SaschaSalamander

Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Jugend

Gute Nacht Zuckerpüppchen

hassenmueller_zuckerpueppchen_150.jpgEs ist die Zeit nach Kriegsende. Gaby und ihr Bruder Achim leben zusammen mit der Mutter, ihr Vater starb auf dem Feld. Da klingelt eines Tages ein Fremder an der Tür, er sei ein Kamerad des Vaters, und der Vater habe ihn gebeten, sich um die Familie zu kümmern. Bald heiratet er die Mutter, und für die Kinder beginnt eine schlimme Zeit. Achim sei verweichlicht, er solle ein richtiger Mann werden, er muss die schweren Kohlen schleppen und sich morgens eiskalt waschen. Gaby dagegen ist "Pappis", wie sie ihn nun nennen müssen, Zuckerpüppchen. Er erzählt ihr Geschichten, spielt mir ihr und ... beginnt sie zu missbrauchen. Die Mutter hat es schwer, und Gaby kann sich ihr nicht anvertrauen, sie weiß, dass sie ihr nicht glauben würde. Außerdem sagt Pappi, dass Gabi dann ins Heim müsse. Als Mutter erfährt, dass ihr Mann ein  14jähriges Nachbarmädchen geschwängert hat, begeht sie einen Selbstmordversuch. Und Gaby fühlt, dass sie ganz alleine ist mit ihrer Angst ...

Das Buch ist schrecklich. Ein Jugendbuch, mag sein, aber ich denke, auch und erst recht für Erwachsene. Ich hatte einen derart dicken Kloß im Hals, und doch konnte ich es nicht weglegen. Von der ersten Seite an ist der Leser von dem einfachen, eindringlichen und ergreifenden Schreibstil gefesselt. Die Beschreibungen sind der Zielgruppe entsprechend gehalten, und doch sind die Bilder so klar vor Augen, dass das Atmen schwerfällt. Man fiebert mit Gaby, wenn die Zimmertür aufgeht und sie sich fürchtet, und man leidet mit ihr, wenn der Stiefvater eifersüchtig ihre Treffen und Termine überwacht. Ständig möchte man schreien "sag doch was", vor allem, wenn der freundliche Arzt oder die engagierte Lehrerin mit ihr reden. Doch leider ist das Buch sehr real. Und die Täter wissen, wie man Kinder zum Schweigen bringen kann. Und aus den Kindern werden junge Frauen, und die Scham wächst, die Angst wird ein ständiger Begleiter.

Am Ende des Romanes sind ein paar Seiten Information. Ich finde das gerade für die Jugendlichen, die diesen Roman lesen, sehr wichtig. Näheres darüber, wie Fälle von Missbrauch ablaufen, beschrieben anhand von Beispielen aus der Geschichte um Gaby. Anlaufstellen für Betroffene sind genannt.

Ich halte es für sehr wichtig, dass die jugendlichen Leser danach mit Freunden oder Verwandten über dieses Buch reden, denn es muss verarbeitet werden. Keine Lektüre, die man schnell mal so nebenbei lesen kann und dann weglegt und es vergisst ...

"Gute Nacht, Zuckerpüppchen" hat zu Recht den Buxtehuder Bullen als Jugendbuch 1989 verdient. Es ist ein Buch, das man, finde ich, auf jeden Fall gelesen haben sollte, ob Jugendlicher oder Erwachsener. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst ...

SaschaSalamander 05.05.2008, 18.02 | (0/0) Kommentare | PL

Die Nacht der Zaubertiere

koontz_zaubertiere02_150_1.jpgAls ich das Buch damals mit etwa 15 Jahren in den Händen hielt, war ich begeistert. Genau das, was ich gerne las (und auch heute noch gerne lese). Koontz war mir kein Begriff, das Horrorgenre noch weitigehend fremd. Aber für Fantasy war ich schon immer zu haben. Und dieses Buch sah aus wie ein MUSS!

