SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Jeder Tag endet mit dem Tod

schroeder_jedertag_1.jpgÜber den >Epidu-Verlag< habe ich bereits geschrieben, ebenso über >BloggDeinBuch<. Auf diesem Weg erhielt ich den Roman >JEDER TAG ENDET MIT DEM TOD< von Michael Schröder, den ich hier nun vorstellen möchte.

Elmar Kreuzer, seines Zeichens Kripobeamter. Die 13jährige Lisa bittet ihn um Mithilfe: ihr Vater wurde getötet, und sie glaubt nicht an einen Raubüberfall, wie die örtliche Polizei es darstellt. Elmar möchte dem Mädchen helfen und beginnt seine Ermittlungen. Dabei wird er erschossen, und nun erlebt er jeden Morgen aufs Neue den gleichen Tag. Er nutzt die Möglichkeiten, mit dem Wissen des Vortags und dem Unwissen der Befragten sein Netz um den Täter immer enger zu ziehen, bis er ihn überführen kann. Doch während das Datum stillsteht, verändert sich Elmar, er hat mit den Belastungen des Vortages zu kämpfen und wird immer schwächer. Kann er den Mord an Udo König lösen, bevor er eines Morgens nicht mehr die Kraft hat, aufzustehen? Wird es ihm gelingen, die Zeitschleife zu verlassen?

Die Idee klingt nach TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER, und das ist kein Zufall. Inspiriert von diesem Film hatte der Autor den Einfall zu diesem Buch. Ich mochte den Film, ich mag Krimis, und ich war gespannt auf die Umsetzung. Leider muss ich sagen, dass JEDER TAG ENDET MIT DEM TOD mich nicht überzeugen konnte. Allerdings weiß ich auch, dass viele Communitymitglieder begeistert sind von diesem Titel, nicht umsonst wurde das Buch als einer der Favoriten gewählt. Es ist also klar, dass dies hier meine persönliche Meinung ist (meine Stammleser wissen, wie pingelig ich sein kann *g*), die allerdings deutlich von denen der meisten Leser abweicht. Aber warum nicht auch einmal eine Gegenstimme bloggen. Es ist gut, wenn Bücher polarisieren, sonst wären sie zu "glatt". Außerdem liebe ich die Diskussionen, wenn die Leser meines Blogs andere Meinungen äußern und sich daraus interessante Mailkontakte ergeben.

Die Idee, wie gesagt, fand ich sehr gut. Durch den Film ist es schon ausreichend bekannt, aber ich kenne niemanden, der das Thema direkt aufgegriffen hat. Dabei bietet es geniale Möglichkeiten, die sich bestimmt nicht nur in Komödie oder Krimi gut umsetzen lassen! Sprachlich, stilistisch und inhaltlich allerdings hat mich der Autor nicht überzeugt.

Bereits im ersten Absatz findet man auf fünf Zeilen 10 Adjektive wie "menschenleer", "diffus", "zuckend". Es wird eine Atmosphäre beschrieben, die dicht und wohl auch gefährlich wirken soll, mich aber fast dazu brachte, das Buch ungelesen beiseite zu legen. Zu viele Beschreibungen, wenig Raum für eigene Fantasie. Im Laufe des Buches wird der Gebrauch dieser Wörter etwas gemäßigter, jedoch noch immer zuviel für meinen Geschmack. Zusammen mit den sehr kurzen, simplen Sätzen für mich eine ungünstige Kombination.

Der Autor arbeitet auch mit sehr vielen Metaphern. Einige davon sind recht gelungen und gefielen mir sehr gut. Allerdings kommt auf jede wortgewandte Metapher auch gleich eine ungünstige Formulierung. Da liegt ein Teppich wie ein störrischer Esel im Weg (S. 53) oder wurde ein Haus aus Schweiß erbaut (S. 60), ja es begeht eine Frau sogar einen Seitensprung (sie hüpft zur Seite, S. 244). Auch finde ich es schade, dass gute Metaphern stetig wiederholt werden und sich in geringen Variationen durch das gesamte Buch ziehen, bis ich sie irgendwann nur noch überlesen habe, weil ich zum unzähligsten Male von einer nicht runden Sache, einem spottenden Springteufel, vielen Trommlern und einem Geiger hörte. Zudem neigt der Autor dazu, die Dinge zu ausführlich zu beschreiben. So erfährt der Leser beispielsweise nicht nur, wie ein Raum aussieht, sondern auch, wo auf welchem Punkt des Schreibtisches ein Kaffeefleck ist, eine Tasse steht, wie die Tastatur liegt, wie groß der Monitor ist, dass die Telefone auf Schwenkarmen ruhen, dass sich in der Tasse Serviette und Gabel befinden etc., eben Dinge, die mir das Lesen erschweren, weil sie mir die Fantasie vorwegnehmen und zuviel unwichtige Information enthalten.

