SaschaSalamander
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Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Fachbuch

Mann Frau Gehirn

Klappentext:

Seit die Evolution die zweigeschlechtliche Fortpflanzung erfunden hat, unterscheiden sich Männchen und Weibchen. Auch und gerade beim Menschen sind tatsächliche und vermeintliche Unterschiede zwischen Mann und Frau ein unerschöpfliches Thema. Jenseits von Alltagspsychologie und Geschlechterstereotypen gibt es eine Fülle wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zur Eigenart der Geschlechter.

Welche Wahrnehmungsleistungen und geistigen Fähigkeiten sind signifikant verschieden zwischen Frauen und Männern? Wie verschränken sich dabei Anlagen und Umwelteinflüsse? Welche Rolle spielen Gene, Hormone und Gehirnhälften? Von der Neurowissenschaft über die Humanbiologie und Medizin bis zur Psychologie spannt sich der Bogen. Evolutionsbiologie und Primatologie tragen zum Gesamtbild bei.

Dieses Buch bietet einen aktuellen Querschnitt der Forschung und stellt die Fakten in den Mittelpunkt.
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SaschaSalamander 04.01.2019, 08.51 | (0/0) Kommentare | PL

Hochsensible Männer

VORAB

Als mir ein Freund von dem Buch HOCHSENSIBLE MÄNNER - MIT FEINGEFÜHL ZUR EIGENEN STÄRKE erzählte, war ich sofort neugierig. Ein kurzer Blick - und schon beim Überblättern fand ich so viele spannenden Gedanken, dass ich es am liebsten sofort in einem Rutsch gelesen hätte. Schon vor dem Lesen sprangen mir so viele Gedanken entgegen, dass allein das für eine eigene Rezension gereicht hätte. Schon in meiner Jugend hätte ich mir ein solches Buch gewünscht, und hier war es endlich! Ein Kapitel versprach spannender zu werden als das andere. Und jetzt genug der persönlichen Vorrede, auf zum sachlichen Teil ;-)


KLAPPENTEXT

Das Phänomen Hochsensibilität geht mit tiefer Informationsverarbeitung, einer Tendenz zur Überstimulation, hoher Emotionalität und sensorischer Empfindlichkeit einher. Der hochsensible Mann ist zusätzlich noch mit dem gängigen Rollenklischee konfrontiert.
Immer wieder erleben Psychotherapeuten wie Tom Falkenstein, wie diese besonders tiefsinnigen Klienten unter ihrer angeborenen Temperamenteigenschaft leiden. Sie schämen sich für ihre Empfindsamkeit. In seinem Buch beleuchtet der Autor alle Aspekte der Hochsensibilität aus Sicht des Mannes: Merkmale, Angrenzung zu psychiatrischen Diagnosen – und vor allem: den selbstfürsorglichen Umgang mit der eigenen Sensibilität. Zahlreiche Übungen sowie Interviews mit hochsensiblen Männern, die gut mit ihrer Disposition leben, zeigen auf: Das Ziel ist nicht, weniger sensibel zu sein, sondern seine Stärken schätzen und einsetzen zu lernen.


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SaschaSalamander 07.02.2018, 09.11 | (0/0) Kommentare | PL

Die Schwere der Schuld

Klappentext: Wie soll man mit einem Verbrecher umgehen, der das Gefängnis nicht als Strafe empfindet, der unentwegt Personal beleidigt und bedroht und nicht einmal davor zurückschreckt, sich selbst zu verletzen? Wie kann man einen Häftling schützen, der die gefängnisinterne Russenmafia verärgert hat. Und wie verhält man sich, wenn ein Anstaltspsychiater selbst verrückt spielt? - Gefängnisleiter und Psychologe Thomas Galli schildert in neun spannenden Geschichten das Leben hinter Gittern und zeigt zugleich bürokratische Fallstricke und Unzulänglichkeiten der Institution Gefängnis auf.
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SaschaSalamander 04.05.2016, 09.46 | (0/0) Kommentare | PL

Genderbashing

Wie im April bereits in einem >Vorab-Beitrag< vermerkt, ist >GENDERBASHING< aus dem >Unrast-Verlag< weniger ein Buch als vielmehr eine wissenschaftliche Arbeit. Dementsprechend lässt es sich nicht nebenbei lesen, sondern verlangt seine Zeit und Aufmerksamkeit. Trotzdem habe ich das Buch regelrecht verschlungen (wenn auch über lange Zeit hinweg in kleinen Dosen, hier ein Kapitel, dort ein paar Seiten). 



