SaschaSalamander

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Jugend

Wundervolles modernes Märchen

jones_sophie_150.jpgSeit einigen Tagen schon lese ich "Sophie im Schloss des Zauberers", ein Märchen von Diana Wynne Jones. Auf diesem Buch basiert der Film "Das wandelnde Schloss" (Howl´s moving Castle) von Ghibli (leider hier nicht rezensiert *sniff*, obwohl Ghibli einer meiner Favoriten in Sachen Zeichentrick bzw Anime ist).

Wunderbar, ein ganz, ganz reizvolles Märchen, richtig zauberhaft, wie Märchen eben sein müssen. Der Stil ist wirklich klasse, der Inhalt kind- und erwachsenengerecht (wobei ich denke, dass Kinder und Erwachsene unterschiedliche Aussagen darin finden ), es ist einfach ... ach, ich lese solche Märchen viel zu selten. Und es gibt heute auch zu wenige davon. Tarnkappen, Siebenmeilenstiefel, eine böse Hexe, seltsame Zauberer, verwunschene Dinge, böse Flüche und Heilung aufgrund der Kraft der Liebe.

Ich brauche so lange dafür, weil ich es nicht überfliegen kann, weil ich alles auskosten möchte und mir viel Zeit dafür lasse. Dieses Buch ist es wert. Und ich freue mich schon darauf, es Euch bald vorzustellen!

SaschaSalamander 05.08.2006, 10.07 | (4/4) Kommentare (RSS) | PL

Grottiger gehts kaum

Derzeit höre ich "Der Greif" von Wohlgang Hohlbein als Hörbuch. Während ich früher ja hochbegeistert war von Hohlbein, hat sich diese Begeisterung angesichts so vieler unzähliger Massenware vom Band gelegt. Der Greif aber ... gut, Handlung ähnlich geradlinig und altbekannt wie die anderen Bände, aber genau wie alles, was er mit seiner Frau geschrieben hat von besonderem Reiz. Mein persönlicher Favorit aus dieser Reihe. Ich habe das Buch mehrfach gelesen, und es ist sogar das einzige Buch von ihm, das ich im Regal stehen habe. Das Hörbuch dagegen - puuuuh, das einzig Gute sind die bekannten Sprecher (Kerzel u.a.), aber die Dialoge, die Umsetzung, die Musik, die Geräusche, die Szenenwechsel, das ist alles derartig grottig. Wäre es nicht "der Greif", hätte ich nach den ersten vier oder fünf Tracks beendet, aber so höre ich mir die drei CDs komplett an. Die Rezension werde ich nicht aktuell bloggen, sondern irgendwo bei denen für Notzeiten zwischenlagern ...

SaschaSalamander 31.07.2006, 19.27 | (0/0) Kommentare | PL

Bartimäus

stroud_bartimaeusIII_150.jpgEs gibt zwischendurch immer wieder Bücher, die mich so richtig begeistern. Dass mich ein Buch begeistert, erkennt man daran, dass ich es nicht mehr nur zwischen Tür und Angel lese, nebenbei etwas anderes mache, sondern mich voll und ganz dem Buch oder Hörbuch widme. Und die Steigerung hiervon, wenn ich zu diesem Zweck sogar meinen Lieblingsort aufsuche: das Schlafzimmer. Und dort dann auf dem Bett in aller Ruhe genieße. Kommt selten vor und ist immer etwas Besonderes.

>Bartimäus 01< (das Amulett von Samarkand) war ein solcher Fall, der >zweite Teil< (das Auge des Golem) hat sich anfangs leider etwas gezogen und dadurch den Lesespass ein wenig gemindert. Aber der dritte Teil hat es noch einmal so richtig in sich, WOW!

