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Blogeinträge (themensortiert)
Thema: Rezensionen Film
Pink Musical
>Pink Film< (Pink Eiga) war mir bis vorhin kein Begriff. Jetzt, nachdem ich ein wenig dazu recherchiert habe, muss ich sagen, dass ich schon einiges davon gesehen habe, klar. Wusste nur nicht, dass es als eigenes Genre zählt. Das Niveau dieser Produktionen unterscheidet sich von "etwas besser" bis hin zu "unterirdisch", und PINK MUSICAL ist wohl eine der sehr lowen Low Budget Versionen.
Aoki ertrank, kehrt als >Kappa< wieder. Er trifft auf Asuka, in die er damals verliebt war. Asuka allerdings liebt ihren Chef, den Besitzer der Fischfabrik, in der sie nun arbeitet, und die beiden werden bald heiraten. Der Todesgott prophezeit, dass Asuka morgen sterben soll, und Aoki will ihr helfen. Mittels einer Analperle, die den Todesgott fernhält und der Geliebten ein langes Leben bescheren soll. Doch Aokis Opfer ist teuer ...
Ähm ... ja ... äh ... es ist strange. SEHR strange. Man sollte ihn entweder ansehen, wenn man sowieso auf SEHR seltsame Filme steht. Oder wenn man in geselliger Runde ein paar Bierchen intus hat. Man sollte sich darauf einstellen, dass es abgefahren ist. Es ist so billig produziert, dass man dem Schauspieler einfach nur eine einfache Latexmaske über Kinn und Mund gezogen hat, ein paar billige Handschuhe drüber, einen komischen Deckel auf den Kopf, einen Schildkrötenrucksack, und fertig ist der Kappa. Man hat gar nicht versucht zu vertuschen, dass es Lowest Budget ist und kokettiert mit den Billigsteffekten.
Die Texte im Original kann ich nicht beurteilen, aber die deutschen Untertitel dazu wirken recht zusammengestopselt und unzusammenhängend, als hätte jemand mal auf die Schnelle gesagt "upps, wir brauchen ja auch noch Texte dafür". Die Choreographie der Tänze ist ... äh, nein, keine Choreographie. Es sieht aus, als hätten die Leute die Anweisung bekommen "beweg Dich möglichst ungelenk und seltsam und tu so, als würdest Du versuchen zu tanzen, und grinse dabei so seltsam wie möglich".
Ich kann nicht zählen, wie oft ich während des Films mit dem Kopf geschüttelt habe und sagte "was für ein Sch***". Aber aufhören konnte ich trotzdem nicht. Denn irgendwie war die Geschichte um den Porno herum (nichts anderes ist Pink: ein Softporno, um den eine mehr oder weniger sinnvolle Handlung gestrickt ist) irgendwie süß. So schlecht gemacht, dass es schon wieder gut war. So schlecht der Film absichtlich gemacht ist, soviel Lebensfreude strahlt er dabei auch wieder aus. Herzlich, naiv, und trotz des "erotischen" (?) Anteils irgendwie unschuldig.
Wir haben so viel gelacht! Es ist einfach nur albern und dämlich. Andererseits - wenn in der Rocky Horror Show ein Außerirdischer vom Planeten Transsexual Transilvanien in Strapsen herumhüpft, mit einem Beam die Leute in tanzende Glamour - Puppen verwandelt, und wenn seine selbsterschaffene Sexkreatur in Windelhöschen panisch durch die Gegend rennt, wenn der Diener mit seinem Buckel zusammen mit seiner Gefährtin den Time Warp tanzt, und wenn jeder mit jedem am Ende hinter dem Vorhang im Bett landet ... ich wage nicht zu behaupten, dass das von besserer Qualität ist. Kult ist es, oh ja, aber ich kann mir vorstellen, dass Pink Muscial das auch werden könnte. Denn um ehrlich zu sein - so schlecht ich die Songs fand, so albern die Texte sind, sosehr gingen sie trotzdem ins Ohr, habe ich trotzdem mit den Füßen mitgewippt und kriege die Melodien jetzt nicht mehr aus dem Hirn. Und bei all der Billigproduktion gab es etwas, das wirklich wunderschön war: die Landschaftsaufnahmen, die Details der Natur. Mmh, wirklich traumhaft und absolut sehenswert.
Dass der Film gut ist, kann ich keinesfalls behaupten. Und ich kann ihn auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Es ist eine sehr kleine Zielgruppe hier in Deutschland, die ihn sich ansehen wird. Aber wer Asiafilme mag, wer auch nichts gegen seltsame Varianten von Sex in gleichwelcher Form hat, wer Schwachsinn zur Kunst erheben kann und wer bereit ist, sich auf eine völlig abgefahrene Erfahrung einzulassen, dem könnte PINK MUSICAL gefallen. Für diese Zielgruppe hat er das Zeug zum ab-so-lu-ten Kult ...
Gut ist er nicht wirklich. Aber unbedingt sehenswert!
Und >hier< der Trailer, um Euch einen kleinen Vorgeschmack auf den Film zu geben ;-)

SaraSalamander 09.05.2012, 08.54 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Sucker Punch
Eine Rezension zu diesem Film wäre für meine Ansprüche zu komplex, da ich ihn komplett zerlegen würde, und schon ohne ihn in alle Einzelteile zu zerlegen, fallen mir ohne groß zu interpretieren und ohne ausgiebige Recherche so viele Dinge auf, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen und wie ich das sortieren soll. Deswegen ist der Film der Form halber hier zwar unter "Rezension" zu finden, aber eigentlich ist es eher ein bunter Gedankenmix, der nicht so ganz sortiert ist ;-)
Zu Beginn fällt es ziemlich schwer, sich in den Film einzufinden. Der Zuschauer bekommt viele bildgewaltige Szenen, jede Menge Musik und nur wenig Text. Doch man sieht, wie der Vater seine Tochter nach einem blutigen Vorfall in eine Nervenheilanstalt bringt. Er verhandelt mit dem Pfleger eine Lobotomie. Doch als er geht, verwandelt sich die Szenerie in eine Art Edelbordell, die Patientinnen sind die Prostitutierten, und die Protagonistin soll in fünf Tagen einem besonders angesehenen Kunden als Jungfrau verkauft werden. Doch das hübsche Mädel hat die Fähigkeit, mit ihrem Tanz die Zuschauer in Hypnose zu versetzen. Anstelle der Tanzszenen sieht der Zuschauer dann das, was das Mädchen sich vorstellt, nämlich wie sie als Kriegerin eine Mission erfüllt, für die sie verschiedene Gegenstände sammeln muss, die ihr den Weg in die Freiheit ebnen. Dabei helfen ihr vier der Mädchen. Die Szenen wechseln zwischen dem Edelbordell und den Kampf (Traum) sequenzen, die mal im Ersten Weltkrieg, mal in der Zukunft, mal im alten Asien, mal in einer Fantasywelt spielen. Doch die Mission ist gefährlich, und nicht alle werden fliehen können ...
Mindfuck erster Güte. Und ich bin hin und her gerissen. Ein Meisterwerk, das ich zehnmal und noch öfter sehen könnte und immer wieder etwas Neues entdecke. Und eine billige - Verzeihung - Wichsphantasie, bei der junge Frauen in etwas breiteren Gürteln (sollen Röcke darstellen), Strapsen mal mit Katanas oder Maschinenpistolen kämpfen. Wie gesagt, unsortiert, ich werde jetzt einfach mal ein paar Gedanken los.
WAS MIR ÜBERHAUPT NICHT GEFIEL:
Der Film war insgesamt einfach Overload. An sich waren einige Dinge nicht schlecht, wurden aber zusehr ausgereizt. Die Bilderflut, die Musik, die Actionszenen. Manchmal ist weniger einfach mehr. Dieser Film wollte alles, was er zeigte, noch etwas mehr zeigen. Bigger, better, American. Gib mir XXL und davon gleich zwei.
