SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Die Wahrheit über Alice

james_alice_1.jpgKatherine hat ein dunkles Geheimnis, denn ihre Schwester wurde ermordet. Sie ändert ihre Identität, geht an eine neue Schule. Einst umschwärmter Star und auf allen Parties groß dabei, ist sie nun eher zurückgezogen und hält sich von allem zurück. Umso größer ihre Freude, als Alice, eine der beliebtesten Schülerinnen, sie nun auf ihre Geburtstagsparty einlädt und sich mit ihr anfreundet. Sie verstehen sich hervorragend, hier und da hat Alice ein paar seltsame Momente, aber das übergeht Katherine. Doch bald begreift sie, dass Alice ein böses Spiel mit den anderen spielt, vor allem aber mit ihr. Es ist bereits zu spät, und die Wahrheit droht ans Licht zu kommen.

Hm, nun ja. Ehrlich gesagt, das Cover sprach mich nicht an (bin nicht so der rosa Blümchenfan, das hat was von Teenieschnulz). Aber es wurde überall dermaßen vermarktet, dass ich fast nicht anders konnte, die Neugier war zu groß. Buchhandlungen, Frauenzeitschriften, Blogs. Und natürlich ein sehr spannender Klappentext, der viel Geheimnis versprach. In der Realität bin ich herzlich wenig neugierig, da kann ich mich zügeln. Aber wenn es um Bücher geht, da bin ich kaum zu halten, und ich musste einfach wissen, wer Alice nun wirklich ist und was es mit ihrem Geheimnis auf sich hat.

Das Buch war in zwei Tagen gelesen, es ist sehr flüssig. Zwar sehr ungewohnt, aber man kommt locker mit: eine Ebene spielt in der Vergangenheit um Katherine und ihre Schwester. Die zweite Zeit spielt später mit Katherine und Alice. Und die dritte Zeit viele Jahre später mit Katherine und ihrer Tochter. Und alle drei Zeitformen sind im Präsens geschrieben, das ist erst einmal gewöhnungsbedürftig.

Schon im ersten Kapitel erfährt man, dass Alice gestorben ist. Und man möchte natürlich wissen, wer Alice war, warum sie sterben musste, wer der Vater des kleinen Kindes ist, wie das alles zusammenhängt und welche Geheimnisse da nun alles enthüllt werden. Ein bisschen wird die Sensationsgier angestachelt, allein schon durch die Vermarktung des Buches.

Angepriesen als spannender Thriller, fand ich es eher einen reinen Teenieroman. Ich möchte das Buch nicht schlecht machen, denn ich habe es wie gesagt superschnell gelesen und war recht gefesselt. Dennoch konnte ich mich in absolut keine der Figuren hineinversetzen, sie blieben mir alle zu oberflächlich, vor allem auf Alice wurde nur äußerlich eingegangen (aus Sicht von Katherine, ohne jedoch Alices Gedanken, Gefühle und Beweggründe zu beleuchten), und auch Katherine bleibt für mich extrem unpersönlich. Sie ist die Art Teenager, von denen ich mich in der Schule damals fernhielt, weil sie mir zu platt waren, zusehr auf Äußerlichkeiten fixiert. Ständig sprachen sie über Mode, Stars, Parties, das war nicht meine Welt. Das heißt nicht, dass deren Welt schlecht ist, und dass andere Leser es nicht toll finden können. Aber wer wie ich kein Disco - Party - Highlife - Typ ist und war, der wird nicht wirklich mitfiebern. Es wird nach außen hin sehr viel auf heile Welt gespielt, dahinter jedoch ist es recht düster (wenn auch nicht tiefgründig, aber immerhin düster).

Unzählige Male habe ich mir an den Kopf gelangt und gesagt "Mädel, wach auf". Habe mich gefragt, warum sie dies getan haben oder warum jenes nicht bemerkt wurde. Sehr unreif wirken sie alle auf mich. Und allein deswegen war all das, der Inhalt des Buches, überhaupt erst möglich.

Was als Geheimnis verkauft wird, empfand ich nicht wirklich als Geheimnis, irgendwie hatte ich mir da mehr davon versprochen. Alices "Geheimnis" wird auf zwei Seiten mal nebenbei enthüllt am Ende, eher abgearbeitet, und daraufhin stirbt Alice (ist kein Geheimnis, von ihrem Tod erfährt man ja schon zu Beginn, ist also kein Spoiler). Schwupps Ende Aus.

Jaaaaaa, es war schnell und spannend zu lesen. Und für jüngere Leser bestimmt eine spannende Sache. Für Partyfreunde und die Art Teens, die ständig hip und trendy sind / sein wollen bestimmt ein Kultbuch. Die Geschichte war recht geschickt aufgebaut und in sich schlüssig. Von daher verständlich, wenn es gefällt. Aber wer sich von einem Buch nicht nur reine Unterhaltung verspricht, sondern auch bereichert werden möchte, wer sich hineinversetzen will, wer gerne ein wenig Anspruch möchte, der sollte zu etwas anderem greifen, er hat nicht wirklich ein Geheimnis oder einen Thrill verpasst. Gänzlich abraten würde ich den Lesern, denen es innerlich schmerzt, wenn die Hauptcharaktere immer und immer wieder unvernünftig handeln und sich selbst alles verbauen und eigentlich selbst Schuld tragen an dem Dilemma, welches es dann zu lösen gilt. Denn die werden hier vor Schmerz aufschreien ...

Tut mir doch ein wenig leid, wenn ich so über das Buch rede. Denn ich weiß, dass es unzählige begeisterte Leser gibt. Und ich möchte es auch keinem madig machen. Aber ich möchte einfach klar die Zielgruppe definieren, denn dieses Buch spaltet die Gemüter. Und da überall so positive Beiträge zu lesen sind, möchte ich einfach diejenigen unterstützen, die nicht so begeistert waren. Denn auch diese Stimmen sollten Gehör finden ;-)

Und jetzt, Feuer frei: hat Euch das Buch gefallen? Warum? Wo fandet Ihr Katherine tiefgründig, was ich übersehen habe? Konntet Ihr Euch hineinversetzen? Bin ich zu streng? Oder fandet Ihr es am Ende genauso enttäuschend? Oder war es DIE Buchsensation des Frühjahres 2011?

SaschaSalamander 11.05.2011, 09.55

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