SaschaSalamander

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Tag: Krimi

Das dunkle Haus

noort_haus_150.jpgEine Autorin, von der ich noch nie gehört habe. Aber sie hat auch sonst nichts weiter veröffentlicht (nur ein weiterer Roman, der Juli 07 in Dtland erschien, aber auch davon habe ich nichts gehört, sondern ihn gerade im Web herausgesucht). Schade, denn sie hat Potential und könnte wirklich neben Higgins-Clark, Brown, Highsmith, Cornwell, Reichs und anderen stehen. Da das Buch so hoch gelobt wurde, musste ich mir die CDs unbedingt anhören. Und ich war nicht enttäuscht.

Maria, Sängerin einer lokal recht erfolgreichen Rockband erhält einen Drohbrief. Bald folgt der Brief ein wenig deutlicher, nämlich zusammen mit einer toten Ratte. Und sie wird für das beschuldigt, was sie getan hatte: ein Kind abtreiben lassen. Doch niemand wusste davon, und warum sollte sie deswegen sogar Morddrohungen erhalten? Der Täter rückt ihr persönlich immer näher, doch auf eine so subtile Weise, dass niemand Maria glaubt. Ihre Umwelt glaubt immer mehr, dass die angespannte Situation der letzten Monate nun langsam ihren Tribut fordert. Und dann brennt Marias Haus ab ... eigenes Verschulden aus Unachtsamkeit? Oder Brandstiftung und Morddrohung? Maria flüchtet sich in die Arme ihrer Schwester aufs Land. Und sie glaubt, dem Täter langsam auf die Spur zu kommen. Aber wie eine Tat beweisen, die angeblich nie begangen wurde?

Doch, ein wirklich spannender Roman. Auch ohne Actionszenen oder dramatische Sequenzen hervorragend und mitreißend. Der Erzählstil ist ruhig, bewegend. Und auch, wenn soviel gar nicht einmal passiert, schaffte ich es kaum, die CDs abzubrechen und etwas anderes zu tun. Zu gespannt, was als nächstes geschehen wird!

Eigentlich war mir schon sehr früh klar, wer sich am Ende als Täter herausstellen würde. Bei solchen Büchern ist dies häufig der Fall. Aber das tat der Spannung keinen Abbruch, denn gerade das Wissen hierum lässt den Leser ahnen, in welch großer Gefahr sich Maria befindet und wie rasch ihr Leben jeden Moment beendet werden könnte. Was sind die Motive, wie wird sie davon erfahren, hoffentlich ist es nicht bald zu spät ... wirklich großartig, wie die Autorin ihre Leser zu fesseln versteht ...

Als Meisterwerk ist dieser Krimi nicht zu sehen, doch er hebt sich auf jeden Fall deutlich aus der Masse vieler Frauenkrimis ab. Wer Higgins-Clark, Fielding und ähnliche Autorinnen mag, sollte Saskia Noort auf keinen Fall verpassen! Dieses Buch wird keine schlaflosen Nächte aber immerhin viele spannende Stunden garantieren ...

SaschaSalamander 30.01.2008, 15.17 | (0/0) Kommentare | PL

Killjoy

fine_killjoy_150.jpgDiese Rezension schiebe ich schon seit Wochen vor mir her. Eigentlich würde ich am liebsten eine ganze Facharbeit über dieses Buch schreiben, und trotzdem möchte ich meinen Beitrag hier so kurz als möglich halten, um niemandem etwas an Spannung zu nehmen, jeder Leser soll sich ein eigenes Bild von Ian und Alicia machen. "Killjoy" ist der erste Roman von Anne Fine. Ich las ihn bereits vor 12 Jahren, und seitdem geistert mir dieses Buch im Kopf herum. Kennt ihr bestimmt, dieses Gefühl: manche Bücher vergisst man, aber andere bleiben im Gedächtnis, und noch Jahre später denkt man "da war doch mal" ... und so ein Buch ist dieses hier. Und so musste ich es jetzt unbedingt wieder lesen. Und nun werde ich es mir demnächst kaufen. Wie selten so etwas bei mir ist, dürften regelmässige Leser meines Blogs ja inzwischen wissen ;-)

Ein Ich-Erzähler, Ian Laidlaw. Fakultätsvorsteher einer schottischen Uni, hoch angesehen, ein Mann von Ehre. Sein Fach ist Politikwissenschaft. Trocken, spröde, aber akkurat. Wie er selbst. Aber Ian hat ein Makel: als Kind wurde er von einem Hund gebissen, und seitdem ist seine rechts Gesichtshälfte verunstaltet. Er möchte niemandem diesen Anblick zumuten, und er ist es gewohnt, mit Würde und Anstand behandelt zu werden. Mit Rücksichtnahme, vielleicht auch Mitleid. Und da kommt nun plötzlich diese Alicia daher und lacht ihm frech ins Gesicht, lacht ihn aus, gibt ihm sogar eine Ohrfeige, als er ihr für ihr freches Verhalten seine hässliche Gesichtshälfte präsentiert! Er ist schockiert. Und erregt. Denn Alicia behandelte ihn wie jeden anderen auch, und das ist der Professor nicht gewohnt. Wie gerne wäre er normal. So beginnt er, sich Alicia immer ein wenig mehr zu nähern, und bald wohnen die beiden zusammen. Er findet sie albern, kindisch, naiv, ärgert sich über ihr gelangweiltes und abwertendes Verhalten ihm gegenüber. Und sie findet ihn langweilig, alt, eklig, hässlich und widerlich. Aber trotzdem, ob es nun eine Hassliebe ist, eine Zweckgemeinschaft, sie wohnen gemeinsam, haben Sex. Doch die Situation eskaliert von Tag zu Tag, bis der Professor tut, was er tun musste: er wollte Alicia loswerden. Er wollte ihr nur ein wenig Angst machen ...