Es ist einige Zeit vergangen, seitdem Nathanael alias John Mandrake gegen die Widerstandsbewegung der "Gewöhnlichen" gekämpft hat. Inzwischen ist er aufgestiegen zum Informationsminister, und er muss fleißig den Krieg in Amerika propagieren. Wirklich zufrieden ist er nicht, was er sich jedoch nicht eingestehen würde. Zudem plagt ihn sein Gewissen wegen Kitty. Und Bartimäus, seinen Diener, will er nicht mehr entlassen, zusehr fürchtet er, dass sein Geburtsname nach außen dringen könnte. Dadurch wird Bartimäus immer schwächer, er kann seine Substanz am anderen Ort nicht mehr regenerieren. Am Ende ist Bartimäus so darnieder, dass er wie ein räudiger Kobold den Dschinn Ascobol um Hilfe betteln muss, als ein Klohäuschen auf ihn geschmettert wurde, wie erniedrigend! Doch Mandrake hat kein Einsehen. Wenigstens erteilt er Bartimäus nun nur noch einen harmosen Spitzelauftrag, doch dieser entpuppt sich als ganz großes Kaliber, und der Dschinn ist sogut wie tot, als sein Meister ihn notgedrungen entlässt, um einige Tage später die Informationen aus ihm zu holen. Doch in der Zwischenzeit geschehen unglaubliche Dinge: Kitty befasst sich mit Magie und erfährt, dass sie mit Hilfe der "Pforte des Magiers" einen Kontakt zu Bartimäus am anderen Ort aufbauen kann, um ihn für den Widerstand zu gewinnen. Das Ministerium plant eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes, die Gewöhnlichen stehen kurz vor der Revolution, die Dämonen wollen sich nicht länger knechten lassen. Die Gemüter kochen. Und dann kommt es zur großen Explosion ...

Pheew, ich habe gebangt und gebebt, als ich das Buch las! Im zweiten Teil war der Wechsel zwischen unterschiedlichen Erzählperspektiven weniger gut gelungen, es hat das Ganze zusehr auseinandergerissen. Hier im dritten Teil passt wieder alles perfekt. Und das, obwohl Bartimäus nun nicht mehr nur in der Gegenwart agiert, sondern auch seine Erlebnisse mit dem Magier Ptolemäus vor rund 2000 Jahren beschreibt. Die Übergänge sind fließend: wo der Erzählstrang des einen endet, beginnt das neue Kapitel des anderen. Wirklich geschickt gemacht, Hut ab!

Auch die Charaktere wachsen immer mehr ans Herz. Sympathisch oder nicht, das soll jeder für sich entscheiden. Bartimäus bringt man wohl nur noch Mitleid entgegen, Kitty ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, und Nathanael ... mh, er schwankt noch so zwischen Sympathieträger und Ekel. Doch zuletzt findet er seinen Weg, aber ...

Das Buch wird nicht eine Sekunde langweilig, bereits zu Beginn reißt die Handlung so richtig mit. Und dann gegen Ende spürt man bereits, dass alles auf einen bombastischen Showdown hinausläuft, wie es großartiger und actionlastiger in Hollywood nicht sein könnte!

Wirklich genial am dritten Band finde ich, wie sich alles zusammenfügt. Wie auch bei Harry Potter mag jedes Buch für sich stehen mit seinem Abenteuer, doch gegen Ende erkennt man, wie komplex durchdacht die Geschichte eigentlich ist und wiesehr auch kleine Details, die man zu Beginn kaum beachtete, später große Bedeutung erlangen werden. Obwohl ich das Buch gerade beendet habe, reizt es mich, am besten sofort noch einmal mit dem ersten Band zu beginnen. Diesmal könnte ich es mir ja als Hörbuch holen, warum nicht? Und dann noch einmal alles erleben und dieses Mal auf die Dinge achten, von denen ich nun im Nachhinein weiß, dass sie später wichtig sein werden.

Gibt es eigentlich ein größeres Kompliment für einen Autor, als dass man direkt nach Beenden seines Buches wieder von vorne beginnen möchte? Schwarzer Humor, Helden, Antihelden, eine große Verschwörung, jede Menge frecher Sprüche, eine komplexe und gut verständliche Geschichte, jede Menge Spannung, ein fast perfekter Spannungsbogen über alle drei Bände hinweg, bei "Bartimäus" passt einfach alles! Und jedem, der gerne humorvolle Fantasy liest und auch etwas "abgedrehteren" Stories nicht abgeneigt wird (oh ja, abgedreht wird es tatsächlich, als Kitty ihre große Stunde erlebt und das tut, was seit 2000 Jahren keinem Magier mehr gelungen ist), sage ich: unbedingt "Bartimäus" lesen, dieser Dschinn macht süchtig!

