SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Wir sehen uns im Traum

Die kleine Alessa wartet zu Hause auf ihren Papa. Sie spürt, dass irgend etwas anders ist. Und tatsächlich, als Papa nach Hause kommt, ist er sehr ernst, seine Reisetasche ist gepackt, er muss nun für lange Zeit ins Gefängnis. Alessa versteht nicht, was das bedeutet, warum sie nicht mitkann. Und vor allem: ins Gefängnis kommen doch nur böse Menschen, warum muss ihr Papa, den sie so sehr liebt, dorthin?

Alessas Leben verändert sich, ihre Mutter und sie müssen umziehen in eine kleinere Wohnung, denn Papa verdient ja nicht mehr das Geld für die Familie. Sie muss überlegen, welcher ihrer Freundinnen sie dieses Geheimnis anvertrauen kann. Und viele Dinge in ihrem Leben muss sie nun alleine ohne ihren Papa unternehmen. Endlich besuchen sie ihn im Gefängnis, und Alessa sieht nun mit eigenen Augen, wie es dort aussieht. Und eines Tages wird Papa wieder entlassen.

Ich fand das Buch sehr gut gestaltet und geschrieben. Text und Zeichnungen stammen allesamt von sieben Vätern / Inhaftierten, welche in einem gemeinsamen Projekt des Psychologischen Dienstes der JVA Leipzig an diesem Buch arbeiteten. Sie möchten den Kindern erklären, was es bedeutet, wenn ein Vater ins Gefängnis muss. Denn diese Situation ist mit vielen Ängsten, Vorurteilen und Problemen behaftet: die Stigmatisierung und Ausgrenzung des Kindes aus dem sozialen Umfeld, das fehlende Gehalt des Vaters, die Einsamkeit des Kindes und das Unverständnis der Situation. Die Angst, ob es dem Vater dort gut geht.

Eine Situation, die auch mit sehr viel Scham behaftet ist. Viele Väter erzählen ihren Kindern, sie seien auf Montage oder vorübergehend im Ausland. Doch die Kinder spüren mehr als die Eltern ahnen, und es ist wichtig, ab dem entsprechenden Alter diese Situation mit ihnen zu klären, ihnen ihre Ängste zu nehmen.

In dem Bilderbuch WIR SEHEN UNS IM TRAUM ist ein ideales Fallbeispiel geschildert: dem Kind wurde die Situation erklärt, es durfte Fragen stellen, es konnte aktiv an der Situation mitarbeiten (z.B. dem Vater Briefe schreiben, ihn besuchen, ein Paket für ihn zusammenstellen). Doch in der Realität ist das oft schwierig. Was, wenn man den Vater nicht besuchen kann, weil die JVA zu weit weg ist? Wenn ein Umzug aus finanziellen Gründen nicht so leicht möglich ist aber das Geld auch nicht mehr für die alte Wohnung reicht? Wenn das Umfeld nicht wie hier im Buch die Situation akzeptiert sondern das Kind ausgrenzt? Oder wenn der Vater sein Kind beim Besuch wegen eines Drogendeliktes nur durch die Trennscheibe sehen, es nicht einmal zur Begrüßung umarmen darf?

Dieses Buchprojekt bietet einen sehr guten Einstieg in das Gespräch mit den betroffenen Kindern und ist unter >http://www.gitterladen.de< zu beziehen.

Wenn Angehörige in Haft müssen, gibt es Hilfe. Doch das Thema ist tabuisiert, und wohin kann man sich wenden, wenn man nicht weiß wohin? In jeder größeren Stadt gibt es Träger wie Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und ähnliche, die vielleicht nicht auf diesen Bereich spezialisiert sind aber gerne an eine entsprechende Angehörigenberatung verweisen können. Im Großraum Nürnberg ist dies Beispielsweise der >Treffpunkt e.V.<, der Hilfe bietet bei allgemeinen Fragen rund um die Haftsituation, bei Ämtergängen und Behördenbriefen, bei Problemen mit dem Jugendamt, dem Vermieter. Beratung für Eltern von Inhaftierten, für Ehepartner und für deren Kinder. Haft betrifft die gesamte Familie.


SaschaSalamander 02.08.2012, 09.59

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