SaschaSalamander

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Mörder ohne Gesicht

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Nachdem ich das Hörbuch >"die fünfte Frau"< auf 6 CDs angehört habe, wollte ich mich nun an einem Hörspiel versuchen, also an der gerafften Version eines seiner Romane. In der Bücherei fiel mir unter anderem "der Mörder ohne Gesicht" in die Hände, den ich mir gleich anhörte.


"Der Mörder ohne Gesicht" ist Mankells erster Roman der Reihe um den schwedischen Kommissar Kurt Wallander. Hier geht es um ein altes Ehepaar, welches auf seinem Bauernhof umgebracht wird. Bevor sie stirbt, sagt die Frau noch "Ausländer, Ausländer". Dies und die Tatsache, dass das Pferd von den Tätern mit frischem Heu gefüttert wurde, sind die einzigen Anhaltspunkte, die Wallander nun hat, um den Mord aufzuklären. Die Information über Ausländer dringt an die Presse, es gibt Drohungen und Übergriffe auf das örtliche Asylantenheim. Wallander verfolgt viele Spuren, bevor der Zufall und das Glück ihm endlich den wahren Täter präsentieren.

Im Roman mag es vermutlich noch weit ausholender sein, aber auch im Hörbuch zeigt sich bereits sehr deutlich, dass es hier weniger um den Mord als vielmehr um eine Charakterstudie Wallanders geht. Eine gescheiterte Ehe, abgebrochener Kontakt zu seiner Tochter, ein seniler Vater, der die Berufswahl seines Sohnes mißbilligt. Nur bei seiner Arbeit findet Wallander sich zurecht, doch bald stirbt auch noch sein Mentor und berufliches Vorbild. Ein klassischer Antiheld, wie er vor allem in Krimis und Detektivgeschichten gezeichnet wird.

Ich habe bisher nur zwei seiner Wallander-Romane gelesen und kann daher schlecht etwas Genaues sagen. Aber nach dem, was ich in den beiden Bänden erfahren habe, gehe ich davon aus, dass die folgenden Krimis ein immer deutlicheres Bild des Kommissars aufzeigen, was den eigentlichen Reiz der Bücher ausmacht. Denn die Fälle ... nun, in den beiden von mir gelesenen Büchern waren es eigentlich nur Zufall und Glück, die ihn den Täter ergreifen ließen. Er arbeitet kaum mit Fakten, fast nur mit Vermutungen, Ideen und Bauchgefühl, was ich für eher unrealistisch halte. Es waren schon sehr viele schicksalshaften Umstände in beiden Fällen. Er scheint entgegen seiner tristen, übellaunigen Art trotz allem das Lieblingskind Fortunas zu sein, anders könnte ich es mir sonst nicht erklären.

Der Erzählstil wieder sehr ruhig und gemächlich, im Hörspiel etwas gerafft. Es ist nicht so, dass mich der Held faszinieren oder die Bücher mich ansprechen würden, aber in Hörspielfassung werde ich mir wohl Stück für Stück auch weitere der Wallander - Romane zu Gemüte führen. Ich muss doch wissen, ob sich meine Vermutung mit der Charakterstudie bestätigt ;-)

SaschaSalamander 20.02.2006, 09.31

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Anne

Wie gut dass die Geschmäcker so verschieden sind.Ich habe alle Krimi-Bände gelesen,allerdings war ich überrascht über ein Buch von Mankell,als er mal keinen Krimi schrieb.Kennst du das Buch " Ich stebre aber die Erinnerung lebt?"Henning Mankell widmet seinen großen Teil seiner Zeit dem Kampf gegen Aids in Afrika.2oo3 reiste er nach Uganda um mit Aidskranken und ihren Angehörigen zu sprechen.Dort verfassen aidskranke Eltern sogenannte "Memory Books"Und hiervon handelt das Buch,dass eindringlicher nicht sein kann


LG Anne

vom 22.02.2006, 16.32
Antwort von SaschaSalamander:

Ich habe davon gehört, und es liegt auch auf meinem SuB der Hörbücher. Aber es kann etwas dauern, denn dem Inhalt nach wollte ich es nicht einfach wie die meisten anderen Sachen nebenher konsumieren. Ich denke, dieses Buch muss wirklich bewusst gehört werden. Also nicht zum Haushalt, sondern vielleicht, wenn ich in Ruhe am Tisch sitze und male oder so etwas ...
1. von jenny

Nun, ich kann von den Büchern nur bestätigen, was du auch schon über die Hörbücher berichtest.
Ich habe sowohl "Mörder ohne Gesicht" als auch "Die fünfte Frau" gelesen und war von beiden als Kriminalfall nicht sonderlich begeistert. Meiner Meinung nach, reichen melancholische Stimmung und ein typischer Antiheld nicht ganz aus um den/die Leser/in bei der Stange zu halten. Aber den Verkaufszahlen nach, denken viele Leute ja anders ;-)
Ne, Mankells Krimis gehören sicherlich nicht auf meine MUSS-Liste...
Grüße
jenny

vom 20.02.2006, 11.43

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