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Thema: Zerlegt

Irgendwie traurig

Wieder einmal bin ich ein wenig gesurft, um in verschiedenen Rezensionen zu stöbern. Macht einfach Spaß. Aber eines erstaunt mich immer wieder, und es betrübt mich auch: ständig muss ich bei den wirklich guten Filmen lesen "zu wenig Action", "viel zu langweilig", "zog sich viel zu lange hin".

Ich finde es schade, dass so viele Leser und Zuschauer nur Action und Abenteuer suchen und dies scheinbar von allen Filmen erwarten. Tiefgründige Thriller und Dramen werden als Flop gehandelt, sind lediglich Insidertipps und nur schwer zu erhalten in Videotheken, weil sie aufgrund ihres ruhigen Plots nicht massentauglich sind *snief*.

Hiermit bekenne ich mich:
ich sehe bevorzugt actionlose Filme mit Handlung und Inhalt!
Und ich finde sie sogar zu allem Überfluss auch noch spannend!

Erowyinn 13.05.2008, 15.17 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

Serienwahn

Peter Brandt (A. Franz)
Julia Durant (A. Franz)
Kurt Wallander (H. Mankell)
Kai Scarpetta (P. Cornwell)
Tempe Brennan (K. Reichs)
John Cardinal (G. Blunt)
Tony Hill (B. McDermid)
Kate Brannigan (V. McDermid)
Lindsay Gordon (V. McDermid)
David Hunter (S. Beckett)
Guido Brunetti (D. Leon)
Van Veeteren (H. Nesser)
Nicholas Fandorin (B. Akunin)
Martin Beck (Sjöwall / Wahlöö)
Alex Cross (J. Patterson)
Linsay Boxer (J. Patterson)
Roy Grace (P. James)
Inspector Jury (M. Grimes)

Und es lässt sich noch sehr, sehr lange fortsetzen, ich denke da an etwas gediegenere Helden wie Miss Marple, Hercule Poirot, August Dupin, Sherlock Holmes. Sogar tierische Spürnasen wie Francis oder Sneaky Pie Brown tummeln sich unter den Detektiven in Serie. Von anderen oder ähnlichen Genres ganz zu schweigen, berühmtes Beispiel Sergej Lukanjenko (Wächter-Romane) oder Anne Rice (Chronik der Vampire).

Eigentlich schon klasse, wenn etwas gefällt und man dann noch mehr davon bekommt. Andererseits muss ich ehrlich sein: mir geht dieser Serienwahn langsam gewaltig auf die Nerven! Ich habe keine Lust, irgendein Buch in die Hand zu bekommen, es begeistert zu lesen und dann feststellen zu müssen, dass es eigentlich der x-te Teil aus einer Reihe ist. Letztens las ich "Eisiges Herz" von Giles Blunt. Seine Frau stirbt. Und weil mir das Buch gefiel, las ich auch die anderen. Und da lebte seine Frau noch. Toll, wirklich toll. In sich geschlossen, aber dennoch aufeinander aufbauend, pah! Wie soll man da als Ottilie Normalleserin da nicht durcheinanderkommen? *motz*.

Ach ja, nochwass: Ganz besonders lästig finde ich es, wenn Autoren Prequels schreiben. Also Romane, die vor denen spielen, die bisher geschrieben wurden. Typisches Beispiel ist im Filmbereich etwa StarWars Episode 1 bis 3. Nö, ich les gerne der Reihe nach, auch, wenn das spießig ist, ...

Es ist selten, dass man wie bei "Chemie des Todes" das Glück hat, an einen Bestseller zu geraten und dann im Anschluss die jeweiligen Neuerscheinungen lesen zu können, immer schön der Reihe nach. Meistens muss man entweder querbeet lesen, oder sich umständlich informieren und dann sehen, dass man sich die Bücher in passender Reihenfolge besorgt. Wenn man sie nicht neu im Laden kauft, sondern bei Ebay oder Tauschticket günstig ergattern möchte oder sie immer in der Bücherei reservieren muss, ganz schön lästig und jede Menge Wartezeit zwischen den einzelnen Bänden!

Ich gebe zu, ich lobe mir die Autoren, die Bücher schreiben, welche unabhängig voneinander sind. Es macht natürlich eine Menge Arbeit, jedes Mal neue Helden zu konstruieren. Und es ist auch reizvoll, wenn ein Held die Möglichkeit hat, sich über fünf, zehn oder zwanzig Bände hin zu entwickeln. Aber John Grisham, Mary Higgins Clark, Ken Follett, Sandra Brown, Joy Fielding. Das gefällt mir, einfach blind in den Stapel greifen und lesen. Wird schon gefallen, Reihenfolge egal.

Wenn ich in Gedanken die Qualität der Werke vergleiche ... nicht immer sagt die Länge einer Serie etwas über die Tiefe der Charakterentwicklung aus. Es gibt Serienautoren, die von Mal zu Mal schlechter werden, aber auch solche, bei denen man von Roman zu Roman mehr in ihren Bann verfällt.

