SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Vier rabenschwarze bitterböse Kultfilme

Filme rezensiere ich nicht so gerne, irgendwie nicht mein Gebiet. Aber es gibt vier Titel, die ich hier einfach vorstellen möchte. Auch, wenn ich nicht wirklich weiß, wie ich sie beschreiben soll. Ich könnte auch keine Rezi zu "Pulp Fiction" schreiben, weil es ein Film ist, den man nicht beschreiben kann, sondern den man erleben muss.

Drei davon sind dänische Komödien, der vierte ist irisch-belgisch. Alle vier sind verbunden durch einen rabenschwarzen, bitterbösen Humor, wie man ihn schwer nur beschreiben kann. Da jeder einzelne nur schwer zu beschreiben ist, hier also vier Kurzbeschreibungen. Vier Filme, welche die Zuschauer vermutlich spalten. Entweder, man findet sie grandios und einzigartig, oder man fragt sich, wie soviel Schwachsinn auf einem Haufen lustig sein kann?


BRÜGGE SEHEN UND STERBEN

Zwei Auftragskiller, Ray und Ken, müssen nach Brügge für den nächsten Job. Doch dort erfährt Ken, dass es seine Aufgabe ist, Ray zu töten. Dieser hatte einen unverzeihlichen Fehler begangen und muss nun dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Damit er wenigstens einen schönen Tod hat, soll er die wunderschöne Stadt Brügge sehen. Zu dumm nur, dass er Brügge nicht ausstehen kann und in dieser Stadt sosehr in die Depression rutscht, dass er sich töten will. Ken geht dazwischen und verhindert den Selbstmord. Nun hat er ein Problem, denn er hätte ihn ja töten sollen. In Brügge erleben die beiden Partner verrückte Abenteuer mit einer Drogendealerin, einem kleinwüchsigen Schauspieler und anderen seltsamen Leuten.

Der Übergang zwischen Komödie, Drama und Action ist fließend. Ein Film, den ich nicht beschreiben kann, den man einfach gesehen haben muss. Bitterböse Kommentare, absolut verrückte Situationskomik, schwarzer Humor der untersten Kategorie bis an den Rand des guten Geschmacks und darüber hinaus. Und trotzdem Tiefgang und Niveau.


ADAMS ÄPFEL

Der Pfarrer einer kleinen Gemeinde schart Kriminelle um sich, um sie zu rehabilitieren. Ein irakischer Tankstellenräuber und ein alkoholkranker Kleptomane. Zu ihnen gesellt sich der Neonazi Adam. Der Pfarrer verlangt, dass Adam sich ein Ziel setzt für die Zeit des Aufenthaltes bei ihm. Adam will ihn veralbern und meint, er wolle einen Apfelkuchen aus den Äpfeln des Baumes im Garten backen. Im Laufe des Filmes wird immer klarer, dass der Pfarrer ein gewaltiges Problem mit der Realität hat, und jegliche Art von Problemen verkennt, und Adam reizt ihn immer weiter, um dessen Grenzen zu testen. Auch Adam wird getestet, denn dem Baum passiert ein Unfall nach dem anderen, von Vögeln über Würmer über Blitzschlag, sogar als der Baum nicht mehr steht, scheint das Schicksal mit Gewalt verhindern zu wollen, dass Adam den Kuchen backt. Die Situation eskaliert (wie in diesem Filmgenre üblich), es artet in ein unvorstellbares Chaos, doch Adam hat einen festen Willen und erkennt, dass Gewalt nicht immer eine Lösung ist.

Auch hier: sorry für den Ausdruck, aber der Film ist absolut abgefuckt. Ich kann ihn kaum beschreiben. Ruhig und still, diesmal keine Actionkomödie, sondern dafür den Humor noch ein bisschen subtiler, bissiger. Zwar hier und da auch mal ein wenig Gewalt oder Schießerei, jedoch eher marginal, hier geht es eher um die absolut verrückten Hauptdarsteller, vor allem den realitätsfernen Pfarrer. Ich habe den Film inzwischen dreimal gesehen, und auch beim dritten Mal noch war er so irre komisch ...


DÄNISCHE DELIKATESSEN

Zwei Metzger, die sich von ihrem Chef lösen und eine eigene Metzgerei eröffnen. Als versehentlich der Makler im Kühlraum eingeschlossen wird, muss die Leiche verschwinden. Klar, wie man in einer Metzgerei die Beweise verschwinden lässt. Zu dumm nur, dass einer der Kunden sich im Geschmack ein wenig "an seine alte Grete" erinnert fühlt und etwas ahnt. Bald glaubt man den beiden auf die Schliche zu kommen, denn immer mehr Menschen verschwinden. Wie kommt es, dass sie so wenig Hühner bestellen und doch so viel Hühnerfleisch verkaufen?

Von den vier hier genannten eher etwas schwächer, aber für sich gesehen immer noch absolute Spitze. Schräger Humor, auch wenn das Thema in verschiedenen Varianten bekannt ist, ob nun Delicatessen, Sweeny Todd oder andere. Egal, Genuss pur, wenn man schwarzen Humor mag ...


IN CHINA ESSEN SIE HUNDE

Arvid ist langweilig, und deswegen verlässt ihn seine Freundin. Doch just an diesem Tag wird er zum Held, als er einen Bankräuber niederschlägt und dieser durch ihn festgenommen werden kann. Nur leider ist es zu spät, die Freundin ist weg. Und dann kommt auch noch die Lebensgefährtin des Bankräubers und sagt, sie hätten das Geld so dringend für eine künstliche Befruchtung gebraucht, und jetzt sei ihr Leben zerstört. Arvid ist ein Gutmensch, und er will seinen Schaden sühnen. Sucht seinen Bruder Harald auf, den einzigen Kriminellen, den er kennt, und will nun selbst einen Banküberfall planen, um der jungen Frau das Geld zu besorgen. Doch dann geht nacheinander so ziemlich alles schief, was eben in einer dänischen, rabenschwarzen, bitterbösen Komödie schiefgehen kann, und wie häufig üblich endet es in einem Blutbad allerfeinster Güte.

Oh mann, was habe ich gelacht! Anfangs ja noch sehr schräg, man fragt sich die ersten zwanzig Minuten, was DAS bitteschön noch werden soll, und wirklich lustig fand ich es nicht. Aber als es dann endlich losgeht und sie den Überfall starten, kommt Leben in den Film, und es wird von Minute zu Minute kaputter und dämlicher. Ein armer Kerl, der alles abkriegt und alles ausbaden muss. Ein völlig verqueres Ende, mit dem man nicht wirklich gerechnet hatte. Ein plötzlich völlig anderer Arvid. Dazu noch die serbische Mafia, kiloweise C4 und weit mehr Tote und kaputte Autos, als dies vom so sanftmütigen Arvid anfangs vorgesehen war. Herrlich strange und nicht wirklich zu beschreiben. Muss man gesehen haben :-)

SaschaSalamander 29.12.2010, 19.01

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