SaschaSalamander

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Der Biber

biber_1.jpgWalter Black ist Leiter einer Spielzeugfirma, Ehemann und Vater zweier Söhne. Doch er stürzt in die Depression, bis sich seine Frau von ihm trennt und er sich das Leben nehmen will. Da naht Rettung: DER BIBER übernimmt für nun an Walters Leben. So läuft Walter also mit einer Handpuppe durch den Alltag, die für ihn das Sprechen und Handeln übernimmt, die seine Entscheidungen trifft. Anfangs irritiert, nimmt seine Umwelt dies dennoch an, und es geht wieder aufwärts in Walters Leben. Doch der Biber scheint ein Eigenleben zu entwickeln ...

Eine Tragikomödie, die thematisch sehr interessant klingt und mit Mel Gibson  und Jodie Foster zwei große Schauspieler als tragende Figuren mit sich bringt. Ich habe den Film gerne gesehen, er war unterhaltsam, die Zeit verging schnell, und es gab interessante Denkansätze. Schauspielerisch habe ich von beiden bereits bessere Werke gesehen, schlecht aber war es nicht, passte sich gut dem Erzählstil des Filmes an. Trotzdem gab es einige Kritikpunkte, die ich erwähnen möchte:

Der Film hat einen Hauptkonflikt, nämlich Walters Depression und seine zweite Identität des Bibers, und darum sollte es in dem Film gehen. Statt dies jedoch näher zu erklären, intensiver auszubauen und dem Zuschauer näherzubringen, wird ein zweiter Konflikt geschaffen: der älteste Sohn, der sich von seinem Vater distanziert und in der Schule und im Liebesleben mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat. Das wäre zwei eigene Filme wert gewesen, in denen der Zuschauer jeweils mehr über die jeweiligen Protagonisten und deren Situation erfahren hätte. So jedoch wird in beiden Fällen nur an der Oberfläche gekratzt.

Man hätte Walters Situation ausbauen können, das Leben vor der Depression und wie es dazu führte. Man hätte die Person Walter selbst besser darstellen können, anstatt nur den Biber zu zeigen (so jedoch war es kaum möglich, sich in den Protagonisten hineinzuversetzen oder mit ihm zu fühlen, er war leider auch für den Zuschauer ein Fremder, sodass nicht nur Walter eine Distanz zur Umwelt, sondern auch der Zuschauer eine Distanz zum Film wahrt). Der Zuschauer wird niemals zum Beteiligten, man lässt ihn außen vor. Auch die Mutter und der Sohn bleiben recht blass, man kann von außen ihre Verhaltensweisen sehen, jedoch nicht alle nachvollziehen. Man kann sagen, das sei nicht erforderlich, aber ich finde, hier hat der Film ein paar gute Möglichkeiten verschenkt.

Das Genre ist auch etwas ungünstig. Für eine Tragikomödie hätte ich etwas mehr Dramatik, etwas mehr Komödie erwartet. Aber es schwankte immer an der Grenze. Mir fehlten die Momente, in denen ich wirklich herzlich lachen konnte, und die Dramatik war stellenweise zu humorvoll, als dass man sie wirklich als tragisch empfinden könnte.

Unklar ist auch der Zusammenhang zwischen der Depression und der multiplen Persönlichkeit / Identitätsspaltung / Depersonalisation Walters. Der Film wirkt viele Fragen auf und gibt keine Antworten. Im Grunde ist das nicht schlimm, da dies zum eigenen Nachdenken anregt. Gerade bei einem solchen Thema allerdings wäre etwas Background hilfreich gewesen. Gerne würde ich mehr darüber lesen, etwa ob es schon einmal ähnliche reale Fälle gab, oder in welches Krankheitsbild dies nun tatsächlich passt. So jedoch erweckt der Film den Anschein einer intelligenten und tiefgründigen Darstellung, kratzt aber dabei an der Oberfläche und bietet dem Zuschauer keine Chance, das Thema zu vertiefen.

Es gab einige längere Passagen mit Monologen, Ansprachen und Reden, in denen einige Kernaussagen dargestellt wurden (etwa die Abschlussrede, Walters Interview im TV etc), das war mir zu oft und dauerte mir zu lang. Ich finde, solche Momente sind ein Zeichen dafür, dass diese Inhalte scheinbar nicht im Subtext des Filmes transportiert werden konnten und daher zusätzlich erklärt werden müssen.

Das Ende war leider ein rechtes Hollywood - Klischee, das typische "es ist nicht perfekt, aber es ist gut, alles ist gut, wir haben uns alle lieb, und ab jetzt wird es noch besser". Hier hätte ich mir mehr erwartet, und ich blieb etwas enttäuscht zurück, es war etwas zu glatt für einen Film des Formats, das DER BIBER hätte sein können.

Die Grundidee ist interessant, die Umsetzung ist originell, die Charaktere könnten sympathisch sein (wenn man sie kennenlernen dürfte), die Konflikte sind menschlich und bewegend. Der Biber als eigenständige Person ist witzig und nimmt dem ernsten Thema die Dramatik. Perfekte Zutaten für einen Erfolgsstreifen. Wenn man sie nur richtig gewürzt hätte ...

So aber ist der Film immerhin eine nette Abendunterhaltung mit etwas ernsterem Hintergrund. Ein Film, den man gerne sieht, über den man sich kurz unterhält und der einige Zeit angenehm in Erinnerung bleibt, der aber bald wieder verblasst.

Wertung: 6,5 von 10 Löcher in der Hauswand

SaschaSalamander 27.07.2012, 12.18

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von El Tofu

Hab letztens auch die DVD im Laden gesehen und sie fast mitgenommen. Aber eigentlich nur weil ich gerne einen Film im Regal stehen haben möchte, der "Der Biber" heißt.

vom 27.07.2012, 15.06
Antwort von SaschaSalamander:

Nett anzugucken via Lovefilms oder mal irgendwo ausleihen, aber im Regal muss echt nicht, da gibt es Bessere. Aber der Titel im Regal hat was, deswegen wurden wir ja aufmerksam darauf *g*

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