SaschaSalamander
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Ausgewählter Beitrag

Anubis

Cover Im September 2005 habe ich ANUBIS gelesen. Und weil die alten Rezis auch mal wegmüssen, weil ich "Zeitreisen" interessant finde (wie habe ich damals rezensiert, wie heute) und weil ich schon lange keinen Roman dieser Art hier vorgestellt habe - voilá, ANUBIS von Hohlbein. Damals habe ich sehr viel Hohlbein gelesen, aber dieser Titel war einer der letzten, bevor ich dann irgendwann aufgehört habe, weil ... naja, siehe Text ;-)

Und trotzdem - auch, wenn ich manchmal abfällig rede: ich finde, Hohlbein hat damals Großes geleistet, sein Beitrag als deutscher Autor ist kein kleiner, und er war in vielen Dingen Vorreiter, er hat mir unzählige Stunden voller Spannung beschert, und auch auch jetzt bin ch sofort neugierig, wenn ich höre "ein neuer Hohlbein ist draußen". Einziger Unterschied zu damals: ich wähle inzwischen sehr genau, was ich von ihm lese und was nicht ;-)

**********************

Eines der zuletzt gelesen Bücher von W. Hohlbein war "Anubis". Ich will doch schließlich auf dem Laufenden bleiben, was mein ehemaliger Lieblingsautor (viele, viele Werke lang ist´s her *smile*) heute noch so zu bieten hat. Wie viele Bücher aus dem Überreuther oder Lübbe - Verlag im klassischen Schwarz, auch von außen sofort als Hohlbein zu erkennen. Früher hielt ich das für eine Art "Gütesiegel", denn seine Schundromane sind meist nebenbei in kleinen Verlagen erschienen oder unter Pseudonym. Aber inzwischen schreibt er Billigware auch ganz offen in großen Verlagen unter seinem eigenen Nemen. Never mind, er kann es sich leisten. Vermutlich hat er schon längst ausgesorgt ;-)

Mogans vanAnt arbeitet als Professor in einer kleinen Stadt. Da tritt eines Tages Jonathan Graves in sein Leben, sein "Erzfeind". Jonathan ist der Grund, weshalb Mogans als Professor einer kleinen Universität versauern muss, anstatt seinen wahren Talenten gerecht zu werden und erfolgreich zu sein. Jonathan bittet ihn um Mitarbeit in einer großen Sache, und nach langem Überlegen willigt Mogans ein. Was er in den unterirdischen Katakomben bei den Ausgrabungen nahe der Stadt Francisco entdeckt, raubt ihm den Atem und später auch fast den Verstand!

Hm, was soll ich sagen? Ich kann nicht verstehen, warum Fans in letzter Zeit ständig enttäuscht sind von seinen Werken. Es war eine langsame, aber abzusehende Entwicklung, dass seine Romane immer oberflächlicher, langweiliger und breiter werden. Er muss Seiten füllen, soviele Handlungen für neue Romane kommen nicht aus heiterem Himmel. Also werden auch Ideen, die als Kurzgeschichte oder Novelle ausreichend wären, in die Länge gezogen. Platte Sprüche, ständige inhaltliche Wiederholungen, überflüssige Beschreibungen. Waren seine haarkleinen Schilderungen früher noch interssant, weitet er sie heute immer mehr aus. Die Dauer eines einzigen Atemzuges wird über mehrere Seiten gewalzt, bis der Leser entnervt das Buch beiseite legt. Ein Vergleich reiht sich an den anderen. Verständlich, dass sich auf diese Weise auch die Vergleiche immerzu wiederholen.

Spannung kommt auch nicht mehr wirklich auf. Hohlbein neigt dazu, inzwischen fast alles in der höchsten Klimax zu beschreiben. Er erzählt, dass es nicht schlimmer kommen kann, zwei Zeilen später schreibt er "doch es wurde noch schlimmer". So geschehen unzählige Male. Berstend, brechend, kreischend, ohrenbetäubend, atemberaubend, wahnnsinnig, überirdisch, krachend, tosend, zischend, tobend, überwältigend, furchteinflößend, unmenschlich, widerwärtig, furchterregend, ich kann diese Worte nicht mehr hören. Außerdem ist nahezu alles "falsch" oder "irgendwie nicht richtig". Dieses Wort kam im Hörspiel etwa alle 5 Minuten mindestens (!) einmal vor. Was jedoch nicht richtig ist, erfährt der Leser nie so wirklich.

Eine richtige Auflösung gegen Ende gibt es nicht, auch wenn alle Fragen weitgehend geklärt werden (für den Leser, der trotz allem eifrig bei der Sache war), manches bleibt in künsterlischer Freiheit offen für die Phantasie derer, die bis zum Schluß aushielten.

Wie gesagt, ich hatte nichts anderes erwartet. Auf den veröffentlichten Büchern von ihm werden die Titel immer kleiner, der Name immer größer. Das dürfte eigentlich ein deutliches Zeichen sein, oder? Von daher war ich nicht enttäuscht und hatte meinen Spaß. Ich habe das Hörspiel auf 6 CDs zu mir genommen, der Sprecher passte ganz gut dazu und hat mir vor allem den Protagonisten recht überzeugend dargestellt. Für eine langweilige Fahrt in der U-Bahn und ein paar Stunden Haushaltsarbeit kam mir dieser Roman gerade recht. Aber wer wenig Zeit zum Lesen hat und sich gerne mit einfacher aber dennoch bereichernder Literatur befasst, sollte besser zu etwas anderem greifen ;-)

SaschaSalamander 05.09.2012, 15.30

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Kommentare zu diesem Beitrag

3. von Susi

Märchenmond gehört gehört für mich zu seinen besten Erstlingswerken.

Die Tage habe ich gerade nochmal "Das Teufelsloch" gelesen. Komischerweise sind auf seiner Webseite gar nicht alle Romane aufgeführt, die er je geschrieben hat. Ob er sich wohl für bestimmte Werke schämt?

Guck mal hier - komplette Liste: Hier klicken%C3%BCcher_von_Wolfgang_Hohlbein

Auffallend ist, wie sehr sich sein Stil geändert hat. Wobei, der frühe Hohlbein gefiel mir auch ausgesprochen gut.

vom 09.09.2012, 07.01
Antwort von SaschaSalamander:

Vielleicht hat er auch einfach den Überblick verloren, wer weiß. Er schreibt ja nicht mehr, er produziert, stellenweise habe ich das Gefühl, bei ihm läuft das wie am Fließband. Was ich schade finde, denn er hat viele kreative Ideen, war in vielen Bereichen quasi Vorläufer. Doch statt lange an einem Werk zu feilen, seine Fähigkeit als Geschichtenerzähler zu nutzen und mehrere große Meisterwerke zu erschaffen, haut er jetzt lieber ein mittelmäßiges Werk nach dem anderen raus, sprachlich und erzähltechnisch teilweise unterste Schublade. Was schade ist, denn er könnte, wenn er wollte.

Viele Romane werden auch nicht gelistet sein, weil er viel unter Pseudonym schrieb. Er hat ja sogar Geschichten für Barbie geschrieben, aber nicht als "Wolfgang Hohlbein". Und all die Seriendinger, die er geschrieben hat (Indiana Jones, Professor Zamorra), und und und. Ich wette, der hat mehr Bücher veröffentlicht als ich Rezensionen!

Dass er sich schämt, glaube ich weniger. Ich denke, wenn er sich für irgendein Werk schämen würde, dann würde er mehr Energie darauf legen, neue Werke qualitativ hochwertiger anzulegen und wirklich etwas Supertolles zu erschaffen. Aber inzwischen ist es soweit, dass viele Texte von ihm scheinbar kaum noch lektoriert werden, scheinbar denken die Verlage sich "wird eh ein Kassenknüller" (knapp daneben verkalkuliert, die Zeiten waren mal), denn was man in den letzten Jahren in seinen Werken an Unsauberkeiten und vor allem auch Fehlern findet, das geht auf keine Kuhhaut. Ich fühle mich als Kunde ziemlich geneppt, wenn ich für 20 Euro ein nagelneues Hardcover kaufe und alle paar Seiten prangt ein Tippfehler, und auf jeder zweiten Seite hab ich Wiederholungen, und pro Kapitel einen Logikfehler.

2. von Gitti

Hab ich auch mal gelesen. Kann mich erinnern, dass ich gar nicht so begeistert war.

Mir haben die reinen Fantasy-Bücher besser gefallen, die er früher zusammen mit seiner Frau Heike geschrieben hat, wie z.B. die ''Märchenmond-Triologie'', der ''Greif'' oder ''Drachenfeuer''.

Liebe Grüße
Gitti


vom 06.09.2012, 16.20
Antwort von SaschaSalamander:

Jaa, Märchenmond ist Kult und einer DER Klassiker. Mein Favorit ist aber der Greif, weit weit weit vor allen anderen.

Hab Dich übrigens nicht vergessen, bin nur momentan recht hinterher mit meinen Mails ;-)

1. von Schnuffelchen

Ich hab das Buch auch schon ewig lesen, aber mich bisher noch nicht ran getraut. Meine Kauferklärung ist sogar fast identisch :wink:

vom 05.09.2012, 21.27
Antwort von SaschaSalamander:

Hohlbein hat weit, weit Besseres geschrieben, dieses hier sollte man wirklich nur lesen, wenn man nix anderes zur Hand hat. Kannst auch mal die Kritiken bei Amazon lesen, die sind teilweise richtig böse, da ist meine noch harmlos dagegen gewesen ;-)


 






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