Statt es selbst zu beschreiben, möchte ich gerne den Klappentext vorstellen. Er gibt bereits einen gewissen Einblick in den Sprachstil des Buches, wie ich es im Rahmen der Rezension hier nicht könnte.
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SaschaSalamander 30.07.2015, 13.08 | (0/0) Kommentare | PL

Fettlogik überwinden

Vorab: es ist verdammt schwer, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Weil es sehr bewegend ist und man es nicht einfach nur lesen und weglegen kann. Das Buch zu lesen bedeutet vor allem sehr viel Emotion. Und es polarisiert. Inzwischen habe ich schon viele Leute im Web und Real getroffen, die mich auf dieses Buch ansprachen, und dann hieß es "ich habe kürzlich gelesen, Du solltest auch unbedingt" (neben mir hatten wohl viele andere bereits am ersten Erscheinungstag sofort gekauft *g*). Das Buch ist kurz nach Erscheinen in manchen Kategorien sofort auf Platz 1 bei Amazon gerutscht, und jetzt spricht man überall darüber. Aber wie soll ich etwas sachlich rezensieren, bei dem ich selbst emotional sosehr drinhänge? Ich versuche es einfach mal. Sorry, wird lang ;-)
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SaschaSalamander 26.05.2015, 09.41 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Genderbashing - Gedanken vor dem Lesen

Wie Ihr wisst und meinem Blog entnehmen könnt, interessiere ich mich sehr für queere Themen und alles rund um Gender. Dabei schlage ich mich nicht auf irgendeine Seite, sondern ich verfolge gespannt das Geschehen und hoffe meinen Horizont zu erweitern. Denn immer mehr gewinne ich den Eindruck, dass dieses binäre System Mann (gegen) Frau zu Problemen führt. Aber wo steckt die Lösung? Wie sieht es in anderen Kulturen aus? Wo liegen die Unterschiede, wie kann man sie umgehen, kann man sie überhaupt übergehen? Und wie ergeht es Menschen, die abseits dieser bei uns tief im Bewusstsein verankerten Gewissheit der zwei Geschlechter leben wollen oder müssen?


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SaschaSalamander 02.04.2015, 08.41 | (0/0) Kommentare | PL

Grüne Smoothies

Vor einiger Zeit wurde ich auf Grüne Smoothies neugierig. Meine ersten Versuche eher wacklig und unsicher, geschmacklich auch nicht wirklich überzeugend. Aber dann fand ich endlich das, was mir schmeckt. Inzwischen trinke ich täglich irgendein Grünzeug und bin begeistert. Rezepte, Infos zu den Kräutern, ein paar Hintergründe, deswegen wollte ich das lesen. Denn ich habe festgestellt, dass ich mich ziemlich gut fühle mit diesen Drinks, wollte erfahren was dahinter steckt, wie sie wirken und vielleicht auch, welche Kräuter welche Wirkung haben. Womit man kombinieren darf, was man vermeiden sollte und vieles mehr. 

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SaschaSalamander 06.06.2014, 08.45 | (0/0) Kommentare | PL

Kleine Veganer-Bibel

Ein Buch, das mich doch recht interessierte. Wobei das Wort "Bibel" mich ziemlich abschreckte und offen gesagt auch störte, denn es ist ein anmaßendes Wort. Erst recht, wenn das Buch von einer Frau geschrieben ist, die selbst keine Veganerin ist. Aber wortwörtlich, man soll das Buch nicht nach dem Umschlag (bzw Titel) beurteilen sondern nach dem Inhalt. Und der sah interessant aus. 

Die Autorin ist Ökotrophologin und Vegetariern und möchte ihre Gedanken und Erfahrungen zum Thema Veganismus mit den Lesern teilen. Es ist kein Koch- und Backbuch, auch kein Plädoyer für reinen Veganismus, sondern einfach die neugierige Auseinandersetzung mit dem Thema, teils sachlich und fundiert, teils narrativ. Schon deswegen ist der Titel leider völlig daneben, nur um es nochmals erwähnt zu haben *g*.