SaschaSalamander 20.07.2006, 10.17 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Nach schwachem zweiten Teil nun krönender Abschluss

Und während im Ohr der Krimi seinem Ende entgegengeht, lese ich am dritten und letzten Teil der Bartimäus-Trilogie "Die Pforte des Magiers". Ich hatte nicht allzu hohe Erwartungen, da der zweite Teil ganz nett aber etwas schwächlich war. Der dritte Teil dagegen - ich bin so richtig begeistert und im Lesefieber. Der Autor hat wieder alle Register gezogen, seine Leser zu fesseln. Bartimäus wirft mit rotzfrechen Sprüchen um sich, der Leser schwankt zwischen Sympathie und Abneigung gegenüber Mandrake / Nathanael, Kitty kämpft erfolgreich gegen den Widerstand, und sogar ins alte Alexandria vor über 2000 Jahren reist der Leser mit dem Dschinn. Waaah, ich würde es am liebsten in einem Rutsch beenden!

SaschaSalamander 14.07.2006, 14.14 | (0/0) Kommentare | PL

Kleine freie Männer

Folgende Rezension habe ich bei Amazon geschrieben. Im Stil entsprechend etwas anders als bei ansonsten hier im Blog üblich, aber momentan habe ich keine Lust, zwei Rezensionen für ein Werk zu schreiben. Zumal es schon über eine Woche her ist und die Rezension noch immer nicht veröffentlich wurde, langsam werde ich sauer! Und dieses Hörbuch möchte ich Euch dann doch nicht vorenthalten, abgetretene Rechte an der Rezension hin oder her! Voilá, here we go:

Endlich wurde ">kleine freie Männer<" von Pratchett auch vertont. Die Hörbücher des Autors gehören zu den wenigen Werken, für die es sich meiner Ansicht nach lohnt, das Buch zu lesen und direkt anschließend das Hörbuch zu genießen. Wie oft man das Buch auch schon gelesen hat, die Hörbücher waren bisher alle großartig. Als ich diese neue CD jedoch in den Händen hielt, war ich erstaunt: kein Dirk Bach, kein Peer Augustinski. Sondern ein gewisser "Boris Aljinovic". Aha? Dem Booklet zufolge ist er seit 2001 der Berliner "Tatort"-Ermittler und hat sich neben zahlreichen Fernseh- und Filmproduktionen sowie als Hörbuchsprecher einen Namen gemacht. Für mich jedoch zählte nur eines: schafft die neue Version des Hörbuches es, sich an den bisherigen Meisterwerken "Der Zeitdieb", "Die volle Wahrheit", "der fünfte Elefant" (jeweils Dirk Bach) und "Gevatter Tod", "Nachtwachen" und "Ab die Post" (jeweils Peer Augustinski) zu messen?

Kurz zum Inhalt des (geschickt) gekürzten Hörbuches: Die 9jährige Tiffany will Hexe werden. Sie macht sich Gedanken über die Dinge hinter den Dingen. Gleichzeitig sitzt die Hexe Perspicazia Tick in einer parallenen Welt und stellt fest, dass Tiffanys Welt eine große Gefahr durch die Feenkönigin droht. Tiffany als angehende Hexe ist die einzige, die diese Gefahr abwenden kann, deswegen entschließt Perspicazia sich, dem unerfahrenen Mädchen zu helfen und ihr ihre Kröter für gewisse Zeit zu überlassen. Außerdem bekommt Tiffany Hilfe von kleinen, blautätowierten, rauflustigen Männern, den "wir sind die Größten". Als die Feenkönigin Tiffanys Bruder entführt, macht sie sich mit der Kröte und den kleinen Männern auf in das Märchenreich, um ihren Bruder und ihre Welt zu retten.

Die Geschichte selbst ist, wie bei Pratchett üblich, spannend und voller hintergründigem Humor. Das zeitgleich erschienene Hörbuch "Ein Hut voller Sterne", ebenfalls vorgetragen von Aljinovic, ist das darauffolgende Werk um Tiffany, sollte also erst danach gelesen werden. Für Pratchett-Fans wie immer ein Genuss, für Neulinge auf jeden Fall ein sehr gutes Buch zum Einstieg.

Und Boris Aljinovic? Kann er das Niveau der bisherigen Lesungen halten? Er hat keine zu Bach oder Augustinski vergleichbar markante Stimme, klingt etwas "braver" und ruhiger. Allerdings beherrscht er es sehr gut, den unterschiedlichen Figuren durch Tonhöhe, Dialekt und Tonfall einen ganz eigenen Charakter zu verleihen, die Geschichte wird durch ihn greifbarer. Auch, wer das Buch schon gelesen hat, wird durch seine Lesung ganz neue Eindrücke gewinnen und sich noch einmal köstlich über Tiffany, Kröte und die kleinen Männer amüsieren. Musik und Hintergrundgeräusche wurden hervorragend eingefügt: nicht zu laut, atmosphärisch und immer genau im richtigen Moment.

