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Die Jagd nach dem Schnatz

carroll_snark_1.jpgTHE HUNTING OF THE SNARK ist ein Nonsens-Gedicht von Lewis Carroll, hier in Deutschland leider weniger bekannt (hier kennt man Carroll vor allem als Autor von ALICE IM WUNDERLAND). Trotzdem gibt es gelegentlich Autoren, die sich des Werkes annehmen, etwa Michael Ende mit seiner Übersetzung. Oder der Hörverlag mit dem gleichnamigen Hörspiel.

Zum Inhalt kann man nicht viel sagen, außer dass es ein Gedicht in acht Abschnitten ist (ein unübersetzbares Wortspiel des Begriffes "Fit", im Deutschen mit "8 Krämpfe" übersetzt), welches von der Jagd nach dem Schnatz handelt. Eine Gruppe unterschiedlichster Charaktere macht sich mit einem Schiff auf, segelt und landet schließlich, zwischendurch diskutieren sie darüber, was ein Schnatz ist, wie man ihn fängt, man lernt die Charaktere näher kennen, und dann am Ende begegnen sie ihm endlich. Es ist wie gesagt Nonsens, es geht also weniger um den reinen Inhalt (Carroll selbst gibt an, sich da weniger erschöpfende Gedanken gemacht zu haben, die Literaturwelt interpretiert jedoch gerne unsagbar viele tiefschürfende Aussagen hinein) als vielmehr um die Freude am Fabulieren, das Aneinanderreihen von Worten, Nichtworten und aberwitzigen Ideen.

Wer wissen möchte, worum es geht, kann es sich >hier< bei der englischen Variante des >Gutenberg-Projekts< ansehen.

Da ich das Gedicht sehr liebe, kann ich es gar nicht oft genug hören und gar nicht genügend Varianten davon lesen oder anhören, ob gesprochen, als Musical, auf Deutsch oder auf Englisch. Also kam ich an der Interpretation des Hörverlages nicht vorbei. Bereits die Sprecher klangen sehr überzeugend, allen voran Otto Sander und Jens Wawrczeck. Heinrich Giskes, Charles Wirths, Peter Fricke, Wolfgang Condrus sowie weitere sind bekannte Schauspieler, man hat hier wirklich bekannte Namen zusammengetragen. Klang also sehr vielversprechend.

Leider wurde ich dann sehr enttäuscht. Ich denke, es liegt zum Teil daran, dass jeder andere Erwartungen hat. Nonsens impliziert für mich unter anderem, dass es eben keinen vorgeschriebenen Sinn gibt und jeder Leser sich seinen eigenen Sinn macht. Während der eine sich unter diesem Werk also etwas Schweres, Gewichtiges vorstellt (schließlich ist es ja ein gewichtiges Werk der Literaturgeschichte, und der Snark ist groß und mächtig, die Protagonisten sind teilweise schon alt und weise), war es für mich bisher immer etwas Leichtes, Spritziges, Pfiffiges, Flinkes, Gewandttes. Eine Leichtigkeit, die ich gerne in der Umsetzung gehört hätte.

Doch leider war die Umsetzung wohl eher an dem Gewichtigen orientiert. Die Geräusche, die Klänge waren dumpf, auch die Glocke klang eher träge und schwer, die Stimmen sprachen langsam, bedeutsam, fast als hätten sie Mühe, von einer Zeile in die nächste zu gelangen. Beim Lesen und durch das Musical hatte ich immer im Kopf, dass man von Zeile zu Zeile hüpfen muss, flink und gewitzt, doch hier trabte man eher gemütlich.

Abgesehen von Wawrczeck, der wirklich 1a zu meinem Bild meines Lieblingscharakters, des Bibers passte (er war einfach genial, einen besseren Biber hätte man für meine Vorstellung nicht finden können: pfiffig, flink, niedlich, wissbegierig aber doch naiv, liebenswert und einfach zum Knuddeln. Entschuldige, Jens, aber das habe ich bei der Stimme im Ohr. Ich weiß, dass Du auch anders kannst, gerade Deine Songs haben es z.B. >hier< und >hier< bewiesen, ich hoffe auf eine komplete CD mit Deinen Songs!) war ich etwas enttäuscht, denn die Stimmen waren zwar passend, wirkten auf mich aber sehr schwerfällig in der gesamten Umgebung, so als mühten sie sich ab, sehr bemüht. Das lag weniger an den Sprechern als vielmehr an der Umsetzung. Musik, Geräusche, es fällt mir schwer, es nachvollziehbar zu beschreiben, es war einfach schwerfällig, ich hätte am liebsten immer an einem Rädchen gedreht und das Tempo verdoppelt. Ab dem vierten Krampf (Fit) hätte ich am liebsten aufgehört, weil ich es als sehr anstrengend empfand.

Nein, empfehlen kann ich diese Umsetzung leider überhaupt nicht. Aber ich würde sagen, man sollte einmal probehören. Schlecht ist es nicht, die Stimmen passen zu den Charakteren, die Sprache ist klar und deutlich zu verstehen (was mir hier besonders wichtig ist). Es wäre schön, wenn durch diese deutsche Umsetzung der Schnatz weitere Fans gewinnt, und wenn es noch viele weitere Vertonungen davon geben wird. Von daher: hört rein, lasst Euch inspirieren, macht Euch ein eigenes Bild von diesem seltsamen Wesen Schnatz, vom Bäcker, vom Biber, vom Metzger, vom Kapitän, vom Billardmarkeur und all den anderen ;-)

SaschaSalamander 25.07.2012, 09.18

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