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Bartimäus - der Ring des Salomo

stroud_bartimaeus4_1.jpgBARTIMÄUS ist in drei Bänden abgeschlossen. Die Geschichte um einen rotzig-frechen Dschinn der vierten Ebene und seinen pickelgesichtigen, unsympathischen Beschwörer hat schon unzählige Leser begeistert. Zu schade, dass die Serie so schnell abgeschlossen war, man konnte kaum genug kriegen. Aber genau da liegt die Würze: es ist gut, wenn Dinge irgendwann vorbei sind.

Trotzdem konnte es Jonathan Stroud nicht lassen, es gibt nun also doch einen vierten Band. Er schließt nicht an die ersten Bände an, sondern er ist ein Prequel. Bartimäus ist ja schließlich schon viele Jahrtausende alt, und so hat er eine Menge zu erzählen, diesmal aus der Zeit des weisen Salomo. Genialer Kunstgriff? Oder pure Geldmacherei? Ich konnte nicht umhin, den Band zu lesen, und hier nun also meine Rezension:

Bartimäus wird in Jerusalem zur Zeit Salamos beschworen. Schwupps, ein kleiner fieser Trick, und schon ist sein Zauberer tot. Mit Bartimäus legt sich keiner so leicht an! Zur Strafe wird er unter die Knute eines der mächtigen 17 Zauberer Salomos beschworen, Khaba, der ihn und unzählige andere Dämonen nun mit harter Hand regiert. Um ihn zu demütigen, lässt er  Bartimäus unwürdige Aufgaben erfüllen, und natürlich fällt es dem Dämon nicht leicht, sein freches Mundwerk zu zügeln. Nur zu gerne zettelt er einen Aufstand an oder reizt seine Möglichkeiten bis an die Grenzen aus. Bei einem seiner Aufträge begegnet er dem Mädchen Asmira. Sie wurde von Königin Balkis aus Saba geschickt, um Salomo zu ermorden, der unerhört hohe Tribute und Steuern verlangt. Es beginnt ein turbulentes Hickhack um Bartimäus, Salomo, die Attentäterin, Khaba und einige Dämonen und um das mächtigste Artefakt, das man sich vorstellen kann.

Die Erzählweise ist etwas ungewohnt. Bei den anderen Büchern hat man sogut wie nur Bartimäus und Nathanael (soweit ich mich erinnere), hier dagegen gibt es verschiedene Erzählperspektiven. Weitgehend Bartimäus und Asmira (die Attentäterin), aber auch die Königin von Saba oder Magier Khaba kommen zu Wort. Das ist etwas, womit ich mich erst anfreunden musste. Die Handlung der anderen Bände ist sehr stringent, hier geht es recht turbulent zu. Das gehört dazu, macht die Story abwechslungsreich, aber es stört für meinen Geschmack ein wenig den Lesefluss. Je mehr Leute zu Wort kommen, desto weniger Raum ist für Bartimäus. Außerdem muss man sich in immer ständig neue Leute hineindenken, was zwar kein Problem ist, ich aber trotzdem lediglich zwei Protagonisten bevorzuge. Geschmackssache, kein Kritikpunkt ;-)

Dafür ist Bartimäus gewohnt in Form. Frech, rotzig, herrlich unverschämt. Der Humor schwarz und bitterböse, stets mit einem Augenzwinkern. Arrogant und eingebildet ist dieser Dämon, und man kann es ihm einfach nicht verübeln, wenn er seinen Meister verputzt, ständig nach einer Lücke im Pentagramm oder einer Ungenauigkeit im Bannspruch lauert. Dieser Kerl lässt sich nicht unterkriegen, dafür lieben wir ihn, dafür würden wir seine Bücher lesen, auch wenn es 20 gäbe.

Besonders gefällt mir, wie Stroud die alte Zeit lebendig werden lässt. Die Beschreibungen des königlichen Palastes, des Königreiches Saba, der langen Wüstenwanderung, all das wirkt so plastisch, als wäre der Autor selbst dort gewandelt, ich war sehr schnell im Ort des Geschehens eingebunden und fühlte mich dort sehr wohl, glaubte fast das schwere Parfum zu riechen, die Blüten der Gärten, die trockene Luft der Wüste, das Fell der Kamele. Und mittendrin natürlich Bartimäus. Den wollte ich lieber nicht riechen mit all seinem Schwefel und dem Gestank nach faulen Eiern ;-)

Gegen Ende gibt es in der Geschichte eine Wende, aber als unerwartet würde ich sie nicht wirklich bezeichnen, da es sehr viele Hinweise darauf gab und jeder Leser mit auch nur einem kleinen Funken Wissen rund um Salomo dürfte es erahnen. Trotzdem nett und gut eingebaut, vor allem die Konflikte, welche sich nach diesem Wechsel für Bartimäus, Asmira, Balkis und Salomo ergeben.

Ich fand es toll, dass es diesmal nicht wieder als Dreiteiler aufgezogen wurde, sondern für sich steht. Die Zeit habe ich mir köstlich vertrieben, und natürlich habe ich einige Lieblingssprüche (mein Favorit ist der Magier, welcher den Dschinn aufforderte, ihn vor dem Verderben zu bewahren *muahaha*. Auch die Maßeinheit "Rattenarsch" dürfte man von mir aus gerne in die moderne Mathematik übernehmen). Während Nathanael auch immer ein Unsympath war, mochte man Asmira eigentlich vom ersten Moment an. Sie hat ihre Ecken und Macken, aber trotzdem ist sie eine tolle Frau, wie ich gerne mehr in der Literatur hätte.

Kleine Leckerbissen bekam der Leser auch geboten. Anspielungen auf historische oder biblische Momente, die wirklich nur in winzigen Nebensätzen völlig unscheinbar daherkommen. Man muss schon sehr genau lesen. Wenn es nicht auffällt, stört das in keinster Weise das Verständnis, aber wenn man ein solches Easteregg entdeckt, freut es umso mehr!

Es wäre toll, wenn Stroud weitere Bücher schreibt. Einteiler. Verschiedene kulturelle Epochen. Anspielungen auf verschiedene Ereignisse gibt es genug, da hat sich Stroud ja selbst genügend Möglichkeiten gelassen. Ich fände es toll! Durch die verschiedenen Schauplätze bekäme das Buch jedes Mal eine neue Idee und würde nicht allzu schnell langweilig werden, das Konzept wäre nicht so schnell ausgebrannt wie ein Mehrteiler. Hoffen wir, dass der Autor das auch umsetzen wird und wir bald mehr von Bartimäus lesen dürfen :-)

SaschaSalamander 22.04.2011, 09.10

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Heike

Ich habe mir vor zwei Wochen den ersten Band gekauft und habe dazu noch von der Verkäuferin in dem Buchladen meines Vertrauens viel Hintergrundinformation bekommen, weil sie schon alle Bände gelesen hatte. Da ich gerade eh auf dem Fantasy Trip bin, gehört dies zu meinen Lesefavoriten der nächsten Zeit. Allerdings habe ich auch gerade die Scheibenweltromane für mich entdeckt und lese aktuell gerade den zweiten Teil. Habe ich dir schon mal gesagt, dass deine schriftlichen Buchrezensionen echt klasse und toll sind? Mach bitte weiter so.
LG
Heike

vom 22.04.2011, 09.56
Antwort von SaschaSalamander:

Jaaa, bei den Fantasysachen ist das hier eines der besten *find* ... Du hast die Bände also noch vor Dir? Ach, so gern ich sie gelesen habe, das Gefühl ein tolles Buch zum ersten Mal zu lesen kann einem keiner nehmen *strahl* ...

Scheibenwelt ist auch toll! Da hab ich schon viel gelesen, aber noch zwei Regalreihen voll ungelesen stehen ...

danke für die Blumen *freu* ...
Keine Bange, ich werde weitermachen, kann gar nicht anders ;-)





 






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