SaschaSalamander

Ausgewählter Beitrag

Subject Two

Ausnahmsweise rezensiere ich einmal einem Film, der ab 18 ist, allerdings ohne Cover. Darauf zu sehen wäre eine Schneelandschaft, und statt des Himmels eine blutrote Fläche mit zwei Augen, die Pupille milchig weiß. Nachdem ich den Film gesehen habe, stört mich das nicht, aber an sich sind mir diverse Augen in Horrorfilmen etc unangenehm. Und ich will hier ja doch niemanden vergraulen. Und, keine Angst, die Rezi wird weder albtraumauslösend noch brutal sein ;-)

Adam ist Medizinstudent, und das Fach Ethik bereitet ihm große Probleme. Der Fortgang seines Studiums ist überaus fraglich. Das Angebot eines Arztes, mit dem er schon länger mailt, kommt ihm da wie gerufen: er macht sich auf einen langen Weg, Dr. Franklin Vick in seiner einsamen Bergütte zu besuchen und sich anzuhören, woran dieser forscht und wie er ihm dabei assistieren kann. Dr. Vick arbeitet mit Kryonik, Nanobiologie et cetera, so seine Worte. Und kaum hat Adam seine vage Zustimmung gegeben - wird er auch schon von dem Doktor erdrosselt und kurz darauf wieder mittels eines Serums wieder zum Leben erweckt. Alles akribisch auf Diktiergerät festgehalten, Adam erhält den Namen "Subject Two". Sein Körper ist noch etwas geschwächt, seine Auffassungsgabe eher langsam, aber er lebt. Doch nach einigen Tagen treten gewisse Nebenwirkungen auf, und Dr. Vick entschließt sich, Adam ein zweites Mal zu töten. Adam klagt allerdings noch immer über gewisse Schmerzen, hat krampfartige Anfälle. Aller guten Dinge sind drei, also ein weiteres Mal. Von Reanimation zu Reanimation wird sein Körper kräftiger, sein Geist wacher, sein Erinnerungsvermögen besser. Aber der Film wäre natürlich nicht ab 18, wenn es nicht gewisse Probleme biologischer und psychologischer Natur gäbe. Und dann wäre da auch noch Subject One ...

Ab 18 ... hm, ja, doch, verständlich, ich hätte es ebenso gemacht. Obwohl es weitaus blutigere und grausigere Filme gibt, die schon ab 12 oder 16 freigegeben sind. Es gibt zwar ab und zu ein wenig Blut, wenn Adam wieder einmal auf mehr oder weniger kreative Weise umgebracht wird, aber es hält sich in Grenzen. Ohne nervenzerfetzende Musik, ohne plötzliche Schockeffekte, sondern ein neutrales Zeigen, damit der Zuschauer weiß, was nun geschehen wird. Und dann sieht man auch schon, wie Adam wieder erwacht. Erst am Ende gibt es eine kurze Szene, die den Maskenbildner forderte und recht eklig aussieht, doch aufgrund der Handlung ohne Schock und Musik kann der Zuschauer das recht gut verarbeiten.

Dennoch hätte ich den Film ebenfalls ab 18 gemacht. Denn der Zuschauer wird recht stark gefordert. Es ist ein Film mit nur zwei Schauspielern und äußerst knappen Dialogen. Dabei werden Adam und Dr. Vick sehr gut beschrieben. Sehr gute Schnitte, hervorragende Kameraführung, ansprechende Landschaftsausnahmen. Der Zuschauer hat die Aufgabe, sich in die beiden Hauptdarsteller hineinzuversetzen, deren Motive zu verstehen, das eigentliche Grauen hinter der vordergründig verlockenden Unsterblichkeit zu erkennen, ohne dass es jemals ausgesprochen wird. Zudem wird sehr viel mit Symbolen gearbeitet. What´s in a name? Adam, aus dem Hebräischen, bedeutet Mensch, und es ist der Name des ersten Menschen. Dr. Franklin Vick, wer denkt da nicht an Dr. Victor Frankenstein? Und auch die Bilder sind sehr vielsagend, so etwa der neue, unbeschrittene Weg hinauf zur Hütte des Arztes, das Spiel mit den Farben des entnommenen Blutes, die scheinbar unendliche Weite der Landschaft, das wiederhallende Echo und unzählige Dinge mehr, die dem Film eine Tiefe geben, wie es Dialoge oder Handlung nicht besser könnten.

Was mir auch gefiel, war der teilweise aufkommende schwarze Humor darin. Nein, kein Brüller, kein Lacher, aber ein wissendes Grinsen im Gesicht des Zuschauers. Die amüsierte Frage "wie wird er wohl das nächste Mal umgebracht", denn Dr. Vick bedient sich eines nicht geringen Repertoirs gewöhnlicher und ungewöhnlicher Methoden, an und mit Adam zu arbeiten. Stellenweise recht morbide, auf eine recht makabere Weise witzig, wenn die beiden am Tisch sitzen, sich unterhalten, Adam die blutigen Handgelenke über einem Auffangeimer. Mitten im Satz bricht er ab, sein Kopf sackt zur Seite, und Dr. Vick spricht in sein Diktiergerät: "der Tod trat ein um 21.19" ... ein etwas ungewöhnlicher Humor, der sicher nicht jeden anspricht.

Nein, kein Film für Albträume, aber ein Film mit offenem Ende, der sehr nachdenklich stimmt und verarbeitet werden muss. Man sollte sich die Zeit nehmen, ihn bewusst zu sehen, ihn nicht nebenbei ablaufen zu lassen, es wäre schade um viele kleine Momente.

SaschaSalamander 09.07.2007, 10.07

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