Die Zielgruppe ist mir stellenweise nicht ganz klar. Für Veganer jedenfalls erachte ich es als zu simpel, da alles schon bekannt ist. Ich denke, es richtet sich einfach an Menschen, die entweder einfach neugierig sind, was die Veganer so treiben, oder aber an Menschen, die selbst überlegen, eventuell vegan zu werden aber noch nicht wissen, wo und wie sie ansetzen sollen. Diese Leser finden hier interessante Gedanken über den Umstieg, über die Gründe für das Vegansein und die Probleme wie auch Vorteile, die es im Alltag mit sich bringt. 

Die Autorin plaudert recht viel, erzählt wie sie eigene Erfahrungen sammelt, was sie erlebt, wie sie mit verschiedenen Personen spricht (die Interviews sind nicht in Interview-, sondern in Textform niedergeschrieben). 

Sehr schön finde ich, dass Schocke weder die eine noch die andere Seite in einem schlechten Licht dastehen lässt. Sie betrachtet sehr aufgeschlossen die Fakten, Möglichkeiten und wägt Argumente ab. Es ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit einem Thema, das immer mehr Trend wird und auf beiden Seiten für viel Zündstoff sorgt. Da ist es eine angenehme Abwechslung, einmal eine aufgeschlossene Meinung zu lesen, die nicht nur Phrasen betet sondern bewusst hinterfragt, ohne dabei in irgendein Extrem zu verfallen.

Die Rezepte finde ich eine nette Idee, kann offen gesagt aber wenig damit anfangen. Was mich nervt und verschreckt sind Rezepte, die enorm viele Zutaten beinhalten und für die ich erst einmal recherchieren muss, wo man das kauft. Wenn ich für mich selbst etwas erfahren habe, dann dass Veganismus mit sehr einfachen Mitteln umgesetzt werden kann und man dafür nicht tonnenweise fremdartige Sachen kaufen muss. Außerdem ist es sinnlos, wenn zu Hause dann viele Dinge herumstehen, die man nur für ein einziges Rezept braucht und ansonsten mangels Erfahrung dafür keine Verwendung findet.

Eines der Rezepte interessierte mich, der vegane Kaiserschmarrn. Ausprobiert und mit der Konsistenz nicht so ganz zufrieden. Bei meiner späteren Suche im Web fand ich Rezepte hierfür, die wesentlich weniger Zutaten enthielten, einfacher nachzubereiten waren und besser gelangen. Trotzdem, der Gedanke ist nett, und vielleicht gibt es ja auch Leser, die all diese Zutaten als Nichtveganer bereits zu Hause haben oder das Glück haben, in der näheren Umgebung über einen veganen Supermarkt zu verfügen, wo das alles erhältlich ist.

Insgesamt fand ich das Buch jedoch sehr nett zu lesen. Die Gedankengänge sind sympathisch, der Schreibstil ist flüssig, und die Auseinandersetzung mit dem Thema ist zwar nicht extrem tiefgreifend, erreicht dadurch aber vielleicht eine Zielgruppe, die sich sonst nicht unbedingt damit auseinandersetzen würde. 

Wertung: 6,8 von 10 Filo-Platten

SaschaSalamander 04.02.2014, 08.45 | (0/0) Kommentare | PL

Mit einem Bein im Knast

schmieder_knast_1.jpgWir alle sind Verbrecher. Wir fahren zu schnell, wir stehlen Handtücher aus Hotels, wir betrügen bei der Steuererklärung, wir saugen Filme aus dem Internet. Doch zugeben würden wir es nie. Dabei beläuft sich der volkswirtschaftliche Schaden solcher Untaten auf mehr als eine Billion Euro pro Jahr. Wie wäre es, wenn man ein Jahr lang jeden Tag 24 Stunden von einem Polizisten begleitet würde? Jürgen Schmieder hat es gewagt. Er versucht, ein Jahr lang gesetzeskonform zu leben, im Einklang mit unseren mehr als 100 000 Gesetzen und Verordnungen. Ein schwieriges Unterfangen, wo ihn doch schon deren Lektüre schier in den Wahnsinn treibt. Er sieht sich gezwungen, seine Frau anzuzeigen, verfolgt einen russischen Milliardär, bekommt sogar eine Todesdrohung … Am Ende steht die Erkenntnis, dass es viel zu viele Gesetze gibt, aber kaum jemand dafür sorgt, dass die wirklich wichtigen eingehalten werden.