Der alte Spielzeugmacher Vater Isaak stirbt. Und nun soll seine Fabrik der lebenden Zaubertiere an den nächsten übergeben werden. Doch Vater Isaak starb zu früh, und nun ist es die Aufgabe der verzauberten Stofftiere, allen voran der mutige Teddybär Amos, Martha Miller in der Stadt aufzusuchen und ihr von dem geheimnisvollen Laden mit seinen lebenden Spielzeugen zu erzählen und ihr die Nachfolge zu übergeben. Die Zeit arbeitet gegen die sechs mutigen Helden, und getrieben von böser Energie strebt bereits der frisch aus der Haft entlassene Zacharias Zack auf das alte Haus zu, um die Firma zu übernehmen und grausames, bösartiges Spielzeug zu erschaffen. Können die freundlichen Tiere rechtzeitig Martha auffinden und den Kampf gegen das Böse gewinnen?

Ach, wirklich süß. Ein Kinder- und Jugendbuch, absolut kein Horror. Leider hat das Buch im Internet ziemlich viele schlechte Bewertungen bekommen, weil die Leser als Fans von Koontz natürlich etwas anderes erwartet hatten. Und statt dessen erhielten sie - ein niedliches Fantasyabenteuer ohne spannende Wendungen. Es ist einfach ein nettes Märchen, dessen Ausgang bereits klar ist. Eben ein wunderschönes Vorlesebuch für ältere Kinder. Es gibt einige "schaurige" Elemente, etwa den hässlichen "Jack in the Box" Schratz oder die gemeine Hornisse, je nach Alter und Erfahrungsstand werden die Kinder aber problemlos damit umgehen können (manche Grimms-Märchen sind grausiger, finde ich).

Das Buch hat mich damals nicht mehr losgelassen, und ich mochte die Figuren alle sehr. Den tapferen Bären Amos (der immer jawollja sagt, das habe ich mir von ihm angewöhnt und bis heute beibehalten *hihi*), den weisen "Alten", den frechen Hasen Hupf, den etwas realitätsfremden Elefanten Einstein, die sanfte Hündin Karamell und der eitle gestiefelte Kater.

Und was ich diesem Buch ganz besonders zugute halte: ich hatte es im Urlaub dabei, als ich auch meine Schwester traf, etwas jünger als ich. Sie war damals nicht wirklich eine Leseratte, Bücher hatte sie immer bewusst ignoriert. Aber ich habe ihr solange von dem Buch erzählt, bis sie es dann doch einmal in die Hand nahm. Und nicht mehr weglegen konnte, bis sie es fertiggelesen hatte! Und seitdem nahm sie öfters mal ein Buch in die Hand, bevorzugt Dark Fantasy oder später dann auch Horror. Ich frage mich manchmal, ob sie sich ebenso an dieses Buch erinnert wie ich, war es doch für ihre Verhältnisse das erste wirklich richtige Buch?

Erwachsene Leser, die es komplexe Geschichten lieben und auch in der Fantasy gerne reifere Elemente haben, werden wohl recht enttäuscht sein. Aber junggebliebene Leser und Freunde einfacher, fantasiereicher und witziger Märchen müssen dieses Buch einfach lieben, jawollja! ;-)

SaschaSalamander 30.04.2008, 10.37 | (0/0) Kommentare | PL

Ich bin verzaubert

koontz_zaubertiere_150_1.jpgMomentan lese ich "die Nacht der Zaubertiere" von Dean R. Koontz. Eigentlich ja ein Horrorautor, aber hier hat er mal einen Abstecher in die Kinder- und Jugendecke gemacht. Einen wirklich gelungenen, möchte ich sagen. Bin froh, dass ich Koontz damals noch nicht kannte, sonst hätte ich das Buch nicht gelesen, denn Horror hin oder her, mag ich ihn ansonsten nicht sonderlich.

Aber DIESES Buch hier, ach, das musste sein. Ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf, und wenn ich ein Buch nach 15 Jahren noch immer in den Gehirnwindungen mit mir herumtrage, dann muss ich es irgendwann einfach noch einmal lesen *nick*. Heute finde ich die Sprache etwas seltsam, frage mich, was die Übersetzerin da nur angestellt hat (oder war es der Autor?), aber das Buch selbst ist noch immer so schön wie damals, ...

ich bin verzaubert!