Ich hatte ein enormes Problem mit der Hauptprotagonistin. Im Film ist sie 20. Aber man hat sie auf niedlich getrimmt. Mit blonden Zöpfchen an den Seiten. Ihre Kulleraugen so groß wie bei einem Stofftier, die Wimpern extralang. Die Lippen so prall wie Pamelas Melonen (und wenn sie diese öffnet, dann immer perfekt genau so weit, dass jeder Mann nur einen einzigen Gedanken hat, was er da hineinstecken kann). Kaum ein Brustansatz, kein Hintern. Aber ein gürtelbreites Röckchen, darunter Strapse. Und dazu eine Körpersprache wie bei einem Kleinkind. Ihr geneigter Blick, die unsicheren Bewegungen, die nach innen gedrehten Beinchen. Da fehlte noch das Kindergartentäschchen an dem langen Arm mit ausgestreckten Händchen. Ich kriege die Krise, wenn ich so etwas sehe, und in mir brüllt alles ganz laut P**philie! Wenn irgendeines der Mädels zu einem der Freier hätte "Daddy" sagen müssen, hätte ich vermutlich den Film ausgeschalten. Mit sowas habe ich ein ganz massives Problem, auch wenn ich da vielleicht überreagiere. Aber das Mädel - sie wurde auch noch Baby Doll genannt - hat mich wirklich aufs Äußerste strapaziert.
An sich habe ich nichts gegen sexy Heldinnen. Oder sexy Helden. Egal, es darf ruhig was fürs Auge geben. Wenn es aber SO sexy ist, dass ich das Gefühl habe, der Film ist nur eine Tarnung für einen Pseudoporno, dann fühle ich mich als Zuschauer betrogen. Ja, ich weiß, 3 Engel für Charlie sind auch sexy. Und Kill Bill ist auch sexy. Und und und. Aber hier war wirklich absolute Overdose. Noch dazu diese Überdosis Zuckergus. Überdosis Schminke. Ja, es war ein Stilmittel, und es hat den Film auf seine Weise genial gemacht, es war überzeichnet, zumal es ja schließlich eine Fantasiewelt war, der Traum innerhalb des Traumes. Trotzdem war mir das einfach zuviel.
Und dann die Dialoge! Auaaaa! Manchmal habe ich nicht nur innerlich aufgestöhnt, sondern auch real ein lautes ARGH von mir gegeben. Nein, viel Liebe steckt nicht in den Dialogen. Aber wer braucht schon Dialoge, wenn er bei den Kampfszenen ausreichend Blick auf die Höschen bekommt. Wozu soll ihr Mund Worte von sich geben, wenn man ihn doch so gut für andere Dinge verwenden könnte. Wer braucht schon intelligente Sätze, wenn der unschuldige Kindergartenblick doch für alles entschuldigt (auch für das fehlende Gehirn. Am Ende fragte ich mich, wozu man jemanden dann auch noch lobotomisieren muss, wo doch eh schon nichts da ist?)
WAS MIR GEFIEL
Ich fand es einen großartigen Mindfuck. Es dauerte ein wenig, bis man begriff, was hier gespielt wird und warum. Erst die Nervenheilanstalt, dann das Bordell, und dann auf einmal Erster Weltkrieg? Aah, und dann wurde es klar. Es war genial gemacht, wie die drei Welten ineinandergriffen und das Geschehen in der einen Welt als Metapher für ein Ereignis der anderen Welt anzusehen war. Ein Film auf drei Ebenen, wirklich prima umgesetzt! Das Ende war entsprechend abzusehen und passte hervorragend zum Film, rundete ihn perfekt ab.
Der wilde Genremix ohne Rücksicht auf irgendeine Schublade war auch genial. Das muss man mal schaffen, Orks, Drachen, Maschinengewehre, den Ersten Weltkrieg, einen asiatischen Tempel, Samuraikrieger, Cyborgs, eine Nervenheilanstalt der Jahrhundertwende und die Roaring 20s unter einen Hut zu kriegen. Dazu auch kein spezifischer Kampfstil. Mal wurde mit Messern gekämpft, mal mit Schusswaffen, Schwertern, Bomben oder purer Wendigkeit. Der Film war Drama, Fantasy, Erotik, Action, Scifi, Historisch. Es schien ein Mix aus Inception, Shutter Island, Einer flog übers Kuckucksnest, PowerPuffGirls, Alice im Wunderland, House of Flying Daggers, Herr der Ringe, Dungeons and Dragons, Kill Bill, Moulin Rouge, Cabaret und einigen Mangas aus Martial Arts, Magical Girl und Mecha.
Auch der Stil lässt sich nicht festlegen. Es ist bonbonbunt und zuckersüß, so niedlich dass man Karies kriegt. Und auf der anderen Seite gibt es Charaktere, die richtig eklig, schmierig und hässlich sind. Eben alles stark überzeichnet. Da sind allerliebste Niedlichkeiten mitten in einer Bastion der Widerwärtigkeit. Als würde man die Powerpuff-Girls in ein dunkles Kellerverlies sperren, wo sie sich den Weg vom untersten Verlies hinaus in die Freiheit ermetzeln müssen, vorbei an Drachen, Vergewaltigern und Soldatenzombies. Und die niedlichen Girls kennen kein Pardon, einfach mal eine Kehle aufzuschlitzen und mit der Hand mitten ins Gekröse zu greifen. Und dann schnell noch mal ein Blick aufs Höschen und die großen Kulleraugen. Heureka, Mission geschafft, auf zur nächsten Qest!
Als Anime- und Mangafan gefällt mir dieser Mix natürlich auch. Kampfroboter / Mechas. Dann die Art des Mindfuck an sich sowie die Darstellung der Mädels. Solche Kampfmädels hat man in Animes oft. Wobei ich ehrlich sagen muss, dass ich sie gezeichnet irgendwie besser finde als in real. Als Zeichnung kann ich mit dem "sieht recht jung aus" gut leben, real fällt mir das schwerer. Trotzdem, sehr viele animetypische Elemente. Wäre SUCKER PUNCH ein 20bändiger Manga, hätte ich vermutlich alle Bände im Regal stehen. Als Film sehe ich das etwas skeptischer. Aber es wirkt tatsächlich, als hätte man eine entsprechende Vorlage verfilmt.
Die Bilder waren mir stellenweise zuviel, manche Kamerafahrten zu hektisch. ABER es gab einzigartige Momente, die alles wettmachen. Allein eine Szene, in der die Mädchen vor einem Spiegel sitzen. Die Kamera dreht und fährt in den Spiegel hinein, man sieht hinter dem Spiegel durch den Spiegel hindurch auf die Mädchen davor, die Kamera fährt zurück, und man sieht, dass die Mädchen hinter dem Spiegel zu sitzen scheinen und das, was man für die Mädchen vor dem Spiegel hielt nur das Spiegelbild ist. Ein WTF - Gefühl allererster Güte, eine Darstellung zweier gleichzeitiger Parallelwelten, und allein diese eine Szene hat den Film absolut grandios gemacht. Oder eine Kamerafahrt auf einen Zeppelin hin, dann auf den Zeppelin hinauf, um ihn herum und daran herunter, als wäre man der Wind selbst, der die Plane des Luftschiffes streichelt.
FAZIT:
Der Film ist unglaublich unkonventionell. Und mir fällt kaum ein Vergleich ein. Meiner Ansicht nach setzt SUCKER PUNCH neue Maßstäbe in vielerlei Hinsicht, und man muss ihn einfach gesehen haben. Der Film verdient eine ganz besondere Würdigung. Aber bei den Dialogen sollte man einfach weghören, sie sind eh nicht handlungsrelevant, die Handlung erschließt sich allein aus den Bildern. Bei der Musik muss man, wenn man wie ich empfindlich ist, einfach gelegentlich mal den Ton ausschalten oder sehr viel leiser drehen, auch der schönste Song kann irgendwann zu laut und lästig werden. Und was die Kindergartenoptik der Protagonistin betrifft, da muss jeder für sich selbst entscheiden, immerhin ist BabyDoll ja bereits 20.