MIT EINEM BEIN IM KNAST ist ein typisches Beispiel dafür, dass es eigentlich zu wenige Genres in der gesamten Einteilung der Literatur gibt. Die Bestsellerlisten entscheiden i.d.R. nach Romanen und Sachbüchern. Titel wie dieser landen also zwangsläufig unter Sachbüchern. Ich nenne sie allerdings gerne "Plauderbücher" (hab mal den besseren Begriff "narrative Sachbücher" gelesen): wenn ein Journalist sich zu einem Thema schlau macht, einen Selbstversucht wagt und dann ein Sachbuch darüber verfasst, wieviele Gesetze es gibt, wie man glücklich wird, was es mit Nerds auf sich hat, wie man eine gute Beziehung führt, usw. Oder wenn ein hart arbeitender Arzt / Tätowierer / Telefon-Polizist / Undercvover-Polizist / Betsatter / Putzfrau / Gerichtsmediziner / Lehrer / Knastarzt / Mordermittler /  Bundespräsidentenfrau von seinem ereignisreichen Arbeitsleben erzählt.

Alles, was diesen Büchern gemeinsam ist, trifft auch auf MIT EINEM BEIN IM KNAST ZU: es fließen sehr viele persönliche Erfahrungen ein, die Selbstdarstellung der eigenen Persönlichkeit und Meinung steht dem eigentlichen Thema noch voran. Es bietet zwar dem Laien Informationen zum Thema, jedoch keinesfalls sachdienlich und didaktisch. Aber das erwartet der Leser auch nicht. Der Leser will unterhalten werden und mehr erfahren über die schrägen Klienten, schrecklichen Schüler, harten Tattoo-Boys, das Chaos unter deutschen Betten und die Frage, wie man Glück und Erfolg erringen kann. Oder eben, welche schrägen Gesetze es gibt.

Ich habe das Buch gerne gelesen und mich gut dabei unterhalten. Es hat ein paar nette Trivia geboten und mich einige Male laut auflachen lassen. Der Autor schildert einige Gesetze, von denen ich noch nie gehört hatte und die mich schmunzeln ließen. Ja, Deutschland verwaltet sich eines Tages zu Tode, das wird hier wieder sehr deutlich.

Schade allerdings fand ich, dass der Autor maßlos übertreibt und Dinge derart überspitzt, dass man meint, er legt es regelrecht darauf an, alles ins Lächerliche zu ziehen. Es schwingt zuviel Satire mit. Und oft fragte ich mich, ob er die genannten Dinge tatsächlich getan hat (falls ja verstehe ich, wenn ihm ein Großteil der Freunde die Freundschaft gekündigt hat). Es scheint für ihn nur Schwarz-Weiß zu geben. Kein Gesetz wird aktiv, wenn ich zu Hause mit Freunden um Pfennigbeträge Poker spiele, selbst wenn Glücksspiel an sich verboten sein mag. Man kann es auch übertreiben. Und wenn man es übertreibt, kann man aus JEDEM Thema ein Buch machen ...

Ich hätte mir also gewünscht, dass das Thema etwas ernsthafter behandelt würde. Es gibt sehr viele Stolperfallen und auch Verlockungen im Alltag, die selbst gesetzestreue Bürger schnell ins Wanken bringen. Diese benennt er auch, räumt ihnen jedoch nicht mehr Gewicht ein als anderen, eher banalen Themen. Die Möglichkeiten, die das Thema "Kriminalität im Alltag" bietet, hat er nicht ausgereizt sondern fast alle verspielt.

Durch all die vielen Nebensächlichkeiten wirkt das Buch an einigen Stellen aufgebläht und unnötig, und ich habe nach einiger Zeit viele Passagen nur noch übersprungen. Um etwa die Hälfte gekürzt, hätte es dagegen ein recht amüsantes und zwar nicht lehrreiches aber dennoch informatives Buch über das deutsche Gesetz und seine Umsetzung im Alltag sein können. So jedoch ist es ein reines Plauderbuch, das vor lauter Selbstdarstellung leider immer wieder das Ziel vor Augen verliert und die Inszenierung der Sachlichkeit vorzieht.

