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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Thriller
Messias

ein Isau ganz nach meinem Geschmack. Anfangs vor allem in der Kinder- und Jugendliteratur zugange, schreibt er nun auch Thriller und Romane für Erwachsene. Hermaphroditen, Synästhesie, Massenselbstmorde in Sekten, Geheimdienst, das sind seine neuen Themen. Und nun auch ein Kirchenthriller, wie sie momentan recht in Mode sind. Da ist die Frage, ob er nun momentan auf der Erfolgswelle mitreiten will, oder ob ihm das Thema selbst auf dem Herzen lag, schon berechtigt ...
hier und da liest man "besser als Dan Brown" oder "braucht keinen Vergleich scheuen". Solche Vergleiche will ich gar nicht erst bringen. Jedes Buch für sich ein eigenes Werk, und was dem einen gefällt, ist nichts für den anderen. Das mag jeder für sich entscheiden. Für mich jedenfalls war "Messias" hervorragende Unterhaltung mit vielen starken Momenten, aber auch einigen Schwächen.
Der Hauptcharakter ist leider ein Mensch, mit dem ich - ebenso wie auch in "die Dunklen" und "der Mann, der nichts vergessen konnte" nicht wirklich warm wurde. Zu fern wirkt er mir, zu fremd für mich in seinem Erleben und Fühlen, seine Handlungen für mich häufig nicht nachvollziehbar. Dafür die Nebencharaktere umso gelungener. Schon nach wenigen Zeilen mochte ich die schrägen Iren. Den Hahn, der allmorgendlich die Leute weckt. Die alte Dame, deren verstorbenem Gatten "ein Schaf in den Schoß fiel" und welche den Racheengel gesehen hatte. Die sanfte und selbstbewusste Anny, der ergebene, fleißige Kirchendiener Kevin, und vor allem die wunderbare Fiona. Allen voran jedoch natürlich der alte Seamus in all seiner "Wunderlichkeit" ...
sehr schön finde ich, wie die Grenze zwischen Wunder und Realität verwischt. Anfangs ist dem Leser nicht wirklich klar, was er glauben soll und was nun tatsächlich vorgefallen ist. Doch bald wird klar, was gespielt wird, und es bleibt die Frage nach dem "warum" und "wie". Bis diese jedoch beantwortet wird, vergehen einige Seiten, und manche Dialoge und Szenen ziehen sich leider auch recht in die Länge, ohne die Handlung voranzutreiben oder die Charaktere besser zu beleuchten. Ein wenig scheint es mir, als würde es immer mehr Mode, dass Autoren ihr für das Buch angeeignete Wissen auch einstreuen wollen, indem sie fachliche Vorträge einbinden, die für den Leser gar nicht so sehr von Bedeutung sind, die aber zeigen, dass der Autor sich mit dem Thema befasst hat. Bücher werden dicker, jedoch nicht zwangsläufig inhaltsreicher dadurch. Aber dicke Bücher verkaufen sich einfach besser ...
Toll finde ich die Locations. Man merkt, dass Isau schon in Irland war, und dass er vor allem reale Schauplätze vor Augen hatte, wenn er von den Pubs und Straßen des kleinen Dörfchens schreibt. Die Stimmung kommt sehr gut beim Leser an, als wäre er selbst dort gewesen.
Die Familiengeschichte der Whealans und McAteers ist sehr spannend Normalerweise mag ich Familienbande und Verstrickungen nicht, es dürfte bei Isau das erste Mal gewesen sein, dass die Vergangenheit einer Familie so mitreißend geschrieben war, dass sogar ich es mit Genuss gelesen habe.
Was das insgesamt sehr positive Bild dieses Romanes etwas geschmälert hat, war wieder einmal das Ende. Isau hat die D´Albis eingebracht, eine Figur aus seinem Roman "die Dunklen". Diesmal kein kleiner Nebenauftritt wie sonst immer, sondern sogar mehrere Seiten eine wichtige Schlüsselrolle zur Auflösung des Romanes. Für Fans von Isau sehr schön. Für Leute, die den Roman alleinstehend lesen jedoch sehr problematisch, da sie wohl nur sehr schwer nachvollziehen können, was auf diesen Seiten passiert ist und wie dies möglich war. Ich bin zumindest froh, dass ich den Roman zuvor gelesen hatte und wusste, worum es ging!
Und dann die "Auflösung" des Romanes. Es waren mir am Ende ein paar Wunder zuviel. Es gab Dinge, die nicht erklärt wurden (für die, die es gelesen haben: kann mir jemand den blühenden Baum oder die blutende Krone erklären?). Es gibt "reale" Wunder, es gibt inszenierte Wunder, ich möchte nicht vorweggreifen, aber meiner Ansicht nach waren es teilweise sehr seltsame Szenerien, und am Ende wurde es mir dann doch etwas zuviel. Fast so, als hätte der Autor nicht gewusst, wie er diese oder jene Situation retten soll, also flink ein Wunder aus dem Ärmel gezaubert. Natürlich war dies nicht der Fall, es passt alles perfekt ins Bild und steuerte von Anfang an darauf hin, schon der Prolog verkündete quasi das Ende des Romanes. Doch es war dann doch etwas sehr geballt.
Es ist sehr schwer, einen Roman zu schreiben, der sowohl reale Elemente wie auch Fantasy enthält, und Isau hat etwas vollbracht, das nur wenigen Autoren gelingt, nämlich beides zu verknüpfen. Er hat das Genre "Phantagon" erschaffen, und niemand beherrscht es so meisterhaft wie er. Da seien ihm ein paar Schwächen verziehen. Meine beiden Lieblingswerke "Kreis der Dämmerung" und "Tillmann Thaddäus Trutz" wird er wohl nicht mehr übertreffen können, aber wie gesagt, ich will nicht vergleichen. Für sich betrachtet ein prima Werk, das ich viel zu schnell verschlungen hatte ... mit nicht gerade geringen Schwächen, die man diesmal aufgrund der packenden Handlung und des spannenden Themas aber ausnahmsweise freundlich übersehen darf ...
Isau empfehle ich denjenigen Lesern, welche offen sind für Neues. Die bereit sind zu akzeptieren, dass unsere Welt nicht nur aus Schwarz und Weiß besteht, sondern dass die vielen Grautöne dazwischen unser Leben bestimmen. Die Dinge sind nicht immer so, wie sie scheinen. Und nur, wer bereit ist, sich auf die kleinen Wunder einzulassen, etwa zweigeschlechtliche Menschen, Personen mit Inselbegabungen oder besonderen Fähigkeiten der Sinneswahrnehmung, nur der wird Isau begreifen und genießen. All jenen, die das Träumen noch nicht verlernt haben, lege ich seine Bücher ans Herz.
Und Messias empfehle ich ganz besonders jenen, die noch an Wunder glauben. Oder aber, die erst recht nicht an Wunder glauben und sich bestätigt sehen wollen, dass es doch nur Show ist ;-)
Erowyinn 14.07.2010, 10.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Wieder ein Kirchenthriller
Ein greller Lichtschein, und die Jesusfigur ist vom Kreuz in der kleinen irischen Kirche verschwunden. Dafür liegt ein Mann mit Stigmata und einer Dornenkrone auf dem Boden, der hebräisch spricht und sich Jeschua nennt. Ein Ermittler aus dem Vatikan wird angewiesen, diesen Vorfall zu prüfen. Handelt es sich um ein Wunder, oder sind geschickte Betrüger am Werk? Was hat es mit den Morden auf sich, die wie Gottesurteile aussehen? Wie ist es möglich, dass sich Hostien plötzlich in Fleischklumpen verwandeln?
Und mittendrin eine spannende Familiengeschichte mit schrulligen Charakteren. Wirklich prima, und es fällt mir schwer, das Buch zwischendurch beiseite zu legen. Wie gesagt, ich bin mehr als nur gespannt auf das Ende!
Erowyinn 08.07.2010, 20.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Zwei aktuelle Romane
aber ich muss jetzt wenigstens ein paar Gedanken loswerden über die beiden Bücher, welche ich aktuell lese bzw höre.
Ich lese gerade "das Buch der Namen" ovn Gregory und Tintory und bin recht enttäuscht. Es zieht und zieht sich. Eigentlich eine sehr spannende Story (die ich noch recherchieren werde) über einen jungen Mann, der seit seinem Unfall Namen in einem Notizbuch sammelt. Es stellt sich heraus, dass all diese Menschen bereits getötet wurden, bzw noch getöte werden sollen, denn sie sind die "36 Gerechten" Lamedwowniks, welche das Gefüge der Welt zusammenhalten. Ein Wettlauf gegen die Zeit und eine böse Geheimorganisation beginnt, in welcher mal wieder die Zukunft der Welt auf dem Spiel steht.