Wer also die bisherigen Pratchett-Hörbücher mochte, kann bedenkenlos zugreifen. Wer bisher noch kein Hörbuch von Pratchett gehört hat: Los, los, nun wird es aber Zeit!


SaschaSalamander 03.04.2006, 14.13 | (0/0) Kommentare | PL

Lycidas

CoverIch hatte eigentlich vor, zwei Rezensionen über Lycidas zu schreiben, eine begeisterte und eine negative. Das Buch hat mich insofern sehr bewegt, als es nämlich zweierlei Reaktionen bei mir ausgelöst hat. Aber es hat mich zu wenig angerührt, als dass ich nun zwei Rezensionen darüber schreiben möchte, ich habe es immer wieder vor mir hergeschoben. Deswegen anstelle zweier Rezensionen einfach ein Statement meinerseits.

Meine Freundin hatte mir hochbegeistert davon erzählt, ich solle es unbedingt lesen, es würde mir ganz bestimmt gefallen, da ich doch so ein Fantasyfreak bin. Und in diesem Buch kämen alle möglichen Wesen, Mythen und Legenden vor, eine Menge Überraschungen und tolle Wendungen. Und auch im Internet stieß ich auf eine positive Rezension nach der anderen. Ich konnte es gar nicht erwarten, endlich damit anzufangen, doch dann wurde ich sehr stark enttäuscht.

Emily Laing lebt in einem Waisenhaus, als sie plötzlich von einer Ratte angesprochen wird. Kurz darauf wird ein Baby aus dem Heim gestohlen, und Emily flieht gemeinsam mit der Ratte in die Stadt. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer eigenen Herkunft, trifft auf fantastische Wesen und wird unter die Obhut von Lord Wittgenstein, dem Erzähler der Geschichte, genommen. Sie erfährt mehr über die unterirdische Metropole von London und welche Rolle ihr seit langem vorbestimmt ist.

Doch, das Buch hat was, aber ich wurde nie so wirklich warm damit. Es hat alles seine zwei Seiten, und was in diesem Buch einerseits großartig und toll ist, das stößt mir auf der anderen Seite negativ auf. Am besten, jeder Leser bildet sich sein eigenes Urteil, dieses Buch ist wirklich etwas ganz besonders Ungewöhnliches.

Die Handlung ist spannend und interessant, aber sie unterscheidet sich nicht großartig von anderen Fantasyromanen. Ständig stößt der Leser auf Parallelen zu Pullmans Trilogie, der fließenden Königin von Kai Maier und so ziemlich allen anderen aktuellen Fantasybüchern, besonders auch zu Klassikern wie "Oliver Twist" von Charles Dickens. Ein toller Aha-Effekt für den einen, langweilig aufgewärmte Kost für den anderen.

Unterschiedlichste Kreaturen werden vermengt. Werwölfe, ägyptische Gottheiten, einzelne Engel und Cherubime und allerlei andere Wesen der Fantasy und alter Mythen. Eine Erklärung dafür wird gegeben, die manchen Leser bestimmt zufriedenstellt. Es klingt fantastisch und ist gut erdacht. Mir war es einfach zu platt, der Autor hat es sich da etwas zu einfach gemacht, wie ich finde, die unterschiedlichen Kulturen hätten schon etwas stärker hervorgehoben werden können, ein Einheitsbrei ohne tatsächlichen Hintergrund, ohne tiefere Bedeutung.

Der Humor ist wohl ebenfalls sehr stark Geschmackssache. Der Erzähler ist ein steifer Lord, der wenig mit Kindern anfangen kann, er zelebriert Ironie und Zynismus in jeder Situation. Auf Dauer ein wenig albern, zumal sich alles wiederholt. Er selbst sagt "Die Hölle, das ist die Wiederholung", und doch beantwortet er nahezu alle Fragen mit "fragen sie nicht", bis im Gegenzug dann auch Emily seine Fragend grinsend mit "fragens sie nicht" kontert. Etwa zweimal auf jeder Seite. Manch einer kann darüber lachen, ich fand es ziemlich enervierend. Auch ansonsten bringt der Autor viele Wiederholungen in seinen Sätzen, so etwas stößt mir immer sehr bitter beim Lesen auf.

Das, was mir das Lesen am meisten vergällte, war die Erzählweise. Ich habe lange gegrübelt, woran es liegt. Da auch andere Erzähler diese Technik nutzten, fiel es mir anfangs kaum auf, bis ich es in einem Kapitel dann überdeutlich vor mir sah: entweder, der Autor versucht sich in einem äußerst unkonventionellen Stil und möchte sich damit von der Masse abheben, oder er beherrscht einfach nicht den korrekten Umgang mit den grammatikalischen Zeitformen.

Da er aus der gegenwärtigen Sicht die Vergangenheit beleuchtet, muss er zwischendurch das Tempus wechseln, kennen wir ja von Lemony Snicket, Tolkiens Kinderbüchern und anderen Autoren, es hat auch seinen Reiz. Aber Christoph Marzi übertreibt damit. Er wechselt zu häufig die Zeitform, der Leser kommt nicht mehr hinterher. Er beschreibt beispielsweise (nicht übernommen, doch um es sinngemäß zu verdeutlichen) aus der Gegenwart, wie Emily in ihrer damaligen Gegenwart an früher dachte, was später passieren könnte, und was sich in der Zeit zwischen der Zeit als sie dachte und dem heutigen Erzählzeitpunkt aus jedoch anders entwickelte, was natürlich in der Zukunft den gegenwärtigen Erzählers weitreichende Folgen haben könnte. Er springt so oft von einer Zeit in die nächste, sodass der Leser stellenweise kaum noch den Überblick hat, wo er sich eigentlich gerade befindet. Nicht, dass ich unkonzentriert gewesen wäre oder nicht hätte folgen können, aber es ist einfach zu verwirrend an manchen Stellen. Vielleicht ist es ein besonders talentierter Stil, meiner Ansicht nach fehlt noch ein wenig die Übung, Zeitformen sinnvoll zu nutzen.

Aber, wie gesagt, ich bin zwiegespalten. So negativ ich alles beurteile, hat das Buch auch seinen Reiz, einfach seinen eigenen Stil. Es ist das gleiche wie alle anderen und doch etwas ganz eigenes. Ich kann es weder empfehlen noch davon abraten. Ich konnte nichts damit anfangen, aber schlecht an sich ist es eigentlich nicht, denke ich. Und ich weiß, dass ich vor allem an Stil und Form oft mäkele, wo andere hochbegeistert sind. Ich weiß, dass meine Pingeligkeit da zu weit geht und vieles aussondert, das ansonsten eigentlich als sehr gut zu bewerten wäre ...

Habt ihr es auch schon gelesen? Mich würde mal interessieren, was Ihr so davon haltet :-)

SaschaSalamander 25.01.2006, 19.57 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Zwiegespaltenes Gefühl

Gerade lese ich Lycidas, und ich bin hin- und hergerissen. Einerseits ist das Buch große Klasse und sehr empfehlenswert. Andererseits hat es unzählige Schwächen, und ich als pingeliger und vor allem sehr mäkeliger Leser würde es am liebsten nach jedem einzelnen Satz wieder weglegen und jedem davon abraten. Ich habe gestern lange überlegt, woran das liegt und es dann endlich herausgefunden. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das alles in eine Rezension packen soll. Zu groß die Widersprüchel. Und insgesamt alles zu lang für einen Beitrag (es soll ja dem Medium Blog auch noch angemessen sein. Ebooks will ich hier nicht schreiben, obwohl eine Rezension für dieses Buch bei mir glatt ein solches Außmaß erhalten könnte). Deswegen werde ich zwei Rezensionen schreiben. Eine begeisterte und einen Verriß ...

SaschaSalamander 14.01.2006, 10.25 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Bartimäus und das Auge des Golem

CoverNun habe ich auch den zweiten Teil der Bartimäus-Trilogie gelesen. Über den ersten habe ich >hier< bereits geschrieben. Leider war ich beim zweiten Band ein wenig unter Zeitdruck, da ich es wegen einer Reservierung nicht verlängern konnte, dies ist leider der Nachteil einer Bibliothek ;-)

Nathanael, der picklige Zauberlehrling aus dem ersten Teil, ist inzwischen die Karriereleiter des Ministeriums aufgestiegen. Auf seinen eigenen Vorteil bedacht und berechnend geht er zu Werk. Als der Widerstand der "Gewöhnlichen" (nichtmagischen Menschen) zunimmt, soll Nathanael die Vereinigung ausfindig machen und zerschlagen. Entgegen seinem Versprechen, ihn niemals wieder zu befehligen, beschwört er den mächtigen Dschinn erneut. Es wird immer brenzliger, und dann wird auch noch das British Musuem von einem gefährlichen Golem verwüstet, das Chaos nimmt überhand, Nathanael steht unter Zugzwang. Im Ministerium werden Ränke geschmiedet, Intrigen gesponnen und Hinterhalte gelegt. Wer steckt hinter all diesen Vorfällen?

Wie vom ersten Band, war ich auch von dem zweiten Teil der Trilogie begeistert. Es dauerte ein wenig, bis ich den Wiedereinstieg in die Geschichte geschafft hatte. Denn dieses Mal wird die Handlung nicht alleine aus Sicht des Bartimäus und Nathanael erzählt. Auch das Mädchen Kitty, das mit besonderen Gaben ausgestattet ist und der Widerstandsbewegung angehört, wird begleitet. Sie hatte bereits im ersten Band einen kurzen Auftritt, als sie dem jungen Zauberer einen Spiegel entwendete. Bereits "das Amulett von Samarkand" zeigte, dass viele nichtmagische Menschen unzufrieden mit der Situation des Landes waren und die Herrschaft der Magier stürzen wollten. Hier werden einige Hintergründe dazu aufgeführt, Kittys Vorgeschichte ist ebenso spannend wie traurig.

Solange jedoch in den ersten Kapiteln der aktuelle Stand der Dinge beleuchtet wird, ist das Buch eher zäh. Erst, als man über Kittys Vergangenheit erfährt, Bartimäus beschworen wird und Nathanael so richtig in der Klemme sitzt, wird es spannend. Aber dafür geht es dann so richtig zur Sache! Grabschänderei, ein magieresistenter (und für Bartimäus somit unbezwingbarer) Golem, eine riesige Verschwörung (die im ersten Band begann und im letzten Teil hoffentlich aufgelöst wird), einfach genial!

Bartimäus wird dem Leser immer sympathischer, Nathanael dagegen ein richtiges Ekel. Er bricht seine Versprechen, er hintergeht, er ist selbstverliebt und erinnert nicht nur den Dschinn an seinen früheren Erzfeind Lovelace. Ich bin gespannt, ob er im dritten Teil eine Art Sinneswandel erleben oder ein kompletter Fiesling wird. Letzters wäre einmal eine interessante Wendung, die nicht allzu üblich in diesem Genre ist, ich hoffe also darauf ;-)

Kitty ist ein Mädchen, das jüngeren Lesern gut als Identifikationsfigur dienen kann. Sie ist mutig, selbstbewusst und steht zu ihrem Wort. Für ihre Freunde würde sie alles tun. Während ihre Geschichte anfangs eher träge dahinplätschert, wird sie von Kapitel zu Kapitel immer sympathischer, wird zu neuen Hauptfigur neben Bartimäus und dem Zauberer.

Und Bartimäus ... über ihn gibt es nichts Neues zu sagen. Rotzfrech und überheblich wie immer. Er ist die Würze des Buches, ohne ihn wäre die Reihe ein Werk unter vielen. Ein Dschinn, wie ich ihn gerne kennenlernen würde, ein Wortgefecht mit ihm stelle ich mir so richtig prickelnd und anregend vor!

Der zweite Teil baut auf dem ersten auf, deswegen sollte man "das Auge des Golem" keinesfalls ohne Kenntnis des "Amuletts von Samarkand" lesen. Für Fans des ersten Bandes ist dieses Buch auf jeden Fall ein absolutes Muss!

Band III ist unter dem Titel "Ptolemy´s Gate" (das Tor des Ptolemäus) im September letzten Jahres erschienen, man kann also auf baldiges Erscheinen in Deutschland hoffen.

SaschaSalamander 06.01.2006, 10.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL

Eragon

CoverEragon lebt in seinem kleinen Dorf, ärmlich aber zufrieden, als er im Buckel (Gebirge) plötzlich einen seltsamen Stein findet. Und dieser entpuppt sich als Drachenei. Damit beginnt das Abenteuer ... Eragon zieht heimlich den Drachen auf, informiert sich beim Geschichtenerzähler Brom über die früheren Drachenreiter (die damals große Heldentaten vollbrachten, heute jedoch nicht mehr existieren) und stellt fest, dass er zu seinem Drachen eine Art telepathischer Verbindung aufnehmen kann. Im Dorf erscheinen Soldaten, die sich nach dem Drachenei erkundigen, Eragons Hof wird niedergebrannt, und gemeinsam mit Brom und Saphira flieht er. Eragon soll ein Drachenreiter werden, und Brom ist sein Lehrmeister. Brom birgt viele Geheimnisse, und langsam wird Eragon bewusst, welche Bürde nun auf ihm lastet und was es noch alles zu lernen gilt. Sein Ziel ist es, die Herrschaft des tyrannischen König Galbatorix (der die Drachenreiter vernichtete und nun auch seine Familie töten ließ) zu beenden.

Doch, mir hat Eragon gefallen. Anfangs hatte ich etwas Probleme, mich zurechtzufinden, der Schreibstil sagte mir nicht sonderlich zu, ich brauchte mehrere Tage für die ersten Seiten. Aber zum einen gewöhnte ich mich daran, und außerdem wurde es tatsächlich im Laufe der einzelnen Kapitel immer besser, bis ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Und nun kann ich die Fortsetzung gar nicht abwarten!

Die Geschichte ist nicht unbedingt die Neuerfindung des Fantasy, aber das verlangt ja auch niemand. Ich finde, Eragons Welt ist solide durchdacht, der Autor hat sich wirklich einen Plan von der Landschaft, den Menschen und den Lebensbedingungen dort gemacht, es wirkt alles logisch und gut strukturiert. Sollte er tatsächlich dieses Buch alleine geschrieben haben - ich unterstelle ihm nicht, dass ihm die Eltern oder andere Erwachsene geholfen haben, die Frage wird allerdings wohl jedem Leser gekommen sein bei der Komplexität dieses Buches, so zolle ich Christopher Paolini wirklich meine Hochachtung. Es ist doch eine umfassende Aufgabe, eine komplexe Welt zu entwerfen, die ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten hat. Dazu den Aufbau der Magie, eine fremde Sprache mit eigenen Worten entwickeln, die Historie des Landes, die verworrenen Intrigen des Königs, ein Schlachtplan für den ausgedehnten Kampf am Ende, Hintergründe für die gut greifbaren Charaktere, der Handlungsentwurf, die ganze Geschichte an sich. Das Buch ist in angenehmem Ton geschrieben, die Geschichte ist mitreißend, die Charaktere sind sympathisch, der Leser ist gefesselt. Mehr kann man von einem Fantasyroman wirklich nicht erwarten!

Ich muss zugeben, dass ich das Buch beim Analysieren (altes Kriegsleiden, ohne geht es leider nicht) vor allem stets unter dem Aspekt las, dass der Autor erst 15 Jahre alt war zu Beginn. Das erklärt die anfangs eher ungeschichte Sprache, die sich aber schnell steigert. Was mir von Anfang an auffiel, das waren aber vor allem viele Feinheiten, die ein Buch erst greifbar machen. Eine Handlung erzählen können viele. Aber der Geschichte tatsächlich Leben verleihen, das macht das Können eines Autors aus. Und Paolini schafft es mit vielen Kleinigkeiten, die Ereignisse vor dem Auge des Lesers zu eigenem Leben zu erwecken. Eragon betritt nicht nur ein verwüstetes Dorf, sondern Paolini zeigt sehr bildlich die Leere um ihn. Keine Kinder, die ihm entgegenrennen, kein bellender Hund, der Geruch des Feuers und des Todes, anschaulich werden die Hausruinen und Trümmer beschrieben, als stünde man selbst an diesem schaurigen Ort.

Ich frage mich, woher Paolini diese Fähigkeit nimmt, Szenen und Menschen so deutlich zu beschreiben. Er muss für sein Alter sehr reif sein, vielleicht hat er schon sehr viel erlebt. Oder er ist begeisterter Rollenspieler, Fantasyfan und Filmeliebhaber und hat seit frühester Kindheit alles verschlungen, was in diese Richtung geht, sodass er aus einem reichen theoretischen Erfahrungsschatz schöpfen kann. So mancher geübte Autor kann von ihm eine Menge lernen ...

Also, falls jemand dieses Buch als Fantasyfreund noch nicht gelesen hat ... noch ist es nicht zu spät, Weihnachten ist erst morgen, vielleicht reicht es ja noch für einen erweiterten Wunschzettel ... und gleich den zweiten Teil vormerken, der ebenfalls bereits erhältlich ist ;-)

SaschaSalamander 23.12.2005, 19.47 | (4/3) Kommentare (RSS) | PL

Bartimäus und das Amulett von Samarkand

CoverInzwischen "sammle" ich einige Rezensionen, um etwa zwei bis drei davon pro Woche zu veröffentlichen. Was darüber hinausgeht, spare ich an für Zeiten, in denen ich weniger Zeit zum Lesen und Schreiben habe. Derzeit quillt mein Regal vor spannenden Büchern über, und als nächstes liegt "Bartimäus II - das Auge des Golem" vor mir. Bevor ich das lese, möchte ich Euch dann doch meine Gedanken zum ersten Teil der Reihe vorstellen :-)

Nathanael ist der Zauberlehrling eines minderbemittelten, egoistischen und ziemlich gleichgültigen Magiers. Aber im Gegensatz zu seinem Meister saugt Nathanael das Wissen auf wie einen Schwamm. Als er zum ersten Mal nach vielen Jahren endlich unter Aufsicht einen kleinen Krötendämon herbeizaubern darf, hat er schon längst heimlich einen mächtigen Dschinn der 14. Ebene beschworen. Bartimäus, wie dieser Dschinn heißt, soll ihm das Amulett von Samarkand stehlen, denn Nathanael möchte sich an dem Besitzer des Amulettes für eine vergangene Demütigung rächen. Aber er konnte ja auch nicht ahnen, in welches Spiel um Macht und Magie er da hineingeraten würde!

Das Buch wechselt in der Erzählung zwischen dem unbeteiligten Erzähler, der von Nathanael berichtet und Bartimäus Gedanken in der Ich-Form. Während die Geschichte um Nathanael vor allem die Handlung vorantreibt, sorgt Bartimäus für eine Menge Humor und Ironie. Über mangelndes Selbstbewusstsein kann dieser Dschinn beileibe nicht klagen, nur zu gerne prahlt er damit, was er alles schon erreicht hat. Und jammert darüber, dass dieser kleine Niemand einen so machtvollen Dschinn wie ihn beschwören konnte. Immer wieder sucht er eine Möglichkeit, seinem Meister einen Strick zu drehen, sich ihm zu entwinden, aber Nathanael hat an alles gedacht. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Art Hassliebe, sie retten sich gegenseitig das Leben, um es sich anschließend wieder unnötig schwer zu machen.

Das Buch strotz nur so vor intelligenten Einfällen, kniffligen Tricks und einer ordentlichen Portion schwarzem Humor. Man kann Bartimäus einfach nicht böse sein, auch wenn er seinem Meister noch sosehr alle Teufel und Dämonen der Hölle an den Hals und ihm einen möglichst grauenvollen Tod wünscht. Irgendwie ist er doch liebenswert, man kann seinen Frust gut nachvollziehen. Außerdem ist Nathanael, der picklige, hässliche, unscheinbare Jugendliche, auch nicht gerade ohne. Er hat mit allen fiesen Finten des Dschinns gerechnet ist gegen (fast) alles gewappnet. Nicht ohne Grund erfüllt Bartimäus treu seinen Dienst, denn im Falle des Nichterfüllens hat sich Nathanael ziemlich gemeine Sanktionen ausgedacht.

Bartimäus ist ein Buch, das wieder einmal etwas Neues auf den Markt brachte. Die abwechselnden Erzählperspektiven kamen schon vor, sind aber nicht allzu häufig. Und dass ein pickelgesichtiger Rotzbalg einen hochmächtigen Dschinn beschwört, eine Verschwörung aufdeckt und trotzdem keine Ehre bekommt, das ist mal etwas anderes. Gut, Zauberlehrlinge, sonderbegabte Schüler und Meisterdiebe machen sich in den letzten Jahren immer beliebter in der Jugendliteratur, aber Bartimäus und Nathanael sind wirklich etwas ganz Besonderes. Zwei solche unsympathischen (und deswegen erst so richtig sympathischen) Antihelden hat die Jugendliteratur bisher nicht gesehen! Wer Bücher wie Harry Potter, Charlie Bone, Artemis Fowl oder andere begabte Jugendliche mit einem Hang zu haarsträubenden Abenteuern mag, der wird "Bartimäus" bestimmt genauso in sein Herz schließen, auch wenn die Zielgruppe bei Bartimäus wohl ein klein wenig älter angesetzt werden kann.

SaschaSalamander 02.12.2005, 15.56 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

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