Einige Bezugsfehler führen zu unfreiwillig komischen Situationen. So kann man sich über kichernde Bettfedern (S. 54) oder einen langhaarigen Stuhl (S. 83) wundern.

Auch sonst gab es einige Dinge, die mir leider aufstießen und bei denen ich mich fragte, ob das nun logisch sei. Aber gut, ich bin Krimileser, kein Polizeiermittler, daher kann ich über Ermittlungsmethoden nur spekulieren und mir meinen Teil denken, wenn Elmar Dinge tut, die ich weder fachlich noch menschlich nachvollziehen kann.

Ohne Absatz wechselt mitten in einem Abschnitt plötzlich die Erzählperspektive vom Ermittler zur Tante (S. 35). Ich musste die Stelle mehrfach lesen um zu begreifen, was nun gerade los war und ob ich etwas Wichtiges verpasst hatte. Auch gibt es zwei Namen, die sich stark ähneln, was es Leuten wie mir, die Probleme mit Namen haben, nicht gerade leichter macht.

Warum ich trotzdme weitergelesen habe? Die Neugier auf die sich entwickelnde Handlung. Die war es dann auch trotzdem wert, das Buch zu beenden. Geübten Krimilesern ist der Mörder vom ersten Moment an klar. Aber gerade deswegen gefällt es, wenn immer wieder kleine Anzeichen klarmachen, um wen es sich handelt und man sich in seiner Meinung bestätigt sieht.

Gelungen ist die dramatische Steigerung. Während im MURMELTIER der Protagonist täglich frisch und munter erwacht, spürt Elmar die Erlebnisse des Vortages und wird immer launischer, aggressiver, sein Kopfweh steigert sich, der Täter kommt näher, immer mehr erfährt man über den Mord und sein mögliches Motiv sowie die einzelnen Zusammenhänge, die dazu führten, warum so viele Personen indirekt in die Tat verwickelt sind und welch trauriges Schicksal dazu führt, dass die Polizei schlecht ermittelte, Udo sterben musste und niemand es wirklich hinterfragte.

In anderen Romanen ist es oft der Zufall, der den Ermittlern in die Hände spielt, das ärgert mich oft, denn ich will keine Zufälle sondern Spannung, die aufeinander aufbaut. Ich möchte als Leser gerne "mitmachen" und "dabeisein" und das Gefühl haben, dass auch ich den Fall auf ähnliche Weise gelöst hätte, weil ich durch Fragen, Auskundschaften, logische Folgerungen auf die gleichen Schlüsse komme. Das ist hier möglich, Elmar Kreuzer ist ein Ermittler aus Schrot und Korn, der wirklich gute Polizeiarbeit leistet und sich nicht darauf verlässt, dass andere das für ihn erledigen. Den Titel "der Mann, der nie aufgibt" trägt er zu Recht. Und auch, wenn ich mit dem Kommissar und dem Buch nicht warm wurde, fand ich diesen Aspekt dennoch gelungen und wollte die Handlung vor allem auch deswegen weiter verfolgen.

Empfehlung? Für Leser, die ungewöhnliche Krimis mit einem Schuss Fantasy mögen und sich nicht allzu sehr an der oben beschriebenen Sprache stören.

Sterne? Aufgrund Sprache und einiger inhaltlicher Schwächen kann ich nur 3 von 5 Sternen geben, aber die drei Sterne sind ordentlich verdient für die ungewöhnliche Umsetzung des MURMELTIER-Themas und die steigende Spannung zum Ende hin :-)

SaschaSalamander 20.06.2011, 09.21

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Michael Schröder

Vielen Danke für die Rezension. In der Tat muss man Freund ausführlicher Beschreibungen sein, denn ich lass Lesern absichtlich nicht viel Spielraum für eigene Interpretationen. Daher auch Danke für deine Geduld :-)

Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schröder
:wink:

vom 20.06.2011, 23.59
Antwort von SaschaSalamander:

Ja, das stimmt. Und ich weiß, dass viele das mögen. Es ist halt jeder anders. Mein Freund hat in das Buch hineingelesen, und ihm gefiel es sprachlich recht gut. Und die Geduld war kein Thema, denn die Handlung an sich war ja spannend und gut aufgebaut, ich wollte ja wissen, wie es weitergeht ;-)


 






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