Es ist ein Film, bei dem man enorm viel mitdenken muss, um ihn zu begreifen. Und bei dem man in anderer Hinsicht das Hirn komplett ausschalten muss, weil man sonst ständig schmerzerfüllt aufstöhnt. Absolut ungewöhnlich. Ich denke, ich finde ihn zu 70 Prozent ein Meisterwerk. Und die restlichen 30 Prozent werfe ich in die Schrottpresse.


SaraSalamander 10.03.2012, 20.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Shortbus
INHALTEine klassische Handlung im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Protagonistin ist die Paartherapeutin Sofia, die selbst noch niemals einen Orgasmus erlebt hat. Im Club "Shortbus" trifft sie auf weitere Hauptcharaktere. Etwa ein schwules Paar, von denen einer polygam ist und der andere Suizidgedanken hegt. Eine Domina auf der Suche nach Heim und Herd. Der trannssexuelle Leiter des Clubs. Ein Voyeur, der dem schwulen Pärchen gegenüber wohnt. Und einige weiteren interessanten Personen, die man im Laufe des Filmes kennenlernt. Sie treffen sich im Club, tauschen sich über ihre Erfahrungen beim Orgasmus und während des Sex aus, leben ihre Lust und tragen ihr inneres Leid täglich mit sich. Es geht weniger um die Handlung, auch nicht um den (ausgiebig gezeigten) Sex, vielmehr um die Charaktere, ihre Wünsche und Sehnsüchte. Und die Darstellung von Sexualität als etwas Alltäglichem.
CHARAKTERE
Die Protagonisten sind sympathisch, skurrill und ungewöhnlich. Das Ungewöhnliche daran ist, dass sie auf ihre Weise absolut normal sind. Sie sehen normal aus, der Film wurde "normal" gedreht, so als hätte man beliebige sexuell aufgeschlossene Personen von der Straße genommen, um einen Film zu drehen. Das gefällt mir, da es keine Superheroes, aber auch keine klassischen Antihelden sind. Sondern ganz normale Menschen. Es bleibt für den Zuschauer sehr viel Raum zur freien Interpretation. Wir haben während des Filmes viel diskutiert, auch kurz pausiert, um mögliche Bedeutungen einzelner Szenen zu hinterfragen. Die Vergangenheit, die Motive, die tatsächlichen Gefühle und Gedanken bleiben dem Zuschauer fern. Es wird zwar über Sex geredet, doch die wahren Gefühle dahinter sind vor der Kamera verborgen. Sehr viel Handlung ergibt sich aus Kameraführung, Blicken, Gesichtern und schweigend vollführten Aktionen.
SEXUALITÄT
Hier wird sehr offen und freizügig alles gezeigt. Dass der Film ab 18 sein muss, ist unbestritten. Man sieht deutlich Geschlechtsteile, bereits zu Beginn des Films werden die Protagonisten in sehr expliziten Szenen gezeigt, sowohl alleine als auch zu mehreren. Hierbei wird bereits klar, dass es weniger um den Sex als solchen geht, als vielmehr um die kunstvoll inszenierte szenische Darstellung durch die Filmemacher. Musik, Bild, Schnitt, alles geht Hand in Hand und vermittelt ein sehr geschmackvolles Bild.
Wer es gerne "normal" möchte, wird den Film schnell ausschalten. Es gab nicht eine "normale" Szene in diesem Film (bis auf ein Paar zu Beginn, und selbst hier waren die Positionen sehr kreativ und sportlich). Hier gibt es Homosexuelle, Transsexuelle, Gewerbliche. Senioren und Jungspunde. Menschen, die es liebend und innig wollen, andere die Schmerz und Demütigung wollen. Paare in geschlossenen Beziehungen ebenso wie polyamouröse Bindungen. Und alle streben sie nur nach einem: zu sich selbst zu finden und Zufriedenheit zu erfahren, jeder auf seine Weise. Nichts davon wird pervertiert oder abgewertet, alles hat seine Berechtigung, der Film zeigt eine pralle Vielfalt, ohne dabei anrüchig zu werden.
Erstaunlich ist, dass der Film eindeutig dem Genre Porno zugeordnet werden müsste, weil sehr deutlich alles gezeigt wird, sogar die Vereinigung von Geschlechtsteilen sowie genitale Nahaufnahmen. Trotzdem ist er weder erregend noch empfunden pornographisch, weil in diesem Fall die Darstellung nicht dem sexuellen Kontext dient sondern allein dem Aufzeigen der Geschichte, die ohne große Worte auskommt und sich dafür sehr intensiver Bilder bedient. Auch ist die Handlung nicht geschönt oder wie in Pornos üblich bis ins Unrealistische übersteigert, sondern sehr realitätsnah gehalten. Etwa der Dreier, bei dem die Männer anfangen mitten während des Sex herumzualbern und am Ende lachend beisammenliegen. Die hilflosen Versuche, durch eigenhändige Stimulation einen Orgasmus zu erlangen und doch immer wieder zu versagen. Das schnöde Abreagieren, die leidenschaftliche Lust, alles findet einen Platz in diesem Film, solange es realistisch bleibt und keine Hochglanz-Kopfkinos bedienen soll.
AUSSAGE
In diesen Film darf jeder hineininterpretieren, was er möchte. Der eine wird sich an den kreativen Bildern erfreuen, vielleicht sogar erregen (auch wenn das sicher nicht die Intention des Filmes ist). Andere mögen sich mit einer der Protagonisten identifizieren, sich auf diese Weise verstanden fühlen, mitleiden. Ein anderer freut sich über das lockere Ambiente des Clubs, die Freizügigkeit der Charaktere untereinander. Andere mögen sich animiert sehen, über Sinn, Unsinn und Relevanz von Sexualität zu philosophieren. Was der Film vor allem zeigen möchte: Sexualität alleine macht nicht glücklich. Aber sie ist ein wichtiger Teil unseres Lebens. Jeder darf leben und lieben, wie er das möchte, muss seinen eigenen Weg dafür finden.
FAZIT
SHORTBUS ist ein zutiefst menschlicher und bewegender Film, der in der Darstellung von unterschiedlichen Sexualpräferenzen kein Blatt "vor die Linse" nimmt. Angesiedelt zwischen Tragikomödie, Erotik und Charakterstudie ist dieser Film ein kleines Meisterwerk des Independent. Ein Film zum Lachen, Weinen und Nachdenken ...
SaraSalamander 09.01.2012, 09.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Ronal der Barbar
Ferienzeit ist Kinozeit, und der Film, den wir gesehen haben, ist einfach irre. Ein dänischer Kinofilm, ein Geheimtip, über den ich eher zufällig gestolpert bin. Und ich werde in der Rezension jetzt kein Blatt vor den Mund nehmen. Denn der Film ist zwar ab 12, aber es gibt eine Menge Bilder und Texte, deren Label in der Altersfreigabe eine rote 18 verdient hätte. Ich werde jetzt in der Rezi so richtig "die Sau rauslassen", aber wenn nicht für RONAL, dann nirgends ... (und Google wird es mir danken *lol*)HANDLUNG
Der mächtige Kron wurde besiegt, sieben Tage blutete er (hier wird eine gewaltige Blutfontäne im Bild eingeblendet), und von seinem Blut tranken die mächtigen Krieger und Nachkommen, wurden stärker und mächtiger. Niemand wagt sie anzugreifen, sie sind stark und unbesiegbar. Nur der kleine Ronal hat nichts mehr von dem Blut abbekommen, ist schwächlich und will gar nicht kämpfen.
Doch eines Tages kommen Feinde ins Dorf in Anabolien und überfallen die Barbaren, verschleppen alle bis auf Ronal. Nun ist es an ihm, den Feind zu besiegen und sein Volk zu erretten. Dabei stehen ihm ein lüsterner Barde, ein garantiert schwuler Elf und eine kampfeslustige Schildmaid zur Seite. Ein Dreamteam!
GRAFIK
Die Grafik ist jetzt nicht berauschend. Es ist 3D, das ist toll, und die Landschaft ist super. Die Figuren selbst sind aber extrem überzeichnet. Normalerweise würde mich das in einem Animationsfilm stören. Hier allerding ist es egal und sogar genial. Die Leute MÜSSEN überzeichnet sein. Der bierbäuchige Barde Alibert erinnert an Jack Black (Tenacious D), die mächtigen Barbaren bestehen nur aus Muskeln und selbstgefälligem Grinsen, der hühnerbrüstige Ronal scheint aus Gummi zu bestehen und schwankt beim Gehen nur so hin und her. Die Frauen haben Brüste so mächtig wie die Muskeln der Männer, und mit diesen Brüsten knacken sie - nein, keine Kokosnüsse, sondern Totenschädel. Die Körper triefen vor Öl, und das Testosteron sieht man in jedem Pixel. Nein, "hübsche" Bilder hätten nicht gepasst, dieser Film muss so sein, wie er ist! Und dass die Macher können, wenn sie wollen, sieht man an den genialen Effekten während der Kämpfe sowie bei den imposanten Landschaften, 3D hat sich gelohnt.
MUSIK
Passend zum 80er Jahre Look von Metal, Balls und Babes gibt es auch die Musik: der Trailer spielt "Final Countdown", gesungen von Totenschädeln. Und das Ending erinnert absichtlich an "Bohemian Rhapsody" von Queen (unbedingt bis zum Ende gucken!). Während des Films gibt es einzelne Momente, die besonders hervorgehoben werden, z.B. im richtigen Moment (auaaaa, ich mag nicht dran denken) der Nussknacker von Tschaikowsky. Ansonsten tritt die Musik eher in den Hintergrund, stört nicht und verleiht dem Film die passende Atmosphäre.
HUMOR
ABGEFAHREN! Kranke Scheiße! Absolut daneben. Politisch unkorrekt, zotig, dämlich, obszön und vulgär. Ich habe eineinhalb Stunden nur gelacht, morgen werde ich vermutlich Muskelkater im Zwerchfell haben. Zugegeben, die Witze sind billig, aber das macht nichts, denn sie sind gnadenlos direkt. Da wird nicht um den heißen Brei geredet. Und das werde ich jetzt auch nicht tun: Muschi-Uschi, Pussy, "mit Dir hat man soviel Spaß wie mit einer Pilzinfektion", "Dein Ledertanga macht mich an, wo er die Backen trennt, da will ich ran", "ich mag Leder auf der Haut, weils im Schritt das Blut schön staut". Wenn gekämpft wird, dann werden Geschlechtsteile malträtiert, werden Nippel gezwirbelt, abgehackte Arme in den Mund gestopft.
Der sexuelle Aspekt ist gewaltig. Die Figuren tragen Lederharness, Nippelklemmen, treiben die Sklaven mit Gerten und Peitschen an (aber nicht "normal" sondern eben entsprechend), es gibt Ketten, Pranger, Ballknebel, sexgeile Amazonen, wollüstige Krieger.
Man sollte den Film auf jeden Fall ohne Nebenbeschäftigung ansehen. Sich dabei unterhalten oder etwas essen geht nicht, man muss sich Zeit nehmen, sich hinsetzen und dann am besten gemeinsam ansehen. Jedes Bild, jeder Satz. Und sobald man lacht, verpasst man schon den nächsten Witz. Diesen Film muss man mehrfach sehen, es sind einfach zu viele Witze und Anspielungen, als dass man alles beim ersten Mal entdecken könnte. Mir fällt kein Film ein, mit dem man RONAL DER BARBAR vergleichen könnte außer vielleicht RITTER DER KOKOSNUSS auf Speed.
ANSPIELUNGEN
Anspielungen gibt es enorm viele. Logisch, der Film parodiert ja auf unglaublich geniale Weise den Kult der 80er Jahre. Discomusik, Metal-Musik, Muskelmänner, heiße Babes in wallenden Lockenmähnen und Ledertangas. Und auch sonst kann man unendlich viel entdecken, wenn man genau hinsieht. Eine Szene, die stark an den Terminator erinnert. Elemente der Edda, den Nibelungen, aus dem Herrn der Ringe, der Dungeon-Keeper, Conan, Star Wars und Krull. Quer durch alle Mythologien und Genre wird alles aufs Korn genommen. Ja, RONAL DER BARBAR ist dämlich. Aber das ist pure Absicht, und wenn den Film jemand als billig, platt oder niveaulos bezeichnet, hat er absolut recht, und genau das war auch die Absicht des Filmes, denn nur so kann man all das verballhornen, was damals zum Kult erhoben wurde.
JUGENDFREIGABE
Der Film ist ab 12 Jahre. Äh, und wie deckt sich das mit den ganzen Sachen, die ich eben geschrieben habe?!? Ganz einfach: all die Anspielungen muss man erkennen. Für Kinder ist es ein normaler Sklaventreiber, den gab es schon bei Moses im alten Ägypten. Erwachsene sehen aber den Lederharnisch, die Gerte, den roten Hintern, dass der Metallbehang nicht am Leder sondern an den Nippeln befestigt ist und wissen "holla" (liegt an der dreckigen Phantasie von uns Erwachsenen, Kinder sind so herrlich unschuldig). Kinder hören "Muschi-Uschi" und finden es ein lustiges Wortspiel mit Kätzchen, Erwachsene sehen darin eine sexistische Bezeichnung. Was wir Erwachsenen hineininterpretieren, ist für Kinder stellenweise nicht sichtbar oder aber einfach nur witzig ohne Hintergedanke.
Die Figuren sind niedlich dargestellt, man muss sie einfach gernhaben, sie sind zum Knuddeln, es kommt eine spannende Handlung in Gang. Erwachsene werden vor allem auf die Sprüche achten, Kinder eher die Handlung sehen. Und die ist ein spannendes Märchen: mächtiges Volk, Gegner kommt, kleiner gewiefter Held muss alle retten und findet am Ende die Liebe seines Lebens. Hat zwischendurch etwas von Asterix. Und den würde man trotz der vielen Gewalt, ausgeschlagenen Zähne und niedergeknüppelten Feinde nicht ab 18 setzen ;-)
Allerdings finde ich, dass Eltern sich den Film vorher ansehen und selbst entscheiden sollten, ob und was sie ihre Kids ansehen lassen. Denn RONAL DER BARBAR ist alles andere als züchtig und brav. Ich selbst hätte den Film auf 16 gestuft, denn auch wenn man (bis auf eine witzige Szene) keine Geschlechtsteile sieht, und auch wenn die Gewalt unrealistisch überzogen dargestellt ist, ist der Humor einfach zu erwachsen für 12jährige. Hätte ich Kinder würde ich nicht wollen, dass diese eine eineinhalbstündige Ladung geballter Schimpfwörter und Sexkapaden auf dem Silbertablett präsentiert bekommt.
PROBLEM DES FILMS
Der Film ist ein Geheimtip. Die Rezensionen, die ich im Netz gefunden habe, sind eher durchwachsen bis negativ. Ich denke, das liegt daran, dass die Zielgruppe ziemlich dünn ist. Es sollte schon eine Mischung aus verschiedenen Interessen sein. Heavy Metal, freizügiger Sex, klassisches Fantasy mit Elfen und Barden, Computer-Rollenspiel, Mittelalter, Mythologie. Eine bunte Mischung aus all dem sollte man schon mitbringen, wenn man sich für diesen Film interessiert. Und mal sollte bereit sein, einfach mal das Hirn auszuschalten und einfach nur Spaß zu haben, ohne ständig nach dem Sinn zu fragen. Alle anderen werden den Humor vermutlich langweilig finden, die Zoten zu vulgär, die Bilder überladen. Das Publikum für RONAL DER BARBAR ist einfach zu speziell um im Kino ein Massenerfolg zu werden ...
der Humor mutet sehr flach an, auch den Humor sollte man verstehen und hinter die Fassade blicken, die Ironie dahinter erkennen und die Anspielungen begreifen. Der Film ist trotz seiner zotigen Witze sehr hintergründig und schafft es hervorragend, das Genre zu persiflieren. Etwa allein die Anfangsszene: vordergründig überspitzte Gewalt und alberne Zeichnungen. Doch bei genauerer Betrachtung werden allein in dieser knappen Minute Elemente der Edda, der Nibelungen, des heiligen Grals, der Bibel und der alten Heldenepen herausgegriffen. Aber dafür sollte man schon sehr genau hinsehen ;-)
FAZIT
Ein absolut abgefahrenes Filmabenteuer für alle Goths, Metaller, Rollenspieler, Freaks, RüpelRocker, Lederluder, Tangatiger und alle, die es politisch unkorrekt lieben. Intelligenz? Niveau? Egal, RONALD ist unterhaltsam und zum Brüllen komisch. ABSOLUTER TIP!!!
SaraSalamander 06.01.2012, 09.12 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Tante Daniele
Tante Daniele ist eine alte, verhärmte Frau. Bitterböse, sieht in allem nur das Schlechte. Und wenn sie kein Haar in der Suppe findet, schüttelt sie solange den Kopf, bis eines hineinfällt. Nachdem ihre liebenswerte Haushälterin auf tragische Weise ums Leben kommt (Danielle piekst ihr mit dem Gehstock einmal kurz in die Seite und schimpft, wie töricht dieses Weib doch war, auf solch dumme Weise zu verunfallen), kommt sie zu ihrem Neffen nach Paris. Dort macht sie es sich gemütlich und versprüht eine Bösartigkeit nach der anderen. Bis die Familie in Urlaub fährt und eine Altenpflegerin ins Haus holt. Und die weißt der alten Dame endlich Kontra zu geben!CHARAKTERE
Die Filmcharaktere sind sehr gut ausgebaut. Schon von der ersten Minute an hasst man Daniele, verachtet sie, und trotzdem muss man lachen, auch wenn das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt. Soviel Bösartigkeit in einer Person! Die Familie dagegen ist herzensgut, sie geben sich alle Mühe, Daniele das Leben angenehm zu machen, sie sind freundlich und aufgeschlossen, Kategorie "viel zu gut für diese Welt", und umso mehr leidet man mit ihnen. Es ist eine normale, unperfekte aber lebenswerte Familie: der treu sorgende Vater, eine berufstätige und trotzdem voll im Haushalt integrierte Mutter, ein schwuler Sohn sowie sein kleiner niedlicher Bruder. Jeder ist eine eigene Person, erhält eine eigene kleine Geschichte.
AUFBAU, ERZÄHLWEISE
Der Film beginnt langsam, und er steigert sich auch nicht. Es gibt keine Actionmomente, keine Spannung, sondern es ist eine gleichmäßige, ruhige Erzählung, viele kleine Episoden der seelischen Grausamkeit, die Tante Daniele ihren Familienmitgliedern beschert. Mal sieht man die Familie beim Abendessen, mal ist sie mit dem Kleinen im Park, ein andermal präpariert sie ihr Bett, spricht mit ihrem verstorbenen Edouard, und mit jeder Szene wird eine weitere Boshaftigkeit offenbar. Doch auch ohne Action gibt es einen Showdown, als die Alte über die Stränge schlägt und eine Orgie der Vernichtung inszeniert.
DER REIZ DES FILMS
Kaum Action, viele Bösartigkeiten. Warum sieht man sich das an? Ich habe mit den Figuren gelitten, es tat mir stellenweise in der Seele weh. Und doch ist der Film genial. Auch, wenn die Handlung keine Spannung im klassischen Sinne bietet, ist der Film hochspannend, wie ich finde. Man fragt sich, was sie als nächstes plant. Wenn sie etwas Freundliches tut - tut sie es aus Eigennutz, hat sie etwas geplant oder kann sie tatsächlich nett sein, wenn man nur die richtige Saite in ihr zum Schwingen bringt? Was treibt Daniele an, warum tut sie all dies? Wie wird die Familie damit umgehen? Wie weit wird sie gehen dürfen, bevor man ihr Grenzen setzt? Und was geschieht, wenn man ihr nun entgegentritt, wie geht sie mit einer Niederlage um? Jede Szene wirft neue Fragen auf, und selten habe ich so gebannt einen Film gesehen!
FAZIT
TANTE DANIELE ist kein Film für einen knallbunten Popcornabend. Dafür aber hervorragende Unterhaltung auf hohem Niveau mit anspruchsvollen Bildern, angenehmer Musik und einer intelligenten Handlung. Ein Film zum Mitleiden (zu Beginn) und voller Schadenfreude (gegen Ende). Ein kostbares kleines Meisterwerk!
SaraSalamander 05.01.2012, 13.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL
The Unsaid
Weil ich heute grad nix Aktuelles habe, mal eine Rezi, die ich Ende 2005 geschrieben habe. Normalerweise habe ich ein sehr gutes Gedächtnis für genossene Bücher und Filme, in diesem Fall kann ich mich an garnix mehr erinnern. Ist leider kein sehr gutes Zeichen, wenn man einen Film so schnell vergisst ... obwohl die Rezi recht begeistert klang *staun***********************
Michael Hunter ist Psychologe. Nach dem Selbstmord seines Sohnes Kyle schreibt er Fachbücher und hält Seminare, nimmt jedoch keine Patienten mehr an. Eine ehemalige Studentin bittet ihn um Mithilfe in einem besonders kniffligen Fall: der fast 18jährige Tommy lebt in einem Jugendheim, seit er den Mord an seiner Mutter durch seinen Vater mitansah. Sobald er 18 ist, kann er aus dem Heim entlassen werden, falls Dr. Hunter dem zustimmt. Der Junge erinnert ihn an seinen eigenen Sohn, und Tommy weiß die Situation zu seinem Vorteil zu nutzen.
So weit, so bekannt. Psychologen, die sich nach dem Tod eines Verwandten aus dem Berufsleben zurückziehen und dabei ebenso mit ihrer eigenen Vergangenheit wie dem neuen Klienten zu kämpfen haben, sind beliebte Hauptcharaktere. Gegen Ende wird es spannend, sobald sich zeigt, dass entweder der Klient oder sein Psychologe eine potentielle Gefahr darstellen. Showdown, Rettung in letzter Sekunde, zufriedene Gesichter.
Das Thema ist nichts wirklich Neues. Was in solchen Fällen zählt, ist also die Umsetzung. Der Film ist recht ruhig erzählt, ohne Effekthascherei oder aufgesetzte Dramatik. Die Geschichte selbst ist sehr gut durchdacht und vom ersten bis zum letzten Moment nachvollziehbar. Was mir besonders gefiel: es scheint seit einigen Jahren Mode, dass Thriller blutig sein müssen oder Mysery-Elemente beinhalten. "The Unsaid" dagegen kommt alleine mit den Vermutungen über das, was hinter der freundlichen Fassade des Jungen lauern mag, aus, und das hat weder mit Toten, noch mit unsichtbaren Geistern oder sonstigen Wesen zu tun.
Schade allerdings, dass der Film in manchen der Andeutungen zu deutlich war. Auch, wenn das Ende an sich wirklich äußerst ungewöhnlich war, konnte man vom ersten Moment an die Richtung erahnen und die Handlung jeweils um einiges voraussagen. Es wurden leider sehr viele Klischees eingebaut, wodurch der Anspruch um einiges sinkt. Mit nur geringen Veränderungen hätte dieser Film ein großartiges Werk sein können, so jedoch bleibt es beim interessanten Filmabend.
SaraSalamander 04.01.2012, 10.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Wer früher stirbt ist länger tot
Inzwischen finde ich hier und da ein paar Minuten zum Lesen, fürs Rezensieren fehlt mir aber noch die Zeit. Die nächsten Tage wird es etwas ruhiger, und ich kann es kaum erwarten, Euch meine aktuellen Titel vorzustellen. Aber bis dahin noch ein bisschen Knabbern am Vorrat. Diesen Film habe ich zweimal gesehen, und ich werde ihn wohl bald ein drittes Mal sehen, ich kann einfach nicht genug davon kriegen. Sobald die DVDs da sind, möchte ich mir ALMANYA - WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND und SUMMER IN ORANGE holen von den gleichen Machern!*************************
Auf die Gefahr hin, mich zum unzähligsten Male zu wiederholen: deutsche Filme liegen mir nicht. Aber ich bin nicht prinzipiell dagegen. Es gibt manchmal ein paar Glanzlichter, die mir ausgesprochen gut gefallen und sogar zu meinen Favoriten zählen. Und schon wenige Minuten nach Beginn war klar, DIESER Film würde auf jeden Fall dazugehören!
Der 11jährige Sebastian ist ein echter bayerischer Lausbub. Während eines Streits wirft sein älterer Bruder ihm vor, die Schuld am Tod seiner Mutter zu tragen, die bei seiner Geburt verstarb. Und wer Schuld auf sich läd, der wird nach seinem Tod im Fegefeuer büßen. Sebastian hat nun Angst, denn abgesehen von dem Tod seiner Mutter hat er viele weitere Dinge angestellt. Etwa die Hasen des Bruders getötet, möglicherweise den Tod von Evis Oma verursacht, er hat einem Gast in der Wirtschaft ins Essen gespuckt und viele bösen Dinge mehr. Der Junge sieht nur eine Möglichkeit, wie er dem Fegefeuer entgehen kann: er muss unsterblich werden! Und wenn das nicht klappt, dann muss er wenigstens seine Schuld bereinigen, indem er seinem Vater eine neue Frau sucht.
Ein wunderbarer Film! Vordergründig mag er aus vermeintlich platten Witzen bestehen: ein Junge baut jede Menge Unsinn, alles geht schief, und der Humor ist ziemlich derb. Wenn man jedoch zwischen den Zeilen liest, ist es ein sehr vielschichtiger Film, der auf ungewöhnliche Weise die Ängste eines Jungen aufzeigt. Geprägt von einer streng katholischen Erziehung, versucht er seine Seele reinzuwaschen. Er möchte Gutes tun, und je edler sein Ansinnen, desto schlimmer das Ergebnis. Es gibt auch keinen Erwachsenen, dem er sich anvertrauen kann, sodass er nach außen hin kindlich-naive Fragen stellt und eben die Antworten auf allein diese Fragen erhält, niemals jedoch für sein eigentliches Problem. Auf die Frage, wie man unsterblich wird, erfährt er also von Vampiren in Transsylvanien, von den sieben Leben einer Katze, von der Fortpflanzung zwischen Mann und Frau, von legendärer Musik. Doch seine Versuche als Casanova, Vampirfreund, Katzenlebentester, Rockmusiker sind leider zum Scheitern verurteilt, denn woher soll er die Gitarre nehmen, wie soll er nach Transsylvanien kommen, etc?
Ich habe den Film gebannt gesehen, ständig die Hand vor dem Mund. Sei es, um erschreckte Aufschreie zu unterdrücken, die sich anbahnten, sobald ich eine schlimme Situation kommen sah, etwa wenn er der Lehrerin eine wichtige Frage ins Ohr flüstern wollte oder bei laufendem Radiosender seinen Gruß formulierte. Und doch endete es alles in einem Lachen, teils erleichtert, teils um sich irgendwie Luft zu machen. Ein wenig erinnerte es mich an Michel von Lönneberga, wo ich zwar auch ständig lachen musste aber das Kind im Grunde doch von den Erwachsenen verkannt wurde in vielen Situationen.
Allein schon der Beginn! Nein, kein Spoiler, es sind gerade einmal die ersten zwei Minuten des Filmes: der Junge fährt wild mit dem Rad durch das Dorf, man sieht einen Laster heranfahren, es ist klar, was passieren wird, man mag gar nicht hinsehen. Ein metallisches Scheppern, ich saß da mit geweiteten Augen, fassungslos. Szenenschnitt, das Fahrrad eingekeilt unter dem Laster, der Fahrer guckt irritiert und fährt weiter, der Junge wie tot auf der Straße. Nächste Szene, der Junge steht auf, "Glück gehabt" sagt er, und dann geht er zu dem geparkten LKW (dessen Fahrer ein Kumpel seines Vaters ist und den Laster vor seinem Haus parkte), versucht sein Rad herauszuholen, es klappt nicht. Schnitt, ein Scheppern, der Laster landet im Hasenstall, der Junge wollte doch nur sein Fahrrad hervorholen und dafür den LKW ein wenig vorrollen. Man möchte schreien, dass der Junge überlebt hat und sie ihn gefälligst in den Arm nehmen sollen, aber es hatte ja niemand den Unfall bemerkt, statt dessen Vorwürfe für die toten Hasen. Und der Junge schweigt, denn er ist ja schließlich schuld an den toten Hasen und hätte nicht ans Steuer des LKW gedurft.
Skurill, absurd, absolut schwarzer Humor. Und einige Szenen sehr unwirklich, eben Traumsequenzen, entsprungen der seltsamen Phantasie des 11jährigen Jungen, welcher sich vor dem Fegefeuer fürchtet. Die Träume erinnern an Hyronimus Bosch, und man muss schon einen Sinn für schräge Komik haben, gebe ich zu. Wenn man den Film nur nebenbei sieht, entgehen einem die vielen Kleinigkeiten, die ihn aus der Masse der schwarzen Komödien hervorheben.
Auch die Kameraführung ist genial! Normalerweise fällt mir so etwas wie Schnitt und Kameraführung gar nicht auf, ich bin ein Filmbanause. Aber in diesem Fall ist es auffällig und so genial, dass sogar ich es bemerke. Es werden beispielsweise zwei, einmal sogar drei Szenen miteinander verknüpft, immer wieder hin- und hergesprungen zwischen drei Parteien, alle unterhalten sich bzw agieren, jeder für sich und doch zeitgleich zusammen. Auch die Kameraführung, die Bilder. Die Bilder sind ein Genuss: die Landschaft, die Gesichter, die Drehorte.
Es stimmt einfach alles. Sogar die Musik. Sie fällt nicht störend auf, sie drängt sich auch nicht brachial in den Vordergrund. Lautstärke und Musik sind perfekt abgestimmt (passiert selten in Filmen, normalerweise habe ich immer die Fernbedienung der Lautsprecher in der Hand, wenn ich einen Film sehe), und der Soundtrack ist es wert einzeln gehört zu werden. Sogar einen fiktiven Musiker haben sie gebracht und einen Song von ihm gespielt, der wirklich klasse ist! ;-)
Wäre es kein urbayerischer Dialekt, könnte man den Film glatt für eine britische Komödie halten. Der Humor kommt sehr derb daher, sehr bayerisch. Als Franke (irgendwie ja auch Bayer) kann ich leider nicht sagen, ob man selbst Bayer sein muss, um den Film zu verstehen, Lokalkolorit ist auf jeden Fall drin, und die Mentalität des kleinen Dorfes kommt schon sehr gut zur Geltung. Die DVD gibt es auch mit hochdeutschen Untertiteln, die sind für alle Nicht-Bayern unbedingt zu empfehlen!
Achtung allerdings, wer den Film kaufen möchte! Die DVD ist nur in reinen Playern abspielbar, nicht jedoch auf dem Laptop oder PC (Mac soll angeblich funktionieren). Für seltene Anlässe haben wir einen DVD-Player, aber ich gucke meine Filme in der Regel auf dem Laptop, von daher werde ich mir den Film vermutlich nicht kaufen, denn den Beamer / Player nutze ich normalerweise (außer wenn wie hier erforderlich) nur für unterhaltsame Filmabende mit Freunden, nicht jedoch alleine. Schade, denn wenn ein Film es verdient hätte, bei mir im Regal zu stehen, dann dieser! Doch diese Mentalität bestraft die ehrlichen Käufer, das mag ich nicht unterstützen :(
SaraSalamander 29.09.2011, 21.02 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL
Paranormal Activity
Vom Macher das aktuell vielgepriesenen INSIDIOUS ist der Film PARANORMAL ACTIVITIES. Mein Freund als Horrorfan hat ihn mir empfohlen, da er aus der Masse der sonst üblichen Filme herausragt, also haben wir ihn uns gemeinsam angesehen. Und ich muss sagen, doch, mal was anderes.Micah hat eine Kamera gekauft, denn seit einiger Zeit wird Katie wieder von etwas verfolgt. Es begann, als sie 8 Jahre alt war, seitdem folgt es ihr, und nun beginnt es erneut. Geräusche, kleinere Aktivitäten, ihr Name geflüstert, sie fürchtet sich. Die beiden suchen das Gespräch eines Mediums, dieser verweist sie an einen Spezialisten für Dämonen. Während Katies Angst täglich wächst, scheint es Micah eher als Spiel zu sehen, er provoziert den Dämon und tut so ziemlich alles, wovor das Medium sie beide gewarnt hat. Die Aktivitäten werden heftiger, und als sie den Dämonenspezialisten kontaktieren wollen, ist dieser nicht erreichbar.
PARANORMAL ACTIVITIES ist klar ein Low Budget Film, dessen Kameraführung an Blair Witch erinnert. Natürlich soll auch dieser Film auf realen Begebenheiten basieren. Mal baut Micah die Kamera auf (nachts), meist trägt er sie tagsüber ständig bei sich. Er filmt alles und jeden, was sowohl den Gefilmten als auch dem Zuschauer recht schnell auf die Nerven geht, aber es ist Teil des Filmes und gehört dazu. Ebenso gehört dazu, wie unlogisch und vor allem unqualifiziert Micah reagiert. Spätestens, als er durch die Kamera die untrüglichen Beweise dafür hat, dass etwas geschieht, das mit dem normalen Verstand vorerst nicht zu erklären ist, sollte er den Fachmann anrufen und akzeptieren, dass etwas nicht stimmt. Auch, dass er die Ängste seiner Freundin komplett ignoriert, machte mich während des Filmes ziemlich wütend, sodass ich mir immer wieder die Frage stellte, warum sie ihm nicht schon längst den Laufpass gegeben hat.
Aber wie gesagt, dies ist Teil des Filmes, der Handlung, es stellt den Alltag der beiden dar und ist durch diese Handkamera ziemlich gut gelungen. Der Aufbau ist schleichend, anfangs beginnt es sehr ruhig, es geschieht nicht viel außer einer sich bewegenden Tür. Die Aktivitäten werden heftiger, die Reaktionen der beiden werden immer emotionaler, es kommt zu Konflikten zwischen den beiden bis hin an den Punkt, als es tatsächlich körperlich wird und der Dämon Katie real bedroht, die Spannungskurve ist bis hin zum etwas zu abrupten Ende perfekt aufgebaut. Durch diesen schrittweisen Aufbau gelingt es dem Filmemacher, mit einfachen Möglichkeiten wie dem An- und Ausschalten des Lichts im Flur oder einer schwingenden Deckenlampe Grusel zu erzeugen.
Was mir an diesem Film besonders gut gefällt: es gibt keine billigen (oder teuren aber schon viel zu oft gesehenen) Effekte. Der Horror spielt sich im Kopf des Zuschauers ab, und es braucht weder Dämonenfratzen noch wabernde Schatten. Der Dämon ist nicht sichtbar, zu sehen ist nur seine Aktivität. Auch die Erklärung ist nicht wie in vielen Filmen an den Haaren herbeigezogen sondern real an wissenschaftlichen Erkenntnissen gehalten und daher interessant für diejenigen Zuschauer, die nicht nur Geisterfilmchen sehen wollen, sondern sich auch tiefgründiger mit dem Phänomen paranormaler Aktivitäten befassen.
Was für mich wichtig zu erwähnen ist: Blair Witch ist extrem wacklig, ich konnte ihn nicht komplett ansehen, nicht des Grusels wegen sondern weil mir übel wurde. Dieser Film hier ist im Stil ähnlich, spielt jedoch nur im Haus, hat daher keine wilden Verfolgungsjagden und ist insgesamt ruhiger im Bild.
Wer Schockeffekte möchte und einen brutalen Horrorschocker nach dem anderen ansieht, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer dagegen einen realistischen Grusel sucht und Inhalt wichtiger empfindet als die Effekte, dem wird mit PARANORMAL ACTIVITIES ein ungewöhnlicher Film geboten, wie es ihn nur selten zu sehen gibt. Aber vorsicht - wer sich darauf einlässt, der wird eine Art Angst verspüren, wie ihn "normale" Horrorfilme selten erzeugen können!
SaraSalamander 16.08.2011, 09.25 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL
Green Lantern
Gestern war ich im Kino. GREEN LANTERN wollte mein Freund gerne sehen, und völlig unvoreingenommen habe ich ihn begleitet. Die DC-Comics dazu kenne ich nicht, daher kann ich die Umsetzung von Comic zu Actionfilm natürlich nicht beurteilen. Trotzdem möchte ich ein paar Gedanken zum Film loswerden. Heute ohne Inhaltsangabe. Dafür aber vorab schon einmal zwei super Links, die meine Meinung eigentlich sehr gut widergeben und auch die Handlung sehr ausführlich beschreiben. >Filmstarts<
>Serienjunkies<
Ich sah den Film in 3D, und die Technik wird immer besser. Man merkt fast gar nicht mehr, dass man eine große Brille über den Augen hat. Wo man früher noch überall OOOOH und AAAAH rief, ist es inzwischen fast schon normal. Einerseits toll, diese neue Technik, andererseits fehlt inzwischen der Reiz des Besonderen. Aber gut, sagt natürlich nichts über den Film aus.
Der Film selbst hatte eine hervorragende Story. Ich wurde neugierig auf die Comics. Ich mag die Idee hinter GREEN LANTERN, mag die Sache mit der Möglichkeit, Kraft der Gedanken zu kämpfen. Auch die weit über 3000 Charaktere sind super und bieten sehr viel Potential. Ein Erdling zwischen so vielen anderen Leuten, wow, und dann noch ein fremder Planet, dazu eine Bedrohung für die Erde und ein mächtiger mutiger Held, der unsere kleine blaue Kugel rettet. Stoff, aus dem die Heldensagas sind!
Die Umsetzung leider hielt nicht, was die Story versprach. Bei weit über 3000 Charas fand ich es schade, dass man nur ganz wenig davon zu sehen bekam, und noch dazu sahen bis auf ein paar Insekten oder Mollusken fast alle humanoid aus. Warum muss alles immer menschliche Formen haben, sind die Macher des Films so unkreativ?
Auch der fremde Planet war zwar spannend, aber es spielte fast alles auf der Erde. Man bekam von Oa fast nichts mit, ich kann mir den Planeten, seine Besonderheiten überhaupt nicht vorstellen. Dabei wäre es toll gewesen, und gerade in 3D macht es irre Spaß, über eine fremde Landschaft zu reisen, wie AVATAR damals bewiesen hatte. Schade, dass es nur eine Versammlungsplattform zu sehen gab, die nicht wirklich viel hergab.
Über die Dialoge musste ich sehr oft lachen. Einerseits hat der Ring ihm alles Wissen übermittelt, andererseits muss sein Tutor ihm scheinbar immer noch alles erklären. Gut, das ist ein "Kniff", damit auch der Schauspieler versteht, aber ich fand es ungeschickt und unpassend. Die Gespräche mit dem Bösewicht, mit seiner großen Liebe, die Szenen zwischen dem Bösewicht und dessen Vater, das war alles ziemlich platt und lieblos für meinen Geschmack.
Es gab eine Menge Komik, die mir unfreiwillig erschien. Da ich allerdings das Original nicht kenne, weiß ich nicht, ob dieses ähnlich trashig ist, oder ob der Film hier einfach ganz oft gepatzt hat. Ob er sich und das Genre selbst auf die Schippe nehmen wollte oder ungewollt oft danebengriff in der Darstellung einzelner Szenen. Ein paarmal langte ich mir einfach an den Kopf oder seufzte genervt auf und hoffte, dass gleich eine neue Szene kommen möge.
Mir fielen unzählige Parallelen zu anderen Scifi-Sachen auf, ganz besonders Star Wars. Aber gut, das Original zu GREEN LANTERN ist meines Wissens recht alt, da möchte ich das also mal nicht vorwerfen. Trotzdem schon witzig, wie sich einige Motive stets wiederholen.
Wirklich sympathisch war mir auch keiner der Charaktere, und ich konnte mich in keinen so recht hineinversetzen. Sehr viele Figuren wurden angeschnitten aber nicht zu Ende ausgebaut. Und das, was ausgebaut wurde, war eher oberflächlich und klischeehaft. Teilweise hatte ich auch das Gefühl, dass die Schauspieler nicht zusammenpassen, es wirkte insgesamt nicht stimmig für mich. Die Handlungsweisen der Charas konnte ich teils auch nicht nachvollziehen. Da wird die menschliche Rasse also so klein, jung und unbedeutend dargestellt im Universum, aber die anderen Rassen scheinen dafür nicht wirklich intelligenter, weiser oder erfahrener, sondern stellenweise sehr kindisch. Der Bösewicht war IQ-mäßig intelligent aber ansonsten ziemlich dumm, die Angebetete wirkte auf mich sehr künstlich, die Aliens zu menschlich, die bösartige Planetenbedrohung recht tumb.
Wie gesagt: ich habe mich gut unterhalten, die Effekte waren teils recht nett, und die Story an sich gefiel mir sehr gut. Aber die Umsetzung ließ zu wünschen übrig, und sollte ein zweiter Teil in die Kinos kommen, werde ich einfach die DVD abwarten ...
SaraSalamander 30.07.2011, 18.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Shutter Island
Draußen ist es heiß, mir ist nach Unwetter. Heute habe ich keine aktuelle Rezension parat, also hier ein Text, der schon einige Wochen alt ist ...Leider bin auch ich nicht frei von Vorurteilen. Ein solches Vorurteil lautet "Leonardo Di Caprio". Aber das Cover von SHUTTER ISLAND sah so anders aus als seine sonstigen Werke, und ich hatte sehr viel Gutes darüber gehört. Also wagte ich es kürzlich doch. Und ich wurde positiv überrascht und sah einen überaus gelungenen Film:
1955, Edward Daniels, US Marshal und Kriegsveteran bei der Befreiung Dachaus. Er wird mit einem Kollegen auf Shutter Island beordert, eine abgelegene Insel, auf welcher schwerkriminelle Straftäter in einer Art Irrenanstalt untergebracht sind. Eine Insassin ist auf unerklärliche Weise verschwunden, er soll sie finden. Doch auch private Motive lassen Edward an dem Fall arbeiten: in diesem Gefängnis soll angeblich auch der Mörder seiner Ehefrau untergebracht sein. Immer tiefer gerät er in das Geheimnis der Insel, auf der nichts ist, wie es scheint. Werden hier Menschenversuche durchgeführt? Ist auch er nur eine Figur in einem großen, verworrenen Spiel? Die Grenzen zwischen Traum, Trauma, Wahnsinn und Realität verschwimmen immer mehr, bis hin zum erschreckenden Finale.
Für mich ist der Film ein kleines Meisterwerk, welches ich sogar ein zweites Mal ansehen würde, um ihn das zweite Mal mit neuem Wissen in Hinblick auf einzelne Szenen zu betrachten. Eine kleine Schwäche gibt es, aber die hielt mich nicht davon ab, ihn nonstop zu sehen: alle Zuschauer, die sich von den üblichen Epilepsiewarnungen bei manchen Filmen und Computerspielen angesprochen fühlen, sollten SHUTTER ISLAND nur mit Vorsicht genießen. Stetes Gewitter mit grellen Lichtblitzen (der Film ist ein einziger Regenguss mit Blitzlicht und Sturm), die Blitze zur Verdeutlichung der Migräne Edwards noch verstärkt. Flackerndes Licht an schwankenden Lampenschirmen in düsteren Kellern. Sehr schnelle Bildwechsel und Schnitte (teils mit intensiven Bildern, welche sich tief in die Seele graben: Leichenberge in Dachau, die Erschießung der Kriegsverbrecher, kurze Erinnerungsfetzen aus Feuer, Blut, Leichen). Und ein sehr langer Dialog vor einem offenen Feuer, welches den halben Bildschirm füllt. Sehr atmosphärisch, sehr gelungen, aber ich musste während dieser Zeit den Blick vom Bildschirm abwenden und mir den Film nur anhören. Wer empfindlich auf Flackern reagiert, sollte hier sehr, sehr vorsichtig sein.
Ansonsten wirklich alles top! Im ersten Moment mag man sich wundern, dass eine solch vielgelobte Produktion im Studio arbeitet und teils so billige Effekte mit sich bringt. Der Wellengang passt nicht zur Bewegung des Schiffes. Die Fahrt durch den Wald ist scheinbar ein billiger Bluebox - Effekt, der Regen wird sowas von offensichtlich unecht. Im Nachhinein betrachtet allerdings passt es sehr gut zur Interpretation des Filmes, und ich finde es sehr gelungen, wie die Macher hier gearbeitet haben.
Was die Schauspieler betrifft, muss ich nicht viel sagen. DiCaprio ist normalerweise nicht mein Fall. Den Bubi mag ich nicht, und den erwachsenen Mann hat er für mich noch nie so recht verkörpert. Den gescheiterten, traumatisierten Helden, der jedoch mit aller Gewalt seine Würde zu wahren versucht, den hat er sehr gut verkörpert, er kommt sehr überzeugend sogar bei mir an. Naja, und Sir Ben Kingsley und Max von Sydow gehören zu meinen Favoriten in jeder Hinsicht, und auch hier haben sie wieder perfekt ihre zwielichtigen Rollen gelebt.
Vom Genre her wusste ich nicht, was mich erwartet. Aber schon nach wenigen Minuten ist klar, worauf es hinauslaufen wird: Mindfuck. Oder Psychothriller, Twist Plot, wie auch immer man es nennen mag. Ein Film, bei dem kein Stein der Realität auf dem anderen bleibt und man am Ende sicher sein kann, dass etwas ganz anderes herauskommt, als es auf den ersten Moment wirkte. Früher noch absolut neu, inzwischen seit einigen sehr berühmten Werken bekannt (und immer wieder geliebt) (ähnliche Titel nenne ich nicht, das wäre dann leider ein Spoiler).
Als Fan dieses Genres ahnt man recht bald, was den Zuschauer am Ende erwarten wird. Trotzdem war ich gebannt von der Handlung und fragte mich, wie es dazu kommen würde und was dieses Ende auslösen würde, wie es danach weiterginge und was zuvor wohl geschehen sein mochte. Und, wie gesagt: ein zweites Mal ansehen ist auf jeden Fall lohnenswert, weil man dann einzelne Hinweise genauer betrachten kann und umso mehr die kleinen Tricks und Kniffe der Macher bewundert, sich sagen kann "ach, sooo war das also, deswegen hat er dies gesagt / jenes getan" ...
Knallharte Action wird kaum geboten bis auf wenige Szenen. Gefiel mir, ich finde eine dichte Atmosphäre und eine solide Handlung wichtiger als Schießerei, Verfolgung und lautes Kawumm. Spannung kommt in diesem Fall auch ohne Action auf, allein durch die Bilder, Musik und Dialoge. Insgesamt verläuft der Film eher ruhig und erfordert etwas Geduld, sich in die Handlung einzufinden, aber dann kann man den immer verworreneren Handlungsfäden nicht mehr entkommen, man muss einfach weitersehen.
Falls man ihn nachts sieht, dann besser zu zweit. Unbedingt Licht und Telefon ausschalten und sich ganz diesem dunklen Psychotrip hingeben. Ein Film, den man gesehen haben muss!
SaraSalamander 15.07.2011, 14.01 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

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