SaschaSalamander

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Anders 1-4

Meine Meinung zu Hohlbein habe ich ja schon dargestellt: Sehr unterhaltsam zwischendurch, sehr schön zu lesen, aber irgendwie eben immer dasselbe. Alle paar Naselang mal ein Buch von ihm in die Finger zu bekommen, das freut mich sehr. Aber Anders ist mir einfach zuviel. Ich lese den vierten Band inzwischen nur noch, um die Serie endlich zu beenden.

Etwas kurz für eine Rezension, aber sehr viel gibt es meiner Ansicht nach dazu auch nicht zu sagen ...

Anders lebt in einem Internat und sieht seinen Vater (der ein sehr mächtiger Mann ist) nur während der Ferien. Sein Freund und Leibwächter Jannik holt ihn aus dem Internat ab und will ihn mit dem Privatflieger zu seinem Vater bringen. Doch als Anders in das Flugzeug steigt, wird er sofort von Entführern überrumpelt. Die entführte Cessna wird natürlich sofort gejagt, sie stürzt in einem von der Außenwelt abgeschnittenen Tal ab. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte ...

Anstatt es zusammenzufassen, nur ein knapper Abriß:
Er begegnet äußerst seltsamen Wesen und bemitleidenswerten Kreaturen, er wird mitten in den Krieg zwischen Eldern (Elfen), Menschen, Wilden und Tiermenschen hineingezogen. Und wie es aussieht, scheint er die Ursache für die immer stärker werdende Bedrohung durch die "Drachen" (die Wesen in diesem Tal kennen keine Technik, sie fürchten die Helikopter und deren Piloten) zu sein.

Während die Elder sich als Herrscher über die anderen Wesen sehen, führend die Menschen und anderen Kreaturen ein bedauernswertes Leben aus Entbehrung, Leid und Tod. Gefährliche Gegner, seltsame Mutationen, eine komplett andere Welt mit ungewöhnlichen Regeln.
Anders versucht aus dem Tal zu fliehen. Er kann sich nicht vorstellen, dass dieses große Tal tatsächlich ein weißer Fleck auf der Landkarte sein soll. Aber wer ist für diese schrecklichen Zustände verantwortlich? Wurde tatsächlich geplant eine Atombombe gezündet? War es nur ein schrecklicher Unfall? Anders kann nicht glauben, was er nach und nach herausfindet ...

Hm... soweit zu der Handlung. Es passiert sehr viel, aber man könnte die Geschichte gerne auf maximal zwei Bände kürzen. Was auch sinnvoller gewesen wäre.

Es gibt zu wenig Charakterentwicklung: Anders lernt nichts, aber auch wirklich gar nichts aus seinen bisherigen Fehlern. Und im Laufe von vier Bänden hätte er eigentlich genügend Zeit dafür gehabt.
Ständig wiederkehrende Ausdrücke nehmen mir den Spaß am Lesen. Seine Metaphern sind bildhaft und einprägsam. Aber genau das ist der Grund, weshalb er auf Wiederholungen verzichten sollte (gleich, ob 5 oder 50 Seiten zwischen ihnen liegen): Der Auftritt der Helikopter verliert spätenstens bei der sechsten Erwähnung seine Spannung, wenn er immer wieder mit einem "Geräusch wie von scharfen Schwertklingen, die die Luft durchschneiden" beschrieben wird.
Auch werden einzelnen Szenen oft viel zu lange ausgedehnt. Wäre es ein Film, hätte er Bullet-Time (das Drehen aus allen Perspektiven in Zeitlupe wie in Matrix) für sich gepachtet. Auch hier gilt: weniger ist mehr. Wenn jeder Kampf, jede Flucht und auch jede unwichtige Szene auf diese Weise in die Länge gezogen wird, verliert das Buch an Tempo. Seit Beginn des dritten Bandes habe ich nur noch quergelesen, um wichtige Informationen herauszufiltern und den Fortgang mitzuverfolgen und mich am Ende davon zu überzeugen, dass ich eh schon wusste, worauf es hinauslaufen würde ...

Es mag sein, dass viele Leser gerade das, was mich nun besonders stört, an Hohlbein schätzen. Zugegeben, auf gewisse Weise tue ich das auch. Einmal. Zweimal. Auch dreimal. Aber nicht ständig. Anfangs war es etwas Besonderes für mich, ich konnte gar nicht genug davon bekommen. Doch irgendwann wird es dann - ich hätte es selbst nicht glauben wollen - zuviel. Der erste Band hat mich wie üblich begeistert, der zweite war noch recht spannend, und dann ließ es nach.

Ich bin gespannt auf das Ende. Es wird wohl nichts sein, das mich besonders erstaunt (gespannt bin ich, ob dieses Element bereits in meinem Baukasten enthalten ist, oder ob ich ihm ein neues hinzufügen kann), aber ich lasse mich gerne überraschen. Vielleicht täusche ich mich ja auch?

Kurz gesagt: Jemand, der noch nicht allzu viel Hohlbein gelesen hat und Bücher dieser Art mag, wird an Anders 1-4 garantiert großen Gefallen finden. Wer schon sehr viele Bücher von ihm gelesen hat (und in meinem Baukasten-Roman a la Hohlbein die meisten Elemente der einzelnen Bücher wiedererkannt hat), muss ihn nicht unbedingt lesen außer vielleicht der Gewohnheit halber.

Als Unterhaltung ist Anders allemal geeignet. Und das war es ja auch, was ich mir von diesem Buch versprochen hatte ... wenn ich in der Bücherei das nächste Buch von Hohlbein finde, werde ich mich natürlich wie üblich wieder darauf stürzen, ordentlich darüber lästern aber es insgeheim irgendwie trotzdem genießen ;-)

(Sein neuestes Buch ist Anubis. Ich werde es mir in der Bücherei reservieren, sobald ich die Legenden um Phantasien und die nächsten Bände von Isau geschmökert habe)

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SaschaSalamander 24.04.2005, 21.48

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