Trotzdem, ich habe es gerne gelesen.Denn wenn auch nicht bereichert, hat es mich immerhin unterhalten ;-)

SaschaSalamander 17.07.2013, 08.45 | (0/0) Kommentare | PL

Tender - Obst

slater_obst_1.jpgZwei Textbeispiele, warum ich das Buch TENDER / OBST von Nigel Slater nicht nur der Rezepte wegen ansprechend finde. Mir gefällt seine Art, Lebensmittel zu betrachten. Nicht schnellschnell, wie es in Zeiten von FastFood und 5Minutenrezepten üblich ist. Sondern voller Genuss. Essen ist Leidenschaft, und das vermittelt er gekonnt:

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S. 087, Aprikosen:
Eine gute Aprikose ist leicht getupft: Sommersprossen in Rot, Rost und Schokolade überziehen ihre Schultern. Vielleicht hat sie auch eine Stelle auf ihrer Schale, die rau aussieht. Ihre samtige Haut strahlt in tiefem, intensivem Orange, so als würde die Flamme einer Kerze leuchten, und dieser Anblick leitet uns im Garten oft zu ihr.

S. 227, Feigen:
Eine Feige ist reif, wenn sich eine Nektarperle am Fruchtansatz zeigt und sich die Schale wölbt. Sie platzt dann leicht auf, weil der Druck des reifen Fruchtfleischs für die Schale zu kräftig wird. Die meisten samthäutigen Feigen, die mir im Sommer und Herbst begegnen, werden meistens in stiller Ehrerbietung verspeist. Diese Früchte kann man nicht wie einen Apfel einfach aus der Hand essen. [...] Das bedeuet nicht, dass ich nicht ein oder zwei Feigen auch gare. Obwohl die Hitze der Konsistenz von Feigen etwas Seidiges verleiht, ereignet sich der wirkliche Höhepunkt, wenn sie die Samen im Inneren probieren. Das warme Fruchtfleisch und die knackigen Samen sind eine Sinnenfreude, wie sie nicht besser sein könnte.

S. 404, Pflaumen:
Wenn ich eine perfekte Pflaume entdeckt habe, fast überreif, mit zartem Fruchtfleisch in einer goldfarbenen Schale mit Purpurflecken, veranstalte ich deswegen ein ziemliches Theater. Wer mich kennt, weiß, dass ich dann einen kleinen Teller und eine Serviette hervorhole. Und sie langsam esse und mir dabei vorstelle, die Zeit würde stehenbleiben. Häufiger begegnet mir eine solche Frucht ohne Vorwarnung und dann gibt es keine andere Möglichkeit, als sie direkt aus der Hand zu essen und den Kern ins lang gewachsene Gras unter den Baum zu spucken.

aus: Nigel Slater: Tender / Obst; Dumont 2013

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Mmmh, diese Aprikose, man möchte nicht einfach nur hineinbeißen, man möchte sie erkunden, erschnuppern, betrachten, sie ist geschildert wie eine zarte Frau, und mit ebendieser Ehrfurcht tritt der Autor ihr gegenüber. Berauschend ...

ich finde Feigen etwas höchst Erotisches, und schon einige Leut sagten mir leider, sie können das nicht nachvollziehen. Aber die Frucht, das Fleisch, die Hülle, das Innere, der Geschmack auf der Zunge, das ist unbeschreiblich. Der Autor hat hier in Worte gefasst, was ich mir jedes Mal denke, sobald ich eine reife Feige in der Hand halte, ich fühle mich von ihm verstanden. Und mal ehrlich - wer bei diesem Text nicht Lust bekommt (worauf auch immer *smile*), der ist wahrlich kein Genießer ;-)

Der Text zu den Pflaumen strahlt etwas aus, das mir sympathisch ist. Das Auskosten des Moments, die Präsenz ganz im Hier und jetzt, Genuss mit allen Sinnen. Das verspielte Kind, das den Kern einfach ins Gras spuckt. Der Blick zum Gras in dem Bewusstsein, dass es nicht einfach nur Gras ist, sondern schon lange gewachsen ist. Ja, er personifiziert das Gras und die Pflaume regelrecht, sie begegnet ihm ohne Vorwarnung. Was er über Pflaumen schreibt, so verhalte ich mich bei Kiwis. Die perfekt reife Kiwi (naja, sofern man bei dem langen Transportweg von "perfekt" sprechen kann, aber ich habe leider keinen Garten und wohne auch nicht in Neuseeland) ist selten, meist ist sie etwas zu hart oder weich. Aber WENN ich mal eine für mich perfekte Kiwi erwische, dann ist das ein Fest, und die im Raum Anwesenden sahen mich irritiert an, was für ein Trara ich wegen so einem kleinen Stück Obst machte ;-)

Er schreibt sehr liebevoll, aber auch direkt, mit einer Portion Selbstironie. Das gefällt mir :-)

SaschaSalamander 21.03.2013, 14.20 | (0/0) Kommentare | PL



 






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