Oh Mann, ein absolut spannendes Buch. Eines, bei welchem man den ersten Satz liest und danach erstaunt feststellt, dass man es schon zu Ende gelesen hat. Erzählt vom Professor selbst, ein unerwartet großartiger Ich-Erzähler. Ansonsten eher ein Stilmittel, das mir nicht zusagt, ist es hier einfach spitze. Anne Fine schafft es wirklich meisterhaft, die Welt des Ian Laidlaw aufzubauen und dem Leser die Gedankengänge dieses Mannes nahezubringen. Man muss ihn verachten, und doch kann man ihn verstehen. Gefangen in seinem Selbsthass, seiner Selbstverliebtheit. Seine Gedanken so klar, strukturiert, logisch und präzise, und doch so verworren, verblendet und jenseits der Realität. Er beginnt dem imaginären Polizisten vor sich zu erzählen, wie es dazu kam. Warum er tat, was er tun musste. Warum er gar nicht anders hätte reagieren können. Wie Alicia ihn immer mehr reizte und doch selbst schuld war an dem, was dann geschah.

Das Buch ist großartig! Es hat kaum dramatische Momente, ist eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen, bis eben eines Tages ein kleiner Tropfen das Fass quasi zum Überlaufen bringt. Niemals wird Fine / Laidlaw unanständig, vulgär oder grob, denn schließlich erzählt der Professor seine Geschichte, und er ist ein Mensch mit Stil. Er wählt seine Worte sorgfältig, er weiß den harten Sex geschickt in rationale Worte zu packen, seine Mordlust als normal darzustellen, ihre Naivität gekonnt hochzuspielen. Und als es dann passiert, naja, es war eben ein Unfall, so etwas kommt vor, und es tut ihm ja auch leid, irgendwie auch nicht, aber sie wissen ja, wie das ist, Herr Inspektor, sie sind schließlich auch ein Mann, und da kommt es eben vor, ...

Ja, "Killjoy" (neinnein, das wird gerne falsch übersetzt, ein "false friend", es heißt lediglich "Spielverderber" *g*) gefällt mir heute so gut wie damals. Ein Männerroman, von einer Frau geschrieben. Lesenswert auf jeden Fall für beide Parteien. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst ...

SaschaSalamander 16.11.2007, 10.17 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Eisiges Herz

blunt_herz_150.jpgDie Titel von Giles Blunt klingen nach einem typischen nordischen Krimi a la Wallander, Edwarson oder anderen: "Eisiges Herz", "Gefrorene Seelen", "Kalter Mond" und "Blutiges Eis". Nicht wirklich einfallsreich, beim Heraussuchen eines weiteren Titels weiß ich nicht mehr, ob ich diesen schon gelesen habe oder nicht. Einfach mal wieder eine grauenvolle Übersetzung, denn die englischen Titel sind sehr aussagekräftig. Weil mich der Inhalt von "Eisiges Herz" dennoch ansprach, hörte ich mal rein. Und war sofort begeistert: ein Krimi genau nach Maß nur für mich ...

Giles Blunt ist übrigens kein Thriller aus England oder Amerika, wie meist üblich, und entgegen der deutschen Romantitel stammt er auch nicht aus nordischen Gefilden. Er stammt dagegen aus Kanada und lebt heute als freier Schriftsteller in Toronto.

Detective John Cardinal hat eine Frau und eine Tochter. Zumindest in den Bänden bis zu diesem. Denn hier stürzt seine Frau vom Dach eines hohen Gebäudes. Er wird als erster an den Unfallort gerufen, ein grausames Versehen eines in der Abteilung noch neuen Kollegen. Selbstmord, außer Frage, denn sie war manisch depressiv und schon viele Male zuvor in der Klinik. Es gibt einen Abschiedsbrief, und alles scheint normal. Ihr Mann dagegen ahnt, dass etwas daran nicht stimmt. Ja, sie war krank, aber nichts deutete auf einen Suizid, und manche Dinge kommen ihm ungereimt vor in diesem "Fall", den keiner der Polizisten als Fall sehen will. Er wird für einige Zeit beurlaubt, und auf eigene Faust beginnt er mit den Nachforschungen. Währenddessen muss seine Kollegin Delormes in einem Fall von Kindsmissbrauch ermitteln, der über das Internet bekannt wurde. Und schon sehr bald wird dem Leser klar, was die Detectives entdecken werden: der Psychologe, bei dem Cardinals Frau in Behandlung war, spielt ein grausames, tödliches Spiel mit seinen Patienten. Und das Mädchen, welches nun bei ihm in Behandlung ist, musste einen schweren Missbrauch erdulden und eignet sich bestens als Suizid-Kandidat für den wahnsinnigen Arzt ... können der Kinderschänder und der Psychologe noch rechtzeitig gestoppt werden, bevor es neue Opfer geben wird?