SaschaSalamander 24.04.2008, 15.07 | (0/0) Kommentare | PL

Wunderschöne Bilder

zusak_buecherdiebin_150_1.jpgDie Bücherdiebin lese ich nun schon seit einiger Zeit. Ein wunderschönes Buch, aber ich kann nicht zuviel davon auf einmal lesen. Habe erst ein knappes Sechstel davon beendet. Es handelt von Kriegszeiten, und auch, wenn es nicht voller Gewalt und Angst ist, muss ich bei Krieg vorsichtig sein. So etwas beschert mir Albträume. Und dazu kommt, dass die Sprache wunderschön ist. Aber sehr intensiv, sehr bildhaft. Würde ich zuviel auf einmal davon lesen, würden die Worte nicht mehr wirken. Vor allem sehr viel Personifizierungen sind es. Das Buch wird erzählt aus der Perspektive des Todes, und er haucht mit seiner Sprache auch den unbelebten Dingen Leben ein. Eine sehr gute Idee. Aber auf Dauer auch ein wenig anstrengend. Unten ein paar Beispiele.

Jedenfalls finde ich das Buch sehr schön. Ich sehe die Figuren gut vor mir, kann mich sehr gut in sie hineinversetzen, habe meine Charaktere bereits liebgewonnen, fiebere mit ihnen. Es gibt sehr viele Exkurse zu anderen Leuten, die entweder nur so kurz beleuchtet werden oder vielleicht später noch wichtig werden könnten. Egal, es ist nett zu lesen. Aber durch die vielen Wechsel von einer Person zur nächsten fehlen auch die Cliffhanger, die bei anderen Büchern dazu verleiten, "nur noch eine Seite", "nur noch ein Kapitel" zu lesen.

Die Worte trotteten aus ihr heraus.
Das Flugzeug hustete noch. Rauch trat aus seiner Lunge.
Die Leiche verharrte, hartnäckig und still.
Das Echo folgte ihm die Straße entlang.
Die Worte fielen vom Bett und ergossen sich auf den Boden.

SaschaSalamander 08.04.2008, 10.07 | (0/0) Kommentare | PL

Beast

kennen_beast_150.jpgZur Abwechslung mal wieder ein Jugendbuch in den Player gelegt, und schon konnte ich den Sonntag über nichts anderes mehr tun als nur zu hören und zu hören, es war so spannend! Nach ein paar Tagen "dahindümpeln" in Sachen Lesen tut so ein Tag, an dem ich mir ein komplettes Buch am Stück genehmige, so richtig gut!

Stephen ist ein 17jähriger, der es nicht leicht hat. Keine wirklich tolle Kindheit bei seinen Eltern, dann verließ sie der Vater, und so kam er vom Heim in die Pflegefamilie der Reynolds, wo er jetzt lebt. Und alle legen ihm Steine in den Weg, die Obergöre Carol, seine Pflegeschwester, lässt ihn bereits in den ersten zehn Minuten seiner Anwesenheit im Hause Reynold so richtig auflaufen und als Dieb dastehen. Auch sonst, wannimmer etwas geschieht, ER trägt die Schuld, und er kann noch sosehr erklären, dass er nichts damit zu tun hat. Einem Jugendlichen wie ihm kann man nicht trauen. Einem, der schon mit Acht Autos knackte, der Mitschüler erpresste und auch sonst nicht gerade ein Chorknabe ist. In vier Wochen wird Stephen 18, und bis dahin muss er ausziehen und in das St. Max Heim. Eine billige Absteige mit lauter abgewreckten Typen, wo er nur mit Messer unter dem Kopfkissen schlafen kann. Er hat keine Chance ... und trotzdem strampelt er nach Leibeskräften, um irgendwie aus diesem Sumpf herauszukommen.

Zu allem Übel gibt es da noch "den Kleinen", "das Monster", "das Biest", "das Ungetüm". Wer oder was dieses Wesen ist, erfährt der Leser erst später. Doch keine Allegorie, keine methaphorische Gestaltwerdung seines inneren Schweinehunds, sondern ein durchaus reales und gefährliches Tier, das Stephen zu pflegen hat. Es kam wie üblich: jemand drückte ihm die Verantwortung aufs Auge, und was er nun damit anfängt, keiner half ihm, niemand kümmerte sich darum, und nun hat er Ärger an der Backe. Schweinehälften frisst dieses Biest, und die muss Stephen unauffällig zerlegen und transportieren, keine leichte Aufgabe ... aber das Biest wird immer größer, immer gefährlicher, und der Junge weiß, dass ihm nur eine Wahl hat: er muss das Biest töten, bevor es ausbricht und eine Gefahr für die Menschen wird ...

Wow, das Buch hat mich beeindruckt! Es ist in der Ich-Form aus Sicht des Jungen erzählt, und man kann sich vom ersten Moment an großartig in die ganze Szenerie hineinversetzen. Er beginnt eiskalt: "Hier eine Liste der zehn schlimmsten Dinge, die ich in meinem Leben gemacht habe". Und dann beginnt er. Teils witzig formuliert, teils wirklich derb und ganz schön heftig. Man merkt: der Kerl hat es faustdick hinter den Ohren. Brandstiftung, Diebstahl, Erpressung und derlei. Manches davon Unfälle, wie etwa die drei abgebrannten Klassenzimmer, als er eigentlich nur den Müllcontainer ein wenig anfackeln wollte, aber Brandstiftung ist Brandstiftung.

Stephen tut einem im Laufe des Buches immer mehr leid. Anfangs mag er ja noch cool und lässig daherkommen, doch je besser man ihn kennenlernt, desto mehr stellt man fest, wieviel Potential in ihm steckt und was eigentlich aus ihm hätte werden können, wenn er doch nur eine Chance im Leben bekommen hätte. Er ist es, der Verantwortung bei der Party zeigt, als überall Kerzen brennen, als die Kids am Klebstoff schnüffeln und als einer der Gäste dringend Hilfe braucht. Sein Umgang mit dem Biest lässt erahnen, dass er wirklich bereit ist, sich um andere zu kümmern, ihm aufgetragene Lasten nicht einfach abzuschütteln, sondern seine Aufgaben auch ernst zu nehmen. Manchmal scheint er der Vernünftigste und Anständigste unter all den Jugendlichen, wenn da nicht eben all die Dinge wären, die er getan hat. Und das, was er noch zu tun gedenkt: nämlich Mord. Mord an seinem Biest. Darf er das Biest töten, wenn es doch darum geht, soviele Menschenleben zu schützen? Er hat niemanden, an den er sich wenden kann mit seinen Fragen, und als er sich aufrafft, seinem Vater davon zu erzählen, wird alles noch schlimmer, ...

Sosehr bangt man mit Stephen, wünscht ihm alles Gute für den Job in der Fleischfabrik, später dann bei Eric dem Schlosser, und wenn er aus den besten Motiven heraus wieder genau das Falsche tun möchte, würde man am liebsten eingreifen und ihm zurufen, dass er doch mit Jimmy reden soll, oder zur Polizei gehen, oder zu Mindy ... (faszinierend übrigens: dieses Gefühl hatte ich beim Lesen oft, und auch in einer anderen Rezension stieß ich darauf. Ging also nicht nur mir so) ...

Für Jugendliche ab 13 Jahren, aber auch für Erwachsene, weil es die Sichtweise eines Heranwachsenden wirklich gekonnt darstellt. Seine Wünsche, Träume, Hoffnungen, Ängste, Aggressionen. Die Probleme, mit denen er im Alltag konfrontiert wird. Ein großartiger Roman vom Erwachsenwerden ...

SaschaSalamander 19.11.2007, 19.23 | (0/0) Kommentare | PL

Treffpunkt Tatort

wolf_tatort01_150.jpgMensch, mir läuft es kalt den Rücken herunter, wenn ich sowas lese / höre! Ich frage mich, ob ich damals einfach Glück hatte, dass es so etwas an meiner Schule nicht gab, oder ob ich es nur nicht sah? Immer mehr hört man in den Medien von Gewaltvideos, von brutalen Kids, und so weiter ... aber momentan muss ich wirklich heftig schlucken ... das ist echt herb, was man hier liest ...

Tatort-Autor (jau, der für die Filme) Klaus Peter Wolf schreibt unter anderem auch Kinderbücher, diese ebenso spannend wie die Kost für Erwachsene. Und es gibt eine neue Reihe, die sich "Treffpunkt Tatort" nennt, zwei Hörbucher bzw drei Bücher sind bereits erschienen. Das erste handelt von einem Jungen, der vom Schuldach springt und wohl Selbstmord begehen will. Doch seine Klassenkameraden "ermitteln" (es wirkt nicht wie platte Kiddie-Detektive a la TKKG, sondern wirklich großartig, es könnten wirklich die Kids von nebenan sein, sehr realistisch, auch wenn es "nur" Kinder sind) und finden heraus, was bei dem Jungen zu Hause passiert ... und im zweiten Band werden die Freunde darauf aufmerksam, dass es an der Schule wohl sogennante Sklaven geben muss, die von ihren Herren dazu gebracht werden, Dinge zu tun, die sie niemals sonst tun würden. Beschämende Dinge. Aber auch illegale Dinge. Dinge, die lebensgefährlich sind. Wie ist es möglich, dass niemand etwas nach außen dringen lässt, und wie können sie herausfinden, wie man diesen Kreislauf durchbricht?

Eine ganze Rezension möchte ich nicht schreiben, aber ich will Euch die Bücher zumindest auf diese Weise kurz vorstellen. Oh Mann, der erste Band war schon ziemlich schlimm, es tat weh. Mh, okay, ich sehe es mal nicht als Spoiler, weil es dem Leser recht schnell klar ist, was vor sich geht. Außerdem ist es ein wichtiges Thema, das diskutiert werden sollte. Die Mutter des Jungen ist krank, sie wird manchmal gewalttätig gegen ihren Sohn, und dieser versucht natürlich alles, sie zu schützen und es ihr recht zu machen, ihr keinen Anlass für Prügel zu geben. Das tat so weh zu hören, es war so real beschrieben. Der Autor weiß, wie Kinder ticken, er kennt um die Mechanismen die wirken ... und im zweiten Teil nun noch heftiger. Ein ständiger Kreislauf. Ein Fünftklässer wurde gezwungen, ein Video zu drehen, mit dem der Erpresser ihn in der Hand hat: das Auto des Lehrers mit der Brechstange zerstören. Und dann verlangt der Erpresser immer weitere Taten, die er filmt und natürlich an Klassenkameraden verteilt: von einer Brücke auf andere pinkeln (und danach verprügelt werden), Bauchklatscher vom Zehnerturm mit über den Kopf gezogener Badehose, Diebstähle und andere Sachen. Um ihrem kleinen Bruder zu helfen, will seine Schwester ein Gespräch mit dem Erpresser, und dieser akzeptiert nur eines: sie soll an die Stelle ihres Bruders treten.

Natürlich denkt man sich als Erwachsener "na, die sollen zur Polizei gehen" oder "mensch, warum sagt keiner das dem Lehrer", aber ... so einfach ist es nicht, und warum, das wird großartig dargestellt. Ich musste jetzt beim Hören eine Pause machen, um hier zu tippen. Es ist zu intensiv. Wenn ich sowas lese, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter! Naja, es ist immer noch ein Kinderbuch, das heißt, es ist auch für Kids von 13 oder 14 sehr gut lesbar und sogar als Klassenlektüre geeignet oder für sonstige Lesemuffel.wolf_tatort02_150.jpg Trotzdem, mir ist unwohl ...

Manchmal fühlt man sich einfach nur hilflos ... ob man nun erfährt, dass es in anderen Ländern Sitte ist, Mädchen zu beschneiden, ob man erfährt, dass Schüler sich bekämpfen, ob man von Folter und Missbrauch im Fernsehen sieht, es gibt so grausame Dinge ... und man kann selbst nichts dagegen tun ... solche Bücher finde ich schlimmer als irgendwelche Horrorromane ... klar, die Romane von Klaus Peter Wolf sind Fiktion, aber wer weiß, ob nicht an irgendeiner Schule hier exakt genau dies gerade jetzt passiert?

SaschaSalamander 15.10.2007, 17.17 | (0/0) Kommentare | PL

Stewart genial wie immer

stewart_abenteuer01_cover150.jpgAch ja, ich war echt riesig begeistert, als ich den ersten Teil der "Aberwitzigen Abenteuer" von Paul Stewart in die Finger bekam. Seine Jugendfantasy um Twig, Quint und Rook haben mich schon vor zwei Jahren begeistert, und genüsslich verschlinge ich seine Bücher nicht eines nach dem anderen (habe noch einige vor mir), sondern nehme sie in Abständen und mit dem entsprechenden Respekt zu mir. Jau, Stewart hat es verdient, gewürdigt zu werden ... seine Phantasie ist einfach klasse!

Heike Makatsch war mir bisher nur vom Deutschen Film ein Begriff, und damit verbinde ich wenig Gutes. Umso positiver überrascht war ich, als mir ihre Stimme dagegen sehr gefällt. Doch, kann man hören, sehr schön ...

Bisher habe ich erst die Hälfte der ersten CD gehört, aber es ist schon richtig klasse. Mir sind Fergus, seine Mutter und seine Klassenkameraden schon richtig ans Herz gewachsen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht ...

SaschaSalamander 16.04.2007, 19.57 | (0/0) Kommentare | PL

Autsch

nuyen_nijura_150.jpgVor lauter Hören und Lesen komme ich momentan schon fast nicht mehr zum Schreiben ... aber ein paar Worte zu "Nijura - das Erbe der Elfenkrone" kann ich mir nicht verkneifen. Mit ein wenig Glück habe ich eine kleine Scriptlücke bei Amazon entdeckt (naja, erfuhr erst später, dass es eine war) und auf diese Weise das Hörbuch für drei Euronen ergattern können. Eigentlich hätte ich gleich mehrere bestellen sollen *stirnpatsch* ...

Jedenfalls habe ich die erste CD fast gehört und finde es wirklich klasse. Flüssiger Stil, die Geschichte hübsch eingeleitet, die Charaktere bereits ans Herz gewachsen in ihrer ruppigen und doch liebenswerten Art.

Allerdings sind mir ein paar Formulierungen aufgefallen, deretwegen ich schmerzhaft die Zähne zusammenbeißen musste ... "sie fand eine Idee" ... "sie sah, wie er zu ihr hin kam" (wobei "sie" der Ausgangspunkt der Bewegung ist) ... und schwupps kam mir die Frage, ob da der Übersetzer seine Sache mehr schlecht als recht gemacht hat, oder ob es sich mal wieder um ein Debut einer Deutschen handelt, das schlecht lektoriert wurde ... denn nicht immer informiere ich mich vor dem Lesen über einen Autor.

Nun, Jenny-Mai sei verziehen: es handelt sich in der Tat um das Erstlingswerk einer 18jährigen deutsch-vietnamesischen Frau aus München. Ihren ersten Roman schrieb sie mit 13, aktuell arbeitet sie an einem neuen Werk, und nebenbei studiert sie Film an der New York University. Nagut, dann seien ihr diese kleinen Fehlerchen mal verziehen ;-)

Ich werde mir Mühe geben, die restlichen Schwachstellen zu ignorieren und die Handlung zu genießen ... auch, wenn es nicht leicht ist, wenn so ein Patzer ins Hirn dringt und eine Schmerzwelle hindurchjagd ... ich werde mir in diesen Momenten einfach vor Augen halten, dass diese Frau etwas geschafft hat, wovon ich schon lange träume ... in einem Alter, das schon seit über einem Jahrzehnt hinter mir liegt ...

SaschaSalamander 17.02.2007, 15.06 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Alt und immer noch gut

christopher_tripods_150.jpgKennt Ihr sie auch noch? Die Tripods, die "Dreibeinigen Herrscher"? Das war DIE Sci-Fi Serie meiner Kindheit ... mächtige Wesen auf drei Beinen, welche die Menschheit beherrschen. Sie pflanzen ihnen "Kappen" auf den Kopf, die ihr Denken steuern und sie Ihnen in Demut unterwerfen. Doch eine kleine Gruppe von Menschen leben im Widerstand gegen diese Monster. Will, Henry und Beanpole befinden sich auf einer langen Reise zu den weißen Bergen, wo sie andere Widerstandskämpfer finden wollen. Und dann gelingt es Will, in die Stadt der Dreibeiner einzudringen und mehr über die unheimlichen Gegner zu erfahren.

Naaaaa, erinnert ihr Euch? Dazu die herrliche spacige Musik, dieser elektronische Soundtrack, das Atmen a la Darth Vader dazwischen, dieses goldene Dreieck der Kappe? Habt ihr als Kinder (oder, falls ihr damals schon etwas älter wart, Eure Kinder) auch so wie ich Angst vor diesen seltsamen Wesen mit dem geheimnisvollen grünen Licht gehabt, wenn sie so durch die Landschaft stapften? Hach, herrlich!

Die TV-Serie der BBC wurde leider nach zwei von drei Büchern des Autoren aus Budget-Gründen abgebrochen und niemals wieder ausgestrahlt seitdem. Vermutlich, weil das Ende des zweiten Buches zu düster und trostlos ist? Lange habe ich danach gesucht, bis ich endlich auf die Serie stieß, und voller Begeisterung habe ich sie mir angesehen. Und endlich kamen auch die Hörbücher 1-3 heraus, also bis zum Ende, welches niemals verfilmt wurde.

Teil 1 und 2 habe ich mir nun angehört, und ich bin begeistert. Die Musik des Filmes, ein großartiger Sprecher (Synchronstimme von Wesley Snipes) trägt Wills Geschichte vor. Ich kann nicht mehr anders als es nahezu am Stück zu hören! Und endlich erfahre ich, wie es weitergeht, ich bin ja SO gespannt! Selten, dass mich ein Buch so fesselt! Teil 3 werde ich heute beginnen, bin total hibbelig!!!

Klaaaar, es ist alt. Na und. Irgendwie kultig ... einfach genial ... ich weiß nicht, ob jemand, der die alte Serie nicht kennt, dem etwas abgewinnen kann, aber ich glaube, das Hörbuch wird auch Erwachsene, die damals zu alt für die Serie waren, und Jugendliche, die während der Ausstrahlung damals noch die Windeln benässt haben dürften, restlos begeistern!

SaschaSalamander 31.01.2007, 11.43 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Eragon der Film

Muss ich die Handlung zu "Eragon" noch einmal erzählen? Ach, nein, ich verweise einfach einmal auf >meine Rezi< zu dem Buch, wo ihr ebenfalls eine kurze Inhaltsangabe des Filmes lesen könnt ;-)

Die Schauspieler zum Teil großartig besetzt, zum Teil eher mau. Edward Speleers als junger Eragon, Jeremy Irons als kauziger Lehrmeister, John Malkovich als bösartiger König. Gut, wirklich allzu aussagekräftig wirkt Speleers nicht auf mich, aber er könnte wohl einige junge Teenie - Mädels in die Kinos locken. Galbatorix und Jeremy Irons allerdings, woooow, die machen vieles wieder wett in diesem Film, herrlich!!! Die Dame Arya ist zierlich, wirkt auf mich allerdings eher gebrechlich. Aber gerade in solchen Urteilen lasse ich lieber jeden Zuschauer selbst entscheiden, denn gerade von den Charakteren hat wohl doch jeder eine eigene Vorstellung. Was allerdings allen Fans des Buches aufstoßen dürfte: weshalb trägt "der Schatten" keine gelben Kontaktlinsen? Das hervorstechende Merkmal sind seine gelben Augen! Und die Urgals wirken doch eher wie tumbe bunt bemalte Krieger denn wie mächtige Kampfmaschinen, und wo sind ihre Hörner? ... nagut. Ein Film eher für jüngere Zuschauer, die dies vielleicht nicht ganz so kritisch sehen, ...

Der Film selbst ... hm, vielleicht sind die Erwartungen der Fantasy-Fans durch den Herrn der Ringe etwas hoch gesteckt, was die Verfilmung eines solchen Werkes anbelangt. Aber es ist bekannt, dass es seltenst möglich ist, so viel komplexen, verworrenen Inhalt in nur zwei Stunden Leinwand zu packen. Und so wurde auch bei Eragon kräftig gekürzt. Leider geschah dies jedoch recht unprofessionell. Manche Änderungen sind erträglich, etwa der verkürzte Anfang mit Saphiras Aufwachsen und Broms Geschichten.

Schade allerdings, wenn der Film dem Zuschauer Brocken vorwirft (etwa die Prophezeiung einer Zigeunerin), diese dann jedoch nicht aufgreift, obwohl dies im Buch der Fall war. Zumal der "Tod eines nahestehenden Menschen" einen sehr wichtigen Part der Geschichte darstellt, nämlich eine von Eragons Triebfedern zur Vernichtung des bösen Königs Galbatorix. Wichtige Figuren wie die Werkatze wurden einfach unter den Teppich gekehrt, und das Erlernen der Magie geschah einfach nebenbei in wenigen Minuten. Selbst ein Zuschauer, der das Buch nicht kennt, wird an manchen Stellen das Gefühl haben, dass große Teile der Handlung fehlen. Viele wichtigen Fakten wurden einfach komplett herausgenommen, die Worte "Elf" oder "Zwerg" kamen in dem Film überhaupt nicht vor! Weshalb Arya mit dem Ei unterwegs war, was nun mit Eragons weiterer Ausbildung geschieht, all das wurde nicht ein einziges Mal erwähnt. Und auch Murtagh, der eine tragende Rolle im Buch spielt, darf gerade einmal kleiner Statist durchs Bild hüpfen, und wo bleiben bitteschön die Zwillinge? Ich bin gespannt, wie der zweite Teil bitteschön umgesetzt werden mag, wenn solch wichtige Details für den Fortgang der Handlung komplett unterschlagen werden?

Eragon in brutal verstümmelter Kurzfassung, das hat dieses Buch eigentlich nicht verdient, ... ich war wirklich enttäuscht von der lieblosen Geschichte des Filmes, ...

Auch Saphira hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Nena als Sprecherin gefiel mir nicht sehr, ihre Stimme zu mädchenhaft, zu schmollend. Denn auch, wenn Saphira ein junger Drache sein mag, so birgt sie jahrhunderte alte Weisheit in sich, und ich hätte mir gewünscht, diese in ihren Worten, ihrer Stimme, ihrer Melodie zu hören, ... so dagegen wirkte die Drachendame eher wie ein schnippisches Girlie auf mich, ...

Was ich allerdings loben muss: die Animationen. Auch, wenn ich gelbe Augen, Hörner, spitze Ohren vermisste, zumindest das Feuerspucken, das Verwandeln von Stein in Eis, das Wüten eines Zaubers, das ist den Machern einigermaßen gelungen. Eragons Ritt durch die Wolken ist sehenswert, und die Bewegungen des mächtigen Drachen wirken doch recht gut, wie ich finde. Und die Landschaften sind stellenweise schon hübsch, der Ritt durch den Himmel ist eine recht hübsche Kamerafahrt, ...

Ansonsten - ich war sehr enttäuscht. Und viele anderen begeisterten Leser waren dies ebenfalls. Der Film hat fast nichts mit dem Buch gemeinsam, die Story wurde seelen- und fantasielos zusammengeschlampt, die bis dato weniger bekannten Schauspieler werden es weiterhin vermutlich auch bleiben, trauriges Ausschlachten eines guten Buches, um auch noch den letzten Tropfen Kommerz herauszupressen. Schade. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man dieses Desaster durch den zweiten Teil retten könnte ...

Wer das Buch kennt, darf ich keine zu großen Hoffnungen machen und sollte den Film lediglich als Lückenfüller bis zum dritten Teil in Printform warten. Wer Eragon noch nicht kennt, wird wohl zwei unterhaltsame Stunden im Kino verbringen und sich hier und da über ein paar nette Effekte freuen, den Film aber schnell wieder vergessen. Einer von vielen ...


SaschaSalamander 12.01.2007, 23.52 | (7/4) Kommentare (RSS) | PL

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