakter haben kann!
Es wimmelt nur so von Sexszenen, in denen mal Männlein und Weiblein, mal Weibchen und Weibchen sich mit- oder aneinander verlustieren. Sie besuchen Orgien, beschäftigen sich alleine, sehen einander zu, beobachten die anderen heimlich oder vergnügen sich zu zweit oder mehreren. Ein buntes Treiben im wörtlichen Sinne. Dadurch bieten sich sehr viele Möglichkeiten, und der Leser darf fasziniert erfahren, wie viele sexuelle Handlungen doch möglich sind, ohne dass die noch unschuldige Aurora dadurch ihre Unschuld verliert. Holla, und was alles erst geschieht, nachdem sie diese verloren hat! ;-)
Verschiedenste Spielarten werden angedeutet oder explizit erwähnt. Was erwähnt wird, sind gängige Praktiken und Varianten. Was angedeutet wird, das geht in den härteren Bereich und befasst sich mit Seilen, Spielzeugen, Dominanz und unfreiwilligen Momenten. Von daher ist das Buch aufgrund der Freizügigkeit auch für diejenigen Leser geeignet, die es gerne derb und wild mögen, der dennoch niveauvollen Sprache und der soften Praktiken wegen jedoch auch passend für Leser, die lieber auf gewohnten Gewässern segeln. Ein Spagat, den ich in dieser Form noch nicht allzu oft gelesen habe und äußerst gelungen finde!
EIGENE MEINUNG
Zu Beginn hielt ich das Buch für einen einfachen Porno, es entpuppte sich jedoch recht bald als humorvolle und zugleich anregende Lektüre, die dann flink an Fahrt gewinnt und den Leser zu fesseln versteht. Ich hätte mir gewünscht, dass das Buch etwas länger gewesen wäre, um einigen angedeuteten Phantasien mehr Raum zu verleihen und um die Handlung ein wenig in den Vordergrund zu rücken.
Diese Rezension ist wieder einmal der Grund, dass ich überlege, eventuell eine Ü 18 Rubrik mit Passwortschutz im Blog einzuführen. Es gibt eine Menge, was ich hier gerne geschrieben hätte, ohne es umständlich zu umschreiben und was ich gerne näher ausgeführt hätte. Aber man muss ja nicht übertreiben, und die Zeit lässt es leider nicht zu, dass ich Rezensionen doppelt schreibe. Daher einfach als Hinweis für die Leser: dieses Buch bietet mehr, als ich es hier im jugendfreien Bereich wiedergeben könnte ;)
FAZIT
VENEZIANISCHE VERFÜHRUNG ist ein historischer Erotikroman, der ziemlich deutlich zur Sache kommt. Ich kann ihn aufgrund seiner angenehmen Sprache, des saftigen Inhalts und der insgesamt betrachtet recht spannenden Handlung eindeutig empfehlen. Zum Einstieg in das Genre ist er allerdings nicht geeignet, man sollte schon einige erotischen Titel gelesen haben ohne rot zu werden, sonst wird man hier schnell überfordert. Also ideal für alle, die mal etwas anderes möchten als das übliche brave Spiel :-)
SaraSalamander 26.10.2011, 09.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Young Bride´s Story
Ein Manga, wie man ihn nur selten in die Finger bekommt. Ich habe mich sofort in die Zeichnungen verliebt und würde am liebsten sofort alle weiteren Bände in der Hand halten! Ein Ausnahmemanga, den ich ohne Zögern sofort als Meisterwerk bezeichne.
Über die Handlung kann man nicht wirklich viel erzählen. Es gibt fünf Kapitel, die jedoch blitzschnell beschrieben sind: erstes Kennenlernen, ein Junge beobachtet einen Schnitzer bei der Arbeit, das Brautpaar reitet aus und trifft den anderen Teil der Nomadenfamilie, die Brautfamilie verlangt die Tochter zurück und wird abgewiesen, der Bräutigam erkrankt und wird rasch wieder gesund. Nein, wirklich von "Handlung" im klassischen Sinne kann man nicht sprechen. Aber das ist auch nicht notwendig. Es geht weniger um einen typischen Konflikt oder eine fortwährende Erzählung, vielmehr werden einzelne kleine Episoden aus dem Zusammenleben der beiden unterschiedlichen Charaktere erzählt.
Mir ging das Herz auf beim Lesen dieses Mangas. Die Herzlichkeit der neuen Familie ist wunderbar, und ich hatte oft ein Strahlen in den Augen, ebenso wie die Protagonistin, wenn sie von der neuen Familie so liebevoll aufgenommen wird. Auch der Umgang der Eheleute miteinander ist einfach herzerwärmend. Mir fallen keine anderen Worte ein als immer wieder im Kontext mit "Herz". Ja, dieser Manga strotzt nur so vor Herz. Ohne Action, Konflikt, Gewalt oder Handlung. Es ist ein Manga voller liebevoller Gesten. Eine Mutter, die ihr Kind bestrafen muss (Konsequenz in der Erziehung muss sein) und am liebsten sofort die Strafe wieder rückgängig machen würde. Eine Ehefrau, die sich über den schlafenden Gatten beugt und ihn besorgt ansieht, ob es ihm auch gutgeht. Ein Schnitzer, der sich den neugierigen Fragen eines kleinen Jungen stellt und ihm einen extra für ihn gefertigten Talisman schenkt. Die Offenheit der Personen untereinander. Ach, einfach nur schön, am liebsten würde ich sofort Teil dieser Familie!
Die Charaktere sind mir schon nach wenigen Seiten sofort ans Herz gewachsen. Ihr Handeln ist menschlich, herzlich, manchmal auch humorvoll. Man lacht, weint, leidet, feiert mit der Familie. Es fällt von Beginn an leicht, die Personen auseinanderzuhalten, da sie sehr individuell gezeichnet sind und ihre typischen Eigenheiten aufweisen.
Zum Abschluss erzählt die Autorin Kaoru Mori, was sie zu diesem Manga bewegte: sie war schon immer begeistert von der Kultur in Zentralasien und der Kaukasusregion. Pferde (Turkmenische Achal-Tekkiner), Schafe, Zelte, Teppiche, das karge Leben des Volkes. Und diese Leidenschaft sieht man in jedem Bild. YOUNG BRIDE´s STORY ist ein bildgewaltiges Werk, opulent und detailverliebt. Manchmal sieht man auf zwei Bildern nur Landschaften, doch das ist nicht langweilig, sondern einfach nur umwerfend. Eine Landschaft, dann rückt das Bild etwas näher, man sieht einen Hasen, der Hase flitzt aus dem Bild, man sieht nur noch seine Hinterläufe. Unberührte Natur, die Fernweh in mir weckt, und ich fühlte mich direkt in die Erzählung hineinversetzt, meinte den Wind auf meiner Haut zu spüren, das frische Gras und die klare Luft zu riechen.
Die Details machen den Manga zu einem Kunstwerk. Verzierte Kleidung, Nahrungsmittel, Geschirr, Schnitzereien, Schmuck und Accessoires der Tiere und Menschen, gewebte Teppiche, es gibt keinen Zentimeter, der nicht gefüllt ist mit winzigen Details. Die Charaktere werden ebenfalls sehr genau gezeichnet: Augen, Gestik und Mimik wirken so lebendig, als hätte sie diese von lebenden Menschen abgezeichnet. Die Gesichter strahlen eine Wärme aus, dass ich in dem Manga versinken möchte.
Wo andere Zeichner oft im Klischee versinken und immer wieder die gleichen Bilder abliefern, die gleichen Rasterfolien verwenden, die immer gleichen Stilmittel einsetzen, sticht YOUNG BRIDE´s STORY durch seinen individuellen Stil positiv hervor.
Ein großartiger Manga, den ich jedem Leser ans Herz lege, der Wert auf Zeichnung und emotionale Tiefe legt. Jüngere Leser werden sich mit einzelnen Figuren identifizieren und ihre Freude an den Abenteuern der kleinen Geschwister haben. Ältere Leser haben ihre Freude an den wundervollen Zeichnungen und der intensiven Darstellung des Familienlebens in diesem historischen Rahmen. Einer der besten Mangas, die ich seit vielen Monaten gelesen habe!
Eine sehr gute Review mit gut gewählten Bildern kann man bei >Animey< lesen. Seht Euch die Bilder an, und Ihr versteht meine Begeisterung ;-)
SaraSalamander 22.07.2011, 14.35 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Temptations
Es kann ja nicht alles Hardcore oder Thriller sein, was ich lese. Manchmal liebe ich angenehm leichte Kost zwischendurch. Und Kurzgeschichten sind sowieso toll, da kann man vor dem Schlafengehen mal eine genießen und das Buch gemütlich über ein paar Tage verteilen, ohne sich vor dem Einschlafen noch mit komplizierten komplexen Gedankengängen der Romane oder Fachbücher auseinandersetzen zu müssen.Über Inka Loreen Minden habe ich schon viel gehört, ein paar Leseproben habe ich mir auch schon angesehen, die mir recht gefielen. Da freute ich mich, dass mir nun also vor einiger Zeit TEMPTATIONS bei Tauschticket über den Weg lief: gerade mal 108 Seiten, vier Kurzgeschichten von jeweils rund 25 Seiten, ideal zum Kennenlernen der Autorin.
Die erste Geschichte erzählt von einem Marquess, der sich die Gefühle für seinen Stallburschen nur ungern eingestehen will. Danach schreibt Minden über einen Captain und seinen Ersten Offizier, die in der Vergangenheit einige Probleme miteinander hatten und nun den Grund dahinter erkennen. Die dritte Story handelt von der Entführung eines jungen Adligen durch einen Räuberhauptmann, die anders endet als geplant. Und zu guter Letzt müssen ein im Krieg verwundeter Soldat und sein Leibarzt erkennen, dass es vielleicht doch einen Weg geben könnte, ihre Gefühle nicht mehr verstecken zu müssen.
Inhaltlich gefiel mir der Räuberhauptmann doch am besten. Aber in der vierten Geschichte kann man tatsächlich von einer "Wendung" sprechen, und sie gefiel mir außerordentlich gut. Clevere Idee, und ich bin sicher, dass das nicht nur Fiktion ist sondern in dieser und ähnlicher Form bestimmt schon einige Male praktikziert wurde / wird ...
Die Handlung ist jeweils eigentlich nur ein Alibi. Klar könnte man den Marquess durch eine Gräfin ersetzen und den Stallburschen durch den Küchenjungen und so weiter. Alles schon dagewesen. Na und? Was zählt ist die Unterhaltung, und das gelingt Minden sehr gut. Ich stolpere nicht über kitschige Formulierungen, sondern alles liest sich flüssig und angenehm. Die Worte sind perfekt gewählt, sie sind weder zu abgedroschen noch wären sie ungewöhnlich. Sondern, wie gesagt, es ist ein Fluss, dem der Leser gerne folgt, und schon sind 25 Seiten vorbei, ehe man richtig angefangen hat zu lesen. Eigentlich wünscht man sich am Ende nur, dass es jetzt weitergehen könne. Denn grade jetzt wurde es erst richtig spannend!
Ja, es ist banal. Ja, es ist immer wieder das Selbe. Und, ja, manchmal tut es gut, so etwas zu lesen. Und dann bitte mit Stil und angenehmer Sprache. Während ich das lese, will ich nicht ständig das Gefühl habe, ich hielte Schmuddelzeug in der Hand. Ich will aber auch nicht ständig lachen müssen wegen unfreiwillig komischer Sätze. Und genau das ist es, was mir an Minden gefällt: ich kann mein Hirn abschalten und einfach nur für ein paar Minuten die Geschichte genießen, mit einem Lächeln zurückkommen und sagen "ach, das war jetzt richtig romantisch und sexy" ...
Wer anspruchsvolle Erotik mag, kann gerne ein wenig in meinem Blog wühlen (es werden demnächst einige weitere Titel folgen). Aber wer zwischendurch was Nettes, Unkompliziertes will, der kann hier eigentlich gar nichts falsch machen.
Ich jedenfalls weiß nach diesem Buch: MEHR! Dies war zwar mein erstes, aber ganz sicher nicht mein letztes Buch dieser Autorin :-)
SaraSalamander 09.05.2011, 15.33 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL
Spice and Wolf
Für eine Rezension ist es definitiv zu früh. Aber schon jetzt bin ich begeistert. Und da es nicht aussieht, als wäre die Serie endlos (sowas nervt mich irgendwann. Ich liebe es knapp und abgeschlossen), kann sie das Niveau bestimmt halten. Bei meinem Streifzug durch den Mangaladen stieß ich auf SPICE AND WOLF. Cover, Klappentext, Zeichnungen auf den ersten Blick absolut ansprechend. Egal, wieviele Bände, wenigstens anlesen und reingucken. Und zu Hause nun die absolute Begeisterung. Ursprünglich ist SPICE AND WOLF eine >Light Novel<. Gibt es hier in dieser Form nicht, kennt man nur in Japan. Dazu kam nun der Manga auf den Markt und auch eine Animeserie. Und ich will am liebsten alles, jetzt und zwar sofort! Wirklich eine Schande, wie sie uns hier in Deutschland anfixen und dann das Zeugs nicht komplett hier veröffentlichen *jaul* ...
Lawrence ist Händler und reist durch Städte und Dörfer. Holo ist eine junge Frau mit Wolfsohren und einem langen, buschigen Wolfsschwanz. Sie behauptet die Erntegottheit des Dorfes Pasloe zu sein und möchte nun mit Lawrence reisen.
Das ist es, was ich bisher weiß, und ich weiß auch nicht, wohin sich die Story entwickelt. Kann mir aber denken, dass so eine Wolfsfrau einige Probleme mit sich bringt, sei es durch ihr Verhalten oder auch die Angst der Menschen ihr gegenüber. Und ein wenig Romance wird besitmmt auch noch folgen, denn die beiden passen einfach hervorragend zusammen! Die Bilder sind wunderschön, ob nun im Manga oder im Anime. SPICE AND WOLF ist kein Hauruck, keine Action, sondern eine ruhige Erzählung, wie ich sie liebe. Langsam, sanft, emotional, inhaltsreich auch ohne große Worte. (Für die, die sich ein wenig auskennen auf diesem Gebiet: ich mag Serien wie z.B. WOLFS RAIN, HAIBANE RENMEI oder ähnliche).
Besonders die Charaktere sind toll. Sie sind mir schon nach wenigen Seiten direkt ans Herz gewachsen. Lawrence, selbstbewusst als Händler und in persönlichen Dingen doch recht schüchtern. Und Holo, keck, gewitzt und frech, aber auch treu und eben doch eine Göttin in ihrer Anmut und Macht. Ein wundervolles Gespann, das ich gerne auf der Reise begleiten werde :-)
Es ist eine von den Geschichten, die ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Und ich kann es nicht erwarten, bis es endlich bei uns erscheint! Wenigstens den Manga kann ich jetzt schon lesen (auch, wenn ich frustriert bin, dass ich bis April auf die Fortsetzung warten muss).


SaraSalamander 24.02.2011, 10.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Das giftige Herz
Passend zur Weihnachtszeit möchte ich "das giftige Herz" von Virginia Doyle vorstellen. Mein erster Roman der Autorin, die sonst historische Kriminalromane eher aus dem Bereich Hamburg schreibt. Ich habe von ihr noch nichts gelesen, aber "das giftige Herz" ist ein historischer Weihnachtskrimi aus Nürnberg, also konnte ich gar nicht anders als ihn zu lesen ;-)Jaques Pistoux, gelernter Koch, arbeitet vorübergehend in Nürnberg als Zuckerbäcker bei Herrn Dunkel, welcher als angesehener Händler Lebkuchen sogar ins Ausland verkauft, trotzdem nur eine kleine Bäckerei betreibt. Ein Komissar wurde nach Nürnberg versetzt und fristet hier nun sein Dasein, macht eher unwillig seinen Job. Plötzlich zwei Todesfälle: ein Straßenjunge, gestorben an einem vergifteten Lebkuchen. Und ein reicher Geschäftsmann, um den Hals ein vergiftetes Lebkuchenherz. Wie hängen die beiden Fälle zusammen?
Wirklich ein sehr schöner Roman. Leicht und entspannend zu lesen, ohne großartige komplexen Zusammenhänge, ohne hunderttausende unnötigen Charaktere oder Voraberzählungen, ohne sinnlose Ausschweifung oder besonderen Eigenheiten im Schreibstil. Einfach ganz schlicht, ohne etwas Herausragendes sein zu wollen. Gerade diese Einfachheit hat mir sehr gefallen, sie passte wunderbar zur Handlung mit den pfiffigen Straßenkids, dem gutmütigen Koch und den mürrischen Franken in der kleinen, engen Weihnachtsstadt mit ihren verwinkelten Gässchen. Klar, eine kleine Verschwörung gab es dann doch, aber dies war gut durchschaubar, leicht verständlich.
Die Charaktere mag man schon nach wenigen Zeilen, allesamt sind sie mir sympathisch (natürlich bis auf die "Bösen", die man sehr schnell erkennt. Und sogar als ungeübter Leser mit wenig Krimierfahrung ist schon beim ersten Auftreten der Person klar, wer der Täter sein muss. Na und? Manchmal tut es gut, wenn nicht alles so kompliziert ist *smile*).
Der Lokalkolorit gefällt mir sehr. Er erschlägt nicht, ist nicht überzogen, trotzdem könnte die Geschichte in dieser Form in keiner anderen Stadt spielen als nur in Nürnberg, dazu sind zuviele Verquickungen vorhanden. Und wenn man natürlich weiß, wo sie gerade entlanglaufen (ohne dass es wie in manchen überladenen Regionalgeschichten in jedem Satz exakt erwähnt wird) und wie es dort aussieht, und wenn man dann ein andermal spazierengeht und sich denkt "ah ja, hier war es, wo", dann macht es gleich umso mehr Spaß. Aber auch für Nichtfranken ist das Buch ein wirklich nettes Stück Unterhaltung zur Weihnachtszeit.
Wie ich anderen Inhaltsbeschreibungen entnommen habe, gibt es wohl mehrere Romane um den Koch Jacques Pistoux (der nur hier vorübergehend als Bäcker arbeitete, als er auf der Durchreise war, und wenn schon Nürnberg, dann bitte Lebküchner). Auf jeden Fall hat mir dieser Roman sehr gut gefallen, und ich werde wohl noch weitere Romane der Autorin lesen. Nicht unbedingt Hamburg, das ist dann eher was für die Leute im Norden, aber Jacques habe ich inzwischen doch ins Herz geschlossen.
Wer es schlicht, herzlich, ein wenig schrullig mag, der ist mit diesem ungewöhnlichen Weihnachtskrimi jedenfalls hervorragend bedient :-)
SaraSalamander 22.12.2010, 10.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Landkarte der Zeit
"Die Landkarte der Zeit" ist ein Buch, das mich aus vielen Gründen sofort angesprochen hat, als ich nur Cover und Klappentext zur Hand hatte: Zeitreisen sind immer ein spannendes Thema. Das viktorianische London ist eine wunderbare Kulisse für unheimliche Geschichten.Ein ungewöhnlicher Bibliothekar soll auch darin vorkommen. Und passend zum Zeitalter Ende 19tes Anfang 20tes Jahrhundert bestimmt auch viel Dampfmaschinen und Steampunk-Elemente. Ein Roman wie für mich gemacht!Die Handlung lässt sich am besten in den drei Abschnitten beschreiben, in welche das Buch auch gegliedert ist: im ersten Teil erfährt der Leser von einem jungen Adligen, der sich in eine Prostituierte verliebt. Doch leider befinden wir uns im Zeitalter von Jack the Ripper. Nach dem Verlust seiner großen Liebe will er nun seinem Leben ein Ende setzen, doch sein Cousin hat eine grandiose Idee: mittels einer Zeitreise zurück an den Tag des Geschehens und die grausige Tat verhindern!
Danach erfährt man, wie ein junges Mädchen ihres Lebens in diesem Jahrhundert leid ist. Sie will nicht nur braves Mädchen sein müssen, heiraten, Kinder kriegen, sie will Abenteuer. Da bietet es sich an, die neue Zeitreise zu testen, welche nun endlich möglich wurde dank der Firma "Zeitreisen Murray", und sie beschließt niemals in ihr Jahrhundert wiederzukehren.
Der dritte Teil ist der komplexeste, in welchem alle Handlungsfäden zusammenlaufen. Grob lässt er sich damit umreißen, dass ein Polizist ein Verbrechen klären will, welches mit Waffen aus der Zukunft verübt wurde. Dieser Teil beinhaltet vor allem ethische, philosophische, futuristische Inhalte und sprengt die Grenzen jeglichen Genres: Sci-Fi? Fantasy? Krimi? Viktorianischer Grusel? Abenteuer? Drama?
Soviel bereits zur Handlung, und im Grunde habe ich gar nichts gesagt. Denn obige Beschreibung ist lediglich ein Versuch, es zu umschreiben. Das, was tatsächlich geschieht, darf ich nicht schreiben, sonst würde ich nur spoilern. Nur soviel: in diesem Buch ist nichts, wie es scheint, und der Leser wird bis zur letzten Seit im Unklaren gelassen. Der olympische Ich-Erzähler dirigiert uns mal hierhin, mal dahin, dann plaudert er wieder über Belangloses, nur um im nächsten Moment eine unerwartete Wende zu bringen und uns so richtig aus dem Sessel zu reißen vor Überraschung. Jedesmal, wenn ich dachte "aaaah, endlich habe ich verstanden, was das alles soll", passiert wieder etwas anderes, das alles über den Haufen wirft! Und wenn man dann am Ende alles begriffen hat, sind die letzten Absätze erneut eine Wende, die man erstmal verdauen muss und die man auch im ersten Moment nicht wirklich begreift. Man muss darüber nachdenken. Und dann muss man sich eingestehen, dass es eigentlich nicht immer notwendig ist, alles zu begreifen und es manchmal mehrere Möglichkeiten gibt. Wer sagt denn, dass alles immer eindeutig sein muss?
Dieses Buch habe ich nur sehr ungern aus der Hand gelegt (naja, die Kopfhörer aus den Ohren genommen). Egal, an welcher Stelle ich pausieren musste, es war gerade so spannend, dass ich den nächsten Moment kaum abwarten konnte und in der Zwischenzeit kaum an etwas anderes dachte als daran, wie es wohl weitergehen könnte und ob diese neue Information eben etwa bedeuten könnte, dass ... (nur, um dann beim Weiterhören erkennen zu müssen, dass ich wieder einmal an der Nase herumgeführt wurde).
Ich selbst war absolut begeistert von dem Buch, und ich zähle es schon jetzt zu den Highlights 2010 für meine persönliche Leseliste. Allerdings kann ich verstehen, wenn nicht jeder sich mit diesem Titel anfreunden kann. Es ist ein wilder Genremix, und gerade für Leute, die gerne im Klaren sind, was sie eigentlich lesen, ist es eher ungeeignet (manch einer mag zum Beispiel Fantasy, liest aber nicht gerne historisch. Mag Scifi aber nur die moderne Variante). Die Sprache gefällt mir sehr gut, sie wirkt ein wenig altbacken, die Sätze sind stellenweise recht verschachtelt. Sie passt eben in die Zeit, und das alte London wurde vor meinen Augen lebendig. Aber man muss sich darauf einlesen, kann es schwer nebenbei konsumieren. Außerdem braucht man recht viel Geduld. Denn die Haupthandlung entwickelt sich sehr langsam, kommt erst im dritten Teil ins Rollen, die ersten beiden sind lediglich nette Geschichten zur Vorbereitung des Hauptspektakels am Ende.
"Die Landkarte der Zeit" ist ein unglaubliches Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte, der gerne kreative Romane liest und aufgeschlossen ist für eine bunte Mischung. Für jeden, der sich gerne zurücklehnt und gespannt einem ruhigen, flüssigen Erzähler lauscht und der auch kein eindeutiges Ende erwartet. Dieses Buch ist die literarische "Katze im Sack", und man sollte sich darauf einlassen können, einfach nur abzuwarten, was passieren wird. Geduld, liebe leser, dieses Buch ist es wert!
SaraSalamander 06.12.2010, 11.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Minik - an den Quellen der Nacht
Ich habe "Minik - an den Quellen der Nacht" von Ralf Isau begonnen vor einiger Zeit. Eine Rezension werde ich nicht schreiben, denn leider hat mich dieses Buch nicht sosehr angesprochen. Isau hat sich mal auf ein ganz anderes Gebiet gewagt, das finde ich super. Und ich finde, er hat seine Sache prima gemacht. Es gibt nichts an dem Buch auszusetzen. Es war einfach nur so, dass es mich nicht gepackt hat. Eigentlich eine sehr interessante Story, sie basiert auf dem wahren Leben des Inuitjungen, der im Namen der Wissenschaft aus seiner Heimat nach New York gebracht wurde und dort aufwuchs, später wieder zurück in seine kalte Heimat ging. Geschildert wird sein Zwiespalt zwischen den Kulturen, ein Fremder hier wie dort. Etwa ein Drittel habe ich gelesen. Abgebrochen habe ich nicht aus Desinteresse, sondern weil ich das Buch zu lange mit mir herumzog. Normalerweise lese ich Bücher entweder in wenigen Tagen oder gar nicht. Wenn es sich über mehrere Wochen hinzieht, ich durch andere Bücher unterbreche, dann lege ich das Buch weg. Vielleicht werde ich es ein andermal versuchen. Aber momentan war mir wohl einfach nicht danach. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Geschichte zwar sehr interessant, aber doch teils real teils fiktiv schon zu oft erzählt wurde: die Geschichte eines Kindes, das in eine fremde Kultur kommt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, alles bereits zu kennen. Was ich aber dem Autor keinesfalls vorwerfen möchte, denn es ist einfach ein gutes Thema, und während andere fiktiv sind, basiert seines eben auf Tatsachen (wenn auch natürlich dramaturgisch ergänzt bzw leicht verändert).
Empfehlen? Ja, absolut. Es ist packend geschrieben, und der Hintergrund des Romanes ist spannend. Wer keine Fantasy mag, sollte sich von dem Namen Isau nicht schrecken lassen, denn dieses Buch ist ganz anders als seine anderen. Jedoch mindestens genauso gut!
SaraSalamander 14.05.2010, 15.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Caius ist ein Dummkopf
Als Lateinschüler und Leseratte waren die Bücher von Henry Winterfeld natürlich ein Muß für mich. Zusammengefasst unter dem Titel "Caius - der Lausbub aus dem alten Rom" gab es die drei Bände "Caius ist ein Dummkopf", "Caius geht ein Licht auf" und "Caius in der Klemme". Ich liebte ein Buch sosehr wie das andere, mein Favorit war jedoch der Dummkopf, und diesen habe ich nun auch als Hörspiel in die Finger bekommen und genossen. Diese Bücher sind es wert, einzeln rezensiert zu werden, deswegen hier ein paar kurze Infos über die Serie und nur der Inhalt des ersten Bandes :-)Der Grieche und alte Lehrer Xanthippus unterricht in seiner Klasse die Schüler Caius, Marcus, Antonius, Flavius und Rufus. Aber auch damals schon waren Jungen so richtige Lausbuben, und Rufus schreibt mit großen Buchstaben "Caius ist ein Dummkopf" auf seine Tafel. Es entbrennt ein Streit, und Xanthippus wirft Rufus aus dem Unterricht. Am nächsten Morgen steht in großen Buchstaben "Caius ist ein Dummkopf" an der Wand des dem Kaiser geweihten Minervatempels, in Rufus´ Schrift, und Xanthippus wurde überfallen! Rufus behauptet, er habe den Tempel nicht geschändet, aber wer sonst sollte so etwas getan haben, und warum? Und wer hat den alten Lehrer überfallen? Die Jungen machen sich auf die Suche nach dem Täter, um ihren Freund Rufus aus dem Gefängnis zu befreien.
Herrlich, ein wundervoller Kinderkrimi ab etwa 12 Jahren. Von der ersten Seite an ist das Buch spannend, aber auch witzig und vor allem sehr gut zu lesen. Aus dem harmlosen Streich entwickelt sich ein Fall, der sich am Ende als ziemlich brisant herausstellt.
Das Leben im antiken Rom wurde sehr gut aufgezeigt, ohne Dinge zu beschönigen oder schlechtzumachen. Sklavenhaltung als etwas Selbstverständliches, die Trennung von Knaben und Mädchen, Schulbildung nur für die Reichen, die Privilegien der hohen Herrschaften, Spiele und Freizeitbeschäftigung der damaligen Zeit, Familienleben, Wohnverhältnisse und vieles mehr wird sehr anschaulich dargestellt. Die Jungen damals unterschieden sich gar nicht so sehr von den Schülern heute, werden die Leser bald feststellen, und auch damals hatten sie bereits allerhand Unsinn im Kopf.
Gute Kinderkrimis sind selten, und wenn sie noch dazu im alten Rom spielen, sind sie etwas wirklich Besonderes. Der Lausbub Caius ist ein Buch, das in der Schule meiner Ansicht nach fast Pflichtlektüre werden sollte, wenn die Antike behandelt wird. Geschichte muss keinesfalls trocken und staubig sein ;-)
SaraSalamander 25.08.2008, 11.16 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

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