Mmh, herrlich, dieser Krimi gefiel mir sehr. Inzwischen höre ich dieses Genre ja wirklich gerne, aber trotzdem habe ich an fast allen etwas auszusetzen. Wallander ist mir etwas ZU miesepetrig und düster, das brauch ich nicht, habbich selbst. Die typischen Krimis von Frauen wie Reichs, Cornwell, Higgins-Clark, Hayder und anderen sind mir zu weiblich im Schreibstil (was interessiert mich das Kleid der Ermittlerin während ihrer Verabredung mit dem neuen Kollegen), und fast alle sind mir verbal einfach zu grobschlächtig. So detailliert, wie die Gräueltaten meist ausformuliert werden, das muss nicht sein, Horror findet im Kopf statt, nicht in detaillierten Beschreibungen. Und wenn das Ende dann auch noch viel zu plötzlich kommt und den Leser ohne jegliche Hinweise vor vollendete Tatsachen stellt, na danke.

Und an diesem hier hatte ich nichts auszusetzen, wirklich nichts: Nicht zuviel Düsteres, melancholisches Privatleben (wenngleich er dennoch recht schwermütig daherkommt an einigen Stellen), nicht zuviel Blut und Gewalt, keine Beschreibung der hübschen Tapeten und des passenden Teppichs (lediglich im Zusammenhang mit dem Fall *hüstel*), keine Fäkalsprache des Täters (gerade das ekelt mich regelrecht an in den anderen Büchern). Die Sprache nicht zu kompliziert, sondern schön flüssig, noch dazu hervorragend vorgetragen von Olaf Pessler und seiner angenehmen Stimme, ohne Akrobatik aber mit Emotion.

Ich habe es richtig genossen und konnte den Player mit den sechs CDs nicht mehr weglegen, eine nach der anderen, nahezu ohne Pause. Recht schnell werden die Zusammenhänge zwischen dem Psychologen, seiner Patientin, den verschiedenen vermeintlichen Selbstmorden und den Fotos mit dem kleinen Mädchen im Internet klar. Und es ist ein durchtribenes Spiel! Einzelne Sitzungen des Therapeuten wurden ausschnittsweise beleuchtet, und auch ohne Kenntnisse von Gesprächsführung mit traumatisierten oder depressiven Patienten versteht man, wie geschickt er sein Werkzeug einsetzt, um seinen Opfern hilfsbereit und vertrauenswürdig entgegenzutreten und sie dabei immer tiefer in den Strudel ihrer dunklen Gedanken hinabzuziehen. Perfide, grausam, für den Leser vor allem hochspannend.

Wer hochkarätige Action und blutige Details wie in amerikanischen Thrillern erwartet, wer Kommissare mit melancholischem Blick und einem komplizierten Innenleben wie Wallander möchte - der ist hier falsch. Wer dagegen gerne einen flüssigen Krimi in leichter Sprache und mit einigen psychologischen Finessen lesen will, der ist hier genau richtig!

SaschaSalamander 30.07.2007, 19.46 | (0/0) Kommentare | PL

McDermid Abgekupfert

mcdermid_affaire_150.jpg"Echo einer Winternacht" war einer meiner ersten Krimis, und ich war begeistert. Außerdem las ich sehr ungern Romane von Autorinnen, und ValMcDermid war die erste Autorin nach langem, an die ich mich heranwagte. Und ich war begeistert. Von der Frau, und von ihrem Krimi. Es folgten dann ein paar Kathy Reichs, Higgins Clark, Jilliane Hoffmann, Sandra Brown und andere. Aber für mich ist und bleibt es eben Val McDermid. Was mir vor allem an "Echo einer Winternacht" gefiel: nicht soviel blutige Darstellung wie in den anderen Büchern. Die Fähigkeit, auch ohne große Action sehr viel Spannung zu erzeugen. Nun ja, spätestens in "Die Erfinder des Todes" durfte ich erfahren, dass sie sehr wohl blutig und grausam schreiben kann. Nagut, spannend waren die Sachen noch immer. Ich habe mir inzwischen auch Bücher von ihr gekauft, "ein Ort für die Ewigkeit" und "Abgekupfert", und in der Bücherei schnappe ich mir jedes nur greifbare Hörbuch. So fielen mir "Tödliche Affaire" und "Wen es trifft" in die Hände ... und Euch erwartet hier wieder eine Double Feature ;-)

Zuerst hörte ich "Tödliche Affaire". Ehrlich gesagt, die CD enttäuschte mich etwas. Zwei Kurzgeschichten, recht nett vorgetragen von Thomas Meinhardt. Aber irgendwie ohne Biss, fand ich. Die erste handelt von einem Schriftsteller, der die Geschichte in der Ich-Form erzählt. Er hat ein paar seltsame Gelüste und sucht sich auf recht umständliche Weise eine Schriftstellerin, deren Schreibstil ihm gefällt, deren sexuelle Anteile der Romane (Krimis soll sie schreiben) ihn erregen. Und der schreibt er dann ein Fanmail, macht sich langsam an sie heran, gewinnt ihr Vertrauen, bis sie sich endlich mit ihm trifft. Und dort lebt er seine Phantasie dann endlich aus. Wobei ich fand, dass das etwas arg einfallslos war *gähn*. Irgendwie hatte ich mir mehr davon versprochen, es kündigte sich ein kranker Psychopath an, geboten wurde dann ein 0815 Kleinstadtkiller.

Die zweite Geschichte handelt von einem Ganoven, der endlich zurück ins bürgerliche Leben möchte. Aber wie soll er das mit seinem Lebenslauf gestalten, wie die Lücken erklären? Und so beschreibt er in einem fiktiven Bewerbungsgespräch seinen Werdegang, bis er an den Punkt kommt, an dem sich das Blatt wendet: eine junge Anwältin will ihren Freundinnen zur Selbstjustiz gegen prügelnde Ehemänner unterstützen und braucht eine Art "Geldeintreiber", der den Männern in deren Sprache erklärt, was hier läuft ... notfalls auch mit Baseballschläger ... tja, und so einfach kann Geldverdienen sein ...

Ich war ehrlich gesagt recht enttäuscht. Von beiden Geschichten hatte ich mir mehr versprochen. Die erste begann spannend und endete kurz vor dem sprichwörtlichen Höhepunkt abrupt einfallslos, die zweite zog sich eine halbe CD lang hin, bevor sie dann endlich zum Punkt kam. Schade. Ich kenne McDermid eigentlich besser.

Dann die andere CD: "Wen es trifft und Wer den Wagen ins Rollen bringt". Gesprochen von Eva Gosciewicz, ich mag ihre Stimme. Aber ich werde die CD nicht hören, denn ich habe festgestellt, dass ich die Geschichten bereits kenne: sie stammen aus "Abgekupfert". Ich habe die Angewohnheit, Bücher mit Kurzgeschichten nicht von vorne bis hinten zu lesen, sondern je nach Lust und Laune hier und da mal eine Geschichte herauszupicken. Daher kannte ich die Geschichten der ersten CD noch nicht. Aber als ich den Klappentext zu "wen es trifft" las, wusste ich es sofort. Wollen die Macher nun also wirklich Geld verdienen, indem sie jeweils zwei Kurzgeschichten der Autorin auf CD packen, bis das Buch durch ist? Ehrlich gesagt, da halte ich die 2,99 für dieses kleine Büchlein (meist als Mängelexemplar in Läden günstigst erhältlich) besser angelegt als in den CDs. Die Sprecher sind nett, aber keine Weltklasse. Und wenn sich die Story wie in der Geschichte mit dem Kleinganoven zu lange hinzieht, kann man auch mal überfliegen. Eine CD enthält 2 Geschichten und kostet 8 Euro, das Büchlein enthält 11 Geschichten und kostet 3 Euro ...

mcdermid_trifft_150.jpgDoch, zum Selbstlesen sind die Kurzgeschichten sehr gut geeignet. Ich stöbere gerne in diesem Büchlein und lese heute mal die eine und in ein paar Wochen die nächste. Aber das Geld für die Hörbücher dazu würde ich nicht ausgeben. Mein Tipp: besorgt Euch das Buch bei >Tauschticket<, genießt die Geschichten ein kleinen gemütlichen Dosen vorm Schlafengehen. Es gibt Hörbücher, in die man sein Geld sinnvoller investiert ;-)

SaschaSalamander 02.07.2007, 09.49 | (0/0) Kommentare | PL

Jung blond tot und Der Jäger

Gerade höre ich "Der Jäger", vor einigen Wochen hatte ich "Jung, blond, tot" im Ohr. Und weil ich finde, dass sich die beiden Romane sehr ähneln, genügt wohl eine Rezension für beide. Wozu zweimal den gleichen Text schreiben und meine Leser quälen, für Wiederholungen müsst ihr lediglich den Fernseher einschalten ;-)

"Jung, blond, tot" ist der erste Krimi um Julia Durant, ehemalige Mitarbeiterin der Sitte, nun neu in der Mordkommission bei den Kollegen Berger und Helmer. Sie wird direkt in eine grausige Mordserie hineingezogen, bei der junge, blonde Frauen vergewaltigt und misshandelt werden. Die Spur führt in die Frankfurter Oberschicht, und sehr lange Zeit tappen die Kommissare im Dunkeln, bevor ein Zufall sie auf den Mörder stößt ... wenn Julia mit allem gerechnet hätte - aber dieser Fall setzt ihr dann auch privat doch sehr zu.

In "der Jäger" wird eine Reihe von Frauen ermordet aufgefunden, welche scheinbar durch nichts, absolut nichts miteinander verbunden scheinen. Bis den Ermittlern der abstruse Gedanken kommt, ob es wohl das Sternzeichen sein könnte? Längere Gespräche mit einer Astrologin helfen ihnen tatsächlich weiter, und immer sonderbarer scheint es, was der Täter mit seinen Morden eigentlich vorhat. Und alle Opfer schienen den Täter zu kennen. Durant muss vorsichtig sein: auch ihr Horoskop trägt die gleichen Merkmale wie die der Ermordeten ...

Die Handlung von Franzens ... Franz´s ... ach, also, Andreas Franz lässt seine Krimis im Frankfurter Großraum spielen. Wer in Oberursel, Darmstadt, Frankfurt lebt, wird die Lokalitäten wohl alle wiedererkennen und ein klares Bild vor Augen haben, wenn Durant und Berger ermitteln. Dadurch wirkt der Krimi natürlich um ein Vielfaches lebendiger und greifbarer für uns als die Romane von Cornwell, Higgins-Clark, Brown oder anderen AutorInnen.

Sprachlich - naja, es ist ein deutscher Autor, kleine Unzulänglichkeiten können also nicht dem Übersetzer in die Schuhe geschoben werden. Ich finde, dass sich sehr häufig Sätze und Handlungen wiederholen (als Nichtraucher bemerke ich, wieviel Wert auf Rauchen und Zigarettenmarken gelegt wird). Beim Hören glaubte ich im ersten Moment einige Male, diese Szene bereits gehört zu haben, einfach weil sie einer früheren Situation nur allzu ähnlich war. Julia raucht. Nimmt ein Bad. Telefoniert. Ist alleine zu Hause. Sie befragt die Verdächtigen, alle bekommen die gleichen Fragen gestellt, alle antworten auf ähnliche Weise. Es zieht sich manchmal schon sehr, wenn die dritte oder vierte Person befragt wird. Natürlich klingt jeder auf seine Weise verdächtig, denn weil es - Krimi eben - alles nur ein großer, tiefer Sündenpfuhl ist (Sex, Drogen, jeder mit jedem), hat eben jeder etwas zu verbergen und beantwortet die Fragen anfangs nur unzureichend. In beiden Fällen soll der Leser wohl darauf gedrängt werden, Person xy zu verdächtigen (unsympathisch, zwielichtige Vergangenheit, hat eindeutig gelogen, Womanizer dem die Opfer vertrauten, wusste für den Mord relevante Details aus dem Privatleben der Frauen), und einige Zeit vor Ende wird diese Person dann ermordet. Weil sie den Täter zu kennen glaubt, zur Rede stellt und von ihm getötet wird. Äußerst einfallsreich, jau *hüstel*. Und dann ist der Täter jemand, mit dem man als Leser nicht gerechnet hat. Eigentlich auch gar nicht rechnen konnte. Wie in alten Wallace- und anderen Krimis: es werden Hintergründe, Zusammenhänge und eine Vergangenheit und ein Motiv genannt, welches ziemlich konstruiert klingt und jeder der verdächtigen Akteure angedichtet hätte werden können. Man fühlt sich als Leser in diesem Moment wenig ernst genommen.

Aber ansonsten ... naja, man sollte die Romane von Andreas Franz in einem zeitlichen Abstand von mehreren Monaten lesen, weil sich sonst einfach zuviel wiederholt, sprachlich wie auch im Handlungsmuster. Aber wenn man ihn nicht zu oft konsumiert, doch, dann bietet er wirklich eine sehr gelungene Unterhaltung. Flüssig geschrieben, sehr spannend. Julia Fischer, welche die Durant-Romane liest, hat eine sehr angenehme Stimme, trägt den Text sehr souverän und selbstbewusst vor, ich lausche ihr sehr gerne. Und da die Hörbücher die gekürzte Version der kompletten Taschenbücher sind, empfehle ich den Lesern, auch hier eher auf die Audio-Version zurückzugreifen, um die häufigen Wiederholungen zu vermeiden. Dadurch wird der Roman um einiges spannender ;-)

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SaschaSalamander 25.06.2007, 10.07 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Zu viele Zufälle

archer_zufaelle_150_1.jpgJetzt wird es langsam zu kühl zum Radeln, also geht es wieder auf den Crosstrainer. Und der eignet sich prima, um nebenbei aufgenommene Serienteile anzusehen oder ein kurzes Hörbuch einzulgen. Und so hörte ich gestern "Zuviele Zufälle" von Jeffrey Archer zum "Auftakt der Saison". Hm. Ich hoffe, die Saison wird ein paar mehr Höhepunkte und Spannungsbögen aufweisen als dieser Roman ...

Ruth und ihr Ehemann Angus haben einen Bootsunfall, sie werden von Max gerammt. Es entsteht bald eine Freundschaft zwischen den dreien. Und recht bald beginnt Max, Ruth heimlich zu umwerben, sie geht auf den charmenten Herren ein. Als Angus unerwartet an einem Herzinfarkt stirbt, dauert es nicht lange, bis Max und Ruth ihre Beziehung offen zeigen und heiraten. Ruth verrät Max nichts von Angus hinterlassenem Vermögen (von dem sie bis vor dessen Tod selbst nicht einmal etwas wusste), und Max beginnt sich bald nicht mehr für Ruth zu interessieren, bis Ruth eine Scheidung wünscht, ...

Ich hatte mir etwas mehr davon erhofft. Ein wenig Spannung vielleicht. Gut, auf einer einzigen CD kann man keine allzu komplexe Story erwarten, aber vielleicht eine überraschende Wendung oder ein paar nette Erklärungen. Aber das Ende war abzusehen, und wie überhaupt es eigentlich geplant wurde, erfährt der Leser überhaupt nicht. Eher eine nette Kurzgeschichte als ein spannender Krimi. War mein erstes Werk von Jeffrey Archer ... kann mir jemand von Euch sagen, ob die anderen etwas lesenswerter und interessanter sind?

Für zwischendurch vielleicht ganz nett. Aber wirklich empfehlen kann ich es nicht. Es gibt anspruchsvollere Kost, die weit unterhaltsamer ist. Wer nebenbei mal zur Arbeit im Haushalt etwas hören möchte, ohne sich großartig auf Namen, Inhalte oder Story zu konzentrieren, liegt genau richtig, aber wer ein bisschen mehr von einem Krimi erwartet, sollte lieber zu anderen CDs / Büchern greifen.

SaschaSalamander 06.12.2006, 15.57 | (0/0) Kommentare | PL

Mord eines Lehrers

franz_lehrertod_150.jpgEin Lehrer wird brutalst ermordet. Bei den Ermittlungen hört Komissar Peter Brandt nur das Beste über diesen Mann: ein wundervoller Lehrer, ein großartiger Vater, ein vorbildlicher Ehemann, ein großartiger Kumpel, ein spitzen Kerl. Ehrlich, der kann kein Wässerchen trüben, er war einfach perfekt! Aber Brandt glaubt nicht so wirklich an den angeblichen Raubmord und bohrt immer weiter nach. Bald geschieht der zweite Mord. Und Brandt erhält einen anonymen Hinweis auf das, was sich hinter der Fassade des gutbürgerlichen Mannes tatsächlich verbarg. Nun gilt es Beweise zu finden und die Täter ausfindig zu machen ...

Doch, hat mir sehr gefallen. Mal etwas ganz anderes als die sonst üblichen Kriminalfälle von Fielding, Higgins Clark, Hayder, Gerritsen, Slaughter, Sayers und Konsorten. Weniger ausführlich in der Brutalität (was mir sehr gefällt. Wenn ich etwas Brutales möchte, sehe ich mir einen entsprechenden Film an *muahaha*), weniger weiblich (in der Beschreibung der Farben von Teppich, Kleidung etc *g*), weniger außergewöhnlich und mehr alltäglich.

Und vor allem: der Autor Andreas Franz ist Deutscher. Die Handlung spielt nicht in einem amerikanischen Vorort oder irgendwo in England, sondern hier in Deutschland. Genauer gesagt im Großraum Darmstadt und Offenbach (sowie dessen Vorort Frankfurt *g*) etc. Die Namen der Hauptcharaktere konnte ich mir leichter merken, ich hatte einfach ein klareres Bild von Tatort und Hauptfiguren, einfach aufgrund dieser äußeren Umstände.

Der Fall an sich ist recht brutal, über 80 Messerstiche und eine ziemlich unfachmännische Kastration. Aber es wird nicht so grausig geschildert wie in manch anderen Romanen. Ich bin weder prüde noch empfindsam, aber ich mag allzu detaillierte Schilderungen von Vergewaltigungen, Ausweidungen, Seziervorgängen und ähnlichen Dingen nicht allzu sehr. Franz dagegen erwähnt, wie es eben ist, ohne es genau auszuführen. Das genügt, mehr muss nicht sein, der Hass des Täters und das Leid des Opfers sind trotzdem deutlich für den Leser zu erkennen.

Auch gefällt mir, dass der Roman recht "alltäglich" ist. Viele Rezensenten im Internet stören sich daran, dass alles viel zu "glatt" und oberflächlich seim dass Selbstjustiz verherrlicht würde. Diesen Eindruck hatte ich nicht. Die Charaktere selbst finde ich gut ausgearbeitet. "Der Tod eines Lehrers" ist der erste Roman um Kommissar Brandt, und ich kann mir gut vorstellen, wie er die einzelnen Figuren ausbauen wird, sie geben viel her. Sie haben ihre Eigenheiten, ihr Privatleben, ihre Macken, ihre Schwächen und Stärken, ihren eigenen Sprachstil. Sie sind menschlich. Und wenn ein Mensch eine grausame Tat nachvollziehen kann (es gibt Dinge, da denkt wohl jeder gesunde Mensch an schlimme Strafen für den Täter. Und auch, wenn es Polizisten oder Anwälte sein mögen, so sind sie eben doch nur Menschen, real wie im Roman. Selbstjustiz wird nicht gutgeheißen, aber eben verstanden, man denke an den Film "die Jury"). Während in vielen Krimis und Thrillern eben ein Serienkiller tätig ist oder ein Kranker irgendwelche grausigen Taten begeht und ein unschuldiger Mensch daran glauben muss, sind es hier eben normale Menschen. Es ist ein Fall, wie er direkt in der Nachbarschaft passieren könnte. Täter wie Opfer ganz normale Menschen.

Der Autor legt in seinen Werken laut eigener Aussage Wert darauf, auch zum Nachdenken anzuregen. Ja, das schafft er hier. Ich hätte große, große Lust, jetzt sofort eine Diskussion um das von ihm gestellte Thema anzufachen, zumal meine Meinung sowieso eine recht kontroverse ist (ja, doch, die Zeit in der JVA hat mein Denken geprägt und auch eine sonst eher weniger sichtbare Seite sehen lassen *g*). Es wird ein Vorortidyll zerstört, der Leser wird aufgerüttelt und bekommt gezeigt, dass auch auf seiner Schule, in seiner Kirche, auf seinem Polizeiamt, ja vielleicht sogar beim Nachbarn nicht alles so schön ist, wie es scheinen mag. Das gefällt mir, denn sonst ist die Moral von der Geschicht meist ein "der Täter wurde letztendlich gefasst, das Morden hat ein Ende, alles ist gut". Hier gibt es zwar ein Happy End, aber einen bitteren Nachgeschmack. Denn es war nicht nur ein Roman ...

Die Sprache ist recht einfach gehalten. Kein Meisterwerk, aber wenn ich ein Meisterwerk lesen will, dann lese ich auch keinen Krimi, sondern greife zu Rilke, Poe oder Kafka. Es lässt sich flüssig lesen und hören, die Sprache ist Alltag. Musste nicht erst übersetzt werden, vielleicht gefiel es mir deswegen so gut. Die Charaktere sprechen weder allzu gestelzt noch überzogen Slang. Ich finde es schön, wie sie ohne um den heißen Brei zu reden sagen, was Sache ist, ohne dabei wie Schimanski zu fluchen. Die Dialoge sind, finde ich, so alltäglich, als würde ich tatsächlich einem Gespräch zwischen zwei Menschen lauschen.

Humor und Spannung sind ebenfalls klasse. Ein Alltagshumor, soll heißen ein paar ironische Sprüche von der abgehärteten Pathologin, ein paar freche Sprüche, wenn der Polizist nachts geweckt wird, lässiger Jugend-O-Ton von Brandts Tochter. Es gibt keine Momente "in letzter Sekunde", oder den sonst häufigen Effekt, dass der Leser die Gedanken des Täters mitverfolgen kann, sondern einfach die normale Ermittlungsarbeit der Polizei sowie persönliche Differenzen mit der Staatsanwaltschaft oder den Kollegen. Spannend ... naja, Spannung nenne ich etwas anderes, etwa wenn ich herzklopfend lausche und gedankenverloren an den Fingernägeln knabbere *g*. Aber es ist mitreißend, und ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, was die Befragungen ergeben, wie das Date mit der Pathologin verläuft, ob der Kollege irgendwann merkt, dass er hintergangen wird, ob das Motiv etwa wie erwartet tatsächlich [...] sein kann?

Einziges Manko: Nach viereinhalb von 5 CDs weiß man, wer der Täter ist. Nachdem nun das Motiv bekannt und somit der Täter schnell gefunden ist, folgen nur noch Befragungen über den Tathergang und die Interaktion der einzelnen Charaktere. Einerseits nicht schlecht, weil dadurch die Figuren menschlicher werden und der nachdenkliche Teil einsetzt (was ihm sehr, sehr gut gelungen ist), andererseits ist aber leider auch ein Großteil des "Pageturner-Effektes" vorbei. Er hätte sich vielleicht einen "Clou" fürs Ende aufheben sollen oder noch ein paar Dinge offenlassen sollen, so leider zieht es sich trotz der interessanten Handlung ein wenig, man hätte es deutlich verkürzen können, indem man die Befragung ausgelassen und stat dessen nur die Ergebnisse rückwirkend präsentiert hätte ...

Noch ein Wort zum Hörbuch: Tommi Piper gefiel mir super! Schade, dass diese großartige, markante Stimme immer nur mit "Alf" assoziiert wird, hat er doch weit mehr auf dem Kasten! Er trägt den Text lässig vor, als würde er frei sprechen (das können nicht alle Sprecher, auch die Guten wirken oft etwas gestellt!). Auch, wenn er die Stimme nicht verstellt, kann man den Dialogen sehr gut folgen, er schafft es wunderbar, Emotion in die Melodie zu legen, wirklich super! Er sollte wirklich mehr Bücher vortragen!

Also, mein erstes Buch von Andreas Franz hat mir sehr gefallen. Der Mann hat das Talent, eine gute Geschichte lebensnah und packend zu erzählen. Ich werde demnächst definitiv mehr von ihm lesen / hören! Wer auf grausige Details verzichten kann und einfach mal einen "normalen" Krimi ohne Psychopathen, malvefarbene Teppiche, dafür aber mit sympathischen Hauptfiguren lesen möchte, der sollte "Tod eines Lehrers" lesen :-)

SaschaSalamander 04.08.2006, 16.17 | (0/0) Kommentare | PL

Neuer Krimiautor für mich

Gestern und heute höre ich gerade "Tod eines Lehrers". Von Andreas Franz, einem aktuellen deutschen Autor. Ein recht spannender Krimi. Was mich reizte: die Meinungen zu diesem Buch sind recht gespalten, viele loben den ungewöhnlichen Stil und die spannende Story, andere ärgern sich über zuwenig Acten, die Rechtfertigung von Lynchjustiz und die glatte Oberfläche von Handlung und Charakteren. Inzwischen bin ich bei der fünften von 6 CDs angelangt (eigentlich ist jetzt schon alles klar - was mag dann noch kommen?!?) und bin recht angetan, mir sagt der Autor zu ... aber erst mal abwarten, das Ende eines Buches kann die Meinung des Lesers stark beeinflussen ... also, weiter gehts!

SaschaSalamander 02.08.2006, 12.41 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Beschämt höre ich einen Literaturkrimi

fforde_janeeyre_150.jpgIch habe mich spontan für "Der Fall Jane Eyre" von Jasper Fforde entschieden. Ein abgedrehter Krimi, der Literatur Fiktion gekonnt verwebt, wenn ich das dem Klappentext und der Info bei Amazon richtig entnehme. Das ist doch exakt das Richtige für mich!

Allerdings muss ich gestehen, dass mich die ersten Kapitel ein wenig verwirrt zurücklassen. Nicht schlecht gemacht, ich werde es weiterhören. Aber leider ist genau dieser Teil der Literatur derjenige, mit dem ich nicht so ganz klarkomme. Und auch die ungewöhnlichen Hintergründe (das zaristische Russland kämpft seit einigen hundert Jahren gegen England, der Dodo soll aufgrund zuvieler Tiere von der roten Liste gestrichen werden, etc) verwirren mich etwas. Die Geschichte wird aufgrund einer Zeitmaschine recht durcheinandergewürfelt. Da ich in Geschichte noch nie eine große Leuchte war, bin ich ein wenig verwirrt und muss stellenweise überlegen, wo denn nun die Änderungen vorgenommen wurden *errötet*. Und da ich bis vor dem Roman nicht wusste, wer "Jane Eyre" ist und wer oder was "Martin Chuzzlewit" ist, habe ich wohl noch so einiges vor mir. Aber macht nix, ich sehe den Roman dann mal wohl nicht als Unterhaltung, sondern als Lehrbuch *seufz*

(doch, ich gebe zu, ich bin etwas beschämt. Aber andererseits - man kann nicht alle berühmten Werke berühmter Autoren gelesen haben, und aufgrund persönlicher Vorlieben werden mir Werke von Autoren wie Brontè oder Austen oder Flaubert oder ähnliche wohl verschlossen bleiben. Entweder, Werke wie "der Fall Jane Eyre" bringen mir den einen oder anderen Autoren dann doch näher, oder ich habe zumindest wieder ein wenig dazugelernt über Hauptfiguren, Werke, etc. Aber dass ich Chuzzlewit nicht kannte, das beschämt mich, da ich diesen Autor eigen gerne lese *seufz*)

SaschaSalamander 25.07.2006, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

Kopf über Wasser

kopfueberwasser_150.jpgDie Filme in unserer TV-Zeitschrift sind nicht alle wirklich der Hit. Oft hat es schon seinen Grund, warum diese DVDs kostengünstig angeboten werden. Aber manchmal sind auch richtige Superfilme dabei. Der aktuelle Film "Kopf über Wasser" sagte mir absolut nichts, aber der Inhalt klang nach schwarzer Komödie, könnte mir gefallen. Noch gestern Abend sahen mein Schatz und ich uns diesen Film an, und wir waren begeistert!

Nathalie hatte einfach kein Glück mit Männern. Mit dem fast doppelt so alten Richter George - der sie damals verurteilt hatte - soll sich das ändern, die beiden lieben sich und Nathalie möchte ein neues Leben beginnen. Mit Nathalies Jugendfreund Lance leben sie auf einer beschaulichen Insel, alles ist friedlich, und bald kann Nathalie sogar ihre Beruhigsungsmittel absetzen. George und Lance unternehmen eine gemeinsame Angeltour, als plötzlich und unerwartet Nathalies Ex-Mann Kent vor der Tür steht. Die Postkarte, welche er angeblich zur Ankündigung geschickt hatte, kam nie an. Nathalie ist besorgt, ihr Mann wird bestimmt vor Eifersucht schäumen! Und dann - ist Kent am nächsten Morgen plötzlich TOT! Sie gerät in Panik, versteckt die Leiche und versucht es zu vertuschen. Aber sie ist eine schlechte Lügnerin. Und so findet George die Leiche, gemeinsam überlegen sie was zu tun ist. Niemand würde diese verrückte Geschichte glauben, und George fürchtet um seine Karriere. Die Leiche muss verschwinden! Doch dann eskaliert die Situation: immer neue Indizien um Kents plötzlichen Tod tauchen auf, jeder verdächtigt jeden, und am Ende ist Nathalies Leben ernsthaft in Gefahr ...

Ein genialer Genremix aus Schwarzer Komödie, Thriller und Drama. Außerdem kommt dieser Film mit lediglich vier Schauspielern aus, was die Handlung für mich immer sehr reizvoll macht. Die Darsteller müssen all ihr Können aufbringen, und nur mit einer wirklich guten Story wird der Film für den Zuschauer zu etwas Besonderem. Und das ist hier zweifelsfrei gelungen.

Anfangs etwas platt und albern, steigert sich der Film nach einiger Zeit wirklich zu ungeahnten Höhen. Herrlich makaber, düster und unglaublich spannend. Erste Anzeichen sind bereits vorhanden, doch der Zuschauer kommt noch gar nicht auf die Idee, dass es vielleicht Mord gewesen sein könnte. Erst, als Nathalie plötzlich die Erkenntnis trifft, dass es alles wohl von George geplant war, macht es beim Zuschauer "klick". Doch bevor sich alles klärt, gibt es auf einmal den Verdacht, dass auch Lance seine Finger im Spiel haben könnte. Ein grausames Katz- und Maus-Spiel beginnt, dessen Ende nicht wirklich vorhersehbar ist. Da die unterschiedlichen Genres sosehr ineinander übergehen, fällt es schwer, die Handlung vorauszusagen, ein klarer Bonus in meinen Augen, ich liebe unerwartete Wendungen! Am Ende schließt sich der Kreis, und Nathalie klagt erneut ihr Leid, dass sie eben einfach kein Glück mit Männern hat ... Und der Schlussgag am Ende, ich lag vor Lachen fast unter dem Tisch, das musste einfach kommen!

Effekte, Musik und ähnliche Dinge, da kann ich in diesem Fall nicht viel dazu sagen. Dieser Film setzte nicht auf aufwändige Tricks oder massentaugliche Soundtracks, sondern einfach auf eine völlig abgefahrene, durchgeknallte Story im Stil von "Immer Ärger mit Harry", dazu ein paar Thrillerelemente: abgelegene Insel, keine Fluchtmöglichkeit, jeder der Anwesenden könnte der Täter sein.

Ein wirklich böser Humor, wie er wohl nicht jedem gefällt. Aber wer sich für rabenschwarze Filme begeistern kann, wird "Kopf über Wasser" bestimmt lieben! Eine Woche lang wird die TV Movie mit dieser DVD noch für günstige 3,30 € im Handel erhältlich sein, wirklich ein Top Preis für diesen Film, also nix wie los!

SaschaSalamander 24.07.2006, 10.17 | (0/0) Kommentare | PL

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