Ach, Serie hin oder her ... hat wohl beides seine Berechtigung. Aber ich musste meinen Frust hier einfach einmal loswerden ;-)

Erowyinn 01.03.2008, 10.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Verwirrende komplizierte Genres

urasawa_20th1.jpgHerrlich ... ein Traum, die Bücherei ... vor einiger Zeit - schon etwas her, Sommer 2005 las ich die ersten 9 Bände von ">20th Century Boy<" und war absolut begeistert. Leider ist es eine der Serien, die man am Stück lesen muss, hier mal ein Heft und ein paar Monate später die nächsten zwei, das ist frustrierend. Also habe ich mich bemüht und bis vor ein paar Wochen gewartet. Dann in der Bib die restlichen Bände reservieren lassen, jetzt habe ich sie hier bis Band 18 liegen. 22 Bände hat die Serie insgesamt, aber so lange wollte ich nicht warten *winsel* ... musste einfach wieder einmal zuschlagen ...

Ich habe bei Wikipedia gelesen, dass die Serie ins "Seinen" - Genre gehört, das kannte ich noch gar nicht, auch "Josei" war mir bis dato unbekannt. Gut zu wissen, denn damit bekommen viele Mangas, die ich zu meinen Favoriten zähle, endlich eine Schublade, wenn ich sie weiterempfehlen möchte ... Mangas für junge Männer, Seinen, da fallen mir doch sofort Monster, Heads, Hiroki Endo, Eagle, Vagabond, Homunculus, Bus Gamer und viele andere ein, die ich gerne lese ... bei Josei denke ich sofort an Sakurazawa und Soryu sowie ein paar andere Mangaka ... mensch, wenn Mangas in Dtland noch nicht einmal so gut integriert sind, dass man um die Genres weiß ... so ganz klar wie im Deutschen ist das nämlich nicht immer geregelt. Während es im Deutschen eher um die Darstellungsweise geht (Action, Romantik, Komödie, Drama, etc), ist man in Japan eher an der Zielgruppe orientiert (Mädchen, Frauen, Männer, Jungs) und vermischt häufig schon einmal das, was bei uns klar zu trennen ist.

Erowyinn 14.12.2007, 16.47 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein paar Tipps zum Vorlesen

*hihi* ich kann mir schon denken, dass so mancher beim Lesen heute Vormittag dachte "ja, und welche Tipps hat sie den Teilnehmern denn nun gegeben?" Mir zumindest ginge es so. Natürlich kann ich das schlecht alles zusammenfassen und hier im Blog widergeben, wenn es so einfach wäre, müsste man keine solchen Seminare besuchen, sondern könnte schnell irgendwo ein Fachbuch lesen oder sich die Infos aus dem Netz ziehen und wäre dann ein prima Vorleser ;-) Aber ich kann es ja versuchen und ein paar der Grundideen hier wiedergeben, natürlich stark gekürzt und teilweise auch ein wenig aus dem Zusammenhang, aber vielleicht trotzdem spannend für Euch zu lesen und hier und da hilfreich beim Üben ...


Gestaltung des Vorlesens
(vor allem mit Kindern)

- Das Vorlesen mit einem Ritual beginnen, Ruhe einkehren lassen
  (z.B. Klangschale, Regenmacher, Glöckchen, Spieluhr, etc)
- Die Kinder nicht überfordern oder unterschätzen
- Die Kinder ernst nehmen
- Keine Moral oder Pädagogik in den Vortrag einbinden
  (durchgehend vorlesen, keine Zwischenfragen wie "hast Du das
  auch schon einmal erlebt, wie war das jetzt für das Mädchen, etc")
- Mit einem Ritual beenden


Vorbereitung auf das Sprechen

- Räuspern ist ungesund für die Stimmbänder
- statt Räuspern bei trockenem Hals: Wasser trinken u.a.
- Lockerungsübungen für den Körper (z.B. etwas Gymnastik; vor
  allem Schultern u Kopf beweglich halten, Kiefer massieren, etc)
- Körper muss entspannt sein (aufrecht sitzen oder stehen,
  bequeme Körperhaltung, freie Atmung, Kiefer und Sprechmuskeln
  gelockert)
- bewusstes Atmen (Zwerchfell, Bauchatmung, Schultern nicht
  dabei anheben)


Vorlesen

- klare Aussprache (g am Ende von König, Honig etc z.B. wie "ch",
  ohne Dialekt, keine Silben verschlucken, etc)
- Am Ende eines Satzes nicht die Stimme nach oben ziehen,
  auch nicht bei Fragesätzen
- Der Text steht im Vordergrund, nicht der Sprecher
  (Text soll in Klang und Inhalt wirken, Sprecher kann sich
  zurücknehmen)
- Lautstärke beachten
- Tempo beachten
- Pausen einlegen, auch wenn kein Punkt oder Komma im Satz
  steht, Pausen sind sehr wichtig (nicht zu lang, nicht zu kurz)


Emotion im Vortrag

- Körperhaltung und Gesichtsmimik dem Vortrag anpassen
  (bei Freudigem lächeln, bei Ekel das Gesicht verziehen etc,
  dies wirkt sich auch auf Betonung und Klang der Stimme aus)
- sich die Situation vorstellen, den Text mit "Subtext" versehen

Gute Übung, die wir hierzu machten:
Jeder Teilnehmer bekam einen einzigen Satz auf einem kleinen Stück Papier, und zu diesem Satz sollten wir uns eine Geschichte überlegen. Wir hatten ein wenig Zeit, darüber nachzudenken, dann sollte jeder seinen Satz vortragen. Es geht in diesem Fall nicht darum, einzelne Worte zu betonen, um einen Fakt hervorzuheben (ICH gehe heute Angeln ... ich GEHE heute Angeln ... ich gehe HEUTE Angeln), sondern darum, den Hörer die Intention des Sprechers verstehen zu lassen.

Beispiel: "Gehst Du etwa schon?", Gedanken dahinter:
- eine alte Frau im Krankenhaus, alleine, ihre Tochter nach vielen
  Wochen zum ersten Mal zu Besuch
- ein frecher Lausbub, der nur darauf wartet, dass der Babysitter
  geht und er nun seinen Streich ausführen kann
- eine Frau, deren Freund im Kino plötzlich aufsteht und den
  Saal während des laufenden Filmes verlässt

Jeder dieser Menschen wird natürlich andere Gefühle in diesen Text legen, die alte Frau wird traurig, einsam, verlassen, kränkelnd klingen, aber auch zufrieden nach dem angenehmen Besuch, voller Vorfreude auf nächste Mal, schicksalsergeben ... der kleine Junge natürlich frech, lauernd, vorfreudig, man hört ihn richtig grinsen, wenn er scheinbar unschuldig sein "gehst Du schon" sagt.

Hinter jedem Satz steht mehr als nur ein paar einfache Wörter, die man vorliest, dessen muss man sich bewusst sein. Deswegen ist es auch wichtig, einen Text vorzubereiten und sich vorab. Gedanken darüber zu machen, wie solche Sätze nun klingen, was damit ausgesagt werden soll. Nur so ist es möglich, den Leser direkt zu erreichen und ihm den Text zu vermitteln ...


Charaktere, Dialoge

Nur wenige Menschen sind gesegnet mit einer volltönenden Stimme wie Christopher Lee, einer sanften Stimme wie Hans Paetsch oder einem Paar Stimmbänder mit solcher Flexibilität wie Rufus Beck (ich bekomme schon alleine von der Vorstellung, solche Kapriolen in alle möglichen Höhen und Tiefen auszuführen, Halsschmerzen!). Stimmakrobaten wie Elmar Brand (berühmter Imitator) lassen mich vor Neid erblassen. Trotzdem muss niemand verzweifeln, der das nicht kann. Es gibt eine sehr gute Möglichkeit, dennoch Leben in den Vortrag zu bringen:

Tonfall, Mimik, Sprechweise. Frau Wiedemann erklärte es uns anhand von Zwerg Nase (>siehe letzter Beitrag<), wo Samuel Weiss auch ohne Verstellen der Stimme die Hexe vor den Zuhörern entstehen ließ. Man konnte die Spinnenfinger, die lange Nase, den krummen Buckel, die wackligen Beine der Alten regelrecht vor sich sehen! Man kann natürlich ein wenig die Stimme heben oder senken, ohne jedoch zu übertreiben. Dann die Atmung variieren, schneller oder langsamer Sprechen, die Pausen abändern, kleine Sprachfehler einbauen, die Mimik und Gestik dem Vortrag anpassen.

Für die Alte zum Beispiel: eine alte Frau, bestimmt kurzatmig, also häufiger Atmen, langsamer sprechen, die Stimme ein klein wenig höher, aber dafür eher leise und dünn, vielleicht beim Vortrag auch die Lippen etwas zusammenpressen (sie ist alt, sie muss sich nicht mehr klar artikulieren, sie erwartet, dass man ihr zuhört. Sie ist verbissen, vergrämt), vielleicht auch ein wenig mit dem Kopf dabei wackeln, wie alte Leutchen dies klischeehaft tun, die Augen etwas verengen.

Dann erklärte sie auch recht gut anhand von "Sophiechen und der Riese", wie man den Riesen darstellen könnte. Groooooß, riesig, sich das schon vorstellen, allein beim Lesen, wie er aussieht, verzieht der Sprecher das Gesicht, so eklig ist dieser wurstlippige Riese mit den Blumenkohlohren und dem schütteren Haar. Und wenn der Riese spricht, dann spricht er aus vollem Bauch heraus, er hat Volumen, Größe, er ist tumb, langsam. Der Sprecher spricht tief aus dem Bauch heraus (Atmung!), lange Atemzüge, er genießt die Schimpfworte aus dem Mund des Riesen, kostet jedes einzelne davon so richtig aus, spielt damit.

Was nicht angesprochen wurde, mir aber sehr gefiel, das war der Vortrag einer Teilnehmerin aus "Es ist alles wahr" von Andersen. Die Hühner, sie plapperten schnell, abgehackt, hektisch, etwas höher als normal, hinter vorgehaltener Hand, die Dame wackelte ihre Arme, als würde sich das Huhn wichtigtuerisch aufplustern (tat sie unbewusst beim Lesen, es wirkte absolut klasse und wirkte sich auch auf ihre Sprache aus).

Allein durch Tempo, Atmung, Pausen, Stimmlage ist es möglich, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und die Worte auf dem Papier dreidimensional werden zu lassen. Schade, dass es nun jetzt viel leichter klingt, als es tatsächlich ist. Aber ihr könnt ja für Euch üben, Euch am PC aufnehmen, es anhören, selbst überlegen, was Euch auffällt, Euch mit Freunden austauschen und nach und nach am Vortrag feilen.


Zum Abschluss

Ein kleiner Tipp von meiner Seite: ich höre sehr gerne Hörbücher, und sehr oft, wenn es mir möglich ist, höre ich nicht einfach nur, sondern ich analysiere. Woran liegt es, dass die Männer alle so auf Franzsika Pigulla abfahren? Was hat Rufus Beck, was die anderen nicht haben? Wie gelingt es Friedrich Schönfelder, dass ein erwachsener Hörer sich bei ihm geborgen fühlt? Was macht Joachim Kerzel, dass seine Worte dem Zuhörer eine schaurige Gänsehaut über den Körper jagen? Ich versuche natürlich nicht, einzelne Sprecher zu imitieren, gebe mir aber Mühe, mir hier und da Techniken und Tricks abzugucken und selbst anzuwenden.

Wie geht es Euch, wenn Ihr Eure Stimme auf dem Anrufbeantworter, auf Tonband, in einem Videofilm hört? Vermutlich geht es Euch genauso wie mir und sonst jedem anderen Menschen auch: schrecklich. Und DAS sollen die anderen normal finden? Mit SO einer Stimme soll man vorlesen? Das kann sich doch keiner anhören. Ich habe keine Ahnung, woher dieses Phänomen kommt, aber fast jeder kennt es. Einen Tipp dagegen habe ich leider nicht. Das Einzige, was mir geholfen hat: einfach ignorieren, wie grauenvoll ich meinen eigenen Vortrag noch immer finde, Mikro her, und losgelegt. Immer und immer wieder. Irgendwann werde ich mich vielleicht dran gewöhnen. Oder auch nicht ... egal ... zumindest macht das Vorlesen Spaß. Ich muss mich ja nicht anhören, das überlasse ich Euch ;-p

Erowyinn 03.07.2007, 15.37 | (6/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Und immer das dämliche Ende

So, fertig ... habe viel gearbeitet, während ich die 4 CDs in einem Rutsch gehört habe. Rezi tippe ich heute Abend oder morgen früh. Aber es nervt mich, ärgert mich, macht mich wütend. Warum müssen alle Liebesgeschichten so blöd enden? Dass ein Happy End in den wenigsten Fällen möglich ist, ist mir schon klar. Wen interessiert es, wenn Romeo und Julia heiraten? Warum sollten der Flaschenpostschreiber und die Reporterin einem plärrenden Balg die Windeln wechseln? Kann die Erfolgsdame tatsächlich ihre Karriereleiter verlassen und mit einem flüsternden Tiertherapeuten in der Einöde Amerikas leben? Ach Quatsch ... das Leben ist nicht schön, und es hat kein Happy End. Aber es stört mich, dass die Leute dabei immer sterben müssen, dass Brüche abrupt kommen müssen, dass Geschichten tragisch enden, dass erst einmal ein Drama (ob nun realer, empfunden oder sonstiger Natur) stattfinden muss. Können sie nicht einfach einmal enden mit "hey, okay, dann war es eben doch nix, aber war ein netter Gedanke, war eine schöne Zeit, und lass und weiterhin gute Freunde bleiben"?

Das ärgert mich ... und wieder ein weiteres Buch aus der Kategorie "hätte ein wundervolles Buch sein können und ist es eigentlich noch immer, wenn nur das Ende nicht wäre" ... die Versuchung, es noch einmal zu lesen, ist sehr groß, es war wirklich witzig. Aber das Ende ist frustrierend. Ich sollte endlich einmal wirklich anfangen, schriftstellerisch aktiv zu werden. Meine erste Aufgabe wird es sein, den wenigen Liebesromanen und -filmen, die mir gefallen (Message in a bottle, Pferdeflüsterer, Stadt der Engel, Always, Wie ein einziger Tag, Das Lächeln der Sterne u.a.) weitgehend ein neues Ende zu verpassen ... vielleicht bin ich DANN zufrieden ...

*grummel*
*motz*
*vorsichhinbrabbelndgrummelt*

Mir ist schon klar, dass es rein technisch für den Autor schon recht schwer ist. Würde es weitergehen mit "wir bleiben Freunde", dann wäre es kompliziert, das Buch zu beenden, denn an welcher Stelle sollte er dies tun? Wenn ein Liebesroman oder -film glücklich endet, dann meist vor dem Traualtar. Oder mit dem glückseligen Tod (Philemon u Baucis, wie ein einziger Tag (was in dieser Hinsicht offen blieb). Es ist nicht leicht. Aber schade, dass die meisten Autoren sich deswegen davor drücken *grummel* ...



Wie findet Ihr, dass Liebesgeschichten enden müssen? Kann eine Liebesgeschichte schön enden? Muss sie wirklich immer tragisch oder zumindest abrupt enden? Kann es nicht einmal ein normales, menschliches Ende geben? Wenn Ihr eine Liebesgeschichte schreiben würdet - wie würde diese enden?

Erowyinn 04.06.2007, 19.18 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mit Worten malen

Ich liebe es, wenn ein Autor es vermag, Gefühle und Eindrücke nicht mit Adjektiven zu vermitteln, sondern Bilder zu malen mit seinen Worten, die das Geschehen im Kopf des Lesers lebendig werden lassen. Besonders schlimm sind Klischees ("mutterseelenallein", "Haifisch-Lächeln", "sein Magen krampfte sich zusammen". Das sagt so überhaupt nichts aus, und der Leser kann sich damit identifizieren oder nicht. Ich möchte hier zwei Beispiele aus "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung" vorstellen, die mich besonders bewegt haben.

Ankunft
An einem Tag im November erreicht das Schiff endlich den Hafen, aber der alte Mann will nicht von Bord gehen. Das Schiff zu verlassen hieße endgültig alles zu verlassen, was ihn noch mit seinem Heimatland verbindet. Deshalb führen zwei Frauen ihn auf den Kai, behutsam, als wäre er krank. Es ist bitterkalt. Der Himmel ist bedeckt. Monsieur Linh will den Geruch des neuen Landes einatmen. Er riecht nichts. Da ist kein Geruch. Dieses Land ist geruchlos. Er drüctk das Kind fester an sich und singt ihm ein Lied ins Ohr. Er singt es auch für sich selbst, um seine Stimme und die Melodie seiner Muttersprache zu hören.
(P. Claudel: M Linh u d Gabe d Hoffnung; Kindler, 2006; S. 09)

Mutterseelenallein. Traurig. Verlassen. Einsam. Heimweh.
Das sind Worte, die ein anderer Autor vielleicht verwendet hätte. Auch ich habe mich schon einsam, verlassen und traurig gefühlt. Wer nicht? Und so assoziiere ich mit solchen Worten, wie sie meist verwendet werden, ein Gefühl, das mit dieser Situation in keinster Weise zu vergleichen ist. Denn mein Heimweh im Schulandheim, das kann man nicht vergleichen mit dem Heimweh eines Menschen, der nach dem Krieg seine Heimat verlassen musste, dessen gesamtes Dorf ausgelöscht wurde, der weiß, dass es "Heimat" nicht mehr gibt und nie wieder geben wird. Aber Claudel schafft es, dem Leser dieses Gefühl zu vermitteln. Es ist bitterkalt, Monsieur Linh kauert sich wohl nun in seinen Mantel, drückt die Kleine fest an sich, schützt sich gegen die Kälte der Welt. Sogar der Himmel ist bedeckt, nicht einmal von oben scheint ein Licht. Ob er, Gott, ihn wohl vergessen hat? Er muss gestützt werden, ist zu schwach, er will diese letzte Brücke nicht überschreiten, würde am liebsten wieder nach Hause fahren. Und nicht einmal einen Geruch verströmt das neue Land. Natürlich riecht es nach irgend etwas, aber für Monsieur Linh riecht es leer. Er kennt nichts davon. Alles ist neu. Keine bekannten Assoziationen, keine vertrauten Düfte, er kann das Schiffsöl, die Abgase, das Parfum noch nicht einordnen, es ist, als wäre die Luft leer ... und niemand, mit dem er reden kann, nur er selbst und die Kleine, niemand, der seine Sprache versteht ...

Nein, ich war noch nie in dieser Situation. Aber ich kann es mir nun besser vorstellen als bisher. Oft schweiften meine Gedanken beim Lesen in die Ferne. Vor allem, wenn man liest, wie Monsieur Linh verwaltet wird, wie Behörden und Mitmenschen mit ihm umgehen ... Asyl ... ein Wort, das mit diesem Buch für manchen Leser vielleicht eine neue Bedeutung bekommt, wenn er Monsieur Linh auf dessen Weg begleitet.



Das Geschenk
Vorsichtig entfernt der alte Mann das Geschenkpapier. Das dauert ziemlich lange, weil er sehr vorsichtig ist und seine Finger nicht sehr geschickt sind. Schließlich hält er eine hübsche Schachtel in den Händen.
"Worauf warten Sie noch?" Der dicke Mann sieht ihn an und lacht.
Monsieur Linh hebt den Deckel. Sein herz pocht heftig. Er stößt einen leisen Schrei aus. In der Schachtel liegt, in dünnes hellrosa Seidenpapier eingeschlagen, ein feines, herrliches Prinzessinnenkleid! Ein wunderschönes Kleid. Ein Kleid für Fang diû!
[...]
Monsieur Linh wagt es kaum, das Kleid zu berühren. Er fürchtet, es zu beschmutzen. Noch nie hat er ein so schönes Kleid gesehen. Und dieses Kleid hat der dicke Mann seinem Kind geschenkt. Monieur Linh kann nicht verhindern, dass seine Lippen ein wenig zittern. Er legt das Kleid wieder in die Schachtel, schlägt es in das Seidenpapier ein und schließt den Deckel. Er umfasst Monsieur Barks Hände und drückt sie fest, sehr fest und lange. Er nimmt Sang diû in den Arm. Monsieur Linhs Augen glänzen, er sieht seinen Freund an und die Kleine, und dann singt er leise mit seiner zarten, ein wenig rauen, zittrigen Stimme: [...]*
(P. Claudel: M Linh u d Gabe d Hoffnung; Kindler, 2006; S. 71 f)

Ach, schön ... mein Grinsen ging beim Lesen über das ganze Gesicht. Wie das Kleid aussieht, ist mir egal. Andere hätten vielleicht den Glanz und die Pracht geschildert und beschrieben, dass Monsieur Linh sich freute wie ein Schneekönig oder dass er eben einfach glücklich war. Aber diese Freude hier geht soviel tiefer. Es ist nicht nur eine Freude. Es ist eine tiefe Dankbarkeit, die dem Leser bewusst wird, wenn er die beiden Männer beobachtet. Das Lachen des dicken Herrn Bark lässt auch den Leser lachen, voller Vorfreude, was wohl in Packet sein mag. Und dann - ein kleiner Schrei. Ein Kleid! Und weil Monsieur Linh es kaum fassen kann, muss das Wort Kleid sogar mehrfach wiederholt werden, als könne er es gar nicht fassen, als würde er es immer wieder vor sich hinsagen. Er ist so glücklich, dass er fest die Hand seines Freundes drückt. Wieviel mehr steckt in einem Händedruck als in wenigen Worten, und auch die Augen des Lesers glänzen mit den beiden Freunden über diesen besonderen Moment.

Ich liebe diesen Schreibstil, aber nur bei einigen sehr wenigen Großen habe ich ihn finden können. Rilke (Panther), Cervantes (La Mancha), Hugo (Die Elenden), Adams (Watership Down), Baricco (Seide), Coelho (Alchemist, 11 Minuten), um einige zu nennen. Wie schön, dass ich diese kleine Liste für mich nun um Philippe Claudel ergänzen kann ...

Erowyinn 23.05.2007, 20.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Gedanken Meinungen und Halbrezension

Eigentlich wollte ich ja eine Rezension zu dem Buch "Der Wanderer" von Gibran schreiben, aber dafür erscheint es mir doch etwas ungeeignet. Ich muss mich zusammenzureißen, nicht zu sagen "wer den Prophet oder den Wanderer (Coelho) oder Unterwegs oder den Krieger des Lichts kennt, kennt auch dieses Buch hier" ... aber ganz so ist es dann doch nicht, denn jedes der Bücher dieser Autoren beinhaltet eben doch eine ganz eigene kleine Welt für sich. Aber statt einer Rezension möchte ich doch lieber eine Art "Zusammenfassung" über solche Werke schreiben ... und vielleicht helft Ihr mir am Ende, meine Liste zu ergänzen?

Welcher Suchende, welcher spirituell Interessierte kennt Khalil Gibran noch nicht? Ebenso wie Sergio Bambaren, Paulo Coelho, Richard Bach, Antoine de Saint-Exupery und andere Autoren gehört er zu denen, die Lebensweisheit, Inspiration und Lebensfreude in kleine, handliche Geschichten oder kurze Büchlein packen und damit zur Bereicherung für unzählige Leser werden.

Kleine, kurze Denkanstöße werden den Lesern in Büchern wie "Der Prophet" und "Die Sehnsucht des Propheten", "Der Wanderer" (Gibran, auch Coelho), "Unterwegs" (Coelho), "Das Handbuch des Kriegers des Lichts" (Coelho) und ähnlichen präsentiert. Kurze Denkanstöße oder kleine Geschichten von maximal zwei Seiten, von denen man eine vor dem Einschlafen liest, um glücklich die Augen zu schließen. Oder vielleicht morgens ein kleiner Gedanke von Coelho, der einen vielleicht durch den Tag begleitet. Vielleicht auch eine Geschichte, die Kraft gibt, in dunklen Zeiten ein Lichtstrahl für den Leser ist. Ich habe solche Büchlein neben dem Bett liegen, und hin und wieder blättere ich darin, es tut mir einfach gut.

Und dann gibt es längere Geschichten, so etwa "Der kleine Prinz" (Saint-Exupery), "Die Möwe Jonathan" (R. Bach), "Der träumende Delphin" (Bambaren), "Der Alchemist" (Coelho), "Hectors Reise" (Lelord) und viele andere von diesen sowie weiteren Autoren. Geschichten, die man in einem Rutsch ein kurzer Zeit liest. Geschichten, die noch lange im Leser arbeiten. Geschichten, die man nicht einfach vergisst, sondern die man im Herzen trägt und mit einem glücklichen Lächeln bewahrt. In diesen Geschichten ist ein Protagonist (sei es ein Mensch, wie der Hirte Santiago oder ein Tier, wie ein Delphin oder eine Möwe) auf der Suche nach sich selbst, oder er stregt nach höherenZielen wie Freiheit, Liebe, Zufriedenheit, Glück, Friede oder ähnliches. Ein langer, beschwerlicher Weg, der häufig damit endet, dass der Suchende am Ende der Reise am Ursprungsort landet und erkennt, dass es gilt, den Augenblick zu nutzen und das Leben bewusst zu leben. Eine Erfahrung, die so einfach klingt und doch so schwer umzusetzen ist an manchen wokenverhangenen Tagen ...

Es gibt nicht wenige Leute, die Kritik an diesen Büchern üben: "Immer wieder die gleiche simple Geschichte, nur mit anderen Hauptfiguren und in neuer Umgebung. Gestern eine Möwe, die fliegen lernt, danach ein Hirtenjunge, der einen Schatz sucht, morgen ein Delphin auf der Suche nach der perfekten Welle. Alles das gleiche, die könnten sich mal was Neues einfallen lassen." Doch, solche Stimmen habe ich schon einige gehört, wenn ich auf meine aktuelle Literatur angesprochen wurde. Aber das stört mich nicht. Natürlich ist es immer wieder das gleiche. Na und? Ich trinke jeden Tag Wasser, und jeden Tag tut es meinem Körper aufs Neue gut. Deswegen klage ich auch nicht "ach, schon wieder Wasser, ich kanns nicht mehr sehn" ... ich liebe es sehr, wenn es direkt aus der Quelle kommt. Wart ihr schon einmal im Ort "Hölle", wo Frankenbrunnen gezapft wird? Oder an einer anderen originalen Quelle? So klar, köstlich und erfrischend? Nein, das wird mir niemals langweilig ... natürlich trinke ich gerne mal eine Limo, und selbstverständlich lese ich auch andere Bücher, aber solche kleinen Geschichten gehören für mich zur "Grundnahrung", die ich schon gar nicht mehr in meiner Statistik der gelesenen Bücher aufnehme ...

Ich bin sicher, die meisten von Euch haben schon eines oder gar mehrere solcher Bücher gelesen. Und jeder hat bestimmt seine eigenen Erfahrungen damit gesammelt, erinnert sich vielleicht noch an sein erstes Buch dieser Art, reist in Gedanken immer wieder einmal mit dem Prinz, der Möwe, dem Delphin oder dem Krieger durch die Welt.

Hier möchte ich mal eine kleine Liste von Autoren zusammenstellen. Alle Bücher dieser Herren kann ich leider nicht nennen, sondern nur stellvertretend einige der bekanntesten Werke. Ihr könnt ja selbst einmal bei Amazon stöbern, wie viele kostbaren Schätze diese Autoren, die man oft nur mit einem einzelnen Werk assoziiert, eigentlich geschrieben haben. Und ich würde mich freuen, wenn Ihr diese Liste vielleicht sogar um weitere Autoren ergänzt, die mir entweder unbekannt sind oder ich hier vergessen habe zu erwähnen. Außerdem könnt Ihr gerne auch weiterführende Gedanken äußern zu diesem Thema (was ich gleich selbst auch machen werde, weil es nicht so ganz in den Beitrag passt inhaltlich *hihi*).

>Coelho<: >Elf Minuten<, >Dämon u Frl Prym<, >Krieger d Lichts<
K. Gibran: >Der Prophet<, der Wanderer
A. de Saint-Exupery: Der kleine Prinz
R. Bach:
Die Möwe Jonathan, >Frettchen in den Lüften<
S.Bambaren: Der träumende Delphin, die Botschaft des Meeres
F. Lelord: Hectors Reise, weitere Romane um Hector
J. Amado:
Der gestreifte Kater und die Schwalbe Sinha
R. Schami:
Einzelne Märchen
Paul Maar:
>Der verborgene Schatz<
Janosch: >Oh wie schön ist Panama<

Erowyinn 11.04.2007, 19.07 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schlecht gewählter Titel

Ich stelle fest, dass der Titel eines Buches häufig nicht zum Inhalt passt, der englische Originaltitel dagegen treffender wäre. So heißt "Schlaf nicht, wenn es dunkel wird" im Englischen etwa (übersetzt) "Geflüster und Lügen". Während der dt. Titel in eine völlig falsche Richtung deutet, passt der originale Titel wirklich sehr treffend. Vielleicht hätte ich das Buch sogar mit anderen Erwartungen gelesen und wäre weniger enttäuscht vom Ende gewesen, das möchte ich nicht einmal von der Hand weisen.

Ein weiteres Beispiel ist Nicholas Sparks, der im dt mit so grauenvollen, immer wieder gleichklingenden Titel verschandelt wird, in denen es sich um Träume, Hoffnungen, Glück, Zeit und ähnlich wenig greifbare, aber dennoch verheißungsvolle Abstrakta geht.

Über Septimus Heap habe ich ja bereits ausführlich geschimpft, da der Titel des Buches bereits das Ende vorwegnimmt und somit einen Großteil der Spannung zerstört.

Da der Titel eines Buches AUCH maßgeblich ist für die Wahl des nächsten zu lesenden Buches, finde ich diese Praktik von Seiten der Verlage als unfair. Denn der Titel weckt gewisse Erwartungen im Leser, lässt auf ein bestimmtes Genre schließen, wertet den Inhalt eines Buches auf oder ab und verrät in vielen Fällen sogar etwas über den möglichen Ausgang der Geschichte. Manchmal fragt sich ein Leser am Ende auch, in welchem Zusammenhang der Titel mit dem Inhalt des Buches stehen soll.

Es gibt noch viele weitere Beispiele, vielleicht fallen Euch ja weitere ein? Ich bin auf Kommentare über seltsame, unpassende, unfaire oder schlecht übersetzte Titel sehr gespannt!

Erowyinn 17.07.2006, 16.47 | (5/4) Kommentare (RSS) | TB | PL

Nichtssagende Titel

Inzwischen habe ich mir ein paar Bücher von Nicholas Sparks zugelegt. Nachdem mir die Filme "Message in a Bottle" und "Wie ein einziger Tag" sehr gut gefallen hatten, wollte ich mehr von ihm kennenlernen. Aber in der Bib stand ich verzweifelt: hatte ich jetzt "Weg der Träume" schon geholt oder nicht? Warum? Weil seine Titel im Deutschen fast alle so nichtssagend und bescheuert sind, jawoll! Mag ja sein, dass die Titel dennoch eine gewisse Aussage innehaben, aber tut das Not, muss das sein, wassolldasdenn?

Zeit im Wind
Lächeln der Sterne
Weg der Träume
Nähe des Himmels
Ein Tag wie ein Leben
Das Wunder eines Augenblicks
Die Suche nach dem verborgenen Glück
Zeit im Wind
Schweigen des Glücks
Weit wie das Meer
Nah und fern

Sogar jetzt während des Schreibens musste ich überlegen, ob ich diesen oder jenen schon getippt hatte oder er noch fehlt. Nee, das braucht es wirklich nicht. Sind die Verleger denn so unkreativ?

Erowyinn 10.03.2006, 21.57 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wie schreibt man eine Rezension

Im Referrer stießen auch schon Leute auf diesen Blog, weil sie wissen wollte, wie sie eine Rezension aufbauen sollen. Eigentlich schreibe ich ja nur über andere Bücher, nicht über mein eigenes Geschriebs. Aber warum nicht einfach einmal eine kleine "Anleitung" für "handelsübliche" Rezensionen? Oder zumindest das, was ich mir darunter vorstelle, schließlich gibt es je nach Anlass, Meinung und Medium andere Schwerpunkte und unterschiedliche Möglichkeiten des Aufbaus.

Meine erste offizielle Rezension schrieb ich damals für die >Mangatainment<, und dazu bekam ich in wenigen Worten den groben Aufbau einer Rezi, ich habe das für mich selbst dann noch etwas ergänzt bzw ausformuliert. Und ich denke, wir sind bisher recht gut damit gefahren. Anfangs habe ich mir während des Schreibens stets entsprechende Notizen gemacht, inzwischen ist das sosehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mir da fast keine Gedanken mehr mache. Deswegen tut es mir jetzt doch einmal gut, es mir wieder ins Gedächtnis zu rufen ...

Und falls jemand plötzlich das Bedürfnis verspüren sollte, auch eine kurze Rezension zu schreiben, bietet dieser Blog genügend Raum auch für die Beiträge anderer Leser als nur mich, die Kategorie "Eure Beiträge" ist bisher leider recht leer *smile*. Unten angegebenen Punkte sind natürlich nur ein grober Richtungsweiser und keinesfalls alle unbedingtes Muss ;-)

EINLEITUNG
Einleitende Gedanken. Je nach Anlass unterschiedlich. Beispielsweise, wie ich auf das Buch aufmerksam wurde, ob es gerade aktuell ist, ggf ein paar einleitende Worte über den Autor, bei Bücherserien Info über weitere Bände, den Leser überhaupt erst einmal für das Thema gewinnen, die eher unpersönliche Rezension etwas persönlicher gestalten.

STORY
Ein kurzer Überblick über die Story, der länger oder kürzer ausfallen kann. Dabei sollte man auf jeden Fall darauf achten, nicht zuviel zu verraten. Der Leser erfährt kurz den groben Inhalt des Buches, Haupthandlung und Kernfragen werden angesprochen. Der Leser soll das Bedürfnis haben, mehr darüber erfahren zu wollen.

CHARAS
Manchmal füge ich diesen Punkt ein, wenn besonders starke oder schwache Charaktere auftreten. Wie logisch ihre Handlungen wirken, wie realistisch sie dargestellt sind, wie tiefgründig sie geschaffen wurden, ob sie sich weiterentwickeln, ob man mit ihnen fühlt.

UMSETZUNG
TECHN UMSETZUNG
Dieser Punkt ist derjenige, der dann eine Rezension häufig ausmacht. Denn die schönste Story ist nichts ohne eine entsprechende Präsentation. Zuerst allgemein den Handlungsaufbau, den Storyfluss, ob man dabei einschläft oder das Buch nicht mehr beiseite legen kann. Auch die Frage, ob die Handlung neu erdacht oder genreklassisch ist und ob es ähnliche Werke gibt, wird beantwortet. Schließlich möchte man sich als Neuling oder Fan etwas im Dschungel der ganzen Veröffentlichungen orientieren.
Die Technik befasst sich dann mit den gegebenen Möglichkeiten der Sprache (Buch), Sprecher (Hörbuch), Zeichenstil (Comic, Manga) oder der Effekte / Kameraführung / Soundtracks (Film). Mir persönlich ist dieser Bereich sehr, sehr wichtig, das ist allerdings Ansichtssache, gerade bei der technischen Umsetzung gehen die Meinungen sehr häufig auseinander. Hier fließt, abgesehen von der Beschreibung der Technik, ein Großteil der persönlichen Meinung des Schreibers ein.

FAZIT
Ende. Aus. Muss man dieses Buch unbedingt gelesen haben, oder sollte man besser die Finger davon lassen? Für wen ist das Buch empfehlenswert? Gibt es abschließend noch irgendetwas anzumerken?

EIGENER SCHREIBSTIL
Das ist ein Punkt, der sich leider nicht immer umsetzen lässt, da nicht jedes Buch die Möglichkeit hierfür bietet. Wenn doch, ist es allerdings ein netter Effekt. Ich versuche, den Schreibstil anzupassen. Einmal an das Buch selbst, und zum anderen an meine Meinung. Soll heißen:
- ich versuche, den Schreibstil und die Wortwahl des Buches zu imitieren. Das geht vor allem dann, wenn ein Buch sich sprachlich besonders gut oder schlecht hervorhebt. Wenn ein Text besonders melodisch und sprachgewaltig ist, gebe ich mir Mühe, das nachzustellen. Alliterationen, vertauschte Buchstaben, häufige Parataxen, trockener Stil, etc.
- wenn mir das Buch sehr gut gefallen hat, versuche ich die Begeisterung auch in den Worten zum Ausdruck kommen zu lassen. War ein Buch dagegen langweilig, dann soll auch die Rezension langweilen und dem Leser etwa das Gefühl vermitteln, das ich beim Lesen hatte.

Erowyinn 22.02.2006, 19.47 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

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