Super Sache eigentlich, prima Stoff für ein tolles Buch. Aber ich kann mich mit dem Schreibstil nicht wirklich anfreunden, bereits die Hälfte habe ich gelesen, und ich fiebere mit keinem der Charaktere mit, keiner liegt mir am Herzen, eigentlich sind sie alle mir egal. Ich lese, weil ich die Handlung wissen will, und diese ist zwar turbulent, aber das war es dann auch. Mir fehlt ein wenig Hintergrund, es wird zuviel angerissen, zu wenig erklärt und dann einfach drauflosgeballert. Es gibt zwar viele Erklärungen, doch für diese fehlt die Basis, die widerum nur angerissen wird, und daher scheint mir alles sehr an den Haaren herbeigezogen. Schade :(
Und auf den Ohren habe ich momentan "Ich bin kein Serienkiller" von Dan Wells. Sagte mir gar nichts, der Titel, aber Kaminski als Sprecher KANN nur gut sein. Ich ließ mich völlig offen auf das Buch ein und war dann sehr erstaunt. Doch erst kurz zur Handlung:
der 15jährige Ich-Erzähler John spürt, dass in ihm eine Bestie schlummert, ein grausamer Serienkiller, der nur darauf wartet, dass John die Kontrolle verliert. Also schafft er sich Regeln, mit denen er seinen Dämon im Zaum halten kann. Nach außen wirkt er für die meisten wie ein normaler Junge. Wenn man davon absieht, dass er seiner Mutter im Bestattungsinstitut bei den Leichen hilft, und wenn man mal außer Acht lässt, dass er eigentlich ein Sonderling ist und sich zudem auch noch für Serienkiller interessiert, unter Enuresis leidet, Feuer faszinierend findet, das Sezieren von toten Tieren als spannend empfindet und manchmal andere Leute einfach umlegen will. Dann geschehen eines Tages grauenvolle Morder in der kleinen Stadt, in der John lebt, und John findet mit seinem Fachwissen über Serienmörder heraus, wer der wahre Täter ist. Wie soll es nun weitergehen?
Ich ließ mich wie gesagt völlig offen auf das Buch ein und war erstaunt. Ich hatte anfangs einen Thriller erwartet, den als solcher ist er ausgeschrieben, auch das Cover sieht entsprechend aus. Dann ist der Protagonist auf einmal ein 15jähriger. Und dann wird es auf einmal auch noch mystisch. Ist dieser Dämon eine Metapher? Oder driftet das Buch nun in eine völlig andere Richtung ab? Ich kann verstehen, dass einige der Leser enttäuscht und verärgert sind, wenn sie einen Krimi erwarten und Fantasy bekommen. Mich dagegen freut das natürlich, denn es wird gerade richtig spannend, und ich finde es meisterhaft erzählt, wie John mit seinem Konflikt umgeht. Dazu die stete Frage, ob er wirklich ein Psychopath ist, oder ob er einfach ein ganz normaler 15jähriger Junge ist, der einfach ein paar seltsame Hobbies und Interessen hat und das Interesse an Mädchen aus erweckenden männlichen Gefühlen heraus vielleicht mit Stalking und krankhaftem Zwang verwechselt? ;-)
Erowyinn 04.03.2010, 15.51 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Der eine ist stumm, der andere ein Blinder
Erster Satz:
Das Computerspiel "Die Siedler von Uris" war im Netz innerhalb von wenigen Wochen zu einer Sensation geworden.
Letzter Satz:
"Frag doch nicht so blöd. Dann gehen wir endlich heim, Vater."
aus: A Pirincci: Der eine ist stumm, der andere ein Blinder; Heyne 2008
Erowyinn 02.02.2010, 16.50 | (4/3) Kommentare (RSS) | TB | PL
Closer
Ich schwanke sehr, was dieses Buch betrifft. Einerseits riss es mich sehr mit, andererseits hat es auch einige gravierenden Schwächen, die nicht einfach ignoriert werden können. Doch erst einmal brav der Reihe nach, ...Jack verlor seine Familie durch einen grausamen Serienkiller (blutrünstig, brutal, blutig, bestialisch, und so weiter). Nun ist er getrieben von einem einzigen Ziel: Rache. Und so beginnt er seinen Feldzug, indem er gemeinsam mit der Prostituierten Nicci auf die Jagd nach Serientätern geht. Sie lockt für ihn die Beute, und er "verhört" sie. Entlockt den Tätern Informationen über die Opfer und deren Tod, die er den trauernden Angehörigen zukommen lässt, wie auch er selbst noch viele offene Fragen an den Mörder seiner Familie hatte. Bald gerät er über das Internet auf die Spur des Mörders, den er so lange schon sucht, und er schleust sich in die geschlossene Community von irren Serientätern ein, um seinem Ziel wieder ein Stück näherzukommen. Doch sein Vorhaben ist riskant, sein zukünftiges Opfer scheint von ihm zu wissen und spielt mit ihm Katz und Maus. Wer wird am Ende siegen - Jack oder das Ungeheuer? Oder wird Jack gar selbst zu einem Monster?
Um diesen eher profanen Roman ein wenig mit Nietzsches Philosophie anzureichern: "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, daß er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." Dies ist das Kernthema des "Closer" (so genannt, weil er Fälle abschließt (to close), an welchen die Polizei bis dato erfolglos arbeitete): die Frage, ob Jack wirklich "nur" auf Rache aus ist und dann seinen Feldzug beenden wird, wenn er hat, was er wollte, oder ob er nun selbst zum Tier wird, welches einen Mord nach dem anderen begeht, süchtig nach dem Rausch des Adrenalin. Dies ist für ihn eine drängende Frage, mit diesem Thema spielt auch sein Gegner, und wegen dieser Problematik kommt es zu einem Konflikt mit Nicci. Will Jack überhaupt noch den Mörder finden, oder wurde der Weg zum Ziel?
Nun, im Grunde ist diese kurze Betrachtung eigentlich schon zuviel Ehre für diesen unterhaltsamen, aber doch eher oberflächlichen Roman. Er versucht sich stellenweise an etwas Tiefe und Inhalt, doch im Grunde geht es lediglich um das Anlocken und Töten, welches recht genüsslich zelebriert wird. Der Closer ist blutig, seine Foltermethoden sind grausam, er hat sie schließlich aus Fachliteratur über den Nationalsozialismus, moderne Kriegsführung und Folterpraktiken übernommen und wurde bald selbst kreativ. Schließlich wird der vergleichende Aspekt zwischen Kunst und Folter im Buch immer wieder hervorgehoben.
Was mir an dem Buch gefällt ist ... hm, was gefiel mir? *grübel*. Es war sehr unterhaltsam. Mal was Nettes für zwischendurch, bisschen grausam und blutig, es kann ja nicht immer nur niveauvoll und hintergründig sein. Ich hatte sehr klare Bilder vor Augen, fast als hätte ich einen Film gesehen. Und ich kann mir sogar vorstellen, dass dieses Buch sich perfekt als Drehbuch für einen recht guten Hardcore-Thriller eignet zur abendfüllenden Unterhaltung.
Hier liegt die Stärke des Buches, aber zugleich auch die größte Schwäche. Ich weiß nicht, wie die Kapitel im Roman abgetrennt sind, im Hörbuch jedoch weder durch einen Absatz noch durch eine Pause oder einen Vermerk auf das nächste Kapitel. Aus diversen Rezensionen im Web konnte ich allerdings entnehmen, dass auch im Buch selbst die Sprünge teilweise zu heftig für die Leser waren.
Ohne Punkt und Komma geht es von einer Szene zur nächsten, eben wie in einem Filmdrehbuch. Im Film jedoch sieht man die Personen und den Schausplatz, im Buch dagegen wird einfach ein neuer Dialog begonnen, und man weiß nicht so recht, wer sich gerade wo befindet, und worüber gerade diskutiert wird. Zu abrupt die Sprünge, zu schnell verliert man den Anschluss und muss höllisch aufpassen, nichts von der Handlung zu verpassen.
Dazu kommt, dass das Verwirrspiel um die Namen nach einiger Zeit fast schon zu kompliziert wird. Der Täter schleust sich in die Gemeinschaft ein, tötet einen von ihnen und übernimmt dessen Identität. So heißt er nun also in der Realität Jack, trägt den Spitznamen Closer und nimmt nun einen dritten Namen an. Tötet den nächsten und übernimmt nun auch dessen Identität im Netz. Es ist dem Leser / Hörer nicht immer klar, ob es sich nun um einen Rückblick auf einen Dialog des echten Namensträgers oder um eine neue Szene mit Jack in der neuen Identität handelt. Und auch die anderen Serienkiller spielen teilweise doppeltes Spiel. Wie gesagt: wäre es ein Film, er wäre grandios. Für ein Buch jedoch ist das ein Stilmittel, das den Leser in einem Maß verwirrt, das irgendwann lästig wird statt für Spannung zu sorgen.
Mein Fazit? Super Unterhaltung mit großen Schwächen. Als Zwischenmahlzeit extrem lecker, als Hauptgang ungeeignet. Man muss sich auf viel Gewalt einstellen, die weniger der Handlung dient, sondern eher Selbstzweck ist. Wenn man keine großen Erwartungen an "Closer" hegt, actionreiche Blockbuster im Buchformat liebt und einen guten Magen hat, dann ist das Buch durchaus zu empfehlen.
Erowyinn 04.01.2010, 09.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Toten schweigen, Kaminski spricht
Und Stefan Kaminski macht seine Sache wirklich klasse. Allerdings kann ich die Worte "leck mich" nicht mehr hören, mir tut sowas in den Ohren weh, und so oft wie in diesem Buch habe ich es schon sehr lange nicht mehr gehört. Nä, das mögen meine verwöhnten Lauscher gar nicht. Erstaunlich, beim Lesen habe ich sowas immer überflogen, beim Speedreading fallen manche Sachen für mich einfach unter den Tisch, weil sie nicht zur Handlung beitragen. Doch beim Hören kann ich mich davon nicht distanzieren.
Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ist, wenn man ein Medium liest oder im Gegensatz dazu hört ...
Erowyinn 22.12.2009, 18.03 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Die Toten schweigen noch immer
Heute Abend bekommt "die Toten schweigen nicht" seine letzte Chance. Bisher kann es mich absolut nicht überzeugen. Die Sprache war in "der siebte Tod" zwar auch nicht gerade ein Hit, aber der Sarkasmus und der inhaltliche Witz ließen mich darüber hinwegsehen. Hier aber werde ich einfach nicht warm mit dem Buch.Der Held ist mir unsympathisch, sein Handel begreife ich nicht, sein Vorgehen erscheint mir seltsam. Auf die Handlung bezogen habe ich bereits das halbe Buch geschafft, und noch immer habe ich das Gefühl, dass nichts passiert ist. Es trieben ein paar Leichen an die Wasseroberfläche, ein Verdächtiger hat sich ermordet, und die Presse will nun den Protagonisten zum Täter machen. Die Tochter des Helden wird exhumiert, und dieser sinnt auf Rache. Okay, so weit, so gut. Aber ich warte noch immer auf den Kick. Denn laut Cover gerät auch der Held selbst ins Visier der Polizei, und auch der Mörder habe es auf ihn abgesehen. Und bisher ist noch nichts dergleichen passiert. Ob es später dann endlich spannend wird?
Bisher habe ich vor allem erfahren, dass sein Handy den Sturz in den Teich nicht so recht überlebt hat. Dass er sein Handy auflädt. Dass er sich ein neues Handy besorgen muss wegen des Wasserschadens. Dass er das Handy aus hatte und viele Anrufe erhielt in der Zwischenzeit. Dass er sein Handy laden muss. Und dass der Vater des toten Verdächtigen auf seinem Handy anruft und ihn bedroht. Toll *gähn*.
Heute Abend gebe ich dem Buch die letzte Chance. Ich werde im Speedreading-Verfahren alles überfliegen, was noch so auf mich zukommt, soweit ich es schaffe, bevor mir die Augen zufallen und ich schlafen werde. Und sollte es mich dann nicht begeistert haben, werde ich mir von meiner Freundin das Hörbuch holen. Das ist nämlich vorgetragen von Stefan Kaminski, und der macht sogar ein Buch wie das Telefonbuch zum haarsträubenden, packenden Bestseller!
Mag sein, dass andere dieses Buch mögen, die Rezensionen gehen da auseinander. Aber ich selbst kann nichts damit anfangen ...
Erowyinn 19.12.2009, 21.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Darkle dreaming dunkle Dämonen Dexter
Und es gibt ja Bücher dazu. Schande über mich, aber ich habe bisher nur die Serie gesehen, niemals die Bücher gelesen.
Kennt jemand von Euch die Bücher? Und wenn ja, lohnen sie sich? Sind sie besser als die Serie, kann man die Serie wirklich toppen? Sind die Hörbücher gekürzt? Die Romane haben nur sehr wenige Seiten, wie kann man daraus nur eine so lange Serie machen? Sind die Sprecher der Hörbücher gut? Sollte man es auf Englisch lesen, oder sind die Übersetzungen der einzelnen Romane gut geworden?
Ich will die Bücher schon seit Monaten lesen, aber ich kann mich nicht entscheiden, ob ich deutsch, englisch, Roman oder Hörbuch zu mir nehmen soll! Ich verzweifle daran ... bitte erlöst mich mit einem guten Rat ;-)
Erowyinn 19.12.2009, 20.04 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Grandios und doch ein Graus
Aktuell höre ich "Closer" von Donn Cortez. Und ich schwanke wirklich sehr, ob ich es nun grandios finde oder völlig daneben. Leider ist diesmal auch das Hörbuch zum Teil daran schuld, denn die Kapitel sind sehr kurz, in Buchform tippe ich auf eine knappe halbe Seite, maximal eine Seite, und der Sprecher macht nicht mal eine Pause, sondern liest weiter, als wäre es der gleiche Absatz. Außerdem ist alles extrem verwirrend, denn es ist ein Katz- und Maus - Spiel zwischen verschiedenen Serienkillern. Einer von ihnen, der Closer, macht Jagd auf die anderen, denn als ehemaliger Angehöriger eines Opfers quälen ihn offene Fragen über Tathgergang, Motiv und Verbleib der Leichen. Er arbeitet sich von einem Killer zum nächsten, quält und foltert und verhört ihn, um Antworten auch für andere Angehörige zu erhalten. r trifft die Täter auf einer Seite im Internet, er macht ihre Identität ausfindig, tötet sie und gibt sich dann als seine Opfer aus. Doch auch die von ihm Gejagten sind clever, und nicht jeder ist der, der er vorgibt zu sein. Dies führt dazu, dass ein Name im Laufe des Buches mehrere Identitäten durchläuft, mal wird eine Person unter ihrem echten, mal unter ihrem falschen Nick, mal unter ihrem realen Namen genannt. Die schnellen Wechsel, die häufigen Namensänderungen, da kommt man kaum mit, wenn man nicht einmal begreift, wann nun ein neues Kapitel begonnen hat. Denn mal ist der Name verwendet für die Rückblick und die ursprüngliche Person dieses Namens, und einen Satz später gibt sich eine Person als der ursprüngliche Namensträger aus.Mensch, wenn der Autor DIESES Problem gelöst hätte, wäre das Buch grandios. Ach, bevor ich rezensiere, eigentlich wollte ich nur kurz schreiben, warum mich dieses Buch zugleich begeistert und verärgert ;-)
Auf jeden Fall bin ich absolut gespannt, wie es endet, wer nun tatsächlich wer ist, und ob der Closer seine Ruhe in dem Abschluss des letzten Falles finden wird ...
Erowyinn 01.12.2009, 10.31 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Kontroll
Na sowas, ich dachte, den Film hätte ich längst rezensiert. Aber ich kann hier nichts finden. Nun gut, dann kann ich meine Gedanken dazu heute notieren, denn im Grunde sah ich ihn wie zum ersten Mal. Das erste Mal sah ich ihn direkt nach Erscheinen, und das ist um die fünf Jahre her. Da der Film weniger eine stringente Handlung denn vielmehr einzelne Szenen hat, ist er auch schwer zu beschreiben und noch schwerer im Gedächtnis zu behalten über so viele Jahre, ich habe ihn also fast jungfräulich ansehen dürfen, nur noch in dem Hintergedanken, dass ich schon damals absolut begeistert gewesen war.Wie gesagt, eine Handlung ist nicht zu beschreiben. Im Grunde sind es einzelne Szenen rund um das Team des Kontrolleurs Bulcsu, der mit seinen vier Kollegen durch die Budapester U-Bahn (gedreht in Budapest, die Handlung jedoch ist nicht ortsgebunden) patroulliert. Zum einen gibt es die Begegnungen mit verschiedenen oder auch sich als Running Gag wiederholenden Fahrgästen ohne Fahrschein. Ein Zuhälter, der seine Nutten statt der Strafgebühr anbietet, ein Junkies mit seiner Drogenspritze, ein Schwuler, eine toughe Tussi, eine wildgewordene Prostituierte, ein Jugendlicher mit bissigem Hund, japanische Touristen, ein gehörloses Pärchen, der Nervenzusammenbruch eines Kollegen, ein stotternder Mann und viele andere Widrigkeiten lassen sie ihren Job nur schwer ausführen. Es mangelt den Fahrgästen einfach an Respekt und Verständnis für diesen tristen und doch verantwortungsvollen Job. Besonders Bootsie macht ihnen das Leben schwer, indem er ihnen Schaum ins Gesicht sprüht und immer wieder vor ihnen flieht, er ist nicht zu fassen.
Dann wären da noch die gehäuften Selbst(?)morde, die seit einigen Wochen in der U-Bahn geschehen. Außerdem trifft Bulcsu die junge Sofia, welche immer wieder ohne Farschein anzutreffen ist, ihr Markenzeichen das plüschige Bärchenkostüm. Und Bulscu scheint sich zu verlieben.
Ich weiß nicht recht, wie ich den Film beschreiben soll außer "super Bilder, geniale Kamera, klasse Inszenierung". Hm *grübel*. Er ist sehr symbolträchtig, die Geschichte im Hintergrund wird sehr viel über Bilder erzählt, welche sich schwer einordnen lassen. Sind es Träume? Surreale Momente? Könnte es wirklich so passiert sein? Ist es das Unterbewusstsein des Helden, welches ihm und den Zuschauern einen Streich spielt?
Die Farben sind eher trist, der Film besteht aus reinem Schmuddel-Look. Im Grunde sind alle dort im Untergrund Loser, die im Leben versagt haben. Alkoholiker, ein Narkoleptiker, ein alter kranker Mann, ein völliger Newbie. Und der Protagonist, welcher aus seinem zuvor erfolgreichen Leben als führender Architekt ausgestiegen ist, als er dem Erfolgsdruck nicht mehr standhielt. Nun lebt Bulcsu also in der U-Bahn, hat das Tageslicht nicht mehr gesehen, dort unten lebt, schläft, isst er, er findet den Ausgang nicht mehr, will ihn nicht mehr finden. Seine Freunde sind die Kollegen und der alte Fahrer "Onkel Bela", und nach der Arbeit macht er Schienenrennen, sitzt auf den großen Belüftungsventilatoren, schläft in den Gängen, streunt durch die Hallen.
Es würde mir großen Spaß machen, den Film nun zu zerlegen, etwa die Eule, die von Szene zu Szene schlimmer werdenden Wunden, die verschiedenen Kostüme, die Tunnelsysteme und Rolltreppen, die einzelnen Farben, die Kameraführung. Alles zusammen ergibt eine große, wunderbare Gesamtkomposition und ein nicht überraschendes Ende. Zwar ist alles möglich, und man darf in diesem Film nicht in geraden Bahnen denken, aber dennoch ist die Wende und das Ende nicht erstaunlich, im Gegenteil eigentlich schon von Anfang an klar gewesen.
Das Genre kann ich nicht definieren. Es hat ein bisschen was von allem. Schrill wie Comedy, lustig wie eine Komödie, selig wie eine Romanze, packend wie ein Drama, auch Thriller ist dabei, Underground, Mindfuck, Mystery, eigentlich so ziemlich alles. Ich sortiere so etwas bei mir unter "schräg", und ich kann jedem nur empfehlen, sich den Film anzusehen. Leider kenne ich kaum jemanden, der diesen Film gesehen hat, kenne also keine anderen persönlichen Meinungen. Aber ich vermute, es ist einer der Filme, die man entweder hasst oder lieb. Und ich liebe ihn ...
Erowyinn 21.11.2009, 22.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL








