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Trapped

minden_trapped_1.JPGTRAPPED ist eine weitere Kurzgeschichte von Inka Loreen Minden. Diesmal handelt sie von zwei jungen Indianern: Naska ist ein "Two Spirit", ein Mann, der Männer begehert. Er trägt Frauenkleider und hat in seinem Stamm die angesehene Position des Heilers inne. Schon als Jugendlicher begehrte er seinen Freund Yuko vom Nachbarstamm, doch ein Kuss führte zum Bruch der Freundschaft, Yuko wandte sich von ihm ab. Noch immer beobachtet Naska ihn heimlich, und eines Tages gerät er in eine Falle. Yuko befreit ihn, und somit schuldet der andere ihm sein Leben und soll ihm als Sklave dienen. Was sich in Naskas Träumen immer so erregend anfühlte, ist in der Realität nun recht beängistend: Soll er wirklich nur ein Diener sein, ständig mit ansehen, wie sein Angebeteter seine eigenen Frauen beglückt, und soll er womöglich zukünftig Felle gerben und einfach nur ein Statussymbol werden? Das war es nicht, was er sich erhofft hatte ...

"Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie noch heute". Mit diesen Worten müssten eigentlich alle Geschichten aus Inkas Feder enden. Wie Märchen muten sie an, ideal zum Dahinschmelzen und Träumen. Was sie aber von vielen anderen Geschichten des Erotikgenres abhebt sind die vielen Details. Zum einen die Recherche, die hinter der Story steckt (wie lebten "Two Spirits" bei den Indianern, welche Aufgaben hatten sie, wie kleideten sie sich, welche Rituale mussten sie begehen, welchen Stellenwert hatten sie im sozialen Gefüge des Stammes) und kleinen Andeutungen einfließt und die Figuren zum Leben erweckt. Zum anderen das Knistern. Klar kann man schreiben "sie lieben sich", aber hier spürt man es, es ist nachvollziehbar und baut sich trotz der Kürze der Geschichte schrittweise auf (oder wird wie in diesem Fall, wenn es von Anfang an vorhanden ist, rückblickend beschrieben).

Was mir ebenfalls positiv an TRAPPED auffällt: es gibt meist klassische Rollenverteilungen (im Manga nennt man es Seme und Uke, bei uns einfach simpel den männlichen und weiblichen Part). Ist zwar hier auch gegeben, aber dennoch stehen sich zwei ebenbürtige Partner gegenüber. Die Autorin reitet nicht auf Klischees herum, erschafft statt dessen zwei individuelle Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Anteile in sich vereinen, dadurch sympathisch und sehr realistisch erscheinen.

Und es wird sehr gut unterschieden zwischen Traum und Realität. Viele Geschichten sind sehr unglaubwürdig, und ich frage mich oft, wie das, was da alles an Praktiken beschrieben wird, tatsächlich funktionieren soll. Hier dagegen stößt der Protagonist an seine Grenzen, als er erkennen muss, dass er vor dem, wovon er immer träumte, nun plötzlich Angst hat. Inka ist hier sanft und gibt ihren Figuren die Chance, das erste Mal wirklich zu zelebrieren, gesteht ihnen Ängste zu und lasst sie Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um es nicht allzu heftig werden zu lassen. Romantik ohne Schnulz aber mit viel Gefühl.

Auch gefällt mir, dass Konflikte clever gelöst werden. Die Wendung, wie man sie hier erlebt, kennen Stammleser schon aus einer anderen Geschichte, aber ich hätte dann doch nicht damit gerechnet, dass es hier ebenso gelöst wird, es hatte mich jedoch sehr gefreut. Es gibt dafür ein sehr schönes Fachwort, aber damit würde ich da das Ende verraten ;-)

Zur zweiten Kurzgeschichte, die als Bonus dabei ist, möchte ich nicht viel schreiben. Fans kennen sie bereits aus dem Buch GAYLÜSTE oder als einzeln verlegte Story, trotzdem finde ich es nett, sie nochmals zu lesen, sie hatte mir damals sehr gefallen. Für mich ist sie etwas ganz Besonderes, denn sie war das Erste, was ich von dieser Autorin zu lesen bekam, und obwohl sie schon etwas älter ist, konnte sie mich sofort überzeugen. Sie erzählt aus der Sicht eines Cowboys von seiner Liebe zu einem Indianermann, ist sehr kurz und doch sehr liebevoll ausgearbeitet.

Einziges Manko, dass diese Geschichte natürlich viel zu schnell gelesen ist. Aber dafür ist sie recht günstig, ein Vorteil von Kurzgeschichten. Schnell geladen, schnell gelesen und lange im Gedächtnis.

SaschaSalamander 12.09.2011, 08.41

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Soleil

Du fühltest Dich wohl auch daran erinnert?
Mein Problem bei den deutschen Gayschichten ist, dass es eben immer so like Mädchenfantasie ist bzw eben so an Mangas erinnert, statt mal ein bisschen "realistischer" oder eben echter daher zu kommen. Dann wirkt es (ja, auch trotz Sex) immer etwas kindisch - wobei ich nicht sagen will, dass Mangas kindisch sind. Nur sollten Mangas Mangas sein und Buchstaben eben Buchstaben.

vom 15.09.2011, 15.44
Antwort von SaschaSalamander:

ich könnte Dir Gaystories nennen, die dem entsprechen (die hab ich dann aber hier nicht rezensiert, will keinen zerreißen, man findet unter der Statistik bei mir allerdings einige Titel, die nicht vorgestellt wurden *g*), aber diese Autorin gehört für mich zumindest nicht dazu.

Was mir an Inka gefällt ist, dass es eben Stories sind, die auch ohne Sex bestehen könnten. Manchmal ist die Beziehung das Hauptthema (z.B. bei Trapped), hat aber eine nette Nebenstory, hier da Kurzgeschichte etwas kleiner, ansonsten sehr ausgefeilt oft.

"Mädchenfantasien" sind es weniger. Wenn, dann "Frauenfantasien", aber klar, dafür ist es Genre Erotik, das ist immer Wunschtraum und Fantasie (bei ihr aber sehr "realistisch ... um es beim Namen zu nennen: andere legen los, es ist das erste Mal, sie kriegen ein Teil mit gesaltigem Durchmesser reingerammt und finden es toll ... sie dagegen beschreibt dann halt, wie der andere z.B. Angst hat und wie auf manche Praktiken verzichtet wird oder auf andere ausgewichen, oder wie man sich langsam an etwas herantastet und dann entweder einen Rückzieher macht oder es vorsichtig versucht, der Sex wird also manchmal von der Realität unterbrochen, was es aber meiner Ansicht nach umso erotischer macht, da man sich selbst nicht so unzulänglich fühlt und sich selbst besser hineinversetzen kann, wenn die Leute nicht perfekt sind)

Was hier auch faszinierend ist: sie wechselt und ist sehr kreativ. Ob nun Erotik oder Hentai oder Shonen Ai, im Prinzip sind es immer die gleichen Stellungen, immer die gleichen Varianten. Diese Autorin allerdings hat oft neue Ideen, einmal geht sie in SoftSM (vanillagerecht), ein andermal wird es recht hardcore (aber so beschrieben, dass man es auch als Blümchenfan gerne liest), ein andermal ist es zärtlich und sanft, das nächste Mal kommt Tantra ins Spiel, sie wechselt die Stellungen, und sie wechselt ab in den Protagonisten (also nicht immer das klassische "männlicher" und "weiblicher" Gay, sondern auch mal zwei Softies oder zwei derbe Kerle oder zwei auf Augenhöhe), sie ist da sehr einfallsreich, finde ich ...

(merkt man, dass ich Fan bin? Hoffe, ich schwärme nicht zusehr und bleibe trotzdem objektiv, aber dies ist jedenfalls mein Eindruck von ihren Geschichten. Klar kann man es nicht mit hochtrabender Literatur vergleichen, Erotik bleibt Erotik, und wenn ich literarisch hochwertige Sachen will, muss ich halt Benoit Groult, Sacher-Masoch, Pauline Reage, Henry Miller oder Anais Nin lesen, das sollte einem klar sein, bleibt also alles im Rahmen ... das hier ist halt Unterhaltung, da setze ich andere Maßstäbe, klar)

1. von Soleil

Ich habe mir die Leseprobe durchgelesen und sie gefiel mir ganz gut, so dass ich überlege, mir das Ebook auf den PC zu laden. Allerdings war ich doch sehr an einen Manga erinnert, den ich mal gelesen habe und weiß daher nicht, wie ernst zu nehmen so eine Geschichte ist bzw. ob es irgendwann albern wirkt/wirken könnte.

vom 13.09.2011, 12.48
Antwort von SaschaSalamander:

Vermutlich meinst Du WILD ROCK?

Ansonsten gibt es viele Gaystories, die an Mangas erinnern vom Storyaufbau her, aber Inka zähle ich normalerweise nicht dazu. Beim Shonen Ai scheinen mir die Geschichten oft schnell dazugeschustert, um einen Rahmen zu haben (auch wenn die Stories an sich nicht übel sind), hier merkt man, dass die Autorin dann doch einige Mühe in die Story steckte, zumindest meinem Empfinden nach, aber das muss natürlich jeder für sich beurteilen ...

falls Du es liest, bin ich gespannt auf Deine Meinung :-)



 






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