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Blogeinträge (Tag-sortiert)
Tag: Frauen
Unten Rum
"Ein Aufklärungsbuch von Frauen für Frauen". Braucht es nicht, denn die Frau von heute ist stark, selbstbewusst, emanzipiert. Sie ist gesellschaftlich angesehen, sie ist sexuell aufgeschlossen und weiß was sie will. Ein Aufklärungsbuch ist da doch völlig fehl am Platz!Sollte man meinen. Aber dass dem nicht so ist, zeigt Claudia Haarmann mit ihrem Buch "Unten rum - die Scham ist nicht vorbei". Es beginnt bereits damit, dass es doch kaum einen Begriff für das weibliche Geschlechtsteil gibt. Das eine klingt zu fachlich, unerotisch. Das nächste kennt man aus amerikanischen Filmen voller Flüche und unanständiger Szenen. Aber gibt es eines, welches die Schönheit und die Weiblichkeit der Frau unterstreicht? Eines, welches man im Gespräch ganz normal aussprechen kann ohne rot zu werden? Oder, kann man überhaupt über "das da unten" reden, ohne dabei rot zu werden? Oder ist es tabu? Weiß eine Frau, wie sie "dort" aussieht, hat sich schon einmal im Spiegel betrachtet? Und falls ja - kennt sie es nur vom Waschen, Rasieren und Tamponwechseln, oder wirklich als erogene Zone, als weibliches Zentrum? Kennt ihre lustvollsten und empfindlichsten Stellen, weiß, wie sie am zärtlichsten erregt werden kann, was ihr beim Sex gefällt? Und wenn sie es weiß - getraut sie sich auch, dies dem Mann zu sagen?
Das Fernsehen lebt es vor: Mann und Frau haben Sex, und beide kommen gleichzeitig. Die Frau kommt natürlich alleine durch seine Penetration auch ohne weiteres Zutun ihrerseits. Sie braucht dafür nicht besonders lange, und sie sieht wunderschön aus, während sie stöhnt und das volle Haar zurückwirft.
Und dann ist da die Realität. Die Frau, die vielleicht nur durch eine ganz bestimmte Technik Lust empfinden kann. Die Frau, die mindestens eine dreiviertel Stunde oder länger braucht. Die Frau, für die Sex einfach nur bedeutet, "ihn ranzulassen", die selbst aber nichts dabei empfindet. Und weil der Mann ja alles tut, was der Mann eben so tut, um eine Frau zu befriedigen, muss es also an ihr liegen wenn sie keinen Spaß dabei hat. Sie schämt sich, sie fühlt sich schlecht. Wie kann sie ihm sagen, dass sie es gerne anders hätte, wenn er sich doch solche Mühe gibt? Also spielt sie es ihm vor. Und der Kreislauf ist geschlossen, denn im Grunde ist es heute kaum anders als damals, zu Großmutters Zeiten und davor ...
Dieses Buch bietet keine Anleitungen, keine Bilder. Es befasst sich weder mit dem G-Punkt noch anderen anatomischen Besonderheiten. Es sagt nicht, was falsch oder richtig ist, es bietet keine Spielpläne und Beschreibungen, wie man beim Sex vorgehen sollte und was eine Frau erregt. Sondern es zeigt in kurzen Texten und einzelnen Interviews, wie Frauen ihre Sexualität empfinden, wie sie ihre Einstellung ändern könnten, was sie bedauern, was sie erfreut. Denn es gibt kein falsch oder richtig. Jede Frau ist anders. Und dies will Claudia Haarmann ihren Lesern vermitteln.
Die Autorin zeigt, wie unterschiedlich Sexualität erlebt werden kann und wie verschieden Frauen ihre Lust empfinden. Sie möchte helfen, das weibliche Geschlecht nicht mehr als Mittel zum Zweck zu betrachten, sondern sich bewusst damit auseinanderzusetzen und auf diese Weise zu einem neuen Selbstbewusstsein als Frau zu gelangen.
Ob und wiesehr sich jede Leserin darin wiederfindet, möchte ich dahinstellen. Natürlich würde ich niemandem hier sagen "lies das, ich bin sicher, Du brauchst das", wie könnte ich mir das anmaßen. Aber ich bin mir dennoch sicher, dass so ziemlich jede Frau unzählige Aha-Erlebnisse haben wird, wenn sie sich einmal damit befasst. "Unten rum" ist kein Buch, mit dem man besseren Sex hat oder wodurch man neue grandiose Techniken lernt. Aber es ist ein Buch, welches Weiblichkeit, Sexualität und das individuelle Frausein hinterfragt. Und als solches möchte ich es allen Leserinnen (und auch aufgschlossenen Lesern) ans Herz legen: als Denkanstoß ...
Erowyinn 03.06.2009, 09.57 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
In seiner Hand
Und schon habe ich den Roman von Nicci French beendet. Wobei - eigentlich ist Nicci French keine Person, sondern ein Autorenduo, bestehend aus der Frau Nicci Gerrard und ihrem Gatten Sean French. Deren Werke sind recht bekannt, immer wieder stoße ich auf den "Glaspavillon" oder andere Titel, allerdings muss ich gestehen, dass ich bisher nichts von ihnen gelesen habe. "In seiner Hand" ist mein erster Titel, wird jedoch nicht mein letzter bleiben, ...Abbie Deveraux erwacht, um sie herum Dunkelheit, Stille, eine Kapuze über dem Kopf, um den Hals eine Drahtschlinge. Ein fremder Mann besucht sich in unregelmäßigen Abständen, um ihr einen Eimer für ihre Verrichtung zu bringen und ihr minimale Mengen Flüssigkeit und Nahrung zu bringen, welche das reine Überleben sichern sollen. Bald wird er sie töten ... doch Abbie gelingt das Unmögliche: sie kann ihrem Peiniger entfliehen und bricht zusammen, kommt in einem Krankenhaus wieder zu sich. An die Tage vor ihrer Entführung kann sie sich nicht mehr erinnern.
Das Grauen ist für Abbie nicht vorbei, denn statt sich in die Ermittlungen zu stürzen, den Täter ausfindig zu machen und ihr Polizeischutz zu gewähren, beginnen die Poliziste und Ärzte ihr Fragen zu stellen. Denn ihre Geschichte ist zu unglaublich, und alles deutet darauf hin, dass sie die Entführung nur erfunden hat. Weil niemand ihr helfen will, stürzt sch Abbie nun selbst in Nachforschungen. Was ist geschehen? Warum reagieren ihre Freunde so seltsam auf ihr Erscheinen? Wer war die Frau, die von heute auf morgen ihren Freund verlassen und ihre Arbeit niedergelegt hat, um ein völlig neuer Mensch zu werden?
Ich habe das Buch so rasch als möglich beendet, etwa zwei Tage habe ich dafür gebraucht, für meinen derzeitig eher geringen Konsum wirklich erstaunlich schnell. Es ließ mich nicht mehr los, und entgegen meines sonst immer beachgteten Vorsatzes, abends keine Krimis zu lesen, konnte ich vor dem Schlafen nicht aufhören damit. Ein Pageturner erster Güte.
Wobei ich mich zugegeben frage, weshalb. Die Charaktere sind nicht allzu tief, und ich habe nicht das Gefühl, Abbie wirklich kennengelernt zu haben. Zu verschwommen sind mir auch ihr Exfreund, ihre Freundinnen, ihre Kollegen. Sie sind mir nicht wirklich ans Herz gewachsen, sondern plätscherten eher so dahin.
Das erste Drittel des Buches ist hochspannend, das zweite Drittel sehr gut zu lesen, und gegen Ende ist es vor allem die Frage nach Abbies Vergangenheit, die mich weiterlesen ließ. Es zog sich inhaltlich sehr lange hin, blieb dabei aber für mich dennoch spannend. Kann sie dem neuen Mann in ihrem Leben trauen? Was wollte ihre Mitbewohnerin mit dem Katzenzubehör in der Wohnung? Warum hat der Täter gerade sie ausgewählt?
Das Ende ist leider zu kurz geraten. Das Buch stellt sehr viele Fragen, und nur ein winziger Bruchteil hiervon wird beantwortet. Ich mag offene Enden, doch dieses hier lässt nicht wie sonst üblich die Zukunft offen, sondern die Vergangenheit. Und um genau diese ging es, die Vergangenheit ist der Grund, weshalb der Leser bis zum Ende angespannt die Seiten blätterte. Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen, fühlte mich um viele Erklärungen betrogen, die die Autoren mir noch schulden. Ein Epilog wäre angebracht gewesen ...
Ich bin hin- und hergerissen. Das Buch hat mich begeistert, doch wieder einmal hat das Ende einen schalen Nachgeschmack hinterlassen, ... es braucht kein Meisterwerk, um mich zu unterhalten, keine großartigen Charaktere, keine perfekte Sprache. Aber wenigstens das Ende muss stimmig sein ...
Zwischen vielen Thrillern ist dies also ein weiterer. Kein herausragender, aber trotzdem einer, den ich gerne weiterempfehle für die Zeit zwischen den wirklich guten Werken. Es kann nicht immer nur Champagner sein ;-)
Erowyinn 20.05.2009, 19.56 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Da unten
Ein weiteres Buch, das ich aktuell lese: "Unten rum" von Claudia Haarmann. Ein "Aufklärungsbuch von Frauen für Frauen". Man sollte meinen, dass es solch ein Buch heutzutage nicht mehr braucht, aber beim Lesen habe ich sehr viele Aha-Erlebnisse, und ich muss traurig feststellen, dass sich zu damals gar nicht so viel geändert hat ... damals, als Großmutter noch ans Vaterland dachte und es geschehen ließ ... mal sehen, ob ich Zeit und Lust für eine Rezension haben, aber ich werde mich bemühen. Denn dieses Buch möchte ich vielen Frauen wirklich ans Herz legen ... ich lese es derzeit in kleinen Dosen. In der U-Bahn mit neugierigen Blicken auf Cover oder Inhalt möchte ich es nicht lesen, und schnell mal zwischendurch zu Hause ist es ebenfalls ungeeignet. Also lese ich in Ruhe abends vor dem Schlafengehen ein paar Zeilen. Es ist absolut simpel zu lesen, aber der Inhalt dagegen braucht, bis er sich setzt ... auf positive Weise ...
Erowyinn 20.05.2009, 10.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ein Krimi zwischendurch
Wo am besten anfangen? Einfach, indem ich wieder drauf losblogge. Ist das Einfachste. Es fehlt mir einfach, zu schreiben, wie mir die aktuellen Bücher gefallen und zu fragen, wer es schon kennt und wie es Euch damit erging ;-)Derzeit lese ich "in seiner Hand" von Nicci French, ein Krimi zwischendurch mal wieder. Eine junge Frau wird entführt, das Buch beginnt mit ihrem Martyrium, sie kann jedoch fliehen, und hier beginnt ihre eigentliche Geschichte. Denn sie kann sich nach einer Kopfverletzung nicht mehr an die letzten Tage erinnern, und von ihrer Gefangenschaft gibt es sogut wie keine Beweise. Statt dessen heißt es auf einmal, sie sei labil, stehe unter Druck und habe ihr Leben vor ihrer Gefangenname komplett umkrempeln wollen. Bildet sie sich alles nur ein, oder wartet draußen noch immer der Fremde und lauert auf sein Opfer? Wer soll ihr helfen wenn niemand ihr glaubt?
Es ist kein Meisterwerk, aber das hatte ich nicht erwartet, und deswegen finde ich es jetzt recht klasse und bin absolut positiv überrascht. Wirklich spannend zu lesen, und beim Klappentext dachte ich nur, dass es mal wieder ein Fall ist, wo man der Frau nicht glaubt. Aber nun bekomme ich als Leser selbst meine Zweifel und kann es wirklich nicht erwarten! Den letzten Satz lese ich dieses Mal nicht, weil ich befürchte, er könnte spoilern. Sondern ich will gemeinsam mit der Hauptfigur Abbie ergründen, was vor ihrer Entführung passierte, ... die Autorin macht es wirklich spannend!
Erowyinn 19.05.2009, 13.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Gute Nacht Zuckerpüppchen
Es ist die Zeit nach Kriegsende. Gaby und ihr Bruder Achim leben zusammen mit der Mutter, ihr Vater starb auf dem Feld. Da klingelt eines Tages ein Fremder an der Tür, er sei ein Kamerad des Vaters, und der Vater habe ihn gebeten, sich um die Familie zu kümmern. Bald heiratet er die Mutter, und für die Kinder beginnt eine schlimme Zeit. Achim sei verweichlicht, er solle ein richtiger Mann werden, er muss die schweren Kohlen schleppen und sich morgens eiskalt waschen. Gaby dagegen ist "Pappis", wie sie ihn nun nennen müssen, Zuckerpüppchen. Er erzählt ihr Geschichten, spielt mir ihr und ... beginnt sie zu missbrauchen. Die Mutter hat es schwer, und Gaby kann sich ihr nicht anvertrauen, sie weiß, dass sie ihr nicht glauben würde. Außerdem sagt Pappi, dass Gabi dann ins Heim müsse. Als Mutter erfährt, dass ihr Mann ein 14jähriges Nachbarmädchen geschwängert hat, begeht sie einen Selbstmordversuch. Und Gaby fühlt, dass sie ganz alleine ist mit ihrer Angst ...Das Buch ist schrecklich. Ein Jugendbuch, mag sein, aber ich denke, auch und erst recht für Erwachsene. Ich hatte einen derart dicken Kloß im Hals, und doch konnte ich es nicht weglegen. Von der ersten Seite an ist der Leser von dem einfachen, eindringlichen und ergreifenden Schreibstil gefesselt. Die Beschreibungen sind der Zielgruppe entsprechend gehalten, und doch sind die Bilder so klar vor Augen, dass das Atmen schwerfällt. Man fiebert mit Gaby, wenn die Zimmertür aufgeht und sie sich fürchtet, und man leidet mit ihr, wenn der Stiefvater eifersüchtig ihre Treffen und Termine überwacht. Ständig möchte man schreien "sag doch was", vor allem, wenn der freundliche Arzt oder die engagierte Lehrerin mit ihr reden. Doch leider ist das Buch sehr real. Und die Täter wissen, wie man Kinder zum Schweigen bringen kann. Und aus den Kindern werden junge Frauen, und die Scham wächst, die Angst wird ein ständiger Begleiter.
Am Ende des Romanes sind ein paar Seiten Information. Ich finde das gerade für die Jugendlichen, die diesen Roman lesen, sehr wichtig. Näheres darüber, wie Fälle von Missbrauch ablaufen, beschrieben anhand von Beispielen aus der Geschichte um Gaby. Anlaufstellen für Betroffene sind genannt.
Ich halte es für sehr wichtig, dass die jugendlichen Leser danach mit Freunden oder Verwandten über dieses Buch reden, denn es muss verarbeitet werden. Keine Lektüre, die man schnell mal so nebenbei lesen kann und dann weglegt und es vergisst ...
"Gute Nacht, Zuckerpüppchen" hat zu Recht den Buxtehuder Bullen als Jugendbuch 1989 verdient. Es ist ein Buch, das man, finde ich, auf jeden Fall gelesen haben sollte, ob Jugendlicher oder Erwachsener. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst ...
Erowyinn 05.05.2008, 18.02 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Netz der Lust
Christian und Imogen sind ein Paar. Kennengelernt haben sie sich durch ihre perfekt zueinander passenden Vorlieben: er zeigt sich gerne. Und sie sieht gerne zu. Die beiden sind tagsüber in der gleichen Firma, abends ist Christian noch in einem anderen Job unterwegs. Imogen surft währenddessen mit einem Fake im Interet. Sie nennt sich Christian, gibt sich als schwul aus und stellt sich vor, wie sie ihren Freund quasi an andere Männer verkauft. Der Onlinesex ist für sie wie Zusehen. Als sie allerdings auf DarkKnight trifft, wird es kritisch, denn dieser will bald mehr als nur chatten: er will mit ihr / ihm telefonieren, sich dann sogar treffen. Da Imogen und Christian sehr aufgeschlossen sind, erklärt er sich für seine Freundin bereit, sich darauf einzulassen und als schwuler Sub vor dem echten DarkKnight zu zeigen. Doch sie ahnen nicht, dass sie ihn bereits real kennen! Und dann gäbe es noch Lorne, die sympathische Lesbe, die sich zu Imogen hingezogen fühlt. Und diese bekommt langsam Angst, dass ihr Freund vielleicht mehr Gefallen an Männern und dem Spiel finden könnte, als ihr lieb ist ...Imogen - ein ungewöhnlicher Name, wie ich finde - ist sympathisch, eine normale junge Frau mit ungewöhnlichen Vorlieben. Aber wie sie diese beschreibt, das ist einfach klasse und hat mich einige Male zum Schmunzeln gebracht. Und, seien wir doch alle einmal ehrlich: wer würde, wenn er die Chance hätte, nicht gerne zusehen, wenn eine tolle Show geboten wird? Im Laufe des Buches hat die Protagonistin das Glück, diese Situationen nicht einmal suchen zu müssen, sondern stolpert wie zufällig darüber. Im Kino, im Kaufhaus, in der Stadt.
Auch die anderen Figuren wachsen dem Leser schnell ans Herz. Was sie alle so liebenswert macht: ihre Aufgeschlossenheit und ungestümen Art, mit der sie ihre Sexualität ausleben.
Eigentlich ist es egal, was in diesem Buch ausgeübt wird. Es ist ein bisschen von allem. Eine Menge schwul, ein bisschen lesbisch, hier und da mal ein wenig Bondage, Schmerzen und Dominanz, und jede Menge Beobachtungen aus einem sicheren Versteck. Aber die Bezeichnungen sind einfach egal, es wird nicht mit Begriffen um sichi geworfen und wie in anderen Büchern versucht, den Inhalt in ein Schema oder für eine Zielgruppe zu pressen. Es wird einfach getan / geguckt, was Spaß macht, locker und ohne Hemmungen. Kein Zeigefinger, der immer wieder mahnt "brav sein, verhüten, und nur was beiden gefällt". Und trotzdem ist jedem Leser klar, dass diese Regeln eingehalten werden, denn trotz des vielen Sex in diesem Buch, wirkt er irgendwie auch brav und unschuldig. Ich sehe Imogen regelrecht vor mir und bin sicher, dass sie große Kulleraugen und einen süßen kleinen Schmollmund hat. Am Ende wird ihr eine Standpauke gehalten, wiesehr sie mit ihrem Auftritt im Internet jemanden hätte verletzten können, und wie leicht das alles ins Auge hätte gehen können ...
Trotz aller Offenheit ist das Buch eines nicht: billig, vulgär oder pervers. Es geht ordentlich zur Sache, und die Handlung selbst käme mit nur wenigen Seiten aus, doch trotzdem wirkt dieses Buch weder schmierig noch eklig. Der Schreibstil ist locker, entspannt udn fröhlich, nicht einmal die in anderen Büchern unvermeidlichen Begriffe konnte ich beim Lesen entdecken. Und das, obwohl es manchmal heftig zur Sache geht! Naja, zumindest in der Phantasie des Lesers, denn der Akt an sich bleibt meist ungenannt, beschrieben werden das Ambiente drumrum, die Personen und Gedanken. Wer was wo einführt und wie laut jemand stöhnt, nein, auf so etwas verzichtet dieser Roman zum Glück. Was der Leser sich dabei jedoch alles vorstellt ... na, das bleibt ihm selbst überlassen ;-)
Ich würde das Buch gerne als billigen Schund, als Porno einfach wieder zur Seite legen und vergessen. Denn wie bereits erwähnt geht es um quasi nichts anderes als Sex, Sex, Sex. Die Handlung ist wirklich dünn gesät. Andererseits aber HAT das Buch eine Handlung, zwar wenig anspruchsvoll und sehr geradlinig, aber immerhin auch spannend, witzig und mitreißend. Egal, wieviel Sex es gibt, gleitet die Autorin trotzdem nicht in eine Vulgärsprache ab, sondern lässt ihren Text angenehm lesbar.
Ich fand das Buch wirklich klasse, und ich bin sicher, dass es auch vielen anderen - hauptsächlich weiblichen - Lesern so ergehen wird. So viele süße Jungs, kernigen Männer und spannenden Beobachtungen bekommt man wirklich nur selten in dieser ansprechenden Form geboten ...
Absolut zu empfehlen. Nicht gerade das Top-Buch, dafür fehlt dann doch etwas der Tiefgang. Aber als lockere Unterhaltung mit Schmunzelfaktor und einer Menge erotischer Momente auf jeden Fall nur zu empfehlen ...
Erowyinn 02.05.2008, 18.38 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Du bist nie allein
Ein weiterer Roman von Nicholas Sparks. "Message in a bottle" ist einer der wenigen Liebesfilme, die mir jemals gefielen, und war das erste, was ich von diesem Autor sah. Danach ließ ich mich von einer Freundin zu "Wie ein einziger Tag" überreden. Und hörte bzw las später auch noch "das Lächeln der Sterne" und "Weg der Träume". Jau, ein Autor, der es versteht, zu unterhalten. Romantisch, aber nicht kitschig. Einfach, aber nicht seicht. Vorhersehbar, aber trotzdem spannend ...Julie hat ihren Mann verloren, und nach vier Jahren ist sie nun bereit, einen neuen Mann in ihr Leben zu lassen. Da begegnet ihr Richard, der wie ein Traum erscheint: romantisch, reich, er trägt sie auf Händen, macht ihr teure Geschenke. Doch Julie stellt fest, dass ihr Herz eigentlich Mike gehört, ihrem besten Freund. Doch beide können sich ihre Liebe gegenüber nicht eingestehen, bis Richard sie quasi mit seinem Antrag zu einer Entscheidung drängt. Und Julie entscheidet sich. Doch Richard ist mit der Antwort nicht wirklich zufrieden, ... und zeigt sein wahres Gesicht ...
Jau, ganz nett. Wie auch die anderen Romane von Sparks. Einziger Unterschied: diesmal ist auch ein Hauch Thriller mit enthalten. Im Gegensatz zu den sonst üblichen Thrillern allerdings ist er sehr vorhersehbar, eigentlich schon von der ersten Seite an. Und trotzdem ziemlich mitreißend, wenn man einfach mal was Nettes lesen will, das nicht allzu viele Ansprüche stellt, aber doch sehr gut unterhält.
Ich wüsste jetzt auch ehrlich gesagt gar nicht so recht, was ich ansonsten über dieses Buch schreiben sollte ... die Entwicklungen sind vorhersehbar, trotzdem fühlte ich sehr mit den Figuren mit. Stalking ist gruslig, und es gibt keine Beweise. An wen soll Julie sich wenden? Die Polizei braucht Beweise, denn nur aufgrund von Julies Gefühlen kann sie natürlich nicht eingreifen. Eine scheinbar ausweglose Situation, und die Spannung bleibt auf diese Weise gut erhalten. Trotzdem bleiben Thrill und Grusel eher Hintergrund, Hauptthema ist die Liebesgeschichte zwischen Julie und Mike.
Ansonsten ... na, wie gesagt: ich kann Sparks nur jedem empfehlen, der gerne unterhaltsame Liebesromane ohne Kitsch und Schnulz liest. Thrillerfans allerdings sollten diesen Roman nicht unbedingt als Einstieg in die Welt von Sparks sehen, denn für Fans des Gänsehautgenres bietet er nicht wirklich Neues ...
Erowyinn 28.04.2008, 10.07 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Wolfsspur
Wie schon zuvor beschrieben, getraute ich mich nicht so recht, dieses Buch zu lesen, weil ich sehr hohe Erwartungen hatte und befürchtete, enttäuscht zu werden. Natürlich wagte ich mich dann doch an "Wolfsspur" und war nicht nur nicht enttäuscht, sondern bin nun sogar regelrecht begeistert! Ein Buch, das das Genre mal völlig neu angeht und dem ich nur wenige bis gar keine gleichwertigen Werke gegenüberstellen kann ...Eine Welt, ähnlich der unseren. Eigentlich genau wie unsere. Unsere Zeit, unsere Gesellschaft. Mit einem Unterschied: fast alle Menschen sind Werwölfe, "Lykos", und nur ein paar wenige sind "Nons", oder auch "Glatthäute", wie sie von den Lykos abwertend genannt werden. Das Leben der Nons ist vorbestimmt, sie arbeiten bei ASÜLA, dem Amt zur ständigen Überwachung lykantropher Aktivitäten. Einmal im Monat gehen sie auf "Hundefang", das heißt, sie fangen "Luneure", herumstreunende Werwölfe. Eigentlich ist es Aufgabe der Bürger, sich in ihre Wohnungen oder Schutzbunker zu begeben und dort auf das Ende der Vollmondnacht zu warten, aber es kommt eben vor, dass einmal jemand den Bus verpasst, sich aus der Wohnung befreit oder gar absichtlich draußen bleibt. Und dafür gibt es ASÜLA. Unter anderem.
In einer dieser Nächte wurde Lola Mays Kollegen Johnny eine Hand abgebissen, und somit ist sein Schicksal besiegelt, ein Non, nur noch begrenzt arbeitsfähig. Lola hat nun die Aufgabe, den Lyko als dessen Anwältin zu vertreten, welcher Johnny dies antat. Doch schon bald darauf wird Johnny getötet. Mit einer Silberkugel! Lolas Praktikant Marty und sie werden von einer Gruppe lunierender Wölfe angegriffen, Marty durch ihr Versagen schwer von einem der Wesen verletzt. Und es geht weiter, denn allem Anschein nach hat es eine Gruppe auf die an dem Mordfall beteiligten Mitarbeiter abgesehen. Lola ermittelt, und ihre Fragen ziehen sie immer tiefer und tiefer hinein, ohne dass sie eigentlich wüsste, worin sie nun verwickelt ist ... und dann endlich begreift sie ...
WOW! Düster, dunkel und bedrohlich. Deprimierend, traurig und hoffnungslos. Wenn man etwas Unterhaltung für einen sonnigen Tag am Strand sucht, ein wenig seichte Literatur, dann sollte man diesen Roman besser nicht zur Hand nehmen. Denn Kit Whitfield führt uns in Abgründe. Die der geschilderten Welt, der Protagonistin, aber auch die des Lesers. Denn dieser fragt sich unweigerlich, wie er reagieren würde, was er wohl täte und wiesehr er das Produkt seiner Umwelt ist. Und das Ergebnis ist kein angenehmes ...
Es wird nicht jedem leichtfallen, sich in die Charaktere hineinzuversetzen, denn auch wenn die Welt unserer sosehr gleicht, so ist die doch völlig anders. Sich in Lolas Welt zu begeben erfordert Mut. Denn sie ist eine starke Frau, die in einer kalten, rücksichtslosen Welt lebt. Und die lernte, ebenfalls kalt und rücksichtslos zu sein, um zu überleben. Nur schwer kann sie sich öffnen, als sie Paul kennenlernt, ihre Seele trägt noch mehr Narben als ihr von den Einsätzen im Hundefang gezeichneter Körper. Und endlich hat sich der Leser mit ihr in seine schützenden Arme begeben, schon wird er brutal in die "Realität" aus Rassismus und Diskriminierung zurückgeworfen, in die Welt, in der jeder seinen Platz hat ...
Das Buch bietet keine actionreichen Verfolgungsjagden und blutigen Metzeleien. Die Autorin hätte bei diesem Stoff die Möglichkeit, aber sie nutzt andere Mittel, den Leser zu fesseln. Horror ist mehr als nur Blut und Adrenalin. Horror ... das ist Erkenntnis, Wissen und eine unumstößliche Wahrheit ...
Langsam, träge, aber keiensfalls langweilig zieht sich die Handlung dahin. Geschrieben aus Lolas Erleben heraus, ihrem eigenen Rhythmus folgend, der immer langsamer, apathischer wird. Sie will nicht mehr, kann nicht mehr, muss durchhalten, muss überleben, aber wofür?
Der Leser wird nach und nach in diese Welt eingeführt. Es gibt keine Erklärungen, sondern anhand von Gesprächen, Gedanken und Ereignissen erfährt man schrittweise, wie das Leben zwischen Nons und Lykos abläuft, wie ASÜLA aufgebaut ist und welche Funktionen die einzelnen Menschen dort haben. Man erfährt vom Alltag der einzelnen Parteien. Erziehung, Religion, Ernährung, Arbeit, medizinische Versorgung, Bildung, es ist eine Zweiklassengesellschaft. Und natürlich spielt dieses Buch in einer fiktiven Welt, und natürlich ist es deutlich überzeichnet, aber gerade dadurch wird dem Leser bewusst, wiesehr diese Welt der unseren ähnelt ...
Ich könnte noch so viel über das Buch schreiben, Stunde um Stunde darüber diskutieren, es zerlegen, analysieren. Aber was brächte das, wem könnte ich es damit näherbringen? Nein, ich möchte es jetzt bei dem belassen, was ich bereits geschrieben habe. Und es kurz zusammenfassen:
"Wolfsspur" ist vordergründig ein Werwolfroman, im Grunde jedoch nichts anderes als eine deprimierende Dystopie, welche ihre Leser vermutlich in zwei Parteien spaltet. Wer einen knallharten Actionthriller will, der ist hier falsch. Wer dagegen bereit ist, sich in lockerem, flüssigem und packendem Erzählstil langsam tief hinab in eine düstere Welt zu begeben, ohne daran zu verzweifeln, der bekommt einen großartigen Roman, wie er ihn bisher nur selten gelesen hat. Ich wage ihn auf eine Stufe mit Huxleys "schöne neue Welt" oder Orwells "1984" zu stellen ...
Erowyinn 23.04.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Untot lebt sich´s auch ganz gut
Wie ich auch schon über die ersten drei Bände der Vampire geschrieben habe, möchte ich nun auch kurz noch den vierten Teil vorstellen, wenn auch nicht mehr ganz so ausführlich, schließlich sollt Ihr ja beim ersten Teil beginnen, die Folgebände ergeben sich dann von selbst ;-)Betsy hat nun also Nostro und die böse Monica getötet, einen Job bekommen und wieder verloren, ihre Schwester kennengelernt, einer Bande jugendlicher Vampirdiebe Einhalt geboten, Sinclair zu einer Hochzeit überredet, den Wildfang George gezähmt, von ihrem baldigen neuen Geschwisterlein erfahren sowie viele weiteren spannenden Abenteuer erlebt. All das in nur einem knappen Jahr. Aber natürlich kann sich der Leser sicher sein, dass es ebenso turbulent weitergehen wird. Denn ein Serienkiller treibt sein Unwesen in Minnesota, und Betsy passt genau in sein Opferprofil. Dann wäre da noch John von den Blade Warriors, der ihre näher auf die Pelle rückt, als dies ihrem Bald-Ehegatten Sinclair lieb ist. Ihre Stiefmutter freut sich, einen hervorragenden Babysitter für den kleinenplärrenden Jon Peter gefunden zu haben. Vampirälteste Marjori bittet sie in ihrer Funktion als Königin um ein paar regelmässige Zeilen für den Vampirnewsletter. Und Betsy würde sich am liebsten ein Messer in den Körper rammen, und endlich einmal auch ein physisches Problem zu haben ...
Jaaaaa, köstlich. Liest sich ebenso flüssig wie die anderen drei Romane, und ich hatte ihn viel, viel schneller durch, als mir das lieb war. Diese Bücher sind einfach viel zu kurz und erscheinen in viel zu langen Abständen. Der nächste ist noch nicht einmal angekündigt in Deutschland, und das, obwohl der fünfte Band in Amerika im Mai letzten Jahres erschien und die Autorin schon den siebten vollendet hat! *grml* ...
Was ich schade finde: wie auch der zweite Band habe ich das unkonkrete Gefühl, dass die Handlung zusehr dahindümpelt. Der erste und dritte Band waren ziemlich geradlinig mit einem Hauptthema und vielen Nebensträngen. Im zweiten und vierten Band ist der jeweilige Hauptstrang (die Vampirmörder bzw der Serienkiller) eher Nebensache. Die Autorin verliert sich manchmal im Gestrüpp der vielen einzelnen Themen. Es ist auch jede Menge, was los ist. Aber ich habe mir vorgenommen, die Bücher nicht mehr direkt als "Roman" anzusehen, sondern vielmehr als eine Art witziger Vampirtussen-Soap im Buchformat. Das trifft es eher, und damit kann ich mich auch sehr gut zufriedengeben.
Dafür aber etwas, das mir besonders gefällt: die Idee des Buches, das "Buch im Buch" ... na, Ihr werdet schon sehen ;-) *hihi*
Tscha, was kann ich sagen: wer die ersten Bände las, sollte unbedingt weiterlesen, Betsy ist frech, sexy und unwiderstehlich zickig wie eh und je. Wer sie noch nicht kennt, sollte schleunigst nochmal die >Rezi zum ersten Teil< lesen und sich dann sofort auf in die nächste Buchhandlung machen ;-)
Erowyinn 21.04.2008, 09.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Happy Hour in der Unterwelt
Den ersten Teil der Buchreihe um die Vampirkönigin Betsy, "Weiblich, ledig, untot", habe ich ja >bereits vorgestellt<. Der zweite Teil war ebenfalls klasse, allerdings hat die Handlung selbst mich nicht sosehr begeistert, es zog sich stellenweise ein wenig in die Länge. Nun endlich kam der dritte Teil in die Läden. Keiner meiner Läden hatte ihn, täglich klapperte ich sie ab, täglich nervte ich sie mit derselben Frage, ständig bekam ich dieselbe unbefriedigende Antwort, also ließ ich mir mal wieder vom Monopolisten im Internet helfen. Und durfte also endlich, endlich den dritten Band lesen. Was mich nicht wirklich zufriedenstellt, denn der vierte wird erst im April erscheinen :(Betsy ist nun also schon seit einigen Monaten ein Vampir und wohnt mit ihrer Freundin, ihrem Gemahl (laut Tradition, Betsy wurde ja nicht gefragt, sondern einfach hintergangen) und ein paar Leuten in einem großen Anwesen. Die Blade Warriors sind besiegt, der Job im Schuhladen wurde gekündigt, das Scratch (eine Bar) schreibt rote Zahlen. Und dann erfährt Betsy auch noch, dass ihre Stiefmutter ein Kind erwartet! Und dass sie bereits eine lebende Halbschwester hat. Die eigentlich die Tochter des Teufels ist und bald die Weltherrschaft an sich reißen soll. Betsy will mehr darüber erfahren und begeht in ihrem Eifer einen riesigen Fehler. Ihre Freunde wenden sich ab, ihr König und Gemahl will nichts mehr von ihr wissen. Betsy ist ganz auf sich alleine gestellt. Wem soll sie von ihren Problemen erzählen? Und wer kann ihr helfen, den ganzen Schlamassel wieder geradezubügeln? Ach ja, und da ist ja noch die teuflische Halbschwester ...
Klasse, einfach klasse! Leider ist das Buch etwas arg dünn geraten: gerade einmal 220 Seiten. Und da die Kapitel oft nur drei bis fünf Seiten sind, gibt es auch sehr viele fast leere Seiten, sodass man eigentlich von 180 bis 200 Seiten Lesestoff ausgehen kann. Aber lieber etwas kürzer und knackiger als zu langgezogen, ich will mal nicht meckern ;-)
Allerdings ist der dritte Band wirklich ganz, ganz "harter Stoff". Während Betsy und ihre Freundin Jess ja schon DAS Zickengespann schlechthin sind, kommt nun die Überdosis. Denn die kleine Schwester stellt sie alle in den Schatten. So ganz in einem Zug ist das ohne Sodbrennen kaum zu verdauen, puh ...
Naja, aber was soll ich noch groß schreiben. Es ist bei einem Buch wie diesem klar, dass sich alles irgendwie wieder geradebiegt. Aber der Weg dahin ist einfach einzigartig zu lesen, und wer auf Vampire steht ... oder wer es gerne zickig mag ... oder einen Sinn für schrägen schwarzen Humor hat ... oder gerne Bücher mit ein wenig humorvoller Erotik (jau, das ist möglich) liest ... der sollte sich auch den dritten Band um Betsy Taylor nicht entgehen lassen!
Erowyinn 25.02.2008, 09.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL








